Weihnachtsbaumständer

Beschreibung eines Weihnachtsbaumständers um 1919 (USA)
Jugendstilständer aus silbern gefärbtem Gusseisen mit floralen Verzierungen und drei Fixierschrauben (um 1900)
Gußeisenständer mit drei Fixierschrauben (ca. 1930)
Gusseisernes Exemplar eines Weihnachtsbaumständers für einen kleinen Christbaum aus Wien
Geschmiedeter Weihnachtsbaumständer mit Schraubbefestigung
schlichtes, modernes Exemplar eines Weihnachtsbaumständers mit Einseiltechnik. Auch für größere Bäume geeignet

Ein Weihnachtsbaumständer (auch: Christbaumständer oder kurz: Baumständer) ist ein Gegenstand zur Stabilisierung eines Weihnachtsbaums während seiner Verwendung als selbststehender Dekorationsbaum.

Geschichte

Weihnachtsbäume werden seit etwa dem Ende des Mittelalters, Beginn der Neuzeit erwähnt und ab dem 18. Jahrhundert populär, wobei an der Mitte des 19. Jahrhunderts eine weitere Verbreitung auch in bürgerlichen Kreisen besteht. Erst ab diesem Zeitpunkt sind daher durchwegs Weihnachtsbaumständer als verbreitete Gebrauchsobjekte zu finden.[1]

Ausführungen

Die älteste Aufstellungsart für einen kleineren Weihnachtsbaum im Wohnbereich war, indem in ein Holzbrett oder einen Holzklotz ein Loch gebohrt wurde oder der Baum in ein Gefäß gestellt wurde/wird (dieses z. B. mit Sand gefüllt).[2] Alternativ hierzu kann ein Holzbrett oder Balkenkreuz von unten in den Stamm des Weihnachtsbaums genagelt oder geschraubt werden. Im niederösterreichischen Waldviertel sollen sich noch in den Stuben und Wohnräumen älterer Gebäude Haken an der Zimmerdecke zur Befestigung des Weihnachtsbaumes befinden (nicht selbststehender Dekorationsbaum). Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts soll es in manchen Regionen üblich gewesen sein, den Weihnachtsbaum teilweise auch verkehrt herum an der Zimmerdecke aufzuhängen.[3]

Ab dem 19. Jahrhundert finden sich neben schlichten Balkenkreuzen aus Holz und Eisen sowie Gusseisen auch immer mehr verzierte Weihnachtsbaumständer, die auch z. B. mit Paradiesgärten um den Baum und auch Musikwerken (Spieluhr) ergänzt wurden.[2] Weitere Materialien für Weihnachtsbaumständer sind z. B. Ständer aus Eisenblech, Schmiedeeisen, Edelstahl, Keramik oder Kunststoff.

Bekannte Eisengusswerke in Deutschland hatten ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auch Weihnachtsbaumständer hergestellt. So z. B. im Eisenwerk L. Meyer in Harzgerode, Carlshütte in Rendsburg (Kürzel C x H), Alexanderwerk in Remscheid, Eisengießerei Rödinghausen in Menden/Ruhr oder die Lüderswerke in Wernigerode.[2]

Ab dem Beginn des 20. Jahrhunderts sind auch Weihnachtsbaumständer mit Wassertank, bei denen der natürliche Weihnachtsbaum während der Standzeit (Gebrauchszeit) mit der Schnittstelle im Wasser steht, bekannt. Dadurch soll der Baum länger frisch bleiben und weniger Nadeln verlieren. Im bayrischen und alemannischen Raum wird auch teilweise auf die richtige Zeit bei der Schlägerung geachtet (Mondstand), wodurch der Baum ebenfalls länger frisch bleiben soll.

Eine gehobene Variante des Weihnachtsbaumständers ist der musikalische Weihnachtsbaumständer. Dies sind integrierte Spieluhren und diese waren bereits ab dem Anfang des 20. Jahrhunderts z. B. mit einem Drehmechanismus für den Weihnachtsbaum verbunden.[4] Solche für die damalige Zeit kostspielige Weihnachtsbaumständer wurden z. B. ab 1873 von der Firma J. C. Eckhardt in Stuttgart hergestellt.[5]

Befestigungstechniken

Neben den klassischen Befestigungstechniken für Weihnachtsbäume an Balkenkreuzen, Holzbrettern oder z. B. in sandgefüllten Gefäßen, dominieren heute die Rundum-Einseil-Technik, die Fixierschraubentechnik, die Fußhebeltechnik bzw. die Stahlfedertechnik den Markt. Je nach Größe des Baumes hat die jeweilige Technik in Bezug auf Preis/Leistung mehr oder weniger Vorteile. Für kleinere Bäume ist z. B. nur die Fixierschraubentechnik geeignet (eine oder mehrere Fixierschrauben arretieren den Weihnachtsbaum im Weihnachtsbaumständer).

Für die Standsicherheit ist zudem der Durchmesser des Weihnachtsbaumständers wichtig (etwa 30 cm Durchmesser und größer, im öffentlichen Bereich können auch zudem Seilsicherungen erforderlich sein).

Sammler

Weihnachtsbaumständer sind inzwischen Gegenstand von Sammlungen und haben teilweise einen erheblichen Wert. Das teuerste Exemplar in der Sammlung von Heidi Schwarz (* 1941) (siehe: Christbaumständermuseum[6]) ist mit einer Spieluhr ausgestattet und wurde von ihr über das Internet für 4000 Euro erstanden.[7][8] Auch in den USA ist hierzu ein Markt entstanden.[9]

Die meisten heute für Sammler wertvollen Stücke wurden in den vier Jahrzehnten zwischen dem deutsch-französischen Krieg (1870/71) und dem Ersten Weltkrieg (1914–1918) hergestellt.[2]

Literatur

  • Hendrik H. Strengers: Johannes Carl Eckardt, Stuttgart, und die Christbaum-Ständer in Mechanische Musikinstrument, 13 (1989), Heft 48, S. 12–27; 16 (1993), Heft 57, S. 27–44.
  • Karl Baeumerth, Gerhard Seib, Peter Janisch: Geformt und gegossen, gestaltetes Gusseisen und Eisenkunstguss, Katalog zur Dauerausstellung "Gestaltetes Gusseisen und Eisenkunstguss im 19. und frühen 20. Jahrhundert, Freilichtmuseum Hessenpark, Neu-Anspach 1996, ISBN 3-930095-17-3.
  • Magdalene Hanke-Basfeld: Christbaumständer – kleine Kulturgeschichte, Frankfurt am Main 1988, Fricke, ISBN 3-88184-089-3.
  • Werner Berlinghof: Der Schuh des Weihnachtsbaumes über 4 Jahrhunderte : vom Holzklotz über Balkenkreuz zu Eisen und Guss und Musikwerken, Garching 2011, Stadtspiegel-Verlag, ISBN 978-3-9803689-2-6.

Weblinks

Commons: Christbaumständer – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. Patent US183100A: Improvement in Holders for Christmas-Trees. Angemeldet am 24. August 1876, veröffentlicht am 10. Oktober 1876, Anmelder: Hermann Albrecht, A. C. Mott, Erfinder: Hermann Albrecht.
  2. a b c d Günter Bächle: Weihnachten: Jetzt in Lienzingen nicht nur zur Weihnachtszeit, Webseite: guenter-baechle.de, 23. November 2019, zuletzt abgerufen am 25. Dezember 2019.
  3. Hängende Weihnachtsbäume. In: historisches-franken.de. Archiviert vom Original am 7. August 2011; abgerufen am 21. August 2019.
  4. Patent DE168860C: Spieluhr mit drehbarem Christbaumständer. Angemeldet am 4. März 1905, veröffentlicht am 17. März 1906, Anmelder: Gruoner & Bullinger (Auch dargestellt in der Zeitschrift für Instrumentenbau, 26 (1906), Nr. 24, S. 759.).
  5. Christbaumständer: Für strahlende Kinderaugen. BR.de, 14. Dezember 2011, abgerufen am 23. Dezember 2016.
  6. Christbaumständermuseum eröffnet, Stadt Mühlacker, 22. November 2019.
  7. Museum für Christbaumständer in Mühlacker, Abendblatt.de (Hamburger Abendblatt) vom 17. Dezember 2019.
  8. Christbaumständer: Eine deutsche Tradition, Luxemburger Wort vom 24. Dezember 2019.
  9. Christmas Tree Stand: What Is It? What Is It Worth?", Q&A-Antiques Appraisal, Country Living, accessed December 21, 2008.

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Geschmiedeter Weihnachtsbaumständer mit Schraubbefestigung in Dornbirn, Vorarlberg, Österreich. Hergestellt 1995.
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Christbaumständer aus Gußeisen mit drei sternförmigen Fixierschrauben aus den 1930er Jahren. Die Standfläche beträgt 23x23cm.
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Jugendstilständer aus silbern gefärbtem Gusseisen mit floralen Verzierungen und drei Fixierschrauben (um 1900)
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In 1919, an American monthly magazine Popular Science touted a new type of Christmas-tree stand. The stand featured a broad, cone-shaped base that included an inlet for water and the Christmas tree trunk. Water placed in the galvanized iron shell would give considerable weight to the stand to steady the tree. Once the tree trunk was inserted into the water inlet, the tree would be kept fresh and green much longer than without the water supply.
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Autor/Urheber: Die Autorenschaft wurde nicht in einer maschinell lesbaren Form angegeben. Es wird Roger McLassus 1951 als Autor angenommen (basierend auf den Rechteinhaber-Angaben)., Lizenz: CC BY-SA 3.0
Christmas tree stand, from Vienna (Austria) consisting of several parts that can be fixed together. Picture taken and uploaded by Roger McLassus (owner).
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Weihnachtsbaumständer