Wippershain

Wippershain
Koordinaten:50° 50′ N, 9° 46′ O
Höhe: 414 m ü. NHN
Fläche:8,26 km²[1]
Einwohner:606 (31. Dez. 2021)[2]
Bevölkerungsdichte:73 Einwohner/km²
Eingemeindung:1. August 1972
Postleitzahl:36277
Vorwahl:06621
Ausblick über Wippershain in die Kuppenrhön
Ausblick über Wippershain in die Kuppenrhön

Wippershain ist ein Ortsteil der Gemeinde Schenklengsfeld im osthessischen Landkreis Hersfeld-Rotenburg. An der Einwohnerzahl gemessen ist der Ort nach der Kerngemeinde der zweitgrößte Ortsteil von Schenklengsfeld.

Geographie

Das Dorf liegt etwa 6,2 Kilometer westlich der Kerngemeinde und etwa 7 km südöstlich von Bad Hersfeld. Im Ortsbereich liegt die Quelle des Wüllersbaches, der über den Fischbach und die Eitra in die Haune entwässert.

Der Ort liegt am südlichen Hang der Wippershainer Höhe. Sein höchster Punkt von 456 Metern liegt nur etwa 600 Meter nördlich des Dorfes. Richtung Süden und Südosten fällt das Gelände leicht zur Hochebene der Kuppenrhön bzw. des Hessischen Kegelspieles hin ab. In westlicher Richtung fällt das Land in das untere Haunetal ab.

Geschichte

Ortsgeschichte

Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung von Wippershain erfolgte unter dem Namen Wyprechteshain im Jahr 1317 in einer Urkunde des Klosters Kreuzberg.[1] Weitere Erwähnungen erfolgenden unten den Ortsnamen (in Klammern das Jahr der Erwähnung):[1] Wypersheim (1484) und Wippershain (1559).

Es wird angenommen, dass der Ort nach dem Heiligen Wigbert benannt wurde, der im nahen Kloster Hersfeld begraben wurde. Die Lage an der Altstraße, auf der die Pilger zu dem Heiligengrab in Hersfeld kamen, mag mit dazu beigetragen haben. Die Höhenstraße hieß in diesem Abschnitt „Karlsstraße“, da Karl der Große dort von der Weser kommend nach Würzburg weitergereist sein soll.

Der Ortskern, der 1317 erwähnt wurde, lag vermutlich etwas östlicher als heute, im heutigen Gewann Heckengarten. Schon 1494 wurde der Ort als Wüstung bezeichnet.[3] Die Neubesiedelung erfolgte im heutigen Ortsbereich, der etwas weiter in das Tal des Wüllersbaches hinein liegt.

Der Ort gehörte zu dem kleinen hersfeldischen Gericht Schildschlag („Schildislo“), das im 13. Jahrhundert aus südwestlichen Teilen der kaiserlichen Eherinevirst-Schenkung von 1003 gebildet wurde. Das Gericht wurde während seiner Existenz immer von benachbarten Ämtern verwaltet, hatte daher auch nie einen eigenen Amtmann oder eine Gerichtsstätte. Lange Zeit hatten die Herren von Buchenau das Gericht von Hersfelder Abt zum Lehen. Im 14., 15. und 16. Jahrhundert wechselte das Gericht und damit auch Wippershain oft seine Lehensinhaber. Das waren neben den Buchenauern die Propstei Johannesberg und Landgraf Wilhelm II. von Hessen. In dieser Zeit wurde Wippershain daher vom südlich gelegenen Buchenau, vom hersfeldischen Johannesberg oder vom hessischen Hauneck aus verwaltet, wo auch jeweils die Gerichtsstätten lagen. Als die Reichsabtei 1648 rechtsverbindlich an die Landgrafschaft Hessen-Kassel ging, ging auch die Lehensherrschaft auf die Landgrafen über. Das Dorf blieb aber in Lehensbesitz der Buchenauer. Erst zwischen 1720 und 1722 wurde Wippershain vollständig hessisch, als der Landgraf von Hessen-Kassel den Lehensbesitz der Buchenauer durch Kauf auslöste. Danach wurde das Gericht Schildschlag aufgelöst und Wippershain dem hessischen Amt Hauneck mit Sitz in Holzheim zugewiesen. Mit der kurhessischen Kreisordnung vom 29. Juni 1821 wurden die alten Gerichte und Ämter aufgelöst und durch Kreise ersetzt. Seitdem war Wippershain eine Gemeinde im Landkreis Hersfeld.

Hessische Gebietsreform (1970–1977)

Zum 1. August 1972 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Wippershain im Zuge der Gebietsreform in Hessen kraft Landesgesetz in die Gemeinde Schenklengsfeld eingemeindet.[4][5] Für Wippershain wurde, wie für alle bei der Gebietsreform eingegliederten Gemeinden sowie für die Kerngemeinde mit Lampertsfeld, ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.[6]

Grenz- bzw. Sühnekreuz

Das mittelalterliche Sandsteinkreuz bei Wippershain

An der 3. Straße, direkt an der Kreisstraße 17, steht ein Sandsteinkreuz in Form eines Malteserkreuzes. Es wurde in einer Grenzbeschreibung zwischen dem Amt Schildschlag und dem Amt Landeck am 3. November 1531 erwähnt, da sich dort die Grenze zwischen dem Gericht Schildschlag und dem Amt Landeck befand. Das Kreuz sank mit der Zeit in die Erde und wurde vergessen. Erst im Jahre 1911 wurde es wiedergefunden und vom Förster am ursprünglichen Standort aufgestellt. Anfang der 1980er Jahre wurde die Kreisstraße erneuert und das Kreuz um einige Meter an den jetzigen Standort versetzt.

Angesichts der oben genannten urkundlichen Erwähnung liegt die Vermutung nahe, dass es sich um ein Grenzkreuz handelt. Da aber entsprechende Überlieferungen fehlen, kann es sich auch um ein Sühnekreuz handeln.[7]

Verwaltungsgeschichte im Überblick

Die folgende Liste zeigt die Staaten und Verwaltungseinheiten, in denen Wippershain lag:[1][8]

Bevölkerung

Einwohnerstruktur 2011

Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Wippershain 666 Einwohner. Darunter waren 3 (0,5 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 114 Einwohner unter 18 Jahren, 264 zwischen 18 und 49, 162 zwischen 50 und 64 und 123 Einwohner waren älter.[11] Die Einwohner lebten in 267 Haushalten. Davon waren 45 Singlehaushalte, 87 Paare ohne Kinder und 105 Paare mit Kindern, sowie 24 Alleinerziehende und 3 Wohngemeinschaften. In 36 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 183 Haushaltungen lebten keine Senioren.[11]

Einwohnerentwicklung

Quelle: Historisches Ortslexikon[1]
• 1631:37 Haushaltungen
• 1747:38 Haushaltungen
Wippershain: Einwohnerzahlen von 1834 bis 2019
Jahr  Einwohner
1834
  
392
1840
  
424
1846
  
435
1852
  
448
1858
  
424
1864
  
391
1871
  
350
1875
  
339
1885
  
315
1895
  
350
1905
  
391
1910
  
367
1925
  
358
1939
  
344
1946
  
459
1950
  
422
1956
  
392
1961
  
379
1967
  
421
1970
  
430
1980
  
?
1990
  
?
2001
  
686
2006
  
709
2009
  
665
2011
  
666
2019
  
623
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: LAGIS[1]; Gemeinde Schenklengsfeld[12]; Zensus 2011[11]

Religion

Wippershainer Kirche

Die Kirche in Wippershain, das größte Gebäude im Amt, wurde im Dreißigjährigen Krieg 1634 durch kroatische Truppen zerstört und nach Bittschriften an den Landesherren in Kassel im Jahre 1680 neu aufgebaut und mit einem reformierten Pfarrer ausgestattet. Sie wurde 1783 im Stil der Zeit umgebaut; weitere Umgestaltungen erfolgten zwischen 1953 und 1955.

In der evangelischen Kirchengemeinde, die etwa 550 Gemeindeglieder hat, ist eine halbe Pfarrstelle eingerichtet. Die Kirchengemeinde hat ein Gemeindehaus und betreibt einen Kindergarten mit einer Gruppe. Die Kirchengemeinde unterstützt einen Kinder- und Jugendchor.

Historische Religionszugehörigkeit

• 1885:315 evangelische (= 100,00 %) Einwohner[1]
• 1961:349 evangelische (= 92,08 %), 24 katholische (= 6,33 %) Einwohner[1]

Politik

Für den Ortsteil Wippershain besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Wippershain) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Der Ortsbeirat besteht aus sieben Mitgliedern.[6] Bei Kommunalwahlen in Hessen 2021 lag die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat bei 66,92 %. Alle Kandidaten gehören der „Gemeinschafsliste“ an.[13] Der Ortsbeirat wähle Tanja Most-Schultheiß zur Ortsvorsteherin.[14]

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Kulturdenkmäler

Für die unter Denkmalschutz stehenden Kulturdenkmale des Ortes siehe die Liste der Kulturdenkmäler in Wippershain.

Flugmodell

In 2011 entstand in Wippershain das erste Lego-Modellflugzeug eines Airbus A380. Gefertigt wurde es in 300 Arbeitsstunden durch den Wippershainer Zahntechniker Nils Hartwig. Das Modell ist derzeit als Leihgabe am Flughafen Frankfurt Main in einer Vitrine ausgestellt.[15]

Vereine

Gemeinsam mit dem Nachbardorf Rotensee und dem Ort Schenklengsfeld gibt es den Fußballclub SG Rotensee/Wippershain/Schenklengsfeld. Der Sportplatz des Vereins befindet sich auf dem höchsten Punkt der Wippershainer Höhe. Im Breitensportförderverein 1989 Wippershain e. V. gibt es weitere Sportgruppen.

Des Weiteren gibt es die Freiwillige Feuerwehr Wippershain, die Kirmesburschen und verschiedene Chöre.

Wirtschaft und Infrastruktur

Im Ort gibt es ein Dorfgemeinschaftshaus.

Verkehr

Das Dorf ist über die Kreisstraße 17, die von Bad Hersfeld zum Schenklengsfelder Ortsteil Wüstfeld führt, erreichbar. Sowohl die Kreisstraße 76 (13. Straße) als auch die 3. Straße führen von der K 17 aus in den Ort. Der öffentliche Personennahverkehr erfolgt durch die ÜWAG Bus GmbH mit der Linie 345.

Eine Besonderheit in Wippershain ist, dass es nur nummerierte Straßennamen gibt (siehe dazu auch unter Idealstadt). Hierbei führen die Straßen mit den Nummern 3, 7, 9, 10, 11 und 13 von Nordost nach Südwest, die mit den Nummern 6, 8 und 12 von Südost nach Nordwest (3 und 6 von der Nummerierung her in umgekehrter Richtung). Weitere Straßen haben Nummern, die von den Straßen abgeleitet sind, von denen sie abzweigen, so verläuft die 71. Straße von der 7. zur 9. Straße, die 91. Straße verläuft fast parallel zur 9. Straße. Zwei quer zur 10., 11. und 13. Straße verlaufende Straßen haben auf jedem Abschnitt einen anderen Namen, entsprechend der direkt südlich verlaufenden Querstraße, also 101./111./131. Straße und 102./112./132. Straße. Die 113., 114. und 115. Straße weichen von diesem System ab. So ergeben sich für den Ort 20 Straßennamen.

Nutzflächen

Die 3,52 km² die zu dem Dorf gehören, teilen sich wie folgt auf (Stand: 2001):

  • Hof- und Gebäudefläche: 21,84 ha
  • Verkehrsfläche: 31,73 ha
  • Landwirtschaftliche Fläche: 255,88 ha
  • Gewässerfläche: 1,75 ha
  • Forstwirtschaftliche Fläche: 39,99 ha
  • Sonstige Flächen: 1,44 ha

Sendetürme

Sendeturm

Der Sender Wippershainer Höhe befindet sich etwa 1,3 Kilometer nördlich von Wippershain, in der Nähe von Bad Hersfeld auf 454 m ü. NN. Drei weitere Stahlfachwerktürme, direkt am Sportplatz, werden für Richtfunk- und Mobilfunkantennen genutzt. Des Weiteren nutzt der Ortsverein F 69 Bad Hersfeld des Deutschen Amateur-Radio-Clubs e. V. (DARC) diese Türme für seine Relaisstation, den Repeater und den Digipeater.

Persönlichkeiten

Literatur

  • Elisabeth Ziegler: Das Territorium der Reichsabtei Hersfeld von seinen Anfängen bis 1821. N. G. Elwert'sche Buchhandlung, Marburg 1939, S. 115–120. (Kapitel Gericht Schildschlag)
  • Literatur über Wippershain nach Register nach GND In: Hessische Bibliographie

Weblinks

Commons: Wippershain – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen und Einzelnachweise

Anmerkungen

  1. Trennung zwischen Justiz (Landgericht Hersfeld) und Verwaltung.
  2. Am 1. August 1972 als Ortsbezirk zur Gemeinde Schenklengsfeld.

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g h Wippershain, Landkreis Hersfeld-Rotenburg. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 8. Juli 2019). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. Zahlen, Daten & Fakten. In: Webauftritt. Gemeinde Schenklengsfeld, abgerufen im März 2022.
  3. Groscurth: Dörfer des Landkreises Hersfeld. In: Mein Heimatland. Januar 1962, Band 20. (Beilage der Hersfelder Zeitung)
  4. Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Hersfeld und Rotenburg (GVBl. II 330-13) vom 11. Juli 1972. In: Der Hessische Minister des Innern (Hrsg.): Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1972 Nr. 17, S. 217, § 11 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 1,2 MB]).
  5. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart / Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 397.
  6. a b Hauptsatzung. (PDF; 140 kB) § 5. In: Webauftritt. Gemeinde Schenklengsfeld, abgerufen im Oktober 2020.
  7. Heinrich Riebeling: Steinkreuze und Kreuzsteine in Hessen. Werner Noltemeyer Verlag, Dossenheim/Heidelberg 1977, ISBN 3-88172-005-7.
  8. Michael Rademacher: Land Hessen. Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006. In: eirenicon.com.
  9. Kur-Hessischer Staats- und Adress-Kalender: 1818. Verlag d. Waisenhauses, Kassel 1818, S. 78 f. (online bei Google Books).
  10. Verordnung vom 30sten August 1821, die neue Gebiets-Eintheilung betreffend, Anlage: Übersicht der neuen Abtheilung des Kurfürstenthums Hessen nach Provinzen, Kreisen und Gerichtsbezirken. Sammlung von Gesetzen etc. für die kurhessischen Staaten. Jahr 1821 – Nr. XV. – August. (kurhess GS 1821) S. 75.
  11. a b c Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. (PDF; 1,0 MB) (Nicht mehr online verfügbar.) In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt, S. 22 und 78, archiviert vom Original am 27. Oktober 2020;.
  12. Einwohnerzahlen aus Webarchiv. Gemeinde Schenklengsfeld, archiviert vom Original; abgerufen im März 2022.
  13. Wahlergebnisse Ortsbeiratswahl Wippershain vom 14. März 2021. In: Votemanager. Abgerufen im Februar 2023.
  14. Ortsbeirate Wippershain. In: Webauftritt. Gemeinde Schenklengsfeld, abgerufen im Februar 2023.
  15. Ein Traum wurde wahr: Nils Hartwig übergab Flieger an Fraport. auf: osthessen-news.de, 30. April 2011.

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die hessische Vorderrhön von Schenklengsfeld-Wippershain (Norden) aus fotografiert. Rechts der Soisberg (630 m ü. NN) und links das hessische Kegelspiel mit dem am Horizont noch erkennbaren Wasserkuppe und links davon die Milseburg.
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Sendeturm in Schenklengsfeld-Wippershain
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die evangelische Kirche von Schenklengsfeld-Wippershain aus dem Jahr 1783
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Das Steinkreuz (Flurdenkmal) bei Schenklengsfeld-Wippershain