Werner Klingeberg
Werner Klingeberg (* 15. Juli 1910 in Hannover; † 1. Juli 1982 in Itzehoe) war ein deutscher Sportfunktionär und Diplomat.
Werdegang
Klingeberg studierte von 1929 bis 1932 an der Deutschen Hochschule für Leibesübungen in Berlin. Dort lernte er Carl Diem kennen, den Prorektor der Hochschule. Zum 1. Februar 1931 trat er der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 452.213).[1] Noch als Student reiste Klingeberg mit Diem zu den Olympischen Spielen 1932 in Los Angeles und fungierte dort als Assistent von Diem in dessen Funktion als Missionschef der deutschen Olympiamannschaft. Anschließend war er von 1932 bis 1933 als Austauschstudent in Kalifornien.
Von 1934 bis 1937 fungierte er als Leiter der Sportabteilung beim Organisationskomitee der Olympischen Spiele 1936 in Berlin.
Von 1937 bis 1939 war er technischer Berater des Organisationskomitees der ursprünglich in Tokio geplanten Olympischen Spiele 1940.[2][3] Die Spiele sollten schließlich in Helsinki stattfinden, woraufhin Klingeberg „seine für Tokio aufgestellten Organisationspläne dem finnischen Komitee zur Verfügung“ stellte.[4] Letztlich erfolgte für 1940 wegen des Zweiten Weltkriegs eine Absage.
1938 begleitete Klingeberg auf Anweisung von Reichspropagandaminister Joseph Goebbels gemeinsam mit dem Filmkritiker Ernst Jäger die Filmemacherin Leni Riefenstahl auf deren Werbetour für den Film Olympia in den Vereinigten Staaten. Ab 1939 war er stellvertretender Generalsekretär des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Die deutsche Reichsregierung förderte seinen Aufstieg innerhalb des IOC, um den deutschen Einfluss im internationalen Sport zu vergrößern. Klingebergs Ambitionen, zum Generalsekretär des IOC aufzusteigen, scheiterten am Widerstand des kommissarischen IOC-Präsidenten Sigfrid Edström. Edström warf Klingeberg später vor, seine Position genutzt zu haben, um Spionage für die deutsche Regierung zu betreiben. Klingeberg leitete von 1940 bis 1943 zunächst das Deutsche Nachrichtenbüro in Helsinki und dann, nach dem Westfeldzug, jenes in Paris. 1944 kehrte er im Vorfeld der Befreiung von Paris nach Deutschland ins heimische Itzehoe zurück.[5]
Im Nachkriegsdeutschland war Klingeberg zunächst als Dolmetscher für die amerikanische und britische Besatzungsmacht tätig. Von 1946 bis 1947 war er Verlagsleiter einer Druckerei in Itzehoe. Daraufhin war er von 1948 bis 1950 kaufmännischer Leiter einer Weberei, ebenfalls in Itzehoe. Von 1950 bis 1952 war er als Journalist in der Deutschland-Zentrale der Associated Press in Frankfurt am Main tätig.[6]
1952 trat Klingeberg in den Auswärtigen Dienst ein. Ab 1953 war er Kultur- und Pressereferent an der Botschaft in Stockholm. 1956 fungierte er als Olympia-Referent der gesamtdeutschen Mannschaft bei den Olympischen Spielen 1956 in Melbourne. Anschließend war er in der Zentrale des Auswärtigen Amts in Bonn tätig. 1960 wurde er als Olympia-Referent für die Olympischen Spiele 1960 an die Botschaft in Rom abgeordnet. Ab 1961 wurde er an der Botschaft in Léopoldville verwendet. Schließlich kam Klingeberg 1963 an die Botschaft in Washington; von dort aus wurde er 1964 als Olympia-Referent an die Botschaft in Tokio zur Unterstützung während der Olympischen Spiele 1964 abgeordnet. Anschließend kehrte er nach Washington zurück. Von 1966 bis 1968 war er Botschafter in Gabun und Leiter der Botschaft in Libreville. 1968 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse verliehen. Ab 1969 war er Botschafter in Guyana und Leiter der Botschaft in Georgetown. Er war zugleich in Barbados nebenakkreditiert. 1974 wurde Klingeberg in den Ruhestand versetzt.[6]
Klingeberg war verheiratet mit Susanne, geb. Hablik (1918–2006), der Tochter des Künstlerehepaars Wenzel Hablik und Elisabeth Hablik-Lindemann.[7]
Schriften (Auswahl)
- Als Werkstudent um die Welt. Union, Stuttgart 1935.
- Tokio gibt nicht auf…. In: Innsbrucker Nachrichten, 13. Oktober 1938, S. 9 (online bei ANNO).
Einzelnachweise
- ↑ Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/20871200
- ↑ Organisatoren der olympischen Spiele 1940, Dr. Matsuzo Nagai, Ehrensekretär, und Werner Klingeberg als technischer Berater, die der Tagung des Internationalen Komitees in Kairo das Programm für Tokio vorlegen werden (Bildunterschrift). In: Das Echo, 3. März 1938, S. 9 (online bei ANNO).
- ↑ Olympia in Tokio wird vorbereitet. In: Das kleine Volksblatt, 24. Dezember 1936, S. 12 (online bei ANNO).
- ↑ Sport. Die Olympiade 1940. In: Pester Lloyd, 13. Oktober 1938, S. 22 (online bei ANNO).
- ↑ Garth Paton und Robert K. Barney: Adolf Hitler, Carl Diem, Werner Klingeberg, and the Thousand Year Reich. Nazi Germany and its Envisioned Post-War Olympic World. In: Kevin B. Wamsley u. a. (Hg.): The Global Nexus Engaged: Past, Present, Future Interdisciplinary Olympic Studies. Sixth International Symposium for Olympic Research. Ontario 2002, S. 93–104.
- ↑ a b Klaus Huhn: Versuch einiger Erklärungen zur Biographie Werner Klingebergs. In: Beiträge zur Sportgeschichte Heft 8/1999, S. 41–54.
- ↑ Brief von Geerd Spanjer an Susanne Klingeberg. In: kotte-autographs.com. 7. September 1975, abgerufen am 10. April 2026.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Klingeberg, Werner |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Sportfunktionär und Diplomat |
| GEBURTSDATUM | 15. Juli 1910 |
| GEBURTSORT | Hannover |
| STERBEDATUM | 1. Juli 1982 |
| STERBEORT | Itzehoe |