Welliehausen

Welliehausen
Stadt Hameln
Wappen von Welliehausen
Koordinaten:52° 9′ N, 9° 23′ O
Fläche:4,06 km²[1]
Einwohner:358 (30. Juni 2022)[2]
Bevölkerungsdichte:88 Einwohner/km²
Eingemeindung:1. Januar 1973
Postleitzahl:31787
Vorwahl:05151
Blick vom Schweineberg bei Holtensen auf Welliehausen und dahinter der Süntel mit der Hohen Egge
Blick vom Schweineberg bei Holtensen auf Welliehausen und dahinter der Süntel mit der Hohen Egge

Welliehausen liegt im Norden Hamelns und gehört neben den Dörfern Holtensen und Unsen zur Ortschaft Sünteltal. 1973 wurde die ursprünglich eigenständige Gemeinde in die Stadt Hameln eingemeindet.

Geografie

Der Ort liegt im Naturpark Weserbergland am südöstlichen Rand des Süntelgebirges.

Geschichte

Wie die Funde von drei verschiedenartigen Schabern zeigen, wurde das Gebiet bei Welliehausen bereits in der Mittelsteinzeit (8000 – 5600 v. Chr.) von Menschen aufgesucht.[3] In der römischen Kaiserzeit um Christi Geburt siedelten Angehörige des germanischen Stammes der Cherusker im Gebiet um den Süntel (sundal) und damit lag Welliehausen in ihrem Siedlungsraum.

Welliehausen lag im Gerichtsbezirk Goe auf der Hamel im Tilithigau und gehörte zum Archidiakonat Ohsen der Diözese Minden. Die Goe auf der Hamel lag zu beiden Seiten der Hamel und umfasste die Dörfer Groß- und Klein-Hilligsfeld, Hasperde, Hachmühlen, Flegessen, Unsen, Welliehausen, Holtensen, Wehrbergen, Afferde, Rohrsen, Behrensen und Diedersen mit dem wüst gefallenen Dadersen. Die Gogerichtsstätte für die Goe auf der Hamel lag auf dem Eichberg bei Hilligsfeld. Dort wurden Versammlungen aller Eingesessenen (erven) der Goe abgehalten, die einen eigenen Rauch hatten und ihr Vieh auf die gemeine Weide trieben.

Die erste urkundliche Erwähnung von Weldihusen datiert im Lehnsbuch des Grafen Otto von Schaumburg um das Jahr 1380. Die Lehnsinhaber von Welliehausen lassen sich bis um 1800 nachweisen.[4] Im Güterverzeichnis des Klosters Möllenbeck wurde das Dorf Welliehausen (Weldyhusen) erstmals 1456 erwähnt,[5][6] aber 1465 im Güterverzeichnis des Stiftes Möllenbeck als wüst bezeichnet: „Dyt ganze dorp ist mestig woste und ward von Holthusen ut geseiet […].“[7]

Im Mittelalter bildete eine Landwehr in Form von Buschwerk am westlichen Rand des Schaumburger Knicks die Grenze zum Schaumburgischen.

Im Jahr 1538 wurde der Knappe Corth van Bardeleue vom Prior des Stiftes Möllenbeck mit Weldyehussen belehnt. Von 1542 bis 1544 führte Herzogin Elisabeth von Calenberg in ihrem Gebiet und damit auch in Welliehausen die Reformation ein.[8] Unterstützt wurde sie dabei von Jobst von Walthausen, dessen Vorfahren aus Welliehausen stammten und der Kanzler ihres Sohnes, des Herzogs Erich II. von Braunschweig-Calenberg-Göttingen war.[9]

1554 fand in Weldihusen Raub und Brandschatzung durch das Kriegsvolk der Herzöge Heinrich und Philipp Magnus statt.[10]

Vom Dreißigjährigen Krieg war die Dorfbevölkerung von Welliehausen hart betroffen. In einer calenbergischen Urkunde von 1633 hieß es: „Wellighausen hatt nur (noch) 4 Häuser“ (von ursprünglich 17 Feuerstellen); 1642 war aber fast alles wieder aufgebaut.

1308 wurden in einer Urkunde erstmals Steinbrüche, sog. Steinkuhlen, im Süntel bei Welliehausen erwähnt. 1574 beschrieb Herzog Erich II. von Braunschweig-Calenberg-Göttingen seine herrschaftlichen Steinbrüche am Süntel über Welliehausen. Dort wurde seit dem Spätmittelalter Wealdensandstein abgebaut, und im 19. Jahrhundert gab es neun Steinbruchinhaber und -pächter.[11] Mit dem Sandstein aus dem Süntel bei Welliehausen wurden u. a. das Schloss Barntrup, der Erweiterungsbau des Schlosses Pyrmont, das Schloss Schwöbber, das Hochzeitshaus, das Leisthaus, das Rattenfängerhaus Hameln, die Creditbank Hameln, die Schleuse Hameln, die Stadtkirche Pyrmont, die Domtürme in Bremen, das Kreishaus Herford, die Stiftskirche Herford und das Schloss Uhlenburg/Westfalen gebaut.[12]

Oberhalb von Welliehausen am Ende des großen Steinweges (heute: Straße „Süntelhang“) liegt der Kalksteinbruch aus Korallenoolith, aus dem seit alters her Steine zur Ausbesserung von Straßen entnommen wurden. Ab Oktober 1962 konnten bis zu 2500 Tonnen Gestein insbesondere für den Ausbau von Bundesstraßen verarbeitet werden. Der Kalksteinbruch war bis 1967 in Betrieb, wurde 1971 mit Abraum verfüllt und ab 1985 bepflanzt und renaturiert.[13]

Im Jahr 1905 wurde an der östlichen Grenze der Welliehäuser Forst, am Rand eines Sandsteinbruchs, eine Unterkunft für Steinbrucharbeiter erbaut, die 1920 in ein Wanderheim, die Julius-Blanck-Hütte umgenutzt wurde. Dieses Heim schloss sich dem Deutschen Jugendherbergsverband an und wurde seit dieser Zeit auch als Gaststätte betrieben. Es wurde 1933 aus politisch-ideologischen Gründen auf den Namen Jahnhütte umbenannt und war während des Zweiten Weltkriegs von der „NS Volkswohlfahrt“ (NSV) und der Hitlerjugend belegt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Hütte weiter als Gaststätte bewirtschaftet, bis sie am 1. Oktober 1974 an die Stadt Hameln verkauft und 1978 wegen fehlender Kanalisation und hoher Modernisierungskosten abgerissen wurde. Aus den Sandsteinen der abgebrochenen Hütte baute das Stadtforstamt Hameln eine Schutzhütte.[14]

1912/13 wurde die Gemeinde Welliehausen an die Stromversorgung der Überlandzentrale Hameln angeschlossen.

Während des Ersten Weltkrieges und noch einige Zeit länger wurden Kinder aus dem Ruhrgebiet in Welliehausen untergebracht, deren Ernährung im Ruhrgebiet in den Kriegsjahren nicht gesichert war.[15] Nach dem Ersten Weltkrieg, am 28. November 1918, wurde in Welliehausen ein „Arbeiter- und Bauernrat“ gewählt.[16]

Ab 1929 gab es eine Buslinie Pötzen-Welliehausen-Holtensen, die zweimal täglich betrieben wurde.[17]

In den Jahren 1937 bis 1938 wurde am Rand des Sandsteinbruchs nordöstlich der Jahnhütte das Horst-Wessel-Denkmal im Süntel errichtet.[18]

Im Zweiten Weltkrieg arbeiteten neun junge Zwangsarbeiter (fünf Jungen und vier Mädchen), die mehrheitlich aus Polen deportiert wurden, auf Bauerhöfen in Welliehausen. Sie wurden im Mai 1945 in ihre Heimat zurücktransportiert.[19][20]

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurden 1945 viele evakuierte Familien aus Hannover und aus dem Aachener Raum in Welliehausen untergebracht, unter anderem Ausgebombte. Sie kehrten noch 1945 überwiegend wieder in ihre Heimat zurück. In Welliehausen lebten nach dem Krieg viele Familien von Kriegsflüchtlingen und Heimatvertriebene aus dem Osten.[21] Bereits in den Tagen der Belagerung von Hameln im April 1945 war das Dorf mit Einwohnern aus der Stadt Hameln belegt.[22]

Bis 1968 wurden verstorbene Welliehäuser auf dem Friedhof in Holtensen beigesetzt. Der städtische Friedhof in Welliehausen wurde 1968 eingeweiht und hat seit 1971 eine Friedhofskapelle und seit 1996 einen Glockenturm.

Der ehemalige Standortübungsplatz Pötzen der Britischen Rheinarmee, der größtenteils auf dem einem Welliehäuser Flurstück lag, wurde mit Verordnung vom 27. September 2017 vom Landkreis Hameln-Pyrmont als Naturschutzgebiet ausgewiesen.

Demographie

Quellen[23][24]

Jahr168918211848187118851915192519391945194619622022
Einwohnerzahl78111162191150201158163260353228358

Politik

Ortsbürgermeisterin ist Bettina Schultze (SPD).

Bildung

Nach dem Dreißigjährigen Krieg gab es eine erste Schule an der Kirche in Holtensen. 1693 wurde eine neue Schule auf dem Krugbrink in Holtensen gebaut, die die Kinder bis in die heutige Zeit besuchen. Weiterführende Schulen werden in Hameln besucht.[25]

Literatur

  • Ludwig Fricke: Dorfchronik Welliehausen. Springe: Druck- und Verlagshaus J. C. Erhardt GmbH, 2002
  • Friedrich Katz: Chronik der Gemeinde Holtensen, 1972
  • Jürgen Schlieckau: Die Geschichte der Dörfer Diedersen und Dadersen. Holzminden: Jörg Mitzkat Verlag, 2025, ISBN 978-3-95954-174-9.

Einzelnachweise

  1. Statistische Daten. (PDF) In: hameln.de. Stadt Hameln, 2020, S. 32, abgerufen am 18. März 2023.
  2. Landkreis Hameln-Pyrmont (Hrsg.): Nahverkehrsplan 2023 – 2027 / ANLAGE 1 – Einwohnerzahlen Ortsteile 2022. 30. Juni 2022, S. 3 (hameln-pyrmont.de [PDF; 406 kB; abgerufen am 8. November 2024]).
  3. Jürgen Schlieckau: Die Geschichte der Dörfer Diedersen und Dadersen. Hrsg.: Jürgen Schlieckau. 1. Auflage. Jörg Mitzkat Verlag, Holzminden 2025, ISBN 978-3-95954-174-9, S. 11.
  4. Ein gutes Trio: Holtensen, Unsen und Welliehausen. Aus der Geschichte von Welliehausen. In: hameln.de. Stadt Hameln, 30. Januar 2023, abgerufen am 18. März 2023.
  5. Ludwig Fricke: Dorfchronik Welliehausen. Hrsg.: Ludwig Fricke. 1. Auflage. Druck- und Verlagshaus J. C. Erhardt GmbH, Springe 2002, S. 23 ff.
  6. Direktorium super Bona in Molenbeke: Güterverzeichnis des Augustiner Chorherrenstiftes. Kloster Möllenbeck, S. 13, 37.
  7. Direktorium super Bona in Molenbeke (Kloster Möllenbeck): Güterverzeichnis des Augustiner Chorherrenstiftes. Kloster Möllenbeck 1456, S. 13, 37.
  8. Jürgen Schlieckau: Die Geschichte der Dörfer Diedersen und Dadersen. Hrsg.: Jürgen Schlieckau. 1. Auflage. Jörg Mitzkat Verlag, Holzminden 2025, ISBN 978-3-95954-174-9, S. 7.
  9. Ludwig Fricke: Dorfchronik Welliehausen. Hrsg.: Ludwig Fricke. Druck- und Verlagshaus J. C. Erhardt GmbH, Springe Februar 2002, S. 216 ff.
  10. Ludwig Fricke: Dorfchronik Welliehausen. Hrsg.: Ludwig Fricke. 1. Auflage. Druck- und Verlagshaus J. C. Erhardt GmbH, Springe Februar 2002, S. 56.
  11. Ludwig Fricke: Dorfchronik Welliehausen. Hrsg.: Ludwig Fricke. 1. Auflage. Druck- und Verlagshaus J. C. Erhardt GmbH, Springe 2002, S. 221 ff.
  12. Ludwig Fricke: Dorfchronik Welliehausen. Hrsg.: Ludwig Fricke. 1. Auflage. Druck- und Verlagshaus J. C. Erhardt GmbH, Springe 2002, S. 232 ff.
  13. Ludwig Fricke: Dorfchronik Welliehausen. Hrsg.: Ludwig Fricke. Druck- und Verlagshaus J. C. Erhardt GmbH, Springe Februar 2002, S. 238 ff.
  14. Ludwig Fricke: Dorfchronik Welliehausen. Hrsg.: Ludwig Fricke. 1. Auflage. Druck- und Verlagshaus J. C. Erhardt GmbH, Springe 2002, S. 236 f.
  15. Ludwig Fricke: Dorfchronik Welliehausen. Hrsg.: Ludwig Fricke. Druck- und Verlagshaus J. C. Erhardt GmbH, Springe Februar 2002, S. 60.
  16. Ludwig Fricke: Dorfchronik Welliehausen. Hrsg.: Ludwig Fricke. 1. Auflage. Druck- und Verlagshaus J. C. Erhardt GmbH, Springe Februar 2002, S. 267 f.
  17. Ludwig Fricke: Dorfchronik Welliehausen. Hrsg.: Ludwig Fricke. 1. Auflage. Druck- und Verlagshaus J. C. Erhardt GmbH, Springe Februar 2002, S. 260.
  18. Bernhard Gelderblom: Das „Ehrenmal“ für Horst Wessel auf dem Süntel. „Echter Sohn der niedersächsischen Erde“. Deister- und Weserzeitung, Hameln April 2017.
  19. Bernhard Gelderblom: Bericht über einen russischen Zwangsarbeiter. Hrsg.: Bernhard Gelderblom. „Liebenswertes Sünteltal“. Hameln 2024.
  20. Bernhard Gelderblom: Erinnern und Gedenken: Die Toten der "Russenburg" in Salzhemmendorf. Hrsg.: Bernhard Gelderblom. 1. Auflage. Jörg Mitzkat Verlag, Holzminden 2020, ISBN 978-3-95954-160-2.
  21. Ludwig Fricke: Dorfchronik Welliehausen. Hrsg.: Ludwig Fricke. 1. Auflage. Druck- und Verlagshaus J. C. Erhardt GmbH, Springe 2002, S. 350.
  22. Ludwig Fricke: Dorfchronik Welliehausen. Hrsg.: Ludwig Fricke. 1. Auflage. Druck- und Verlagshaus J. C. Erhardt GmbH, Springe 2002, S. 60.
  23. Landkreis Hameln-Pyrmont (Hrsg.): Nahverkehrsplan 2023-2027 / Anlage 1 - Einwohnerzahlen Ortsteile 2022. 30. Juni 2022, abgerufen am 8. November 2024. November 2024, S. 3.
  24. Ludwig Fricke: Dorfchronik Welliehausen. Hrsg.: Ludwig Fricke. 1. Auflage. Druck- und Verlagshaus J. C. Erhardt GmbH, Springe Februar 2002, S. 51.
  25. Ludwig Fricke: Dorfchronik Welliehausen. Hrsg.: Ludwig Fricke. 1. Auflage. Druck- und Verlagshaus J. C. Erhardt GmbH, Springe Februar 2002, S. 193 ff.

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(c) Foto: Axel Hindemith, CC BY 3.0
Blick vom Schweineberg bei Holtensen auf Welliehausen und dahinter der Süntel mit der Hohen Egge
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Wappen des Ortes Welliehausen in Hameln