Walter Uhlmann

Walter Uhlmann (* 14. Juni 1904 in Leipzig; † 11. Juni 1991 in Frankfurt am Main) war ein deutscher Politiker (KPD, KPD-O, SED, SPD), Gewerkschafter (DMV, FDGB, IG Metall) und Journalist. Er war aktiv im Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Er war der Hauptorganisator eines Widerstandsnetzwerkes von Metallarbeitern in Berlin. 1937 wurde er verhaftet und zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt, die er im Zuchthaus Brandenburg-Görden verbüßte.

Leben

Uhlmann wuchs als Sohn einer Arbeiterfamilie – sein Vater war Kistenarbeiter – in Leipzig auf. Nach der Schule machte er eine Feinmechanikerlehre. Als Fünfzehnjähriger wurde er 1919 Mitglied der Freien Sozialistischen Jugend und ein Jahr später Mitglied des Deutschen Metallarbeiter-Verbandes (DMV). 1923 trat er in den Kommunistischen Jugendverband (KJVD) ein. Bald darauf wurde er Mitglied der KJVD-Bezirksleitung Westsachsen. 1925 siedelte er nach Köln über und wurde politischer KJVD-Bezirksleiter Mittelrhein. 1928 kehrte er nach Leipzig zurück, wo er am Ende des Jahres als „Brandlerianer“ aus der KPD ausgeschlossen wurde. In dieser Zeit war Uhlmann Mitbegründer der Kommunistischen Partei-Opposition. Er siedelte nach Berlin über, wurde Mitglied der Reichsleitung der Kommunistischen Jugend-Opposition und gab deren Organ, Junge Kämpfer, heraus.

Die illegale Zeitung „Der Metallarbeiter“

Nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten begann Uhlmann die illegale Widerstandsarbeit und organisierte ein Netzwerk linker Metallarbeiter in mehreren Berliner Betrieben, das sich vor allem aus ehemaligen Funktionären des DMV zusammensetzte, die nach der Zerschlagung der Gewerkschaften Gruppen gebildet hatten. Das Netzwerk war als Kaderorganisation angelegt, die Metaller aller Arbeiterparteien zusammenfasste. Es wurde der Aktions-Ausschuß der „Gruppe Metall“ gegründet, dem Willi Bölke angehörte, der seine Wohnung in Berlin-Wedding als Treffpunkt und für die Herstellung von illegalem Schriftenmaterial zur Verfügung stellte. In der illegalen Zeitschrift Der Metallarbeiter wurde die Position dieser illegalen Gewerkschafter so formuliert: Die dringlichsten Verpflichtungen sind:

  • kein freiwilliger Übertritt zur nationalsozialistischen Deutschen Arbeitsfront (DAF).
  • Zusammenschluss von Kollegen, um den Grundstock zur Bildung unabhängiger Klassengewerkschaften zu legen. Das konnten keine Massenorganisationen sein, sondern kleine Kadergruppen.
  • keine Teilnahme an DAF-Veranstaltungen.
  • keine Übernahme von Funktionen in der DAF.

Uhlmann kritisierte, dass die Führung der freien Gewerkschaften, in der Hoffnung, mit ihren Organisationen überleben zu können, kapituliert hatten. Nach ihrem Aufruf zur Teilnahme an den Nazifeiern am 1. Mai 1933 zerstörten die Nationalsozialisten diese Illusion am frühen Morgen des 2. Mai 1933 durch Besetzung aller Gewerkschaftsbüros und Verhaftung der meisten Funktionäre. Die KPD lebte in einer anderen Illusion. Sie forderte ihre Mitglieder auf, in der DAF mitzuarbeiten, sich auch um Funktionen zu bewerben, um dann betriebliche Kämpfe führen zu können. Uhlmann warf der KPD vor, dass sie noch immer nicht den brutal diktatorischen Charakter aller Institutionen begriffen hatte.

Für die Arbeit an der illegalen Zusammenfassung von Gewerkschaftern musste Uhlmann jahrelang illegal leben. Von 1934 bis 1937 war er Mitglied des Berliner Komitees der KPD-O, die die Arbeit im ganzen Reichsgebiet organisierte. Im Februar 1937 wurde diese Reichsleitung verhaftet. Am 24. November 1937 wurde er vom Reichsgericht zu 8 Jahren Zuchthaus und 8 Jahren Ehrverlust verurteilt, die er im Zuchthaus Brandenburg-Görden verbüßte. Während des Prozesses, in dem auch die acht anderen Reichsleitungsmitglieder zu insgesamt 54,5 Jahren Zuchthaus und vielen Jahren Ehrverlust verurteilt wurden, bekannte er sich in seiner letzten Rede zum Kommunismus. Im Zuchthaus Brandenburg war er zeitweise mit Außenarbeiten beschäftigt und konnte daher seine Genossen mit politischen Informationen versorgen.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und seiner Befreiung aus der Haft lebte Uhlmann in Ost-Berlin und arbeitete bei der BVG. Er wurde Mitglied der SED und des FDGB. Im Zusammenhang mit der Verhaftung und Verschleppung seines Schwagers Kurt Müller (2. Vorsitzender der KPD in der Bundesrepublik Deutschland), wurde er 1950 intensiven Verhören vonseiten der Zentralen Parteikontrollkommission unterzogen. Wegen einer drohenden Verhaftung erfolgte 1953 Uhlmanns Flucht aus der DDR.

In der BRD arbeitete er zunächst in einer Metallfabrik in Konstanz. 1955 wurde er Redakteur des Funktionärorgans der IG Metall. Er trat 1969 der SPD bei. 1969 wurde er pensioniert und lebte in Frankfurt am Main, wo er am 11. Juni 1991 starb.

Uhlmanns Ehefrau Margarete (Grete) Uhlmann, geborene Müller – die Schwester von Kurt Müller –, war ebenfalls erst Mitglied der KPD und dann der KPD-O.

Schriften (Auswahl)

  • Metallarbeiter im antifaschistischen Widerstand. Informationszentrum Berlin; Gedenk- und Bildungsstätte Stauffenbergstrasse, Berlin 1982 (Reihe: Beiträge zum Thema Widerstand, Heft 21), als PDF-Datei auf der Webseite der Gedenkstätte Deutscher Widerstand.
  • Sterben um zu leben. Politische Gefangene im Zuchthaus Brandenburg-Göhrden 1933–1945. Büchergilde Gutenberg, Frankfurt am Main 1983.
  • Gewerkschaftliche Widerstandsgruppen in der Nazizeit. In: Gewerkschafter. 1966, 5, (S. 175–178).

Literatur

  • Theodor Bergmann: Gegen den Strom. Die Geschichte der KPD(-Opposition). Hamburg 2004 (mit einer Kurzbiografie über Walter Uhlmann S. 550).
  • Uhlmann, Walter. In: Hermann Weber, Andreas Herbst: Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945. 2., überarb. und stark erw. Auflage. Karl Dietz Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-320-02130-6.
  • Hans-Rainer Sandvoß: Widerstand in Friedrichshain und Lichtenberg. Herausgeber: Gedenkstätte Deutscher Widerstand, Berlin 1998 (Band 11 der Schriftenreihe über den Widerstand in Berlin von 1933 bis 1945), als PDF-Datei auf der Webseite der Gedenkstätte Deutscher Widerstand.
  • Hans-Rainer Sandvoß: Widerstand in Schöneberg und Tempelhof. Gedenkstätte Deutscher Widerstand, Berlin 2002 (Band 12 der Schriftenreihe über den Widerstand in Berlin von 1933 bis 1945), als PDF-Datei auf der Webseite der Gedenkstätte Deutscher Widerstand.

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