Wales

Wales (englisch)
Cymru (walisisch)
Wales
Flagge von Wales
Wappen von Wales
FlaggeWappen
Wahlspruch:
Cymru am byth
(„Wales für immer“)
Y Ddraig Goch ddyry cychwyn
(„Der rote Drache rückt vor“)
AmtsspracheEnglisch, Walisisch
HauptstadtCardiff (Caerdydd)
StaatsformKonstitutionell-parlamentarische Monarchie
Regierungssystemdezentrales Parlament
innerhalb der
konstitutionellen-parlamentarischen Monarchie
StaatsoberhauptKönigin Elisabeth II.,

Minister für Wales
Simon Hart

RegierungschefFirst Minister
Mark Drakeford
Fläche20.735 km²
Einwohnerzahl3.138.631 (2018)[1]
Bevölkerungsdichte151 Einwohner pro km²
WährungPfund Sterling (£, GBP)
NationalhymneHen Wlad Fy Nhadau (Altes Land meiner Väter)
ZeitzoneUTC±0 WEZ
UTC+1 WESZ
ISO 3166GB-WLS
WAL
Internet-TLD.uk; .wales1; .cymru1
Telefonvorwahl+44
1 Die Top-Level-Domain .wales und .cymru sind seit März 2015 verfügbar.[2]
FrankreichGuernseyJerseyIsle of ManIrlandWalesNordirlandEnglandSchottlandLage von Wales
Über dieses Bild
Lage von Wales

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Wales (walisisch Cymru , altkymrisch Cymry, aus Kom-brogi „Landsleute“,[3] deutsch veraltet Walisien oder Wallis, lateinisch Cambria) ist ein Landesteil des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Nordirland. Es liegt im Westen der Insel Großbritannien und grenzt an England und die Irische See. Die Hauptstadt von Wales ist Cardiff (walisisch Caerdydd). Das Land wird zu den sechs keltischen Nationen gezählt.

Etymologie

Die Bezeichnung des Landes durch die Waliser als Cymru oder Cymry ist vom keltischen *Kom-broges („die auf gemeinsamem Land wohnen“) abgeleitet.[4] Der englische Landesname Wales ist hingegen eine Fremdbezeichnung und stammt vom germanischen Wort welsch. Dieses wird seinerseits vom germanischen Wort walhisc abgeleitet, welches nur einen bestimmten keltischen Stamm im südlichen Germanien bezeichnete, die Volken.

Viele germanische Stämme nannten alle Kelten deshalb Walhisc („Welsche“). Allerdings entwickelte sich früh die Tendenz, auch alle romanischsprachigen Volksgruppen als Welsche zu bezeichnen. Der Grund hierfür war wahrscheinlich, dass fast alle keltischsprachigen Gebiete (außer Irland) zeitweise unter römischer Kontrolle waren und seit der Zeitenwende romanisiert wurden (siehe auch Gallien), sodass sich die lateinische Sprache dort bald weitgehend durchgesetzt hatte. Aus demselben Grund wird in der Deutschschweiz die Romandie, also der französischsprachige Teil der Schweiz, auch „Welschland“ oder „Welschschweiz“ genannt. In Südtirol wird die italienische Sprache auch als „Walsch“ und das italienischsprachige Trentino als Welschtirol bezeichnet. Ebenso leitet sich in Belgien die Bezeichnung des französischsprachigen Landesteils, Wallonien, davon ab.

Geschichte

Wales hat eine ausgeprägte Vorgeschichte, in der viele Megalithanlagen entstanden und Menhire aufgerichtet wurden. Bei Llyn Cerrig Bach auf Anglesey (Ynys Môn) wurde das wichtigste eisenzeitliche Opferdepot Großbritanniens gefunden.

Die Römer errichteten im südlichen Teil des Landes eine Reihe von Kastellen, von denen das westlichste bei Carmarthen (lateinisch Maridunum) lag. In der Nähe von Caerleon (Caerllion) wurde ein Legionslager errichtet. Das dazugehörende Amphitheater zählt zu den am besten erhaltenen in ganz Großbritannien. Die Römer waren auch im Norden von Wales aktiv.

Wales wurde aufgrund des heftigen Widerstands der Bevölkerung und wegen des bergigen Terrains nie durch die Angelsachsen erobert und blieb so eine keltische Region.

Tanygrisiau, Gwynedd, Nordwales, mit den Moelwyn-Bergen im Hintergrund

Als sich die Angelsachsen im 5. und 6. Jahrhundert im Südosten Britanniens ausbreiteten, zogen sich viele romanisierte Kelten nach Westen zurück, also ins heutige Cornwall und nach Wales, die auf diese Weise zu ihren Namen kamen. Dort versuchte man recht lange, am Christentum und an der lateinischen Sprache festzuhalten, wie etwa die Funde aus Tintagel Castle belegen. Doch letztlich ging die römisch-spätantike Kultur in Wales unter, und ältere keltische Traditionen setzten sich wieder durch, wobei auch Kontakte zu Irland eine Rolle spielten.

Wales wurde angeblich schon vor England und Schottland rechristianisiert. Der Nationalheilige Sankt David (Dewi Sant) unternahm laut späterer Überlieferung im späten 6. Jahrhundert eine Pilgerreise nach Rom und diente nach seiner Rückkehr als Bischof. Zu dieser Zeit hatte die erneute Christianisierung im angelsächsischen Gebiet gerade erst begonnen. Die druidischen Bräuche, die sich bis heute erhalten haben sollen und angeblich in Teilen von Wales gepflegt werden, sind hingegen eine Erfindung von Historikern des 19. Jahrhunderts. Über die tatsächlichen Sitten der Druiden, die von den Römern ausgerottet wurden, ist nichts bekannt.

Bereits kurz nach der normannischen Eroberung Englands (1066) begannen die Normannen, Teile von Wales zu erobern. Obwohl die walisischen Fürstentümer vielfach untereinander zerstritten waren, konnten die Eroberer nur Teile des Landes unter ihre Herrschaft bringen. Die eroberten Gebiete bildeten die Welsh Marches (Y Mers), deren Barone eine größere Autonomie gegenüber den englischen Königen besaßen. Im 13. Jahrhundert erreichten die Fürsten von Gwynedd die Vormachtstellung gegenüber den anderen walisischen Fürsten, und 1267 musste der englische König Llywelyn ap Glyndŵr als Fürsten von Wales anerkennen. In zwei Feldzügen konnte König Eduard I. bis 1283 jedoch die Waliser schlagen und Wales erobern. Der englische, später britische, Thronfolger trägt seit dieser Zeit den Titel Prince of Wales („Fürst von Wales“, Tywysog Cymru). Gegen die strenge englische Herrschaft gab es mehrere Rebellionen, deren bedeutendste die Rebellion von Owain Glyndŵr war, der sich 1400 zum Fürsten von Wales erklärte und weite Teile von Wales eroberte. Ab 1405 gelang es den englischen Truppen jedoch, die Rebellen zurückzudrängen, und um 1409 war Owain Glyndŵr geschlagen.

Der Act of Union, die Gesetze zur Eingliederung von Wales 1535–1542, beendete endgültig die Sonderstellung der Welsh Marches und unterteilte Wales in dreizehn Grafschaften. Das englische Recht galt nun auch in Wales. Dies bedeutete, dass das Englische als Amtssprache eingeführt wurde, was die meisten Einheimischen von öffentlichen Ämtern fernhielt.

Wales wurde in der Neuzeit auf der Grundlage umfangreicher Kohlevorkommen stark industrialisiert. Die Mine von Penrhyn war Ende des 19. Jahrhunderts das größte von Menschenhand ausgehobene Loch im Erdboden. Die Zeit zwischen 1830 und 1850 war von Unruhen und Aufständen geprägt. 1831 wurde ein Aufstand in Merthyr Tydfil (Merthyr Tudful) blutig niedergeschlagen. 1839 rebellierten Chartisten in der Region um Newport (Casnewydd). Im selben Jahr sowie 1842 bis 1843 wurden von Vertretern der Landbevölkerung in Südwest-Wales mit Zentrum in Carmarthenshire (Sir Gaerfyrddin) die sogenannten Rebecca Riots (Helyntion Beca) durchgeführt, die die Abschaffung der Maut auf den neuen Turnpike Roads zur Folge hatten.[5] Für zusätzliche Spannungen sorgte 1847 die Publikation eines im Wesentlichen von anglikanischen Geistlichen erarbeiteten Parlamentsreports (Blue book), der die Bevölkerung von Wales als faul und moralisch schwach bezeichnete und die Schuld dafür der Zugehörigkeit zu nonkonformistischen Kirchen und der Nichtbeherrschung der englischen Sprache gab.[6] Wales wurde in den folgenden Jahrzehnten eine Hochburg der Gewerkschaften, des Syndikalismus und des Sozialismus. Von 1901 bis 1903 wurde die Mine von Penrhyn bestreikt, wobei gelegentliche Auseinandersetzungen nicht ausblieben. Wiederholt wurde in dieser Zeit auch das Militär eingesetzt, um Streiks niederzuschlagen. Bei einem Eisenbahnerstreik wurden 1911 zwei Arbeiter durch das Militär erschossen. Das erste Mitglied der Labour Party (Plaid Lafur) im Parlament, Keir Hardie, wurde 1900 für den walisischen Wahlkreis Merthyr Tydfil (Merthyr Tudful) gewählt. In dieser Zeit prägte religiöser Nonkonformismus die walisische Gesellschaft.

Der walisische Nationalismus nahm im 20. Jahrhundert an Bedeutung zu. Die Partei Plaid Cymru (Party of Wales), die 1966 ihren ersten Parlamentssitz erringen konnte, setzte sich für mehr Autonomie und die Wiederbelebung der walisischen Sprache ein. Größtenteils hierdurch wurde die Devolution zu einem Hauptanliegen der Labour Party, und 1998 wurde schließlich nach einem Referendum die Nationalversammlung für Wales (seit 6. Mai 2020 Walisisches Parlament) konstituiert, die die Vollmacht über die öffentlichen Ausgaben innerhalb von Wales erhielt. Am 2. März 2006 wurde in Cardiff ein neues Parlamentsgebäude eröffnet.

Siehe auch: Geschichte Britanniens, Geschichte des Vereinigten Königreiches, Liste der walisischen Herrscher

Geographie

Satellitenbild von Wales

Mit 20.735 km² ist Wales der kleinste Landesteil von Großbritannien. Wales liegt westlich von England. Im Norden grenzt Wales an die Irische See (Môr Iwerddon), im Westen an den St.-Georgs-Kanal (Sianel San Siôr) und im Süden an den Bristolkanal (Môr Hafren). Die Küste wird durch Steilküsten und weitauslaufende Strände geprägt und ist über 1200 Kilometer lang. Das Landesinnere ist durch das Kambrische Gebirge (Elenydd) gekennzeichnet, das sich beinahe durch ganz Wales zieht.

Landschaften

Wales ist durch weitläufige Wiesen, hügelige Landschaften, Moore und Gebirge geprägt. Große Bereiche von Wales sind Landschaftsschutzgebiete. Die höchsten Berge in Wales sind der Snowdon (Yr Wyddfa, 1085 m), der Aran Fawddwy (905 m) und der Cadair Idris (893 m), alle in Gwynedd gelegen. Zudem liegen in Wales drei Nationalparks:

Bedeutende Flüsse in Wales sind River Dee (Afon Dyfrdwy), River Clwyd (Afon Clwyd) und River Conwy (Afon Conwy), die in die Liverpool Bay (Bae Lerpwl) im Norden von Wales münden, die nach Westen in die Irische See mündenden Flüsse Afon Glaslyn, Mawddach, Afon Ystwyth und River Teifi sowie Afon Tywi, Afon Tawe, River Neath, River Taff und River Wye, die in den Bristolkanal münden.

Klima

Wales befindet sich in der nördlichen gemäßigten Zone. Es hat ein wechselhaft maritimes Klima und ist eines der feuchtesten Länder Europas. Das Wetter von Wales ist oft bewölkt, nass und windig, mit warmen Sommern und milden Wintern. Die langen Sommertage und kurzen Wintertage lassen sich durch die nördlichen Breiten erklären. An der Südküste ist das Klima dabei aufgrund warmer Meeresströmungen erheblich milder als im Rest des Landes.

Flora und Fauna

Wegen seiner langen Küste beherbergt Wales eine Vielzahl von Seevögeln. Die Küsten und umliegenden Inseln sind die Heimat von Tölpeln, Papageitauchern, Dreizehenmöwen, Kormoranen und Tordalken. Das Land unterstützt auch Vögel, die im Hochland leben wie der Rabe oder Ringdrossel. Greifvögel, ein nationales Symbol der walisischen Tierwelt, sind ebenfalls in Wales zu finden, darunter Merlin, Kornweihe und Rotmilan.

Die größten walisischen Säugetiere sind ausgestorben während der Normannenzeit. Zu den heutigen Säugetieren gehören vor allem Mäuse, Dachse, Otter, Igel und rund fünfzehn Fledermausarten.

Die zahlreichen Gewässer von Wales ziehen Meerestiere, darunter Riesenhaie, Kegelrobben, Lederschildkröten, Delfine, Schweinswale und vergleichsweise kleine Tiere wie Krabben oder Krebse an.

Bodenschätze

Wales hat reiche Vorkommen an Kohle, Eisen, Kupfer, Kalk, Schiefer, Blei, Zinn, Zink und Silber. Die küstennahen Vorkommen an Kohle, Eisen und Kalk haben die Region im 18. und 19. Jahrhundert zu einem der wichtigsten Schauplätze der Industriellen Revolution werden lassen.

Größte Städte

Größte Städte in Wales
(gemäß Office for National Statistics 2011 Census/Swyddfa Ystadegau Gwladol, Cyfrifiad 2011)
RangNameVerwaltungsbezirkEinwohnerRangNameVerwaltungsbezirkEinwohner
Cardiff Castle and Millennium Stadium.jpg
Cardiff

Meridian Tower Swansea Skyline.jpg
Swansea
1Cardiff
Caerdydd
City & County of Cardiff
Dinas a Sir Caerdydd
335.14511Caerphilly
Caerffili
Caerphilly County Borough
Bwrdeistref Sirol Caerffili
41.402
Newport

Wrexham - geograph.org.uk - 163421.jpg
(c) Kenneth Allen, CC BY-SA 2.0

Wrexham
2Swansea
Abertawe
City & County of Swansea
Dinas a Sir Abertawe
239.00012Port TalbotNeath Port Talbot
Castell-nedd Port Talbot
37.276
3Newport
Casnewydd
Newport City
Dinas Casnewydd
128.06013PontypriddRhondda Cynon Taf30.457
4Wrexham
Wrecsam
Wrexham County Borough
Bwrdeistref Sirol Wrecsam
61.60314Aberdare
Aberdâr
Rhondda Cynon Taf29.748
5Barry
Y Barri
Vale of Glamorgan
Bro Morgannwg
54.67315Colwyn Bay
Bae Colwyn
Conwy County Borough
Bwrdeistref Sirol Conwy
29.405
6Neath
Castell-nedd
Neath Port Talbot
Castell-nedd Port Talbot
50.65816Pontypool
Pont-y-pŵl
Torfaen28.334
7Cwmbran
Cwmbrân
Torfaen46.91517PenarthVale of Glamorgan
Bro Morgannwg
27.226
8Bridgend
Pen-y-bont ar Ogwr
Bridgend County Borough
Bwrdeistref Sirol Pen-y-bont ar Ogwr
46.75718Rhyl
Y Rhyl
Denbighshire
Sir Ddinbych
25.149
9LlanelliCarmarthenshire
Sir Gaerfyrddin
43.87819Blackwood
Coed Duon
Caerphilly County Borough
Bwrdeistref Sirol Caerffili
24.042
10Merthyr Tydfil
Merthyr Tudful
Merthyr Tydfil
Merthyr Tudful
43.82020MaestegBridgend County Borough
Bwrdeistref Sirol Pen-y-bont ar Ogwr
18.888

Verwaltungsgliederung

Die derzeitige Verwaltungsstruktur von Wales wurde am 1. April 1996 eingeführt und teilt Wales in 22 Unitary Authorities ein. Die Unitary Authorities sind Bezirke, die für alle lokalen Verwaltungsaufgaben zuständig sind. Es gibt keine mittlere Verwaltungsebene über ihnen, so dass man in Wales von einer „einstufigen Verwaltung“ spricht. Die 22 Unitary Authorities (awdurdod unedol), auch Principal Area (Prif Ardaloedd) genannt, haben somit zwar alle den gleichen Verwaltungsstatus, führen jedoch aufgrund ihrer Geschichte bzw. ihrer Größe unterschiedliche Bezeichnungen, so führen neun den Titel County (Sir), zehn den Titel County Borough (Bwrdeistref Sirol), eine den Titel City (Dinas) sowie zwei den Titel City and County (Dinas a sir).

Wo der englische Namen vom walisischen Namen abweicht, ist der walisische in der folgenden Liste zusätzlich angegeben:

EnglandAngleseyFlintshireWrexhamDenbighshireConwyGwyneddCeredigionPembrokeshireCarmarthenshireSwanseaNeath Port TalbotBridgendRhondda Cynon TafMerthyr TydfilBlaenau GwentCaerphillyVale of GlamorganCardiffNewportTorfaenMonmouthshirePowysVerwaltungsgliederung von Wales
Über dieses Bild
Principal AreaWalisischer NameVerwaltungs-
bezeichnung
Fläche
(km²)[7]
AngleseyYnys MônCounty711
Blaenau GwentCounty Borough109
BridgendPen-y-bont ar OgwrCounty Borough251
CaerphillyCaerffiliCounty Borough277
CardiffCaerdyddCity and County140
CarmarthenshireSir GaerfyrddinCounty2.371
CeredigionCounty1.785
ConwyCounty Borough1.126
DenbighshireSir DdinbychCounty837
FlintshireSir y FflintCounty438
GwyneddCounty2.535
Merthyr TydfilMerthyr TudfulCounty Borough111
MonmouthshireSir FynwyCounty849
Neath Port TalbotCastell-nedd Port TalbotCounty Borough441
NewportCasnewyddCity190
PembrokeshireSir BenfroCounty1.619
PowysCounty5.181
Rhondda Cynon TafCounty Borough424
SwanseaAbertaweCity and County378
TorfaenCounty Borough126
Vale of GlamorganBro MorgannwgCounty Borough331
WrexhamWrecsamCounty Borough504

Zu zeremoniellen Zwecken ist Wales außerdem in acht Preserved Counties (Siroedd cadwedig) eingeteilt, die weitgehend den acht Counties entsprechen, die in Wales zwischen 1974 und 1996 bestanden. Jede der 22 Unitary Authorities ist einem Preserved County zugeordnet.

Siehe auch: Traditionelle Grafschaften von Wales, Politisches System Großbritanniens und Nordirlands, Liste der Städte in Wales

Bevölkerung

Wales hatte bei der Volkszählung von 2001 insgesamt 2.903.085 Einwohner, davon waren 1.499.303 (52 Prozent) weiblich und 1.403.782 (48 Prozent) männlich. Gut drei Viertel von ihnen waren geborene Waliser, gut 20 Prozent in England geboren und jeweils weniger als ein Prozent der Bevölkerung stammten aus Schottland, Nordirland oder der Republik Irland. Die überwiegende Zahl von mehr als 95 Prozent stufte sich selbst ethnisch als „Britisch, weiß“ ein, 15 Prozent schrieben Walisisch auf das Formular, obwohl es diese Antwortmöglichkeit nicht gab. Alle Antworten, die auf asiatischen Ursprung schließen lassen (Chinesen, Pakistaner, Inder, oft British/Indian), bildeten zusammen 1,3 Prozent der Bewohner, alle anderen ethnischen Gruppen kamen auf weniger als 1 Prozent.

Religion

Religionen in Wales 2011
ReligionProzent
Christentum
  
57,6 %
keine Religion
  
32,1 %
Islam
  
1,5 %
Andere Religionen
  
1,2 %
keine Angabe
  
7,6 %
Verteilung der Religionen (Zensus 2011)[8]

71,9 Prozent der Waliser bezeichneten sich bei der Volkszählung 2001 als Christen. Im Jahr 2011 war dieser Wert auf 58 % gefallen.[8] Wales hat kleine Anteile an Juden, Muslimen, Buddhisten, Hindus, Sikhs und Zeugen Jehovas, die allerdings jeweils maximal 1,5 % der Bevölkerung ausmachen, meist deutlich weniger. Unter den Christen sind traditionell die Dissenter, also Anhänger von Freikirchen wie Baptisten, Kongregationalisten, Presbyterianer und Methodisten sehr stark vertreten. Die anglikanische Church in Wales (Eglwys yng Nghymru) ist daher seit 1920 nicht mehr Staatskirche.

Sprache

Kenntnisse der walisischen Sprache in Wales
FähigkeitenProzent
Walisisch in Wort und Schrift
  
14,6 %
Sprech- und Lesefähigkeit
  
1,5 %
Nur Sprechfähigkeit
  
2,7 %
Nur Hörverständnis
  
5,3 %
Andere Walisisch-Fähigkeiten
  
2,5 %
Keine Kenntnisse
  
73,3 %
Beherrschung des Walisischen nach dem Zensus 2011[9]

Die walisische Sprache (yr iaith Gymraeg bzw. Cymraeg) ist für viele Waliser eine wichtige Quelle der nationalen Identität. Vor allem im Norden, im Westen und im Innern des Landes wird sie verbreitet noch gesprochen; in Caernarfon in Gwynedd gaben 86 Prozent der Bevölkerung an, Walisisch fließend zu beherrschen, im Vergleich zu nur 8 Prozent der Bevölkerung von Chepstow (Cas-gwent) im Südosten des Landes. Historisch gesehen ist das Walisische im Gefolge der Industriellen Revolution zu einer Minderheitensprache geworden.

Beim Zensus von 1911 gaben erstmals weniger als die Hälfte der Waliser das Walisische als Muttersprache an.[10] 1949 gab es noch 800.000 Sprecher des Walisischen in Wales, von denen 80.000 monolingual waren;[11] im Jahre 1981 bezeichneten sich noch 21.000 Personen als monolingual walisischsprachig.[12] Beim Zensus von 2011 gaben insgesamt 19 % der Bevölkerung an, Walisisch sprechen zu können. 14,6 % beherrschten das Walisische auch in Schriftform. 73,3 % der Waliser hatten keine Kenntnisse des Walisischen.[9]

Seit 1993 sind die englische und walisische Sprache formal gleichgestellt. Die Politik der Zweisprachigkeit (Dwyieithrwydd) äußert sich in der Praxis vor allem in zweisprachigen Orts- und Hinweisschildern. Aber auch in der Bildung, bis hin zum Universitätsstudium, und im Justizwesen kann die walisische Sprache benutzt werden. Dabei kommt es immer wieder zu falschen Übersetzungen: 2008 wurde z. B. ein Wegweiser montiert, dessen walisische Inschrift „Ich bin zurzeit nicht an der Arbeitsstelle. Senden Sie mir Übersetzungsaufgaben zu.“ bedeutet.[13]

Beispiel für Zweisprachigkeit: Recycling-Box in Cardiff

Siehe auch: Liste des Anteils der Walisischsprachigen nach Region

Bildung

Die formale Bildung vor dem 18. Jahrhundert diente der Erhaltung der Elite. Doch in den 1730er Jahren startete Griffith Jones ein erfolgreiches Schulsystem; er nahm an, die Hälfte der Bevölkerung hätte dadurch Lesen gelernt. Im 19. Jahrhundert war Wales schließlich gezwungen, ein Bildungssystem aufzubauen, das die gesamte Bevölkerung mit einbezog. Im Jahr 2004 hatte das Land mehr als 500.000 Schüler und rund 27.000 Lehrer.

Wirtschaft

Teile von Wales wurden seit dem 18. Jahrhundert industrialisiert. Kohle, Kupfer, Eisen, Silber, Blei und Gold wurden dort ebenso wie Schiefer abgebaut. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts beherrschten Bergbau und Metallurgie die walisische Wirtschaft.

Von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die Mitte der 1980er waren der Abbau und der Export von Kohle ein bedeutender Teil der walisischen Wirtschaft. Cardiff war einst der weltgrößte Ausfuhrhafen für Kohle.

Beginnend in den frühen 1970er Jahren sah sich die walisische Wirtschaft massiven Umstrukturierungen ausgesetzt, wobei eine große Zahl von Arbeitsplätzen in der traditionellen Schwerindustrie verschwand und durch neue in der Leichtindustrie und im Dienstleistungssektor ersetzt wurde. Während dieser Zeit konnte Wales einen überdurchschnittlichen Anteil an ausländischen Direktinvestitionen in Großbritannien anziehen. Jedoch bestand diese neue Industrie im Wesentlichen aus Zweigwerken, in denen häufig Massenfertigung mit gering qualifizierten Beschäftigten erfolgte.

Im Vergleich mit dem Bruttoinlandsprodukt der Europäischen Union (Yr Undeb Ewropeaidd) ausgedrückt in Kaufkraftstandards erreichte Wales 2015 einen Index von 76 (EU-28 = 100).[14]

Verkehr

Straßen

Die Autobahn entlang der Südküste, der M4 motorway (Traffordd M4), ist eine wichtige Lebensader von Wales. Es gibt auch eine Verbindung nach Süd-England, die in London endet. Der Abschnitt der Autobahn, der von der walisischen Regierung verwaltet wird, läuft von der Zweiten Severnbrücke nach Pont Abraham, Carmarthenshire (Sir Gaerfyrddin) und verbindet die Städte Newport, Cardiff und Swansea (Abertawe). Die Hauptstraße A55 (Priffordd A55) hat eine ähnliche Rolle an der Nordküste von Wales, sie verbindet Bangor mit Wrexham (Wrecsam) und Flintshire (Sir y Fflint) und sie führt auch nach Nordwest-England, hauptsächlich nach Chester (Caer). Die Hauptverbindung von Nord- nach Südwales ist die A470, die von Cardiff nach Llandudno führt.

Luftverkehr

Cardiff International Airport (Maes Awyr Rhyngwladol Caerdydd) ist der einzige große und internationale Flughafen in Wales, mit Verbindungen zu europäischen, afrikanischen und nordamerikanischen Zielen. Der Flughafen befindet sich etwa 19 Kilometer südwestlich vom Stadtzentrum von Cardiff entfernt, im Vale of Glamorgan (Bro Morgannwg). Flüge innerhalb von Wales zwischen Anglesey Airport (Maes Awyr Môn) und Cardiff wurden von der Fluggesellschaft der Isle of Man (Ynys Mannaw), Citywing, betrieben, die auch Flüge nach Nordengland, Schottland und Nordirland anbot. Am 11. März 2017 stellte Citywing ihren Betrieb ein; die Liquidierung des Unternehmens wurde eingeleitet. Am 13. März 2017 übernahm Eastern Airways die Flugroute zwischen Anglesey (Môn) und Cardiff und einige andere Routen von Citywing.[15][16]

Eisenbahn

Die walisische Regierung verwaltet die Teile des britischen Eisenbahnnetzes in Wales, indem sie den dortigen Personenverkehr als Franchise ausschreibt. Derzeitiger Franchisee ist seit dem 14. Oktober 2018 Transport for Wales/Trafnidiaeth Cymru. Im Süden betreibt die Great Western Railway einige Regional- und Fernzüge in die West Country und nach London. Einige wenige Verbindungen im Land werden auch von CrossCountry und Virgin Trains angeboten.

Alle Züge fahren mit Dieselmotoren, da keine der Strecken elektrifiziert ist. Nach Stilllegung vieler Strecken im Rahmen der Beeching-Axt bestehen heute hauptsächlich drei Ost-West-Verbindungen im Süden (South Wales Main Line, Prif Linell De Cymru, wird elektrifiziert), der Mitte (Cambrian Coast Line, Rheilffordd y Cambrian) und im Norden (North Wales Main Line, Prif Linell Gogledd Cymru) des Landes. Züge zwischen diesen Strecken verkehren über Shrewsbury (Amwythig) und Chester in England. Des Weiteren existiert die diagonale sog. Heart of Wales Line (Rheilffordd Calon Cymru) von Llanelli nach Shrewsbury durch die dünnbesiedelte Mitte des Landes, die Zweigstrecke von Llandudno nach Blaenau Ffestiniog sowie die S-Bahn-ähnlichen Valley Lines-Vorortbahnen (Rheilffyrdd y Cymoedd) im Süden des Landes um Cardiff. Letztere sollen in den nächsten Jahren unter dem Namen South Wales Metro (Metro De Cymru) modernisiert, elektrifiziert und ausgebaut werden.

Cardiff Central (Caerdydd Canolog) ist der verkehrsreichste und wichtigste Bahnhof des Landes.

Fähren

Wales hat vier kommerzielle Fährhäfen. Regelmäßige Fährdienste werden von Holyhead (Caergybi), Pembroke (Penfro) und Fishguard (Abergwaun) nach Irland betrieben. Die im Jahre 2006 eingestellte Linie von Swansea nach Cork wurde im März 2010 wieder aufgenommen, aber im Jahre 2012 wieder eingestellt.

Kultur

Wales ist von allen Teilen Großbritanniens am engsten mit England verbunden. Allerdings besitzt das Land eine eigene Sprache (s. o.) und Kultur, mit der es sich gegen England abgrenzt.

Literatur

Das Land entwickelte eine eigene walisische Literatur aus der Dichter wie Dylan Thomas und Mihangel Morgan hervorgingen.

Siehe auch: Walisische Triaden

Musik

Seit den 1980er Jahren ist Wales eines der kreativen Zentren britischer Popmusik. Bands wie The Alarm, Manic Street Preachers, Catatonia, die Super Furry Animals oder die Stereophonics konnten international Erfolge erzielen. Die international erfolgreichen Sänger Tom Jones, Shirley Bassey, Martin Ace (Man) und Bonnie Tyler sind ebenfalls gebürtige Waliser.

Sport

Der walisische Sport ist nur in wenigen Sportarten international mit eigenständigen Verbänden vertreten.[17] Unabhängig gegenüber Großbritannien bzw. England ist Wales vor allem beim Cricket, Fußball, Hockey und Tanzen. Den mit Abstand beliebtesten Mannschaftssport und zugleich Nationalsport an sich, stellt in Wales jedoch Rugby dar (siehe Rugby in Wales). Das Nationalstadion ist das zur Rugby-Weltmeisterschaft 1999 neu errichtete Millennium Stadium (Stadiwm y Mileniwm) in Cardiff mit 74.500 Plätzen, das bei Spielen der Roten Drachen (Y Dreigiau Coch), wie die walisische Rugby-Nationalmannschaft genannt wird, fast immer ausverkauft ist. Wales nimmt jährlich am Sechs-Nationen-Turnier gegen die besten europäischen Mannschaften teil und qualifizierte sich bisher für jede Rugby-Weltmeisterschaft. Die höchste Liga stellt die Pro14 dar, in der neben den besten walisischen auch irische, schottische und italienische sowie südafrikanische Mannschaften spielen. Sie wurde gegründet, um ein Gegengewicht zu den englischen und französischen Profiligen zu bilden.

Bekannte Waliser

Sport

Schauspieler

Dichter, Literaten

  • Ron Berry (1920–1997)
  • Duncan Bush (1946–2017)
  • Tony Curtis (* 1946)
  • Roald Dahl (1916–1990)
  • Rhys Davies (1901–1978)
  • Islwyn Ffowc Elis (1924–2004)
  • Caradoc Evans (1878–1945)
  • George Ewart Evans (1909–1988)
  • Jasper Fforde (* 1961)
  • Peter Finch (* 1947)
  • Ken Follett (* 1949)
  • Dick Francis (1920–2010)
  • Geraint Goodwin (1903–1941)
  • Dafydd ap Gwilym (um 1320–1350)
  • Emyr Humphreys (* 1919)
  • Bobi Jones (1929–2017)
  • Glyn Jones (1905–1995)
  • Gwyn Jones (1907–1999)
  • Harri Pritchard Jones (1933–2015)
  • Roland Mathias (1915–2007)
  • Robert Morgan (1921–1994)
  • John Owen (um 1564–1622)
  • Matt Beynon Rees (* 1967)
  • Dylan Thomas (1914–1953)

Musiker

Politiker

Entdecker

Wirtschaft

Weitere

  • Laura Ashley (1925–1985), Modedesignerin
  • Benjamin Hall (1802–1867), Konstrukteur der Glocke Big Ben im Uhrturm des Palace of Westminster in London
  • Howard Marks (1945–2016), Drogenschmuggler
  • Henry Morgan (um 1635–1688), Freibeuter
  • Mary Quant (* 1934), Modedesignerin
  • Bertrand Russell (1872–1970), Philosoph
  • Raymond Williams (1921–1988), Kulturwissenschaftler
  • Paula Yates (1959–2000), Fernsehmoderatorin

Literatur

  • Wales. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Band 16, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig/Wien 1885–1892, S. 357.
  • Miranda Green, Ray Howell: Celtic Wales: a pocket guide. University of Wales Press, Cardiff 2000, ISBN 0-7083-1532-1.
  • Britta Schulze-Thulin: Wales. Reise Know-How Verlag Rump, München 2012, ISBN 978-3-8317-2180-1.
  • Bruce Chatwin: Auf dem schwarzen Berg. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1992, ISBN 3-596-11203-6.
  • John Davies: A History of Wales. Penguin, London 1994, ISBN 0-14-014581-8.

Siehe auch

  • Hirnantium

Weblinks

Commons: Wales – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Wales – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Wikivoyage: Wales – Reiseführer

Einzelnachweise

  1. Mid 2018 Estimates of the population for the UK, England and Wales, Scotland and Northern Ireland
  2. About Us. In: ourhomeonline.wales. Abgerufen am 23. Mai 2019 (englisch).
  3. Bernhard Maier: Das Sagenbuch der walisischen Kelten. Die vier Zweige des Mabinogi. Dtv, München 1999, ISBN 3-423-12628-0, S. 134, Anm. 44,19.
  4. Wolfgang Meid: Die Kelten. Reclams Universal-Bibliothek, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-15-017053-3, S. 77.
  5. John Davies: A History of Wales. Penguin, London 1994, S. 366–367 und S. 377–382.
  6. John Davies: A History of Wales. Penguin, London 1994, S. 391–393.
  7. Bevölkerung, Fläche und Bevölkerungsdichte der Verwaltungsbezirke von Wales am 30. Juni 2012 (ZIP; 832 kB)
  8. a b Figure 1: Usual residents who stated their religion as Christian: Wales, England regions, 2001 and 2011, All usual residents. Office for National Statistics, abgerufen am 25. Januar 2014 (englisch).
  9. a b Statistical bulletin: 2011 Census: Key Statistics for Wales, March 2011: Table 4: Welsh language skills: Wales, 2001 and 2011, usual residents aged three and over. Office for National Statistics, abgerufen am 25. Januar 2014 (englisch).
  10. The Industrial Revolution. BBC waleshistory, abgerufen am 25. Januar 2014 (englisch).
  11. Artikel im Spiegel aus dem Jahre 1949
  12. Aussage Llywodraeth Cymru | Welsh Government, siehe Diskussionsseite
  13. E-mail error ends up on road sign. BBC News, 31. Oktober 2008, abgerufen am 17. August 2017 (englisch).
  14. Eurostat. (PDF) Abgerufen am 15. April 2018.
  15. Destination Anglesey. Eastern Airways, abgerufen am 14. März 2017 (englisch).
  16. New operator for Anglesey to Cardiff air service is found to replace Citywing. Daily Post Wales, abgerufen am 14. März 2017 (englisch).
  17. Marc Keech: England and Wales. In: James Riordan, Arnd Krüger (Hrsg.): European Cultures in Sport: Examining the Nations and Regions. Intellect, Bristol 2003, ISBN 1-84150-014-3, S. 5–22.

Koordinaten: 52° N, 4° W

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China Gwynedd, North Wales, with the Moelwyn range in the background. Digital photograph by myself, taken 31 December 2004.

Ross Burgess 18:59, 27 Feb 2005 (UTC)
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