Wahlspruch

Wahlspruch Franz Josephs I. als Teil seines Wappens

Ein Wahlspruch (auch Devise) ist eine Maxime oder Motto, das sich eine Gruppe Gleichgesinnter, eine Person, eine Familie oder Organisation gibt, das deren Ziel und den Anspruch deutlich machen soll. Solche werden meist nicht, wie Parolen, mündlich geäußert, sondern schriftlich und stammen entweder aus langen Traditionen, gemeinschaftlichen Festlegungen oder entscheidenden Ereignissen, wie aus einem Bürgerkrieg oder einer Revolution. Der Begriff Devise wurde von Philipp von Zesen durch den Ausdruck Wahlspruch eingedeutscht. In der Werbung oder der Politik wird oft ein einprägsamer Wahlspruch, ein sogenannter Slogan, verwendet.

Wahlsprüche sind oft Bestandteil von Wappen. Sie stehen im Wappen in der Regel in einem Spruchband unter dem Wappenschild. Diese Platzierung stammt aus dem Mittelalter, in dem die große Mehrheit aller Adligen über ein Wappen und einen Wahlspruch verfügte. In der heraldischen Literatur sind auch die Begriffe Feldgeschrei bzw. Panier verbreitet, die auf einen Schlachtruf zurückgehen, und sich meist oberhalb des Wappens befinden.

In der heutigen Zeit haben viele Staaten einen Wahlspruch, und auch andere Institutionen führen Devisen.

Wahlsprüche von Personen

Wappen der Jauch (1749), das den Wahlspruch (1683) bildlich wiedergibt

Wahlsprüche moderner Nationalstaaten

Logo der Französischen Republik mit dem Wahlspruch Liberté, Egalité, Fraternité
Karte der modernen Staaten mit Wahlspruch

Wahlsprüche von Städten und Ländern

Genfer Wappen mit Wahlspruch
  • Concordia domi foris pax (lat.:) „Eintracht innen, draußen Friede“ - Inschrift am Holstentor (Lübeck)
  • Dissipat atque fovet (lat.): „Sie zerstreut und erwärmt“ – Sonne im Wappen von Saarlouis
  • Fluctuat, nec mergitur (lat.): „Sie schwankt, aber geht nicht unter.“ – Seit 1853 Wappenspruch der Stadt Paris, ursprünglich der Pariser Handelsschiffer.
  • Juste iudicate filii hominum (lat.): „Richtet gerecht, ihr Menschen(söhne)“ – Ostermiething/Oberösterreich
  • Nunquam retrorsum (lat.): „Niemals zurück“ – welfischer Wahlspruch und Wappenspruch des Königreichs Hannover
  • Ordem e Progresso (portugiesisch): „Ordnung und Fortschritt“ – Wahlspruch von Brasilien
  • Sit intra te concordia et publica felicitas (lat.): „In deinen Mauern herrsche Eintracht und allgemeines Wohlergehen“ – Wahlspruch der Hansestadt Rostock
  • Up ewig ungedeelt (niederdeutsch): „Auf ewig ungeteilt“ – Wahlspruch von Schleswig-Holstein

Viele Schweizer Kantone haben oder hatten einen Wahlspruch. Dieser findet sich auf Kantonsmünzen (vor 1850), im Fall der Waadt in deren Wappen.

  • Liberté et patrie (französisch): „Freiheit und Vaterland“ – Waadt
  • Post tenebras lux (lat.): „Nach Dunkelheit Licht“ – Genf
  • Dominus providebit (lat.):„Der Herr wird vorsorgen“ – Bern / Randprägung des heutigen Fünffrankenstücks
  • Domine conserva nos in pace (lat.):„Herr behüte uns in Frieden“ – Zürich,[2] auf dem Wasertaler, Basel,[3][4] Luzern[5]
  • Iustitia et Concordia[6] (lat.): „Gerechtigkeit und Eintracht“ – Zürich
  • Pro Deo et Patria[7] (lat.): „Für Gott und Vaterland“ – Zürich

Wahlsprüche von Orden (Ordensdevise)

Wahlsprüche von Studentenverbindungen

Aus der Zeit der Studentenorden entstammend, führen fast alle Studentenverbindungen einen Wahlspruch in ihren Wappen. Beispiele hierfür sind:

Wahlsprüche kirchlicher Würdenträger

Traditionell wählen sich Bischöfe und Äbte der Römisch-katholischen und auch in der Altkatholischen Kirche einen Wahlspruch, welcher das Programm ihrer Amtszeit verdeutlichen kann. Ebenso können sich Priester und Diakone ein Wappen und damit einen Wappenspruch geben.

Sonstige

Wahlspruch der Feuerwehren in Österreich

Wahlsprüche auf historischen Musikinstrumenten

  • Acta virum probant (lat.): „In seinen Taten zeigt sich der Mann“ (Gemälde von Jan Steen)
  • Soli deo gloria (lat.): „Gott allein die Ehre“
  • Laudate eum in chordis et organo (lat., Zitat aus Psalm 150, 4): „Lobt ihn mit Saiten und Flöte!“

Siehe auch

Literatur

Weblinks

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Einzelnachweise

  1. P. VERGILI MARONIS AENEIDOS LIBER SEXTVS. Abgerufen am 23. April 2022.
  2. schweizer-geld.ch – Zürich: 20 Batz, 1812.
  3. muenzen-huber.ch – Basel: 1/2 Thaler 1765.
  4. Basel, Assis, 1708
  5. muenzenwert.de – Luzern: 5 Batzen, 1813
  6. schweizer-geld.ch – Zürich: Dukat, 1810.
  7. schweizer-geld.ch – Zürich: 10 Schilling, 1806.
  8. Wahlsprüche, Devisen und Sinnsprüche deutscher Fürstengeschlechter des XVI. und XVII. Jahrhunderts. Barth, Leipzig 1883 in: Deutsche Digitale Bibliothek, abgerufen am 6. Juli 2020.

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