Volksschwimmhalle Lankow

Ostfassade der Volksschwimmhalle vor der Sanierung, Uferseite am Lankower See, 2016.

Die Volksschwimmhalle Lankow war eine Schwimmhalle im Schweriner Stadtteil Lankow in Mecklenburg-Vorpommern. Die Bezeichnung Volksschwimmhalle war ein DDR-typischer Begriff für öffentliche Schwimmbäder. Von 2016 bis 2017 fand eine Sanierung und ein Umbau statt, bei dem neben einem kleinen Schwimmbecken 16 Wohnungen entstanden. Die Schwimmhalle mit dem markanten Wellendach stammte vom Hallenser Architekten Herbert Müller, den Umbau entwarf das Schweriner Architekturbüro Schelfbauhütte. Das Dach besteht aus hyperbolischen Paraboloidschalen (auch: „HP-Schalen“) und erhielt deswegen 2015 Denkmalschutz. 2019 wurde der Umbau von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) ausgezeichnet.[1]

Lage und Ausstattung

Die Halle befindet sich in der Lübecker Straße 266 am Nordostufer des Lankower Sees. Auf einer Fläche von rund 1550 m² verfügte sie ursprünglich über zwei Schwimmbecken und eine Sauna sowie die dazugehörigen Sanitär- und Umkleidebereiche.

Historie

Das Gebäude wurde 1976 fertiggestellt. 2012 wurde der Betrieb in Folge des Neubaus der Schwimmhalle am Großen Dreesch eingestellt.[2] Es wurden verschiedene Nachnutzungskonzepte vorgeschlagen, die jedoch nicht umgesetzt werden konnten.[3][4]

Von August 2016 bis September 2017 wurde das Gebäude saniert.[5] Dabei entstanden neben dem neuen Schwimmbereich und einer Praxis acht Maisonettewohnungen sowie acht Etagenwohnungen.[6]

Architektonische Besonderheit

Dach der Volksschwimmhalle Lankow (Schwerin) vor der Sanierung

Der Hallenbau vom Typ Bitterfeld verfügt über spezielle Dachelemente, so genannte hyperbolische Paraboloidschalen (kurz: „HP-Schalen“). Dieses Bauelement eines langen, gebogenen und zugleich halbröhrenförmigen Dachträgers wurde von dem Architekten Herbert Müller entwickelt. Der Vorteil dieser Erfindung lag in der „erhöhten Knick- und Biegesteifigkeit“ als auch Materialeinsparung.[7] Die Lankower Volksschwimmhalle ist das letzte Gebäude dieser Art in Schwerin und in Mecklenburg-Vorpommern. Eine weitere Schweriner Schwimmhalle gleichen Typs war im Jahr 2013 abgebrochen worden.

Geplanter Abbruch und Denkmalstatus

Im Zuge der von dem Schweriner Architekten Gottreich Albrecht federführend angeregten Überprüfung hatte das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern den Denkmalstatus der Schwimmhalle festgestellt. Als Begründung wurde dabei die aus heutiger Sicht in Mecklenburg-Vorpommern einzigartige Dachkonstruktion angeführt. Das Landesamt stellte die Forderung, das Gebäude in die Denkmalliste der Stadt aufzunehmen.

Die Landeshauptstadt prüfte daraufhin Rechtsmittel.[8] Eine Eintragung in die Denkmalliste durch die Stadt Schwerin wurde folglich nicht vorgenommen, stattdessen trieb man die Abbruchpläne weiter voran. Daher forderte das Landesamt im August 2015 die sofortige Einstellung und Unterlassung aller Arbeiten, die dem Abbruch des Gebäudes oder der Vorbereitung des Abbruchs dienen. In einer Pressemitteilung widersprach die Stadtverwaltung dieser Aufforderung, stattdessen wollte man gegen die aus ihrer Sicht rechtswidrige Anordnung Widerspruch einlegen und die Abbrucharbeiten weiter vorantreiben.[9] Eine Eintragung in die Denkmalliste durch die Stadt erfolgte dennoch 2015, nachdem der Architekt Ulrich Bunnemann sich als Investor bereiterklärt hatte, eine denkmalgerechte Sanierung des Gebäudes vorzunehmen.[4]

Umnutzungskonzept 2015

Schwimmbecken vor der Sanierung

Nachdem die Abbruchmaßnahmen bereits begonnen hatten, legte der Schweriner Architekt Ulrich Bunnemann der Stadt im Herbst 2015 ein Kaufangebot und ein Konzept zur Umnutzung der Halle vor.[10] Dieses sah eine denkmalgerechte Sanierung vor. Während die Gebäudehülle in ihrer Form erhalten bleiben sollte, war geplant, das Innere des Gebäudes weitestgehend umzustrukturieren.

Eine Nutzung für ein kleines Schwimmbecken mit 12 × 4 m und 1,35 m Wassertiefe wurde beibehalten.[11] Das Bad wird auch für die gesundheitliche Nutzung einer Physiotherapiepraxis verwendet. Das ehemalige Schwimmbecken erhielt eine Decke und dient heute als Keller.[11] In Ergänzung dazu entstanden 2017/18 in einem Teilbereich der Halle sowie auf einer angrenzenden Fläche Wohnungen.[10] Beim Umbau legte das Architekturbüro Wert auf die Verwendung von ökologischen Baustoffen.[11] Die Planungen führte das Schweriner Architekturbüro Schelfbauhütte aus.


Auszeichnung

Literatur

  • Gottreich Albrecht und Annette Jawi: Die Volksschwimmhalle Schwerin-Lankow. Über die Rettung eines Denkmals der Ostmoderne. In: Landesamt für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern, Abteilung Landesdenkmalpflege, Dirk Handorf und Jörg Kirchner (Hrsg.), Alles Platte? Architektur im Norden der DDR als kulturelles Erbe. Ch. Links, Berlin 2018, ISBN 978-3-96289-001-8, S. 202–209, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche.

Filme

  • Verrücktes Wohnen in Mecklenburg-Vorpommern. Leben in Schwimmhalle, Brauerei und Wasserturm. Dokumentarfilm, Deutschland, 2021, 58:30 Min., Buch: Andrea Haase, Kamera: Jon Lipinski, Hannes Sykora, Ingo Kiepul, Produktion: NDR, Reihe: die nordstory, Erstsendung: 29. Oktober 2021 bei NDR Fernsehen, Inhaltsangabe von NDR, online-Video aufrufbar bis zum 29. Oktober 2022; Porträt dreier Bauprojekte vom Schweriner Architekt Ulrich Bunnemann, Volksschwimmhalle ab 17:29 – 20:24 Min.
  • Wohnen in einer ehemaligen Schwimmhalle. Fernsehreportage, Deutschland, 2019, 3:05 Min., Buch: Andrea Haase, Kamera: Hannes Sykora, Produktion: NDR, Redaktion: Nordmagazin, Reihe: Ungewöhnliches Wohnen in MV, Erstsendung: 18. August 2019 bei NDR Fernsehen, Inhaltsangabe von NDR, (Memento vom 19. August 2019 im Internet Archive).
  • Ehemalige DDR-Schwimmhalle mit Wohnungen wiederbelebt. Fernsehreportage, Deutschland, 2019, 4:48 Min., Buch und Regie: Lisa Vieth, Produktion: n-tv, Reihe: n-tv Ratgeber, Erstsendung: 24. Mai 2019 bei n-tv, Inhaltsangabe und online-Video.
  • Wohnen in der Schwimmhalle. Fernsehreportage, Deutschland, 2017, 3:54 Min., Buch: Alexander Kamenezki, Kamera: Robert Waßmann, Produktion: MV1, Reihe: Heimat bewegt, Erstsendung: 17. November 2017 bei YouTube, Inhaltsangabe und online-Video von MV1, Rundgang mit Architekt Holger Diesing.
  • Letzter Besuch in der Schwimmhalle Lankow. Fernsehreportage, Deutschland, 2015, 2:40 Min., Buch und Regie: N.N., Produktion: TV Schwerin, Erstsendung: 28. Januar 2015 bei YouTube, online-Video.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b Roland Stimpel: Bauen. Wohnen im Bad. In: KfW, 24. Mai 2019, aufgerufen am 27. Mai 2020, mit Bildergalerie und Video.
  2. Pressemitteilung: Verschlissene Schwimmhalle auf dem Großen Dreesch muss weichen. Ersatzneubau wirtschaftlicher als Sanierung. (Memento vom 1. Mai 2016 im Internet Archive). In: Landeshauptstadt Schwerin – Mecklenburg-Vorpommern, 20. Dezember 2012.
  3. Bert Schüttpelz: Neue Idee: Wohnen statt Schwimmen. In: Schweriner Volkszeitung. 27. März 2015, abgerufen am 20. Juli 2018.
  4. a b Gert Steinhagen (Gest): Schwimmhalle Lankow: Unendliche Geschichte mit gutem Ende. In: Schweriner Volkszeitung. 5. Januar 2016, abgerufen am 27. Mai 2020.
  5. Schwerin. Volksschwimmhalle. In: Architekturbüro Schelfbauhütte, aufgerufen am 27. Mai 2020.
  6. Wohnen. In: volksschwimmhalle.de, aufgerufen am 27. Mai 2020.
  7. Herbert Müller (‚Schalenmüller‘) und die HP-Schalenbauweise • Vorträge. (Memento vom 4. März 2016 im Internet Archive). In: hallelife.de, Juni 2015.
  8. Pressemitteilung: Landesamt beurteilt Schwimmhalle Lankow als Baudenkmal. Schwerin soll das Bauwerk auf die Denkmalliste setzen. (Memento vom 14. Dezember 2016 im Webarchiv archive.today). In: Landeshauptstadt Schwerin – Mecklenburg-Vorpommern, 1. April 2015.
  9. Pressemitteilung: Landesamt fordert Stadt zur sofortigen Einstellung und Unterlassung aller Arbeiten an der Schwimmhalle auf / Stadt wird Widerspruch einlegen. In: Landeshauptstadt Schwerin – Mecklenburg-Vorpommern, 12. August 2015, aufgerufen am 27. Mai 2020.
  10. a b Pressemitteilung: Stadt will alte Schwimmhalle an Architekten Bunnemann verkaufen. In: Landeshauptstadt Schwerin – Mecklenburg-Vorpommern, 18. November 2015, aufgerufen am 27. Mai 2020.
  11. a b c Sebastian Kabst (seka): Ex-Schwimmhalle Lankow: Von Zirkeltraining bis Aqua-Zumba. In: Schweriner Volkszeitung, 6. Februar 2018.

Koordinaten: 53° 38′ 37″ N, 11° 23′ 6,7″ O

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