Tierproduktion

In der Tierproduktion, auch Viehwirtschaft oder Viehhaltung, werden landwirtschaftliche Nutztiere zur Erzeugung von Nahrungsmitteln und Rohstoffen gehalten. Die Tierproduktion ist somit ein Teilgebiet der Tierhaltung.

Formen

Die Viehwirtschaft kann nach verschiedenen Kriterien eingeteilt werden:

Flächennutzungsgrad

  • Extensive Tierhaltung (Sehr große Weideflächen mit geringem Viehbesatz / fast ausschließlich Naturweidewirtschaft, meist kein Zufüttern notwendig, wenig temporäre Stallhaltung / zumeiste mehrere Tierarten / vielfach traditionelle Nutzungsformen (Nomadismus oder Mobile Tierhaltung mit hohem Selbstversorgungs­anteil), Ranching oder moderne ökologische Tierhaltung, bei denen die Erhaltung der Weiden im Vordergrund steht)
  • Intensive Tierhaltung (Kleine Weideflächen mit dichtem Viehbesatz, etwa Grünlandwirtschaft / „Massentierhaltung“ in Stallungen mit hohem Technisierungs­grad, Futtermittel müssen zugekauft werden / oftmals nur eine Tierart / ausschließlich marktwirtschaftlich orientierte Nutzungsformen, bei denen Produktionssicherheit und Gewinnerwirtschaftung im Vordergrund stehen)[1]

Weidewirtschaft

Art des Weidelandes
Art des Weideganges

Produktionsverfahren

Ziele der Tierproduktion sind vor allem die Erzeugung von Nahrungsmitteln (Fleisch-, Milch-, Eier-, Honig- und Fischproduktion), daneben aber auch die Gewinnung von Häuten zur Lederherstellung, Wolle (insbesondere von Schafen), Haaren (z. B. von Kamelen), Daunen und Federn sowie Rohstoffen für die chemische Industrie. Zu diesen Zwecken werden unter anderem Rinder, Schweine, Geflügel, Schafe und Kaninchen produziert.

Globale Produktion

Die größten Fleischproduzenten (2007)[2]
RangLandProduktion
(in Tsd. t)
Anteil
1China70.46426 %
2USA42.02016 %
3Brasilien18.8987 %
4Deutschland7.4123 %
5Indien6.5082 %
6Russland5.7552 %
7Frankreich5.6642 %
8Spanien5.6172 %
9Mexiko5.5482 %
10Argentinien4.4392 %

Im Jahr 2007 wurden 1.027.517.690 Tonnen tierische Erzeugnisse (ohne Eier und Fischereiprodukte) und 1.181.090.879.000 Vogeleier produziert. Von den tierischen Erzeugnissen waren 66 % Milch und 27 % Fleisch.[2]

Fleisch

Die wichtigsten Fleischproduzenten sind China, die USA und Brasilien. Seit 1961 ist die Produktion in China um 2600 % gestiegen, in Brasilien um knapp 900 %, in Indien um ca. 380 %. Die globale Fleischproduktion stieg um 377 %. 94 % des Fleisches kam 2007 von Schweinen, Geflügel, Rindern, Schafen und Ziegen.[2]

Milch

Indien und die USA sind die wichtigsten Produzenten, mit Anteilen am globalen Produktionsvolumen von 16 % bzw. 12 %. Die 2007 produzierte Milch stammte zu 83 % von Rindern und 13 % von Büffeln.[2]

Eier

China ist mit 40 % der mit Abstand größte Eierproduzent. 94 % der 2007 produzierten Vogeleier waren Hühnereier.[2]

Sonstige Produkte

Neben Fleisch, Milch und Eiern werden in der Viehhaltung Leder und Wolle gewonnen.[2]

Effizienz und Verteilungsgerechtigkeit

Tierprodukte tragen 18 % der Kalorien und 37 % der Proteine zur menschlichen Ernährung bei.[3]

Effizienz der Fütterung

Da die gefütterte Nahrung nicht 1:1 in Fleischkalorien bzw. -protein umgewandelt wird, ist es in den Agrarwissenschaften üblich, für die Energie- und Proteineffizienz der Fütterung Konversionsraten zu ermitteln:[4][5]

Produktgesamtes Futtervom Menschen verwertbares Futter
Energie-
effizienz
(in %)
Protein-
effizienz
(in %)
Energie-
effizienz
(in %)
Protein-
effizienz
(in %)
Lammfleisch25
Rindfleisch3657109
Putenfleisch922
Hühnerfleisch11233175
Schweinefleisch14145886
Milch1725101181
Eier1826

Von einigen Wissenschaftlern wird die Verwendung von pflanzlichen Rohstoffen zum Erzeugen von Tierprodukten aufgrund der geringen Effizienz kritisiert. Man könne durch eine Umstellung der menschlichen Ernährung auf einen größeren Anteil nicht-tierischer Bestandteile Nahrungsmittel einsparen und so die weltweite Versorgung mit Nahrungsmitteln verbessern. Als Politikmaßnahme wird vorgeschlagen, tierische Produktionsverfahren entsprechend ihrer Konversionsraten zu besteuern.[6]

Hierbei ist zu beachten, dass tierische und menschliche Ernährung nicht deckungsgleich sind. Monogastrier werden hauptsächlich mit Getreide gefüttert, das auch für den Menschen direkt verwertbar ist. 30 % des Monogastrierfutters in den USA bestehen dennoch aus Fischmehl, Knochenmehl und Nebenprodukten des Mahlens von Getreiden und der Fermentation, die nicht vom Menschen gegessen werden. Wiederkäuer besitzen hingegen die Fähigkeit, Energie aus für den Menschen nicht verwertbaren Pflanzenteilen wie Gras zu gewinnen. Etwa 50 % der Energie in Pflanzen wie Mais, Weizen und Reis kann vom Menschen nicht direkt aufgenommen werden, jedoch über die Tierfütterung verfügbar gemacht werden. Auch können verschiedenste Abfallprodukte, sogar Holzspäne und Zeitungspapier, an Wiederkäuer verfüttert werden.[5]

Die Kalorienaufnahme von Rindern, die zur Fleisch- oder Milchproduktion benutzt werden, besteht in den USA zu etwa 75 % aus nicht für den Menschen verwertbarem Material, in Ländern mit geringer Verfügbarkeit von Getreide ist dieser Anteil höher. In den USA, wo in der Endphase der Mast erhöhte Mengen an Getreide zugefüttert werden, besteht die Ernährung eines sogenannten Fleischrinds zu etwa 80 % aus Raufutter.[5][7]

Etwa 70 %[8] der Getreideproduktion der Industrieländer und etwa ein Drittel der globalen Getreideproduktion wird an Nutztiere verfüttert, in erster Linie an Monogastrier. Die Energie-Konversionsrate dieser ist bei Monogastriern und in der Kuhmilchproduktion relativ hoch. Bei der Milchproduktion übersteigt die für den Menschen konsumierbare Energiemenge im Endprodukt die Menge, die in der Fütterung in Form von für den Menschen konsumierbaren Menge eingesetzt wird, da Kühe mit erheblichen Mengen an nicht für den Menschen konsumierbarem Futter gefüttert werden. Die Eiweißkonversionsraten für vom Menschen konsumierbare Futtermittel sind sehr hoch, insbesondere für Kuhmilch und Rindfleisch, da das meiste Eiweiß aus für den Menschen nicht konsumierbarem Futter stammt. Die Fütterung von Getreide an Fleischrinder ist eine relativ junge Praxis in Industrieländern, die mit den seit den 1950er Jahren sinkenden Getreidepreisen zunahm.[4] Die Fütterung ist stark von den Getreidepreisen abhängig und repräsentiert damit einen Puffer gegen Knappheiten auf den Nahrungsmittelmärkten.[4][9]

Bei der Betrachtung der hier dargestellten Konversionsraten ist zu beachten, dass sie aus nordamerikanischen Daten stammen. In Industrieländern werden im Durchschnitt mehr für den Menschen verwertbare Futtermittel gefüttert als in Entwicklungsländern. In Entwicklungsländern liegen die Konversionsraten für die Gesamtfuttermenge daher unter denen von Industrieländern, während die Konversionsraten für die vom Menschen verwertbare Futtermenge höher liegen als in Industrieländern.[4]

Eine weitere relevante und in der Betrachtung der Konversionsraten oft übersehene Tatsache ist der höhere Flächenertrag des wichtigsten Futtermittelgetreides Mais im Vergleich zu den wichtigsten Nahrungsmittelgetreiden Reis und Weizen. In den meisten Regionen ziehen Menschen Reis und Weizen Mais vor. Die meisten Maisanbauflächen sind nicht für den Reisanbau geeignet. Daher würde ein Umschwenken von Futtermittelgetreide zu Nahrungsmittelgetreide zu einem Umschwenken von Mais zu Weizen führen. Dieses Umschwenken allein in den Vereinigten Staaten würde aufgrund des geringeren Flächenertrags zu einer Reduktion der globalen Getreideproduktion von 50 Millionen Tonnen bewirken.[4]

Kalorienbezogener Vergleich

Der höhere Ressourcenverbrauch tierischer Nahrung wird deutlich, wenn man vergleicht, wie viel pflanzliche Primärkalorien nötig sind, um tierischen Sekundärkalorien zu produzieren. Bezogen auf die durchschnittliche Ernährung pro Einwohner ergibt sich im Ländervergleich folgendes Bild:[10]

LandKcal
(gesamt)
Primär-Kcal
(pflanzlich)
Sekundär-Kcal
(tierisch)
Primär-Kcal
(pflanzlich)**
Primär-Kcal
(gesamt)***
USA3800200018001260014600
Deutschland3500200015001050012500
Kenia2600200060042006200
Indien2300200030021004100
* Nahrungsenergie gemessen in Kilokalorien (kcal)
** Sekundär-Kcal (tierisch) x Veredelungsverlustfaktor 7 = Primär-Kcal (pflanzlich)
*** Summe aus den zwei Angaben für Primär-Kcal (pflanzlich)

Beispielsweise sind von den in Deutschland aufgenommenen 3.500 kcal stammen 1500 kcal aus tierischen Lebensmitteln. Zur Produktion letzterer sind wiederum 10.500 kcal in Form von Tiernahrung nötig.

Aus diesen Berechnungen folgt aber nicht, dass Tierhaltung grundsätzlich ineffizient ist, insofern für Menschen unverwertbare Nahrung (Gras, Heu, Laub, Wildpflanzen) sowie Abfälle aus der Landwirtschaft in der Tierhaltung sinnvoll eingesetzt werden kann.[11] Eine solche Art der Ressourcenverwertung könnte ausreichen, um für alle Menschen bis zu zwei maßvolle Fleischmahlzeiten pro Woche zur Verfügung zu stellen.[11]

Globale Ernährungssituation

Würde dagegen die gesamte Weltbevölkerung eine Ernährungsweise praktizieren, wie sie in Deutschland üblich ist, müsste die gesamte bewohnbare Fläche der Erde (104 Mio. km2), inklusive Wälder, Buschland, Siedlungen als Agrarfläche genutzt werden.[12] Die westlichen Lebens- und Ernährungsgewohnheiten können daher nicht als Vorbild für alle Menschen dienen.[13]

Es bestehen Zweifel, ob eine regional begrenzte Reduktion der Tierproduktion die globale Ernährungssituation deutlich verbessern würde. 1998 wurde dazu am IFPRI eine Reduktion des Fleischkonsums in Industrieländern im Jahr 2020 auf die Hälfte des Niveaus von 1993 simuliert. Den Ergebnissen zufolge würde ein Nachfragerückgang zunächst die Preise von Tierprodukten sinken lassen, was in Entwicklungsländern bei Tierprodukten eine Konsumsteigerung von etwa 15 % zur Folge hätte, verglichen mit 1,5 % bei Getreideprodukten. In der Folge sei der Beitrag eines Verzichts auf Tierprodukte zur Ernährungssicherung gering. Weitaus bedeutender seien Effizienzsteigerungen der Landwirtschaft und Wirtschaftswachstum in Entwicklungsländern.[14][15]

Wasserverbrauch

Geschätzter Verbrauch virtuellen Wassers verschiedener landwirtschaftlicher Produkte (m³ Wasser/Tonne Produkt = l/kg) nach diversen Autoren[16]
Hoekstra & Hung (2003)Chapagain & Hoekstra
(2003)
Zimmer & Renault (2003)Oki et al. (2003)Durch­schnitt
Rindfleisch15977135002070016726
Schweinefleisch5906460059005469
Käse52885288
Hühnerfleisch2828410045003809
Eier4657270032003519
Reis2656140036002552
Sojabohnen2300275025002517
Weizen1150116020001437
Mais45071019001020
Milch865790560738
Kartoffeln160105133

Die durchschnittliche US-amerikanische Ernährung verbraucht bei gleichem Kalorienkonsum mehr Land-, Energie- und Wasserressourcen als eine ovo-lakto-vegetarische.[17] So weist die Viehhaltung einen deutlich höheren Wasserverbrauch pro Ertragseinheit auf als die Pflanzenproduktion (siehe Tabelle). Den größten Einfluss hat in einer Studie zu Kalifornien dabei die Rinderproduktion.[18] Reduktionen der Biodiversität ergeben sich bisher insbesondere aus durch Tierproduktion hervorgerufene Fragmentierung des Waldes, Desertifikation (Fortschreiten der Wüsten), invasive Pflanzenarten und Lebensraumverschmutzung. Bisher moderate Faktoren waren Toxizität, Überfischung, und die Verdrängung wilder Arten. Die durch Viehhaltung verursachten Biodiversitätsverluste durch Waldfragmentation, intensivierte Landnutzung, globale Erwärmung, Verdrängung wilder Arten, Erosion der Viehdiversität, Giftigkeit und Lebensraumverschmutzung werden laut Prognosen der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) in der Zukunft stark ansteigen.[19]

Die Intensivierung reduziert den ökologischen Fußabdruck der Tierhaltung und wird daher auch seitens der FAO als nachhaltigere Lösung gegenüber der extensiven Tierhaltung empfohlen.[20]

Treibhausgase

Vergleich des CO2-Einsparungspotentials für verschiedene Ernährungsformen, welche den Konsum von Tierprodukten reduzieren. DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung), UGB (Unabhängige Gesundheitsberatung), vegetarisch und vegan.[21]

Die Viehhaltung emittiert wesentlich mehr Treibhausgase als die Pflanzenproduktion.[22] Der weitaus größte Anteil an den Treibhausgasemissionen innerhalb der Viehhaltung besteht aus Lachgas und Methan und ist auf die Verdauung der Tiere (Mist und Pansengärung) zurückzuführen; Futtermittelproduktion und Kraftstoffverbrauch sind relativ unbedeutend.[19]

Im Jahr 2012 waren in Deutschland etwa zwei Drittel der ernährungsbedingten Treibhausgasemissionen auf tierische Lebensmittel zurückzuführen.[23]

Einer Simulation zufolge würde der Kapitalwert der Vermeidungskosten von Treibhausgasemissionen im Zeitraum 2000–2050 unter Annahme eines kompletten globalen Fleischverzichts massiv reduziert.[24] Würde der globale Fleischkonsum ab 2015 innerhalb von 40 Jahren auf weniger als ein Drittel reduziert, würden einer weiteren Studie zufolge die Lachgas- und Methanemissionen der Landwirtschaft unter das Niveau von 1995 sinken.[25][26]

Dagegen wird vermutet, dass die Halbierung des Fleischkonsums allein in den Industrieländern höchstens geringe globale Emissionsreduktionen zur Folge hätte, da die Entwicklungsländer ihren Konsum dann entsprechend ausweiten würden.[14]

Eine Studie der FAO aus dem Jahre 2006 kam zu dem Schluss, die Viehhaltung trüge mit 18 % der globalen anthropogenen Treibhausgasemissionen mehr zur globalen Erwärmung bei als der gesamte Verkehrssektor. Die Viehhaltung sei gleichzeitig für knapp 80 % der Emissionen aus der Landwirtschaft verantwortlich.[19]

2009 kritisierte Frank M. Mitloehner die FAO-Studie. Er bemängelte, dass die FAO unrealistische Annahmen bezüglich des Ausmaßes der durch die Viehhaltung verursachten Entwaldung getroffen habe. Zweitens habe die FAO für die Tierproduktion eine komplette Ökobilanz erstellt, berücksichtige für den Verkehrssektor aber nur die direkten Emissionen. In den meisten Industrieländern habe die Tierproduktion im Vergleich zu Verkehrs-, Energie- und anderen Industriesektoren einen relativ geringen Anteil an den anthropogenen Treibhausgasemissionen. In Entwicklungsländern hingegen sähen die Relationen anders aus, da dort die Transport- und Energiesektoren viel kleiner sind. Drittens habe die FAO die klimarelevanten Alternativen zur Tierproduktion unberücksichtigt gelassen. So werde ignoriert, dass sowohl der alternative Gebrauch von durch die Tierhaltung beanspruchten Ressourcen als auch die alternative Beschaffung von den durch die Tierhaltung bereitgestellten Produkten (z. B. Lebensmittel, Wolle, Dünger) und Dienstleistungen (z. B. Zugkraft) Treibhausgase emittieren würden. Nur bei Berücksichtigung dieser alternativen Emissionen sei eine korrekte Abschätzung des globalen Erwärmungspotenzials der Tierproduktion möglich.[27]

Mitloehner selbst wurde später Vorsitzender einer neuen Partnerschaft zwischen FAO und der Milch- und Fleischindustrie. Zusammen mit dem International Meat Secretariat und der International Dairy Federation sollte die Umweltperformance der Tierproduktion verbessert werden. Sein Wechsel in die neue Position brachte Mitloehner Kritik ein.[28][29]

Insgesamt betrachtet ist das Potential von produktionstechnischen Maßnahmen für die Emissionsreduktion geringer als das der Ernährungsumstellung.[30]

2013 aktualisierte die FAO ihre Studie anhand neuer Datenbestände. Die Treibhausgas-Emissionen der Tierproduktion verursachten laut UNO 14,5 % der weltweiten Emissionen.[31][32]

Eine Studie aus dem Jahr 2021 untersuchte die Umweltanstrengungen der 35 größten Tierproduzenten. Nur 4 der Produzenten planten 2050 Klimaneutralität zu erreichen. Die größten Fleisch- und Milchproduzenten der USA gaben außerdem hohe Summen aus, um den Zusammenhang der Tierproduktion mit dem Klimawandel herunterzuspielen und klimapolitische Maßnahmen für ihre Branche zu verhindern.[33]

Für Deutschland konnte eine Studie aus dem Jahr 2014 feststellen, dass eine fleischlose Ernährung 31 % und eine vegane Ernährung (gänzlich ohne Tierprodukte) 53 % einspart, verglichen zur Durchschnittsernährung 2006.[34] Für Österreich berechnete eine Studie aus dem Jahr 2020 bei fleischloser Ernährung 47 % CO2-Einsparungen, bei veganer 70 %, verglichen mit der Durchschnittsernährung.[35][36]

Flächenverbrauch

Vergleich des Flächenverbrauchs zwischen pflanzlichen (grün) und tierischen (blau) Nahrungsmitteln.[37]

Etwa ein Drittel der Landfläche des Planeten wird heute für die Produktion von Tierprodukten verwendet (Polkappen nicht inbegriffen), was etwa 70–80 % der landwirtschaftlich genutzten Fläche entspricht.[38][39][40]

Nur etwa 11 % der globalen Landfläche sind jedoch für die Produktion von Pflanzen, die direkt für die menschliche Ernährung bestimmt sind, verwendbar. Große Teile der Erdoberfläche können allenfalls als Weiden genutzt werden.[41][42]

Dem wird entgegnet, dass sich Weideland in bergigen Regionen durchaus für den Anbau menschlicher Nahrung nutzen ließe. Die Böden könnten für den Anbau von Beeren, Obst und anderen mehrjährigen Pflanzen genutzt werden. In anderen Regionen der Welt dienen solche Böden für den Anbau von Kaffee, Tee, Kakao und vielerlei Gewürzen. Zudem kann die Weltbevölkerung rein rechnerisch schon jetzt ohne die Nutzung von Weideland ernährt werden, wenn nicht ein Drittel der globalen Ackerfläche für die Erzeugung von Tierfutter genutzt würde.[43]

Eine von Poore und Nemecek (2018) in der Fachzeitschrift Science veröffentlichte Studie untersuchte die variierenden Umweltwirkungen der Produktion von 40 ausgewählten Lebensmitteln in verschiedenen Produktionssystemen.

Nach der Modellrechnung der Autoren ermöglicht die Streichung tierischer Erzeugnisse von heutigen Speiseplänen eine Verringerung der Flächennutzung um 3,1 Milliarden Hektar.

Das entspräche in etwa der gemeinsamen Fläche von Australien, China, der Europäischen Union und der Vereinigte Staaten. In der Modellrechnung konnte die Herstellung tierischer Erzeugnisse bis zu 83 % der weltweiten Ackerfläche beanspruchen und bis zu 57 % der unterschiedlichen Ausstöße von Lebensmitteln verursachen, wobei sie nur 18 % der Kalorien und 37 % der Proteine zur menschlichen Ernährung beisteuerte.[44]

Für Deutschland konnte eine Studie aus dem Jahr 2014 feststellen, dass eine vegane Ernährung (gänzlich ohne Tierprodukte) 50 % Fläche einspart, verglichen zur Durchschnittsernährung 2006.[45] Für Österreich berechnete eine Studie aus dem Jahr 2020 bei fleischloser Ernährung 41 % Einsparungen, bei veganer 65 %, verglichen mit der Durchschnittsernährung.[46][36]

Biodiversitätsverlust

Um das weltweite Artensterben und den Biodiversitätsverlust aufzuhalten, ist laut Vereinten Nationen eine stärker pflanzliche Ernährung nötig.[47]

“Firstly, global dietary patterns need to converge around diets based more on plants, owing to the disproportionate impact of animal farming on biodiversity, land use and the environment. Such a shift would also benefit the dietary health of populations around the world, and help reduce the risk of pandemics.”

„Zunächst müssen sich die globalen Ernährungsgewohnheiten einer stärker pflanzlichen Ernährungsweise annähern, da die Tierhaltung einen überproportionalen Einfluss auf Biodiversität, Flächenverbrauch und Umwelt hat. Diese Veränderung hätte zudem einen positiven Einfluss auf die Gesundheit der Weltbevölkerung und würde das Risiko von Pandemien reduzieren.“

United Nations Environment Program (UNEP), Chatham House, Compassion in World Farming[48]

Laut UNEP ist eine substanzielle Verringerung der Folgen der Umweltschädigung nur mit einer weltweiten Umstellung der Ernährung möglich, weg von tierischen Produkten.[49]

Krankheitserreger

Die Tierproduktion bringt Krankheiten wie Rinderwahnsinn, Maul- und Klauenseuche, Schweinepest und Geflügelpest mit sich.

Die WHO sieht in der Nachfrage nach Fleisch und anderen tierischen Proteinquellen ein Hauptrisiko für das Entstehen von Zoonosen, also Krankheiten, die vom Tier auf den Menschen übergehen.[50] Somit stehe der Tierproduktkonsum in direktem Zusammenhang mit Pandemien.[51]

Luftverschmutzung

In den USA sterben jährlich etwa 15.900 Personen an durch Landwirtschaft verursachter Luftverschmutzung. 80 % dieser Todesfälle sind dabei der Tierproduktion anzulasten.[52]

Antibiotika-Einsatz

Allgemein gilt der Einsatz von Antibiotika in Tierhaltung und Tiermast als ethisch problematisch, da er mit gesundheitlichen Gefahren verknüpft ist, wenn resistente Keime auf den Menschen übergehen.[53][54]

Tierschutz und Tierrechte

In der Tierethik, einem Teilbereich der angewandten Ethik, stellt man sich die Frage, ob oder wie Nutzung von Tieren durch den Menschen gerechtfertigt werden kann. Diese Frage wird in der Tierethik unabhängig von den wirtschaftlichen und ökologischen Aspekten der Tierhaltung gestellt.

Literatur

  • James R. Gillespie, Frank B. Flanders: Modern Livestock and Poultry Production. 8. Auflage. Delmar – Cengage Learning, Clifton Park NY 2009, ISBN 978-1-4283-1808-3.
  • Jürgen Weiß, Wilhelm Pabst, Karl Ernst Strack, Susanne Granz: Tierproduktion. 13., überarbeitete Auflage. Parey, Stuttgart 2005, ISBN 3-8304-4140-1.

Weblinks

Wiktionary: Viehwirtschaft – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. Werner Doppler: Landwirtschaftliche Betriebssysteme in den Tropen und Subtropen. Ulmer Verlag, Stuttgart 1991.
  2. a b c d e f FAO (2009): FAOSTAT. Rom.
  3. J. Poore, T. Nemecek (2018): Reducing Food’s Environmental Impacts through Producers and Consumers. In: Science, 360 (6392), 987–992. doi:10.1126/science.aaq0216. PMID 29853680.
  4. a b c d e G. E. Bradford: Contributions of animal agriculture to meeting global human food demand. In: Livestock Production Science. 59(2-3), 1999, S. 95–112.
  5. a b c J. Gillespie, F. Flanders: Modern Livestock and Poultry Production. Cengage Learning. 2009.
  6. Robert Goodland: Environmental sustainability in agriculture: diet matters. In: Ecological Economics. Volume 23, Issue 3, 5. Dezember 1997, S. 189–200. (PDF; 962 kB)
  7. FAOstat: Sources of dietary Energy consumption (2001–2003). (PDF; 258 kB)
  8. M. C. Eisler u. a.: Steps to sustainable livestock. In: Nature. (507), 2014.
  9. Cornelius De Haan, Tjaart Schillhorn Van Veen, Brian Brandenburg, Jerome Gauthier, Francois Le Gall, Robin Mearns, Michel Simeon: Livestock Development: Implications for Rural Poverty, the Environment, and Global Food Security: Implications for Rural Poverty, the Environment and Global Security. World Bank Publications, 2001, ISBN 0-8213-4988-0.
  10. Claus Leitzmann: Zwischen Mangel und Überfluss. Die globale Ernährungssituation. In: Not für die Welt. Ernährung im Zeitalter der Globalisierung. Brockhaus, 2012, ISBN 978-3-577-07771-2, S. 39.
  11. a b Vgl. Claus Leitzmann: Zwischen Mangel und Überfluss. Die globale Ernährungssituation. In: Not für die Welt. Ernährung im Zeitalter der Globalisierung. Brockhaus, 2012, ISBN 978-3-577-07771-2, S. 40.
  12. Claus Leitzmann, Markus Keller: Vegetarische und vegane Ernährung. 4. überarbeitete Auflage. UTB, 2020, ISBN 978-3-8252-5023-2, S. 435.
  13. Vgl. Claus Leitzmann: Zwischen Mangel und Überfluss. Die globale Ernährungssituation. In: Not für die Welt. Ernährung im Zeitalter der Globalisierung. Brockhaus, 2012, ISBN 978-3-577-07771-2, S. 53.
  14. a b M. Rosegrant, N. Leacha, R. Gerpacioa: Alternative futures for world cereal and meat consumption. In: Proceedings of the Nutrition Society. Band 58, 1999, S. 219–234.
  15. E. Stokstad: Could Less Meat Mean More Food? In: Science. Band 327, Nr. 5967, 2010, S. 810–811.
  16. A.Y. Hoekstra (Hrsg.): Virtual water trade. Proceedings of the International Expert Meeting on Virtual Water Trade (= Value of Water Research Report Series. No. 12). 2003, UNESCO-IHE, Delft, 2003, S. 16 (englisch; waterfootprint.org; PDF).
  17. D. Pimentel, M. Pimentel: Sustainability of meat-based and plant-based diets and the environment. In: American Journal of Clinical Nutrition. Band 78, Nr. 3, 2003, S. 660S–663S.
  18. H. Marlow, W. Hayes, S. Soret, R. Carter, E. Schwab, J. Sabate: Diet and the environment: does what you eat matter? In: American Journal of Clinical Nutrition. Band 89, 2009, S. 1699S–1703S.
  19. a b c Food and Agricultural Organization: Livestock's Long Shadow. 2006.
  20. Maurice E. Pitesky, Kimberly R. Stackhouse, Frank M. Mitloehner: Clearing the Air: Livestock’s Contribution to Climate Change. In: Advances in Agronomy. Band 103, Sep 2009, S. 1–40.
  21. Toni Meier: Umweltschutz mit Messer und Gabel – Der ökologische Rucksack der Ernährung in Deutschland. oekom, 2014, ISBN 978-3-86581-462-3.
  22. J. Poore, T. Nemecek: Reducing food’s environmental impacts through producers and consumers. In: Science. 360, 2018, S. 987, doi:10.1126/science.aaq0216.
  23. Vgl. Claus Leitzmann, Markus Keller: Vegetarische und vegane Ernährung. 4. überarbeitete Auflage. UTB, 2020, ISBN 978-3-8252-5023-2, S. 437.
  24. E. Stehfest, L. Bouwman, D. van Vuuren, M. den Elzen, B. Eickhout, P. Kabat: Climate benefits of changing diet. In: Climatic Change. 95, Nr. 1–2, 2009, S. 83–102. (PDF; 430 kB)
  25. A. Popp, H. Lotze-Campena, B. Bodirskya: Food consumption, diet shifts and associated non-CO2 greenhouse gases from agricultural production. In: Global Environmental Change. Band 20, Nr. 3, 2010, S. 451–462. doi:10.1016/j.gloenvcha.2010.02.001
  26. Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung: Klimaschutz durch bewusste Ernährung (vom 28. Juni 2010)
  27. Maurice E. Pitesky, Kimberly R. Stackhouse, Frank M. Mitloehner: Clearing the Air: Livestock’s Contribution to Climate Change. In: Advances in Agronomy. Band 103, Sep 2009, S. 1–40. doi:10.1016/S0065-2113(09)03001-6
  28. Measuring Livestock's Long Shadow - The New York Times. 5. September 2015, abgerufen am 18. Februar 2021.
  29. Robert Goodland - Mark Bittman Blog - The New York Times. Abgerufen am 18. Februar 2021 (englisch).
  30. Vgl. Alexander Popp, Hermann Lotze-Campen: Klimaschutz an der Fleischtheke. Die globale Erwärmung und die Rolle der Landwirtschaft. In: Not für die Welt. Ernährung im Zeitalter der Globalisierung. Brockhaus, 2012, ISBN 978-3-577-07771-2, S. 152.
  31. Tackling climate change through livestock // FAO's Animal Production and Health Division. Abgerufen am 18. Februar 2021.
  32. FAO - News Article: Key facts and findings. Abgerufen am 18. Februar 2021 (englisch).
  33. Meat and dairy companies slow to commit to net-zero emissions, new analysis finds. Abgerufen am 15. April 2021 (englisch).
  34. Toni Meier: Umweltschutz mit Messer und Gabel – Der ökologische Rucksack der Ernährung in Deutschland. oekom, 2014, ISBN 978-3-86581-462-3.
  35. Forschungsinstitut für biologischen Landbau FiBL: Neue FiBL Studie zu Einfluss unterschiedlicher Ernährungsweisen auf Klimawandel und Flächenverbrauch. Abgerufen am 18. April 2021.
  36. a b Thomas Lindenthal, Martin Schlatzer: DIETCCLU, Einfluss von unterschiedlichen Ernährungsweisen auf Klimawandel und Flächeninanspruchnahme in Österreich und Übersee. Hrsg.: Forschungsinstitut für Biologischen Landbau [FiBL Wien] Zentrum für globalen Wandel und Nachhaltigkeit [gW/N], Universität für Bodenkultur [BOKU]. 2020.
  37. Claus Leitzmann, Markus Keller: Vegetarische und vegane Ernährung. 4. überarbeitete Auflage. UTB, 2020, ISBN 978-3-8252-5023-2, S. 433.
  38. Angabe 70 % bei Alok Kumar: Global Warming. In: Margaret Puskar-Pasewicz (Hrsg.): Cultural Encyclopedia of Vegetarianism. ABC-CLIO, 2010, ISBN 978-0-313-37556-9, S. 120.
  39. Angabe 80 % bei Claus Leitzmann, Markus Keller: Vegetarische und vegane Ernährung. 4. überarbeitete Auflage. UTB, 2020, ISBN 978-3-8252-5023-2, S. 432.
  40. Vgl. Harald von Witzke, Steffen Noleppa, Inga Zhirkova: Fleisch frisst Land. Hrsg.: WWF Deutschland. Berlin 2014, S. 9 (wwf.de [PDF]).
  41. J. Gillespie, F. Flanders: Modern Livestock and Poultry Production. Cengage Learning. 2009.
  42. FAOstat: Sources of dietary Energy consumption (2001–2003). (PDF; 258 kB)
  43. Vgl. Claus Leitzmann: Veganismus. Grundlagen, Vorteile, Risiken. C.H. Beck, München 2018, ISBN 978-3-406-72684-2, Kapitel X.
  44. J. Poore, T. Nemecek (2018): Reducing Food’s Environmental Impacts through Producers and Consumers. In: Science, 360 (6392), 987–992. doi:10.1126/science.aaq0216. PMID 29853680.
  45. Toni Meier: Umweltschutz mit Messer und Gabel – Der ökologische Rucksack der Ernährung in Deutschland. oekom, 2014, ISBN 978-3-86581-462-3.
  46. Forschungsinstitut für biologischen Landbau FiBL: Neue FiBL Studie zu Einfluss unterschiedlicher Ernährungsweisen auf Klimawandel und Flächenverbrauch. Abgerufen am 18. April 2021.
  47. Biodiversity: Food 'key driver' of accelerating death of wildlife. Deutsche Welle (www.dw.com), 3. Februar 2021, abgerufen am 18. Februar 2021 (britisches Englisch).
  48. chathamhouse.org S. 2.
  49. Vgl. E. Hertwich, E. van der Voet, S. Suh, A. Tukker, M. Huijbregts, P. Kazmierczyk, M. Lenzen, J. McNeely, Y. Moriguchi: Assessing the environmental impacts of consumption and production: Priority Products and Materials. In: UNEP (Hrsg.): A Report of the Working Group on the Environmental Impacts of Products and Materials to the International Panel for Sustainable Resource Management. 2010, ISBN 978-92-807-3084-5, S. 66, 75, 79, 82.
  50. WHO, FAO, OIE: Report of the WHO/FAO/OIE joint consultation on emerging zoonotic diseases. (PDF) Mai 2004, S. 40, abgerufen am 25. April 2020.
  51. Kurt Schmidinger: Wie Tierproduktkonsum zu Pandemien beiträgt. Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt, 20. März 2020, abgerufen am 3. Mai 2020.
  52. Nina G. G. Domingo, Srinidhi Balasubramanian, Sumil K. Thakrar, Michael A. Clark, Peter J. Adams: Air quality–related health damages of food. In: Proceedings of the National Academy of Sciences. Band 118, Nr. 20, 18. Mai 2021, ISSN 0027-8424, doi:10.1073/pnas.2013637118, PMID 33972419.
  53. Claus Leitzmann, Markus Keller: Vegetarische und vegane Ernährung. 4. überarbeitete Auflage. UTB, 2020, ISBN 978-3-8252-5023-2, S. 429.
  54. Darryl Macer: Food Security. In: Henk ten Have (Hrsg.): Encyclopedia of Global Bioethics. Springer, 2016, ISBN 978-3-319-09484-7, S. 1285–1286.

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Vergleich von Ernährungsempfehlungen und -formen in Bezug auf die tatsächliche Ernährung in Deutschland im Jahr 2006 (Treibhausgasemissionen)