Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland

Großes Verdienstkreuz

Der Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland, auch Bundesverdienstkreuz genannt, ist die einzige allgemeine Verdienstauszeichnung der Bundesrepublik Deutschland. Er wird für besondere Leistungen auf politischem, wirtschaftlichem, kulturellem, geistigem oder ehrenamtlichem Gebiet verliehen. Der Orden wird in neun Stufen verliehen. Alle deutschen Länder außer Bremen und Hamburg haben auch eigene Verdienstorden.

Geschichte

(c) Bundesarchiv, Bild 199-1992-089-29 / Jirka, Marie-Josefine / CC-BY-SA 3.0
Elisabeth II. mit der Sonderstufe des Großkreuzes (1992)

Der Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland wurde am 7. September 1951 vom damaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss per Erlass gestiftet. In dem Erlaß über die Stiftung des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, den Heuss mit Bundeskanzler Konrad Adenauer und dem Bundesinnenminister Robert Lehr unterzeichnete, heißt es:

„In dem Wunsche, verdienten Männern und Frauen des deutschen Volkes und des Auslandes Anerkennung und Dank sichtbar zum Ausdruck zu bringen, stifte ich am 2. Jahrestag der Bundesrepublik Deutschland den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland.
Der Orden wird verliehen für Leistungen, die im Bereich der politischen, der wirtschaftlich-sozialen und der geistigen Arbeit dem Wiederaufbau des Vaterlandes dienten, und soll eine Auszeichnung all derer bedeuten, deren Wirken zum friedlichen Aufstieg der Bundesrepublik Deutschland beiträgt.“

Stiftungserlass

Der Verdienstorden wird nach internationaler Norm in drei Klassen (Verdienstkreuz, Großes Verdienstkreuz, Großkreuz) und mehreren Stufen verliehen.

Im Jahr 1951 war zunächst folgende Ordnung geplant:

  1. Verdienstkreuz am Bande
  2. Verdienstkreuz als Steckkreuz (das später in 1. Klasse umbenannt wurde)
  3. Großes Verdienstkreuz
  4. Großes Verdienstkreuz mit Stern
  5. Großkreuz mit Stern und Schulterband
  6. Großkreuz in besonderer Ausführung, dessen Verleihung sich Heuss vorbehielt.

Das erste Verdienstkreuz (in der Ausprägung am Bande) erhielt der Bergmann Franz Brandl aus Nentershausen (Hessen) am 19. September 1951 von Theodor Heuss.[1]

Im Jahr 1952 kam es zu einigen Neuerungen: Es wurde eine besondere Ausführung des Verdienstkreuzes für Arbeiter und Angestellte, die 50 Jahre lang für denselben Dienstherrn gearbeitet hatten, eingeführt. Diese Ausführung wurde jedoch bereits 1966 wieder eingestellt. Zudem wurde das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern in zwei Stufen (Großes Bundesverdienstkreuz mit Stern und Großes Bundesverdienstkreuz mit Stern und Schulterband) aufgeteilt.

Schließlich kam 1955 als unterste Stufe die Verdienstmedaille hinzu und als oberste Stufe die Sonderstufe des Großkreuzes, die jedoch schon 1953 verliehen worden war.[2]

Die höchste Stufe, die Sonderstufe des Großkreuzes, ist Staatsoberhäuptern und ihren Familienangehörigen sowie mit Amtsantritt dem deutschen Bundespräsidenten vorbehalten.

Verleihungszahlen

Verleihungen der Verdienstorden in der Bundesrepublik Deutschland

Da der Anteil an Frauen unter den Anfang der 1980er Jahre etwa 6000 jährlich verliehenen Verdienstorden, darunter seinerzeit etwa 1000 Ausländern, in der Amtszeit von Bundespräsident Karl Carstens (1979–1984) mit rund 14 Prozent deutlich unter dem Bevölkerungsanteil lag, veranlasste ihn dies im Jahr 1983, in die Neufassung der Ausführungsbestimmungen zum Statut des Verdienstordens hineinzuschreiben, dass „Verdiensten bei Tätigkeiten, die nach der Lebenserfahrung vor allem von Frauen ausgeübt werden, besondere Beachtung zu schenken ist“.

Im Oktober 2006 führte der damalige Bundespräsident Horst Köhler zusätzlich eine Quotenregelung für Frauen von mindestens 30 Prozent ein. Dieses Minimum wurde 2007 mit 30,3 Prozent erstmals erreicht und in den folgenden Jahren (2008: 31,2 Prozent; 2009: 30,5 Prozent) eingehalten. Die Vorschlagslisten der Ministerpräsidenten der Bundesländer, über die die Ordensanträge vorwiegend beim Bundespräsidialamt eingereicht werden, werden nur noch angenommen, wenn von zehn Personen, die mit dem Verdienstorden ausgezeichnet werden sollen, mindestens drei Frauen sind. Wenn den Ländern nicht genügend Frauen vorgeschlagen werden, um diese Quote zu erfüllen, führte dies beispielsweise in Sachsen-Anhalt (Stand 2014) dazu, dass Männer dem Bundespräsidialamt nicht zeitnah zur Ehrung vorgeschlagen, sondern auf eine wachsende Warteliste gesetzt wurden und erst nach längerer Wartezeit ihre Auszeichnung erhalten können.[3]

Seit 1991 sind die Verleihungszahlen stark rückläufig.[4] Von über 5000 Verleihungen im Jahre 1991 und knapp 2500 Verleihungen im Jahre 2007 fiel die Zahl auf 1064 Verleihungen im Jahre 2017 und damit etwa auf den Stand des Einführungsjahres 1951.[5]

Ende 2010 wurde bekannt, dass seit Mitte der 1990er Jahre eine nicht öffentlich gemachte Abmachung zwischen den Bundestagsfraktionen besteht, nach der pro Legislaturperiode 30 Orden unabhängig von tatsächlichen Verdiensten für Abgeordnete des Bundestages entsprechend den Fraktionsstärken reserviert sind. Der Verfassungsrechtler Herbert von Arnim bezeichnete dies als „absolute Anmaßung“ und „ganz neue Form der Selbstbedienung“.[6]

Stufen des Verdienstordens

Der Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland wird in acht Stufen vergeben (Stand 2019).[7] Eine weitere Stufe (Verdienstkreuz am Bande für Arbeitsjubilare) wurde nur von 1952 bis 1966 vergeben.

StufeBandschnalleTragweiseMerkmaleInternationale
Klasse
Anmerkung
Verdienstmedaille
VerdienstmedailleGER Bundesverdienstkreuz 1 BVM.svglinke Brust,
am Bande
 Medaille
(affiliiert)
Liste von Trägern
Verdienstkreuz
Verdienstkreuz
 am Bande
GER Bundesverdienstkreuz 2 BVK.svglinke Brust,
am Bande
 RitterkreuzListe von Trägern
Verdienstkreuz
 am Bande
 für Arbeitsjubilare
GER Bundesverdienstkreuz 2b BVK 50Jahre.svglinke Brust,
am Bande mit goldener Spange
goldene Spange
mit der Zahl 50
Verleihung von 1952 bis 1966
Verdienstkreuz
 1. Klasse
GER Bundesverdienstkreuz 3 BVK 1Kl.svglinke Brust,
Steckkreuz
 OffizierskreuzListe von Trägern
Großes Verdienstkreuz
Großes VerdienstkreuzGER Bundesverdienstkreuz 4 GrVK.svgam Halsband KomturListe von Trägern
Großes Verdienstkreuz
 mit Stern
GER Bundesverdienstkreuz 5 GrVK Stern.svgam Halsband,
Bruststern links
vierspitziger Bruststern,
flach
GroßkomturListe von Trägern
Großes Verdienstkreuz
 mit Stern und Schulterband
GER Bundesverdienstkreuz 6 GrVK Stern Band.svgam Schulterband,
Bruststern links
vierspitziger Bruststern,
gewölbt
Großkreuz
2. Klasse
Liste von Trägern
Großkreuz
GroßkreuzGER Bundesverdienstkreuz 7 Grosskreuz.svgam Schulterband,
Adler maschinengestickt,
Bruststern links
sechsspitziger BruststernGroßkreuz
1. Klasse
Liste von Trägern
Großkreuz
 in besonderer Ausführung
GER Bundesverdienstkreuz 8 Grosskreuz bes Ausf.svgam Schulterband, rot gefüttert,
Adler maschinengestickt,
Bruststern links
sechsspitziger Bruststern,
Lorbeerkranz um das
 Medaillon
Großkreuz
(Sonderform)
Liste von Trägern
(bisher nur Konrad Adenauer und Helmut Kohl)
Sonderstufe des
 Großkreuzes
GER Bundesverdienstkreuz 9 Sond des Grosskreuzes.svgam Schulterband,
Adler handgestickt,
Bruststern links
achtspitziger BruststernListe von Trägern
(Verleihung nur an Staatsoberhäupter und ihre
Ehepartner, Amtsinsigne des Bundespräsidenten
als Ordensherr, höchste Form des Ordens)

Verleihung

Verleihung an Heiko Braak (2018)
Verleihungsurkunde für die Verdienstmedaille mit Kleinem Bundessiegel und Unterschrift des Bundespräsidenten (1984)

Jedes Jahr werden auf Vorschlag mehr als Tausend Menschen ausgezeichnet. Bis zum 18. Juli 2019 wurde die Auszeichnung insgesamt 258.515 Mal verliehen. Im Jahr 2018 wurden 1282 Personen ausgezeichnet.[5] Bei einer Erstverleihung wird in der Regel höchstens die zweite Stufe (Verdienstkreuz am Bande) und an Personen, die jünger als 40 Jahre sind, höchstens die erste Stufe (Verdienstmedaille) verliehen. Nur in Ausnahmefällen wird eine höhere Stufe gewählt.

Prinzipien

Der Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland kann nach den ordensrechtlichen Bestimmungen nicht postum verliehen werden. Trotzdem erhielten beispielsweise Jürgen Schumann oder Dominik Brunner die Auszeichnungen postum. In diesen Fällen sind meistens die Todesumstände der Grund für die Verleihung.

Als Erstauszeichnung werden im Allgemeinen die Verdienstmedaille oder das Verdienstkreuz am Bande verliehen. Die Verleihung der Verdienstmedaille ist an kein Mindestalter gebunden. Für das Verdienstkreuz am Bande sollte die zu ehrende Person ein Mindestalter von 40 Jahren erreicht haben.[8] Die Verleihung der nächsthöheren Ordensstufe erfordert neue auszeichnungswürdige Leistungen und eine entsprechende Interkalarfrist. Bei besonders herausragenden Leistungen ist eine Ausnahme von diesen Bestimmungen möglich.

Die vom Bundespräsidenten verliehene Auszeichnung wird gewöhnlich durch den Ministerpräsidenten, einen Minister des Bundes oder des Landes, den Regierungspräsidenten, den Landrat, den Oberbürgermeister oder den Bürgermeister überreicht. Auslandsdeutsche und Ausländer erhalten ihn oft durch den zuständigen deutschen Botschafter. In einigen Fällen nimmt der Bundespräsident die Aushändigung selbst vor, meist bei höheren Stufen.

Bei einigen Beamten, Soldaten und Richtern erfolgte inzwischen eine automatische Verleihung bestimmter Ordensstufen, sobald diese aus ihrem Amt ausscheiden. Das war so bei der Verleihung des Großen Verdienstkreuzes an den jeweiligen Generalinspekteur der Bundeswehr oder bei der Verleihung des Großen Verdienstkreuzes mit Stern und Schulterband nach dem Ende der Amtszeit als Richter des Bundesverfassungsgerichts.

Diplomaten, die nach längerem Aufenthalt ihr Gastland verlassen, erhalten entsprechend internationaler Gepflogenheit das Bundesverdienstkreuz: So werden Botschafter und manche Militärattachés ohne das sonst bei Ordensverleihungen übliche Prüfungsverfahren ausgezeichnet. Auch der argentinische Oberst Juan José Masi, Militärattaché an der argentinischen Botschaft in Bonn von 1977 bis 1980, dem schwere Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen werden, erhielt auf diese Weise im März 1981 das Große Bundesverdienstkreuz.[9]

Das Procedere der öffentlichen Verleihung ist meist festlich gehalten, die höchsten Auszeichnungsstufen nimmt der amtierende Bundespräsident persönlich vor. Jede geehrte Person wird mit einigen Angaben über ihr Leben und Wirken vorgestellt.[10]

Vorschlagsrecht

Jeder kann die Auszeichnung eines Anderen anregen. Dazu wendet er sich an die Staatskanzlei des Landes, in dem der Vorgeschlagene seinen Wohnsitz hat. Lebt die Person im Ausland oder ist sie Ausländer, so ist das Auswärtige Amt für den Vorschlag zuständig. Die Auszeichnung eines Mitarbeiters einer Bundesbehörde kann beim zuständigen Bundesminister angeregt werden. Die jeweilige Protokollabteilung hat die Aufgabe, die Angaben zu prüfen, bevor sie an die Ordenskanzlei im Bundespräsidialamt weitergeleitet werden. In der Praxis machen vor allem Behörden, Institutionen, Wirtschafts- und Sportverbände Vorschläge. Anregungen aus der Bevölkerung sind dagegen selten: In Nordrhein-Westfalen, dem bevölkerungsreichsten Bundesland, wurden im Schnitt der Jahre 2003 bis 2012 jährlich knapp 850 Verleihungen angeregt, von denen mehr als die Hälfte tatsächlich vollzogen wurden. Die Ablehnungsquote lag in NRW im Durchschnitt bei 42,1 Prozent. Den wenigen zugänglichen Daten aus anderen Ländern nach sind die Quoten dort ähnlich.[11]

Neben dem Vorschlagsrecht auf Verleihung des Bundesverdienstkreuzes gibt es auch die Anregung auf Aberkennung eines bereits verliehenen Bundesverdienstkreuzes.

Aberkennung

Trotz des vorherigen Prüfverfahrens erhielten auch Personen die Auszeichnung, denen sie später wieder aberkannt wurde. Beispielsweise wurde 1964 Heinrich Bütefisch von Mitgliedern des Bundesverbands der Deutschen Industrie für den Orden vorgeschlagen. Das Düsseldorfer Ordenreferat fand beim Verfassungsgericht und beim Justizministerium offenbar nichts gegen ihn Vorliegendes, Bütefisch erhielt den Orden – 16 Tage später wurde er ihm aberkannt. Ein Bürger hatte darauf hingewiesen, dass Bütefisch 1948 im I.G.-Farben-Prozess wegen „Ausbeutung der Arbeit von KZ-Insassen“ zu sechs Jahren Haft verurteilt worden war.[12][13][14]

Form, Material und Herstellung

Großkreuz in besonderer Ausführung (mit Lorbeerkranz, links), Sonderstufe des Großkreuzes (Mitte (Damenausführung) und rechts)

Ab der Stufe am Bande gibt es die Ordensinsignien in einer jeweils unterschiedlichen Version für Herren und Damen. Die Damenversionen zeichnen sich durch etwas kleinere Kreuze und Medaillons aus sowie durch ein (ab der Stufe Großes Verdienstkreuz) schmaleres Band, das immer als Damenschleife ausgeführt wird.

StufeHerren-VersionDamen-Version
GrößeGröße SternBandGrößeGröße SternBand
Verdienstmedaille38 mm30 mm38 mm30 mm
Verdienstkreuz am Bande55 mm30 mm47 mm30 mm
Verdienstkreuz 1. Klasse55 mm47 mm
Großes Verdienstkreuz60 mm44 mm60 mm40 mm
Großes Verdienstkreuz
mit Stern
60 mm80 mm44 mm60 mm80 mm40 mm
Großes Verdienstkreuz
mit Stern am Schulterband
60 mm85 mm100 mm60 mm85 mm60 mm
Großkreuz70 mm80 mm100 mm60 mm80 mm60 mm
Großkreuz in besonderer Ausführung70 mm80 mm100 mm60 mm80 mm60 mm
Sonderstufe des Großkreuzes70 mm90 mm100 mm60 mm80 mm60 mm

Wegen der großen Stückzahlen einerseits und des Kostenbewusstseins andererseits werden die Orden heute nur noch maschinell aus einer Kupferlegierung geprägt und mit einer Goldbeschichtung versehen; farbige Teile bestehen aus Kunstemaille. Hersteller der offiziellen Orden der Bundesrepublik Deutschland ist die Firma Steinhauer & Lück in Lüdenscheid.

Bisherige Träger

Bisher wurde der Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland etwa 257.000 Mal verliehen (Stand Ende 2017).[15]

Tragweise

Das Großkreuz wird an einem breiten, von der rechten Schulter zur linken Hüfte führenden Bande getragen. Der dazu gehörende goldene Stern wird auf der linken Brustseite getragen.

Das Große Verdienstkreuz wird als Großes Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband an einem breiten, von der rechten Schulter zur linken Hüfte führenden Bande getragen. Der zum Großen Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband gehörende goldene vierspitzige Stern wird auf der linken Brustseite getragen.

Das Große Verdienstkreuz mit Stern wird an einem Bande um den Hals getragen.

Das Verdienstkreuz wird als Verdienstkreuz 1. Klasse an der linken Brustseite angesteckt, als Verdienstkreuz am Bande an einem schmalen Bande an der linken oberen Brustseite getragen.

Die Verdienstmedaille wird am Bande an der linken oberen Brustseite getragen.[16]

Hanseatische Ablehnung

Als einziges Land stimmte die Freie Hansestadt Bremen gegen die Stiftung des Bundesverdienstordens. Bremen und Hamburg sind auch die einzigen Länder, die keinen eigenen Verdienstorden gestiftet haben.

Bremen

Orden zu verleihen oder zu tragen, ist nicht bremischer Brauch. Der Senat der Freien Hansestadt Bremen stellte 1893 einmal fest: „Von altersher ist es Gebrauch, daß Decorationen von Senatsmitgliedern niemals angenommen werden, und so empfiehlt es sich auch – abgesehen von anderen Gründen – schon um deswillen hieran festzuhalten. Auch weil der Bremer Senat nicht in der Lage ist, derartige Höflichkeiten zu erwidern.“ Bürgermeister Theodor Spitta hat diesen Brauch 1952 gegenüber Bundespräsident Theodor Heuss nochmals bekräftigt. Es wurden und werden aber Ehrenmedaillen wie die Bremische Ehrenmedaille oder die Senatsmedaille für Kunst und Wissenschaft der Freien Hansestadt Bremen (wie auch in Hamburg) verliehen. Es existierte nur eine kriegsbedingte Ausnahme: Das Hanseatenkreuz war eine im Ersten Weltkrieg verliehene Auszeichnung und wurde 1915 gemeinsam von den drei Hansestädten Hamburg, Bremen und Lübeck für Verdienste im Krieg gestiftet.[18]

Hamburg

Nach einem auf das 13. Jahrhundert zurückgehenden und in einem Senatsbeschluss von 1963 bekräftigten Prinzip lehnen manche Hamburger „Auszeichnungen fremder Herren“ ab (Hanseaten und Auszeichnungen). Die ehemalige Senatorin Emilie Kiep-Altenloh war für das Große Bundesverdienstkreuz vorgeschlagen worden. Daraufhin kam es zu einer Kleinen Anfrage der SPD in der Hamburgischen Bürgerschaft im Mai 1963. Bürgermeister Paul Nevermann erklärte, dass der Senat weiterhin an seiner traditionellen Devise festhält: keine Orden für Senatoren. Zu Vorschlägen von anderer Seite werde sich der Senat gegenüber der verleihenden Stelle dahin äußern, dass von der Verleihung abgesehen werden möge.[19] Die Freie und Hansestadt Hamburg ehrte Emilie Kiep-Altenloh 1963 mit der Bürgermeister-Stolten-Medaille.

Bekannte Ablehner der Auszeichnung waren Helmut Schmidt, Hans-Olaf Henkel, Inge Meysel, Jan Philipp Reemtsma, Günter Grass,[20] Heidi Kabel, Siegfried Lenz[20] und Hans-Ulrich Klose.

Literatur

  • Alexander von Sallach: Die Orden und Ehrenzeichen unserer Republik. Phaleristischer Verlag Autengruber, Konstanz 2004, 2006, ISBN 3-937064-05-2, ISBN 3-937064-04-4; Ausgabe 2011: Battenberg Verlag, ISBN 978-3-86646-079-9.
  • Birgit Laitenberger, Dorothea Bickenbach, Maria Bassier: Deutsche Orden und Ehrenzeichen. 6. Auflage, Carl Heymanns Verlag, Köln 2005, ISBN 3-452-25954-4.
  • Knut Bergmann: Wer hat, dem wird gegeben? Das Bundesverdienstkreuz als Teil öffentlicher Anerkennungskultur. In: Merkur, 67. Jg., Heft 764, Heft 09, September 2013, S. 844–850. ISSN 0026-0096.
  • Knut Bergmann: Nur die üblichen Verdächtigen? Orden und Ehrenzeichen als Anerkennung und Motivation für bürgerschaftliches Engagement. In: Wolfgang Lauterbach/Michael Hartmann/Miriam Ströing: (Hrsg.): Reichtum, Philanthropie und Zivilgesellschaft. Springer VS, Wiesbaden 2014, ISBN 978-3-658-06012-1, S. 133–152.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Lars Amelung: Erste Verleihung des Bundesverdienstkreuzes der Bundesrepublik Deutschland 1951. In: Virtuelle Ausstellungen. Auf Bundesarchiv.de, abgerufen am 6. Oktober 2019.
  2. Siehe den Erlass über die Stiftung des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland vom 7. September 1951, sowie den Erlass über die Neufassung des Statuts des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland vom 8. Dezember 1955 (S. 1 und 2): Erlaß von 1951, S. 1, 2.
  3. Hagen Eichler: Bundesverdienstkreuz – Frauenquote stoppt Ehrung von Männern. In: volksstimme.de, 13. Juni 2014.
  4. Zu wenig Frauen, falsche Verdienste - warum der Bundespräsident immer weniger Orden verleiht. In: Der Tagesspiegel, 23. November 2016, abgerufen am 25. Dezember 2016.
  5. a b Statistik der Ordensverleihungen.
  6. Abgeordnete bedienen sich bei Verdienstkreuzen selbst. In: Welt.de, abgerufen am 30. Dezember 2010.
  7. Der Bundespräsident, Orden und Ehrungen: Die acht Stufen des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland; abgerufen 3. April 2019.
  8. Der Bundespräsident: Der Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland.
  9. Steffen Leidel: Vergabepraxis von Verdienstorden in der Kritik. In: Deutsche Welle, 14. April 2005.
  10. Arno Widmann: Die Inszenierung der Schönheit einer Gesellschaft. Der Bundespräsident ehrt 15 Männer und 17 Frauen mit dem Bundesverdienstkreuz – darunter Künstler, Kirchenmänner und Bürgerrechtler. In: Berliner Zeitung, 2./3./4. Oktober 2015, S. 7.
  11. Knut Bergmann: Wer hat, dem wird gegeben? Das Bundesverdienstkreuz als Teil öffentlicher Anerkennungskultur. In: Merkur, 67. Jg., Heft 764, Heft 09, September 2013, S. 844–850, 847.
  12. Kerstin Artz: Das Bundesverdienstkreuz wird 60. In: Rheinische Post, 7. September 2011, S. A6
  13. Spiegel Online: einestages
  14. Orden: Soll und Haben. In: Der Spiegel. Nr. 15, 1964 (online).
  15. www.bundespraesident.de: Der Bundespräsident / Verdienstorden. Abgerufen am 7. April 2018.
  16. Artikel 4 des Statuts des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Abgerufen am 8. Januar 2017.
  17. https://www.ordenthw.de/shop/bundesverdienstkreuz/bandstege.html
  18. Herbert Schwarzwälder: Das Große Bremen-Lexikon. 2., aktualisierte, überarbeitete und erweiterte Auflage. Edition Temmen, Bremen 2003, ISBN 3-86108-693-X, S. 223.
  19. Auch künftig keine Orden für Senatoren (Memento vom 27. Juli 2014 im Internet Archive), In: Hamburger Abendblatt Nr. 119 vom 24. Mai 1963, S. 3 (PDF; 1,5 MB).
  20. a b Lübecker Nachrichten, 8. Oktober 2014, S. 3.

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Sonderstufe des Großkreuzes des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland im Verleihungsetui
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Tragweise Bundesverdienstkreuz Damen
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Großes Verdienstkreuz, welches dem deutschen Historiker Paul Franken verliehen wurde.
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Verleihung des Großen Bundesverdienstkeuzes an Prof. Dr. Dr. Heiko Braak im sog. Herrenzimmer der Villa Lindenhof in Herrlingen (Blaustein), durch den Bürgermeister der Stadt Blaustein Thomas Kayser (Mitte) und den Minister für Soziales und Integration der Landesregierung Baden Württemberg Manfred Lucha (rechts).
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