The Man Comes Around
The Man Comes Around ist ein Lied von Johnny Cash, der 2002 auf dessen Album American IV: The Man Comes Around erschien. Er handelt vom Jüngsten Gericht und der Wiederkehr Jesu Christi und ist eines der letzten Stücke, die Cash schrieb.
Inhalt
Der Song beginnt mit gesprochenen Zeilen aus der Offenbarung des Johannes, in denen der ersten der apokalyptischen Reiter erscheint (Offb ,6 ). Der folgende Text weist zahlreiche Referenzen zur Bibel auf.
In den ersten Textzeilen zeichnet Cash das Bild eines „Mannes“ – gemeint ist Jesus Christus –, der umhergeht und sich Namen von jenen Personen notiert, die er befreit oder beschuldigt. Cash schreibt in der ersten Strophe, eine goldene Leiter komme vom Himmel herab und verbreite allgemeinen Schrecken. Nun komme es darauf an, sich zu entscheiden, ob man den letzten angebotenen Schluck annehme (eine Anspielung auf das Abendmahl Jesu) oder auf dem Töpfersacker lande wie seinerzeit Judas Iskariot.
Der Refrain handelt von unzähligen Menschen, die zum Klang der großen Kesselpauke marschieren, von Trompeten, Flöten und hundert Millionen singender Engel; erwähnt werden die Schreie von Menschen, die sterben oder geboren werden: Das „Alpha und Omega“-Königreich sei gekommen. Ein Wirbelwind sei im Dornbusch – hier verbindet Cash die Gotteserscheinungen aus Hi 38,1 und Ex 3,2 . Die Jungfrauen würden die Dochte ihrer Lampen ordnen (Mt 25,1–13 ), und es sei schwer, wider den Stachel zu löcken – ein wörtliches Zitat aus Apg 26,14 .
In der nächsten Strophe wird prophezeit, bis Harmagedon werde es keinen Frieden geben: Cash benutzt hier sowohl das arabische als auch das hebräische Wort. „Vater Henne“ rufe seine Küken nach Hause, und die Weisen würde vor dem auf Thron ihr Kronen niederlegen (Offb 4,10 ). Im Folgenden wird Offb 22,11 zitiert, wo es heißt, dass die Ungerechten, Rechtschaffenen und Schmutzigen weiterhin ungerecht, rechtschaffen und schmutzig bleiben sollen. Die Menschen, die gerettet werden wollen, sollen auf „jene Worte hören, die schon vor langer Zeit niedergeschrieben worden sind“.
Der Song endet wie er begann. Cash liest Offb 6,8 . Dieser Auszug handelt vom vierten Reiter, dem Tod, dem die Hölle nachfolgt.
Entstehung
Cash sagte, dass kein Song, den er je geschrieben hat, so viel seiner Zeit beanspruchte wie dieser. Das Stück geht auf einen Traum zurück, den er in den 1990er Jahren hatte. Darin traf er die Königin von England, die ihn mit einem Dornbusch im Wirbelwind verglich. Cash war sich sicher, diesen Ausdruck schon einmal gehört zu haben und fand ihn später im Buch von Job. Cash sagte, er habe 40 bis 50 Strophen geschrieben, die nicht für den Song verwendet wurden.
Aufnahme und Veröffentlichung
Cash nahm den Song für sein Album American IV: The Man Comes Around auf. Besetzt ist die Ballade mit Randy Scruggs und Smokey Hormel an den Akustikgitarren und Benmont Tench am Klavier und der Orgel. Das Stück wurde 2002 als Single veröffentlicht. Das Album platzierte sich in den Country-Album-Charts des Billboard Magazins auf Rang zwei.
Der Song wurde unter anderem im Soundtrack der Filme Dawn of the Dead[1], Logan – The Wolverine[2], Killing Them Softly, sowie im Abspann von Die Stunde des Jägers verwendet. Des Weiteren wurde er in der Miniserie Generation Kill gespielt und begleitet dabei die letzte Szene.
Rezeption
Mark Kemp nannte das Lied im Rolling Stone „ergreifend“: Es zeige alle Stärken von Johnny Cash: „seine tiefe, nachdenkliche Stimme, den rauen Country-Folk-Sound, seine eindringliche Neuinterpretation der Bibel und die Bezugnahme auf aktuelle Probleme“.[3]
Für den slowenischen Philosophen Slavoj Žižek artikuliert das Lied exemplarisch eine Ängste, die im Baptismus der amerikanischen Südstaaten enthalten seien, Ängste vor dem göttlichen Sadismus, der die notwendige Unterseite des Triumphs der christlichen Liebe über das jüdische Gesetz darstelle.[4]
Der Religionshistoriker John Hayes schreibt, Cash sei mit The Man Comes Around zu dem Folk-Protestantismus zurückgekehrt, der bis zu den 1950er Jahren die Country-Musik geprägt habe. Da diese Musikrichtung aber seitdem weniger Gott als vereinheitlichendes Objekt der Verehrung identifiziere als vielmehr die Nation, bewege sich Cash mit seinem Lied außerhalb des Feldes der zeitgenössischen Country-Musik.[5]
Laut dem britischen Religionshistoriker William John Lyon zeigt sich in der Interpretation der Bibel, die Cash in dem Lied vorlegt, seine „Unzulänglichkeit als Leser“: Er habe nicht einfach die gängigen Auslegungen der religiösen Tradition, in der er stand, benutzt, sondern sich persönlich mit seiner Bibel auseinandergesetzt. Die interpretativen Grenzen, an die er dabei stieß, habe er auch selbst eingestanden.[6]
2025 coverte die britische Band Pulp das Lied.
Literatur
- The Man Comes Around, von Dave Urbanski (als Google Books)
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ IMDB.com - Soundtracks von "Dawn of the Dead (2004)", abgerufen am 11. Oktober 2012
- ↑ https://musikradar.de/soundtrack-logan-the-wolverine/. 14. März 2017, abgerufen am 23. August 2017.
- ↑ Mark Kemp : Johnny Cash: American IV: The Man Comes Around. rollingstone.com, 14. November 2002.
- ↑ Slavoj Žižek: The Parallax View. MIT Press, Cambridge 2006, ISBN 0-262-24051-3, S. 185 f.
- ↑ John Hayes: Religion and Country Music. In: Religion Compass 4, Heft 4 (2010), S. 245–252, hier 251.
- ↑ William John Lyon: The Apocalypse According to Johnny Cash: Examining the ‘Effect’ of the Book of Revelation on a Contemporary Apocalyptic Writer. In: derselbe, Jorunn Økland (Hrsg.): The Way the World Ends? The Apocalypse of John in Culture and Ideology. Sheffield Phoenix, Sheffield 2009, S. 95–122, hier S. 97, zitiert nach Jay Twomey: The Biblical Man in Black: Paul in Johnny Cash/Johnny Cash in Paul. In: Biblical Interpretation 19 (2011), S. 223–252, hier S. 233, Anm. 15.