Terry Swartzberg

Terry Swartzberg im Münchner Justizpalast (2022)

Terry Swartzberg (geboren am 22. Juli 1953 in Norwalk, Connecticut) ist ein Ethical Campaigner[1][2]. Der Wahlmünchner schrieb rund 25 Jahre als Korrespondent für die International Herald Tribune und ist insbesondere für sein Engagement für das Stolpersteine-Projekt und seinen Selbstversuch zum öffentlichen Tragen seiner Kippa seit dem 1. Dezember 2012 bekannt.

Leben

Swartzberg wuchs zunächst in New York City auf und ging dann als Kind mit seinen Eltern nach Nordindien, wo sein Vater als Kulturanthropologe einen langjährigen Forschungsaufenthalt absolvierte. Nach dem Besuch eines katholischen Internats in Indien studierte er zunächst an der Brandeis University und wechselte nach einem Auslandssemester 1973 in Paris an die University of Wisconsin–Madison, um dort 1976 mit einem Bachelor in Stadtplanung abzuschließen. Er wurde aber dann Wirtschaftsjournalist und kam über Stationen unter anderem in Hongkong 1980 als Korrespondent der International Herald Tribune[3][4][5][6] nach Berlin und schließlich 1985 nach München, wo er seitdem lebt.[7]

Seit 2011 leitet Swartzberg die Initiative Stolpersteine für München. Unter seiner Führung wurden 434 Stolpersteine vor 83 Häusern in München verlegt.[7][8][9] Als „Botschafter der Stolpersteine“ hält Swartzberg Vorträge über die Stolpersteine auch in Israel, den USA und anderen Ländern.

Sein Theaterstück Tzaddhik greift die talmudische Vorstellung von den 36 Gerechten im Zusammenhang mit Frieden und Krieg auf und wurde 2012 in Augsburg, Stuttgart, Nürnberg, München sowie Hamburg aufgeführt.[10] Im gleichen Jahr veröffentlichte er mit Jim Booras den satirischen Ratgeber How to enjoy bad relationships. 2016 folgte With chutzpah and kippah.

2012 begann er sein Experiment, die Kippa auch im öffentlichen Raum außerhalb des Zuhauses bzw. der jüdischen Community zu tragen. Einerseits wollte er dadurch ein Zeichen gegen Antisemitismus setzen, andererseits wollte er auch die Reaktionen der Mehrheitsgesellschaft testen. Seine Kippa wurde daraufhin schließlich sogar in die Sammlung des Hauses der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in Bonn aufgenommen.[11][12][13]

Seit 2021 erinnert Swartzberg im öffentlichen Raum mit der Initiative „Faces for the Names“ an NS-Opfer. Dabei werden deren Fotografien mit einem Beamer großformatig an die Außenwand prominenter Gebäude projiziert, so z. B. beim Münchner Justizpalast oder beim Grünwalder Stadion.[14][15] Kurz nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel 2023 organisierte Swartzberg für die Opfer dieses Pogroms auch eine derartige Veranstaltung am Münchner Kulturzentrum Gasteig.[16] "Faces for the Names" ist ein Projekt des Vereins J.E.W.S. Jews Engaged with Society e.V., der Swartzberg leitet und der innovative Gedenk- und Toleranzformate eingeführt hat: auch "begehbaren Karten des jüdischen Lebens", "Schabbat für alle", "Schabbat in der Schule", "Shak-Off" u.v.m.

2025 wurde Swartzberg in Anerkennung seines vielfältigen ehrenamtlichen Engagements für die Aufklärung über das Judentum und die politische Bildung über den Holocaust von der Stadt München mit der Medaille „München leuchtet“ in Bronze ausgezeichnet.[17] 2026 folgte die "Bezirksmedaille" des Regierungsbezirks Oberbayern.

Commons: Terry Swartzberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Bringing Them Back, Jüdisches Museum München vom 20. Juli 2022
  2. Matthias Frese und Marcus Weidner (Hrsg.): Verhandelte Erinnerungen: Der Umgang mit Ehrungen, Denkmälern und Gedenkorten nach 1945 (Forschungen zur Regionalgeschichte 82). Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn 2017, S. 384
  3. Anja Kühne: München treibt es auf die Spitze, Der Tagesspiegel vom 14. Januar 2004
  4. Werner Weidenfeld (Hrsg.): Atlantischer Kulturbruch?, in: CAP-Postskriptum, Mitteilungsblatt des Centrum für angewandte Politikforschung, Januar 1996, S. 6
  5. Hartmut Kistenfeger und Ulrike Plewnia: Transatlantischen Beziehungen Unerwiderte Liebe, Focus vom 13. November 1995
  6. Classnotes 70s On Wisconsin, Alumni-Magazin der University of Wisconsin–Madison, Volume 113, S. 54
  7. a b Claudia Keller: Stolperstein-Verbot spaltet München, Der Tagesspiegel vom 28. Oktober 2014
  8. Judith Leister: Gedenkplaketten für Holocaust-Opfer, Neue Zürcher Zeitung vom 7. März 2015
  9. Website Initiative Stolpersteine für München e.V.
  10. Michael Grill: In der Trauerhalle wird trotzdem gelacht, Abendzeitung vom 27. April 2012
  11. Michael Risel Das Kippa-Experiment Deutschlandradio Kultur vom 29. März 2015
  12. Gute Erfahrungen mit der Kippa, Jüdische Allgemeine vom 28. Mai 2015
  13. Jamie Campbell: German Jews should stop 'making themselves recognisable' in Muslim neighbourhoods, says Jewish council leader, The Independent vom 14. März 2015
  14. Christoph Müller: "Faces for the Names" - Gedenken an jüdische Sportler in München. In: BR24. 2. Mai 2021, abgerufen am 27. Juli 2024.
  15. Münchner Schüler erinnern an NS-Widerstandskämpferinnen. In: BR24. 9. Mai 2024, abgerufen am 27. Juli 2024.
  16. Martin Bernstein: Die Gesichter der Terror-Opfer, SZ vom 12. November 2023
  17. https://ru.muenchen.de/2025/63/Medaille-Muenchen-leuchtet-fuer-Terry-Swartzberg-117695

Auf dieser Seite verwendete Medien

Terry Swartzberg 2022.jpg
Autor/Urheber: Ethical Campaigner, Lizenz: CC0
Terry Swartzberg 2022 im Justizpalast in München