Teilstreitkraft

Eine Teilstreitkraft (abgekürzt TSK; englisch military branch oder armed service) ist als Bestandteil der Streitkräfte bestimmt zu Kampfhandlungen in hauptsächlich einer Dimension[1] bzw. Sphäre.[2][3]

Das artspezifische Wehrmaterial (die Waffensysteme und Ausrüstung) sowie die spezifische Gliederung, Ausbildung und Versorgung entsprechen der gewählten Dimension/Sphäre. Teilstreitkräfte werden in der Regel durch ein Oberkommando geführt.

Historische Entwicklung

Ursprünglich waren Heer bzw. Armee und Flotte zur Beschreibung der Kriegswerkzeuge ausreichend. Erst Anfang des 19. Jahrhunderts benutzt Carl von Clausewitz in seinem Hauptwerk Vom Kriege durchgängig[4] den zusammenfassenden (Streitkraft-)Streitkräfte-Begriff. Als synonyme Bezeichnung wird Streitmacht verwendet.

Die Teilstreitkräfte entstanden im Zuge der massenweisen Einführung und Verwendung moderner Bewaffnung und technischer Kampfmittel, die aufgrund des wissenschaftlich-technischen Fortschritts im Militärwesen stetig weiter entwickelt wurden.

Das ursprüngliche Heer hat sich traditionell als die älteste – und in den meisten Ländern – auch zur größten Teilstreitkraft Landstreitkräfte (Heer) transformiert. Gleiches gilt für die Flotte, die zur Teilstreitkraft Seestreitkräfte/(Kriegs-)Marine formiert wurde.

Die Luftstreitkräfte (Luftwaffe) entstanden als Teilstreitkraft erst Anfang des 20. Jahrhunderts mit dem Aufkommen der Luftfahrt.

Die Mehrheit der Staaten folgt der klassischen Unterteilung aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg und listet die drei Teilstreitkräfte Heer (Landstreitkräfte), Luftwaffe (Luftstreitkräfte) und Marine (Seestreitkräfte) auf. Einzelne Länder verfügen aufgrund fehlenden Meereszugangs nicht über die Marine, wohingegen andere Staaten weitere Teilstreitkräfte auflisten.

Charakteristische Merkmale

Teilstreitkräfte gliedern sich in Truppengattungen bzw. Waffengattungen, Fliegergattungen, Spezialtruppen und Dienstbereiche sowie deren Verbände.

Charakteristisch sind sowohl allgemeine als auch teilstreitkraftspezifische Methoden des Gefechtseinsatzes der technischen (Kampf-)Mittel im taktischen, operativen und strategischen Maßstab. Sie verfügen über eine gattungsspezifische Operative Kunst (englisch Military art) und Taktik. Sie sind in der Lage, selbstständig oder zusammen mit den Truppen (Kräften) anderer Teilstreitkräfte die Operationen in Gefechten verbundener Kräfte[5] durchzuführen.

Benennungen

In vielen Armeen sind üblicherweise folgende Teilstreitkräfte anzutreffen:[6][7][8][9]

In anderen Staaten sind zudem etwa paramilitärische bzw. militärpolizeiliche (Gendarmerie/Grenzschutz/Küstenwache) oder medizinische (Sanitäter) Einheiten als eigene Teilstreitkräften organisiert; bei Nuklearmächten häufig auch die Atomstreitkräfte, teilweise auch die Spezialeinheit und Weltraumstreitkräfte. So zum Beispiel:

Bundeswehr

Die drei Teilstreitkräfte der Bundeswehr sind (in Reihenfolge ihrer Personalstärke) das Heer, die Luftwaffe und die Marine.[10]

Im Zuge der Bundeswehrreform wurden in Deutschland im Jahr 2000 weitere selbstständige militärische Organisationsbereiche geschaffen: die Streitkräftebasis (SKB) und der Zentrale Sanitätsdienst (ZSanDst), 2017 folgte noch der Cyber- und Informationsraum (CIR).

Diese drei querschnittlichen Organisationsbereiche besitzen keine eigenen Uniformen, stattdessen wird die Uniform der Teilstreitkraft getragen, aus der der betreffende Truppenteil oder zuversetzte Soldat ursprünglich stammte. Da es sich bei diesen Soldaten nicht um Heeres-, Luftwaffen- oder Marinesoldaten handelt, wurde die Bezeichnung Uniformträger Heer/Luftwaffe/Marine neu geschaffen.[11]

Die Soldaten werden laufbahnrechtlich zum Teil weiterhin durch die ihnen zugeordnete Teilstreitkraft bestimmt. So erhalten beispielsweise die Heeresuniformträger der SKB ihre nicht-fachbezogene Offizierausbildung an der Offizierschule des Heeres. Die Unteroffizierschule der Luftwaffe beruft nur Luftwaffensoldaten und Luftwaffenuniformträger der Organisationsbereiche zu Lehrgängen ein.

Literatur

  • Dietmar Klos, Heiner Möllers, Dieter Stockfisch: The military services. In: Ina Wiesner (Hrsg.): German Defence Politics (= Schriften der Akademie der Bundeswehr für Information und Kommunikation. Bd. 30). Nomos, Baden-Baden 2013, ISBN 978-3-8487-0824-6, S. 127–162.

Weblinks

Wiktionary: Teilstreitkraft – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. Siehe Dimension – Ausdehnung, Größe. (Entlehnt vor dem 16. Jahrhundert, aus lateinisch dīmēnsiō). In: Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch. 23., erweiterte Auflage, Berlin/New York 1999, S. 181.
  2. Siehe Sphäre – Raum, Bereich. (Entlehnt vor dem 11. Jahrhundert aus mittellateinisch sphera, dieses aus griechisch sphaĩra) In: Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch. 23., erweiterte Auflage, Berlin/New York 1999, S. 778.
  3. Siehe Sphäre – Wirkungskreis, Machtbereich. In: Duden. Die deutsche Rechtschreibung. 24., völlig neu bearbeitete und erweiterte Auflage, Band 1, Mannheim 2006, ISBN 978-3-411-04014-8, S. 952.
  4. Carl von Clausewitz: Vom Kriege. Hinterlassenes Werk des Generals Carl von Clausewitz. Verlag des MfNV, Berlin 1957, S. 23 bis 799.
  5. Heeresdienstvorschrift HDv 100/200 der Bundeswehr.
  6. Siehe Teile der Streitkräfte. In: Kollektiv der Militärakademie der Nationalen Volksarmee "Friedrich Engels" (Hrsg.): Deutsches Militärlexikon. Berlin 1961, S. 397.
  7. Siehe Teilstreitkräfte in der Bundeswehr. Manfred G. Schmidt: Wörterbuch zur Politik. 3., überarbeitete und aktualisierte Auflage, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-520-40403-9, S. 135.
  8. Siehe Teilstreitkraft. In: Autorenkollektiv der Militärakademie "Friedrich Engels" der Nationalen Volksarmee u. a. (Hrsg.): Militärlexikon. 2. Auflage, Berlin 1973, S. 363.
  9. Siehe Teilstreitkraft (russisch Вид Вооружённых сил). In: Militärenzyklopädisches Wörterbuch. (russisch Военный Энциклопедический Словарь [Wojenny Enziklopeditscheskij Slowar]). Moskau 1986, S. 129.
  10. Siehe Teilstreitkräfte in der Bundeswehr. In: Manfred G. Schmidt: Wörterbuch zur Politik. 3., überarbeitete und aktualisierte Auflage, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-520-40403-9, S. 135 ff.
  11. Regierungserklärung des Verteidigungsministers Die neue Bundeswehr – auf richtigem Weg, 97. Sitzung des Bundestags 15. Periode am 11. März 2004, TOP 3 (PDF; 1,5 MB).

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US Marine Corps (USMC) personnel from the 3rd Battalion, 7th Marines catch a ride on a USMC M1A1 Abrams Main Battle Tank (MBT), on the streets of Baghdad, Iraq, during Operation IRAQI FREEDOM.
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Seal of the United States Marine Corps. It is defined in Executive Order 10538 (alternate source) as:

Standing upon the western hemisphere of the terrestrial globe containing the lines of latitude and topographical outlines of North, Central, and South America, an American bald eagle with wings displayed horizontally and inverted holding in his beak a scroll inscribed with the motto SEMPER FIDELIS, all bronze. Behind the western hemisphere a foul anchor bend sinister-wise with stock, arms, and flukes in slight perspective, all bronze, on a scarlet background and within a dark blue band edged in gold circumscribed by a gold rope rim and inscribed DEPARTMENT OF THE NAVY • UNITED STATES MARINE CORPS in gold letters. The central device of the seal is the emblem of the United States Marine Corps.

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