Stinkesberg

Stinkesberg
Auf dem Stinkesberg im Jahr 2013
Höhe95 m ü. NN
LageRatingen, Kreis Mettmann, Nordrhein-Westfalen
GebirgeBergisches Land
Koordinaten51° 18′ 57″ N, 6° 51′ 7″ O
Stinkesberg (Nordrhein-Westfalen)
Stinkesberg (Nordrhein-Westfalen)

Der Stinkesberg (auch: Stinkenberg)[1] ist ein 95 m ü. NN hoher Berg in der nordrhein-westfälischen Stadt Ratingen. Er liegt im Waldgebiet Oberbusch nördlich des Stadtzentrums, östlich des Stadtteils Tiefenbroich und südöstlich des Stadtteils Lintorf.

Geographie und Naturschutz

Der Stinkesberg fällt nach drei Seiten steil ab und ist von mehreren Wanderwegen umgeben. Er liegt innerhalb des Landschaftsschutzgebiets Ratinger Stadtwald Süd-West (LSG 4607-0012).

Im Bereich des kuppenartigen Gipfels und in den Hangbereichen liegen mehrere bis zu 7,20 Meter lange Quarzite.[1] Diese entstanden durch chemische Vorgänge im Miozän[1] und stehen als Naturdenkmal 8 Braunkohlequarzite Am Stinkenberg (ND B 2.6-7) unter Naturschutz.[2] Sie sind außerdem als Geotop Gesteinsblöcke am Stinkenberg (GK 4607-001) im Geotopkataster des Geologischen Dienstes NRW verzeichnet.[2]

Nachdem die Stürme Kyrill im Januar 2007 und Ela im Juni 2014 größere Bäume umgeworfen hatten[3], ist die Bergkuppe im Jahr 2025 von dicht wachsendem Jungwald bedeckt und nur über einen inoffiziellen Trampelpfad erreichbar.

Etymologie

Der Berg wird in der Topographia Ducatus Montani von 1715 als „Kigberg“ bezeichnet. Die unmittelbar an den Wald grenzende Gemarkung heißt „Am Kicksberg“.

Der Berg dürfte aufgrund seiner Quarzitblöcke als „Stinkesberg“ bezeichnet werden (‘Stein’ = ‘stin’, ‘kes’/‘gen’/‘ken’ = Pluralform oder Verkleinerungsform). „Stinkes“ bedeutet also wahrscheinlich „Steinchen“ oder „Steine“.[1]

Eine andere, wenig wahrscheinliche Deutung leitet den Namen von angeblich auf den Steinen stattgefundenen Opferritualen ab, deren stinkende Hinterlassenschaften namensgebend gewesen sein sollen.[4]

Geschichte

Sagen und Mythologie

Seit dem 17. Jahrhundert ranken sich mehrere Sagen und Anekdoten um den Berg, unter anderem in Zusammenhang mit dem Dreißigjährigen Krieg sowie Schauermärchen und Mördergeschichten. Belege für diese Geschichten lassen sich jedoch nicht finden.[5]

Ab 1933 tauchte der Stinkesberg vermehrt in den Veröffentlichungen von Heimatforschern auf, wurde zu einer „germanischen Thing- und Richtstätte“ stilisiert und in den Schulunterricht integriert. Die unbewiesenen Thesen über eine angebliche vorchristliche Opferstätte führten sogar dazu, dass ein Ausbau der Reichsautobahn verhindert wurde, da der Ort offenbar als Treffpunkt für die Hitlerjugend, für Sonnwendfeiern oder Schlageter-Kulte benutzt werden sollte. Die Düsseldorfer Gauleitung schrieb hierzu: „Der bisherige Entwurf [...] hat den untragbaren Nachteil, dass er die altgermanische Kultstätte (Stinkesberg), die zu einem Heiligtum der Bewegung ausgestaltet werden soll (die Genehmigung liegt schon vor), in einer Weise gefährdet, dass ihre praktische Wirksamkeit unmöglich wird.“ So wurde die Autobahntrasse um einige Kilometer verlegt.

Bis heute ist der Berg immer wieder Treffpunkt für Rollenspieler, Gothic- und New-Wave-Anhänger, Okkultisten und Esoteriker, teilweise auch für Rechtsextreme aus der Region. Er gilt als „mystischer Ort“.

Durch Vandalismus in neuerer Zeit wurden die bis dahin abbildungsfreien Quarzite mit eingeritzten Symbolen und Texten beschädigt. Teile dieser Beschädigungen sind auf dem Foto aus dem Jahr 2013 zu erkennen.

Flugzeugabstürze

Am 22. Dezember 1955 stürzte ein englisches Passagierflugzeug des Typs DC3 Dakota im Anflug auf den Flughafen Düsseldorf-Lohausen auf dem Stinkesberg ab. Alle drei Insassen, zwei Piloten und eine Stewardess, kamen dabei ums Leben.

Am 8. November 1992 stürzte eine einmotorige Sportmaschine am Stinkesberg ab. Der Pilot kam dabei ums Leben.

Literatur

  • Bastian Fleermann: Volkssage oder völkischer Mythos? Die Ratinger Kultstätte Stinkesberg und die Geschichte seiner Rezeption. In: Die Quecke – Ratinger und Angerländer Heimatblätter. Band 74. Verein Lintorfer Heimatfreunde e. V., 2004, S. 78–103.
  • Karl Heinz Ruthmann: Miozäne Quarzite am Stinkenberg, im übrigen Angerland und in seinen Randgebieten. In: Die Quecke – Ratinger und Angerländer Heimatblätter. Band 43. Verein Lintorfer Heimatfreunde e. V., 1973, S. 24–29 (lintorf-die-quecke.de [PDF; abgerufen am 6. Mai 2021]).
  • Erich Krumme: Germanische Gerichts- und Kultstätten in den Wäldern des Angerlandes. In: Die Quecke – Ratinger und Angerländer Heimatblätter. Band 24. Verein Lintorfer Heimatfreunde e. V., 1955, S. 6–8 (lintorf-die-quecke.de [PDF; abgerufen am 6. Mai 2021]).

Einzelnachweise

  1. a b c d Karl Heinz Ruthmann: Miozäne Quarzite am Stinkenberg, im übrigen Angerland und in seinen Randgebieten. In: Die Quecke – Ratinger und Angerländer Heimatblätter. Band 43. Verein Lintorfer Heimatfreunde e. V., 1973, S. 24–29 (lintorf-die-quecke.de [PDF; abgerufen am 6. Mai 2021]).
  2. a b Der Landschaftsplan Kreis Mettmann. Textliche Darstellungen und Festsetzungen sowie Erläuterungen. (PDF) Kreis Mettmann, 2012, S. 381, abgerufen am 14. November 2016.
  3. Dirk Neubauer: Ratingen: Natur erobert den Stinkesberg zurück. In: Rheinische Post. 20. Oktober 2017, abgerufen am 6. Mai 2021.
  4. Monika von Kürten: Sagenhaftes Ratingen: Wie der Stinkesberg zu seinem Namen kam. 7. Juli 2024, abgerufen am 31. Oktober 2025.
  5. Dirk Neubauer: Ratingen: Natur erobert den Stinkesberg zurück. In: Rheinische Post. 20. Oktober 2017, abgerufen am 6. Mai 2021.

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Positionskarte Nordrhein-Westfalen, Germany. Geographische Begrenzung der Karte:
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(c) Vividus65, CC BY-SA 3.0
Auf dem Stinkesberg in Ratingen; Bereich im Landschaftsschutzgebiet „Ratinger Stadtwald Süd-West“, Quarzitblöcke als Naturdenkmal „8 Braunkohlequarzite Am Stinkenberg“ (ND B 2.6-7) geschützt.