Stele

Antike griechische Grabstele

Als Stele (altgriechisch στήληstélē „Säule“, „Grabstein“) wird seit der griechischen Antike primär ein hoher, freistehender, monolithischer Pfeiler bezeichnet. Stelen dienten oft als Grabmal oder auch als Inschriften- oder Grenzstein; bei den Maya dienten sie meist der Herrscherapotheose.

Geschichte

Jungsteinzeit

Ob den jungsteinzeitlichen Menhiren und Steinplatten (z. B. in der Table des Marchand) bereits Stelencharakter zuzuschreiben ist, ist unklar, doch ist den um 1500 bis 2500 v. Chr. datierten Statuenmenhiren bereits eine deutliche Stelenform zu eigen.

Ägypten und Äthiopien

Ägyptische Stelen sind häufig viereckig und verjüngen sich leicht nach oben. Diese Form wird als Obelisk bezeichnet, wenn sie mit einer Pyramide abgeschlossen wird. Die wohl in die erste Hälfte des 1. Jahrtausend n. Chr. zu datierenden, bis zu 33 m hohen und nicht beschrifteten Stelen von Aksum (Äthiopien) gehören zu den eindrucksvollsten Exemplaren der Gattung.

Mesopotamien

Bereits um 2100 v. Chr. entstand die Ur-Nammu-Gesetzesstele. Berühmter ist jedoch die aus dem 18. Jahrhundert v. Chr. stammende säulenförmige Gesetzesstele Hammurapis I. aus Babylon.

Anatolien

In Anatolien entstanden ab der Mitte des 2. Jahrtausends v. Chr. im hethitischen Großreich und nach dessen Ende im 12. Jahrhundert v. Chr. weiter in den späthethitischen Kleinstaaten zahlreiche Stelen. Sie zeigten Reliefs von Herrschern und Götter sowie auch Inschriften in luwischen Hieroglyphen.

Griechenland

Antike Stelen aus Griechenland sind oft mit Blätter- und Blumenverzierungen (Anthemion) versehen. Wenn sie ein Grabmal markieren, tragen sie auf der Vorderseite den Namen des/der Toten und häufig ein Relief, auf dem auch die Familie oder Szenen aus dem Leben des Verstorbenen dargestellt sein können. Die größte Sammlung solcher Stelen befindet sich im Nationalmuseum Athen. Mit der Errichtung von Stelen wurden auch die Sieger antiker Olympischer Spiele geehrt oder wurde an die Verfehlungen Verstorbener als abschreckendes Beispiel erinnert.

Indien

Anstelle von Stelen wählte man in Indien für Edikte und sonstige Bekanntmachungen die Säulenform (siehe Ashoka-Edikte; Heliodoros-Säule, Eiserne Säule); andere wurden in freistehende Felsblöcke graviert.

Rom

In makedonischer und römischer Zeit haben die Grabstelen ihre Form hin zum heute bekannten Grabstein verändert: Sie wurden niedriger und breiter und nach oben oft mit einem Giebel oder einer Palmette abgeschlossen.

Mittelalter

Im Mittelalter wurden Grabstelen meist durch Grabplatten oder -kreuze ersetzt; erst im 15. Jahrhundert setzte eine allmähliche Wiederbelebung der aufrecht stehenden Stele ein.

Maya

Während aus den meisten Kulturzentren im Hochland von Mexiko keine Stelen bekannt sind, erlebten sie bei den Tiefland-Maya ihren Höhepunkt. Die Höhe der Stelen variiert zwischen ca. 2 und annähernd 7 m; ihre Dicke liegt zumeist zwischen 30 und 60 cm. Dargestellt sind neben Datums- und Namensglyphen auch Herrscherpersönlichkeiten (seltener auch Götter). Auf Stelen mit zwei oder mehr Personen werden oft Interaktionen zwischen den Beteiligten gezeigt.

Neuzeit

  • Südlich des inneren Osttors wurden beim Bau des Berliner Olympiastadions mit Namen und Relief versehene Stelen errichtet, die an die deutschen Goldmedaillengewinner und Sportarten bei Olympischen Winter- und Sommerspielen seit 1896 erinnern („Olympiastelen“). Die Errichtung weiterer Stelen wurde nach dem Zweiten Weltkrieg auf Wunsch der Berliner Senatorin Ella Kay nördlich des inneren Osttors fortgesetzt. Die Goldmedaillengewinner der DDR wurden nachträglich mit reinen Namensstelen geehrt, die (vorläufig) letzte Olympiastele wurde am 23. Juli 2010 eingeweiht (Salt Lake City 2002-Athen 2004) und von dem Berliner Bildhauer Paul Brandenburg gefertigt.
  • Heute wird der Begriff der Stele auch für schmale, hohe Informationstafeln verwendet, die an Bushaltestellen, Bahnhöfen oder als Elemente von Leitsystemen in der Stadtmöblierung zu finden sind.
  • Auch in der zeitgenössischen Kunst werden Stelen als ästhetisches Ausdrucksmittel häufig verwandt. So hat der St. Wendeler Künstler Leo Kornbrust etliche Stelen für den Öffentlichen Raum geschaffen, unter anderem eine etwa 10 m hohe Granitsäule in der Brunnenanlage des UKV-Gebäudes in Saarbrücken. Das berühmteste Beispiel für die Verwendung der Stele in Deutschland dürfte das von Peter Eisenman entworfene Denkmal für die ermordeten Juden Europas sein, ein Feld aus 2711 Stelen aus Beton.
  • Im Rahmen eines europaweiten Projekts wurden seit dem Jahr 2000 über 30 oktogonale, jeweils 4,5 t schwere Stauferstelen des Bildhauers Markus Wolf an Orten errichtet, die mit der Geschichte der Staufer im Zusammenhang stehen.[1]

Weblinks

Commons: Stelen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Stele – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. Stauferstelen auf stauferstelen.net.

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Drei Stelen auf dem Kreisel Döller Damm / Umgehungsstraße in Visbek, Abt Gerbert Castus und zwei Gefährten darstellend
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El Baúl, Cotzumalguapa, Guatemala
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Cara posterior de la Estela 1 de Moral Reforma donde aparece un gobernante cuyo nombre no es legible, y que sería aliado o subordinado al rey de Moral Reforma, y se le ve golpeando a varios prisioneros. Museo Regional de Antropologia Carlos Pellicer Cámara. Villahermosa. Tabasco. México.
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Holocaust-Mahnmal Berlin
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Vor dem neuen Justizzentrum Gelsenkirchen (Bochumer Straße 79, errichtet 2013–2015) steht die bewegliche Skulptur Mobile Plastik ohne Titel von Günter Tollmann (1973), die bis Ende 2015 vor dem bisherigen Dienstgebäude des eh. Amtsgerichts Gelsenkirchen-Buer aufgestellt war und Anfang 2016 vor das neue Gerichtsgebäude versetzt wurde.
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Archäologisches Museum, Afyonkarahisar, Zentraltürkei, hethitische Stele von Kocaoğuz
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Statue-menhir dit « la Dame de Saint-Sernin », découverte en 1888 a Saint-Sernin-sur-Rance, et aujourd'hui conservée au musée Fenaille de Rodez (Aveyron).
Oststelen Puchheim.JPG
Stelen mit den Wappen von Ostpreußen, Westpreußen, Sudetenland, Oberschlesien, Niederschlesien und Pommern in Puchheim, Ecke Birkenstraße/Bürgermeister-Ertl-Straße im Ortsteil Puchheim-Bahnhof.
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Grabmal Familie Vibrans, Stele, Calvörde April 2011, Ansicht Vorne Rechts AVR
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Code de Hammurabi, roi de Babylone ; face avant.
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