St. Sixtus und Sinicius

St. Sixtus und Sinicius

Die evangelisch-lutherische Kirche St. Sixtus und Sinicius ist eine denkmalgeschützte Kirche in Hohenkirchen in der Gemeinde Wangerland in Niedersachsen. Die spätromanische Granitquaderkirche wurde im 12. Jahrhundert errichtet.

Geschichte

Die Kirche St. Sixtus und Sinicius geht zurück auf eine im 9. Jahrhundert vom Heiligen Ansgar gegründete Holzkirche, die die Mutterkirche des historischen Gaus Wanga war. Als Gaukirche war sie Sendkirche für die umliegenden Kirchen von Mederns, Minsen, Tettens, Middoge, Wiarden, Wüppels, Oldorf und Wangerooge. Eine steinerne Kirche wurde um 1143 auf einer sechs Meter hohen Warft gebaut. Der im 13. Jahrhundert geschaffene romanische Abendmahlskelch befindet sich heute im Niedersächsischen Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, ebenfalls eine um 1500 geschnitzte Anna selbdritt.[1]

Über die Prediger seit der Reformation existieren ausführliche Aufzeichnungen.[2]

Architektur

Die heutige Kirche ist 33 Meter lang, 13 Meter breit und hat eine Giebelhöhe von 19,5 Metern. Sie ist eine spätromanische Granitquaderkirche mit Rundbogenfenstern in den Längswänden und einer halbrunden Apsis, die rund hundert Jahre später angebaut wurde. Die Kirche besteht überwiegend aus Granitquadern und zeichnet sich durch eine sehr sorgfältige Bearbeitung der Granitquader aus. Die Bausubstanz ist fast ursprünglich, lediglich der Westgiebel ist wetterbedingt durch ein Backsteinmauerwerk ersetzt worden. Die Fensterstürze des Langhauses sind aus Sandsteinen gearbeitet, die aus den Steinbrüchen im Weserbergland stammen. Diese Bauweise ist typisch für einige Granitquaderkirchen der Region sowie für Kirchen am Unterlauf und der Mündung der Weser sowie im Ammerland.[3]

Im Mittelalter diente sie vermutlich als Wehrkirche, da Reste eines doppelten Grabens um die Kirche gefunden wurden.

Ausstattung

Altar

Der Altar der Kirche St. Sixtus und Sinicius gilt als einer der schönsten Schnitzaltäre des Hamburger Bildhauers Ludwig Münstermann und ist das bedeutendste Kunstwerk der Kirche. Er stammt aus dem Jahr 1620. Der Altarsockel zeigt eine als Flachrelief gestaltete Weihnachtsgeschichte. Darüber befindet sich ein vertieftes Mittelteil, das einen Moment aus dem letzten Abendmahl zeigt, als Jesus seinen zwölf Jüngern voraussagt, dass ihn einer von ihnen verraten wird. Münstermann stellt das Entsetzen und die Verzweiflung der Figuren ausdrucksvoll dar. Seitlich neben dem Mittelteil befinden sich Bilder der vier Evangelisten und außen links und rechts sind die Bilder Martin Luthers und Philipp Melanchthons als Seitenflügel angebracht. Bekrönt wird der Altar durch eine Kreuzigungsgruppe.[4]

Kanzel

Die Kanzel von 1628 stammt ebenfalls aus der Werkstatt von Ludwig Münstermann. Sie ist reichlich mit Ornamenten, Reliefs und Statuen verziert und zeigt im Kanzelkorb die Propheten Jesaia, Jeremia, Ezechiel und Daniel. An den Ecken werden die Tugenden Glaube, Hoffnung, Liebe, Mäßigkeit, Geduld und Wahrheit dargestellt. Im Sockelbereich finden die vier Evangelisten Platz.

Taufstein

Der Taufstein von 1260 ist der älteste Gegenstand in der Kirche. Das Kunstwerk besteht aus Sandstein und steht auf Löwenfüßen. Die Wandungen des Taufbeckens sind mit Reliefdarstellungen der Verkündigung, der Anbetung der drei Könige, der Taufe Christi und der beiden Kirchenpatrone Sixtus und Sinicius verziert. Am oberen Rand befindet sich ein Fries aus Rankengewinden. Der Holzdeckel des Taufsteins entstand vermutlich im letzten Viertel des 17. Jahrhunderts durch den Holzschneidemeister Hinrich Cröpelin aus Esens. Das Becken ruht auf drei Löwen, von denen einer einen Menschen im Maul hat.[5]

Sandsteinepitaph

An der Südwand der Kirche befindet sich ein Sandsteinepitaph aus dem Jahr 1640, das einem Pastor und seiner Ehefrau als Grabmal dient. Auf ihm ist unter einer Kreuzigungsszene die kniende Stifterfamilie dargestellt.

Orgel

Kayser-Orgel von 1694

Im Jahr 1694 baute Joachim Kayser aus Jever eine Orgel, die zunächst nur ein Manual mit zehn Registern und ein angehängtes Pedal umfasste. Kayser ergänzte zu einem nicht bekannten Zeitpunkt ein Brustwerk mit fünf und 1699 ein selbstständiges Pedalwerk mit sechs Registern. Johann Martin Schmid baute 1884 die Orgel eingreifend um und ersetzte das Brustwerk durch ein Schwellwerk mit romantischen Klangfarben. Im Jahr 1974 stellte die Firma Alfred Führer aus Wilhelmshaven den Zustand von 1699 wieder her.[6] Das Gehäuse, neun Register und große Teile der Traktur sind von Kayser original erhalten. Das Instrument verfügt über 21 Register und hat folgende Disposition:[7][8]

I Hauptwerk CDE–c3
Principal8′K
Gedackt8′K
Octave4′K
Spitzflöt4′F
Quinte223K
Oktave2′K
Sifflöte1′F
Sexquialtera II113F
Mixtur IV–VI1′K/F
Trompett8′F
II Brust-Positiv CDE–c3
Gedact8′F
Flöte4′F
Spitzflöt2′F
Sifflöt1′F
Tertian II45F
Pedal CDE–d1
Quintaden16′K/F
Principal8′K
Octava4′K
Mixtur VIF
Posaune16′F
Trompete8′F

Weitere Angaben:

Anmerkungen:

K = Kayser (1694/1699)
F = Führer (1974)

Glockenturm

Der aus Backsteinen gemauerte Glockenturm der Kirche steht wie bei fast allen Kirchen auf der ostfriesischen Halbinsel separat und entstand um 1500. Er ist dreiständig und befindet sich nordöstlich der Kirche.[9]

Kriegerdenkmal vor der Kirche

Vor dem Aufgang zur Kirche befindet sich ein 1923 errichtetes Kriegerdenkmal in Form eines gemauerten Tors. An der Vorderseite, im Durchgang sowie an der Rückseite des Tors sind Sandsteinplatten mit Inschriften eingelassen. Auf der Rückseite befinden sich die Namen der Einwohner, die im Ersten Weltkrieg gefallen sind.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Kriegerdenkmal erweitert, indem hinter dem Tor eine Mauer errichtet wurde, auf der die Gefallenen des Zweiten Weltkrieges verewigt sind.[10]

Siehe auch

Literatur

  • Hans Saebens, Christel Matthias Schröder: Die Kirchen des Jeverlandes. Verlag C. L. Mettcker & Söhne, Jever 1956, S. 7, 13 f., 44 ff.
  • Günter Müller: Die alten Kirchen und Glockentürme des Oldenburger Landes. Kayser-Verlag, Oldenburg 1983, S. 72 ff.
  • Werner Brune (Hrsg.): Wilhelmshavener Heimatlexikon, Band 1–3. Brune Druck- und Verlagsgesellschaft, Wilhelmshaven 1986–1987, Band 1, S. 485–486.
  • Robert Noah, Martin Stromann: Gottes Häuser in Friesland und Wilhelmshaven. Verlag Soltau-Kurier-Norden, Norden 1991, ISBN 978-3-922365-95-2, S. 42 ff.
  • Wilhelm Gilly: Mittelalterliche Kirchen und Kapellen im Oldenburger Land. Baugeschichte und Bestandsaufnahme. Isensee Verlag, Oldenburg 1992, ISBN 3-89442-126-6, S. 76 f.
  • Wolfgang Koppen: Von jedem Hof Gerste, Käse und Butter als „Pastorenlohn“. In: Jeversches Wochenblatt vom 16. September 1995.
  • Justin Kroesen, Regnerus Steensma: Kirchen in Ostfriesland und ihre mittelalterliche Ausstattung. Michael Imhof, Petersberg 2011, ISBN 978-3-86568-159-1.
  • Axel Bürgener, Klaus Siewert: Saalkirchen im Wangerland, Verlag "Auf der Warft", MünsterHamburgWiarden 2015, ISBN 978-3-939211-97-6, S. 11 ff.
  • Wolfgang A. Niemann: 875-jähriges Bestehen wird groß gefeiert. In: Wilhelmshavener Zeitung vom 30. Dezember 2017, S. 12.
  • Rainer Hinrichs: Gaukirche vor 875 Jahren erstmals erwähnt. In: Jeversches Wochenblatt vom 19. Mai 2018, S. 7.

Weblinks

 Commons: Kirche St. Sixtus und Sinicius in Hohenkirchen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Hartwig Harms: Kirchenhistorie einst und jetzt. – Die Kirche „St. Sixtus und Sinicius“ besteht seit 870 Jahren. In: Friesische Heimat, 462. Beilage des Jeverschen Wochenblattes vom 7. März 2013, S. 3, abgerufen am 5. Januar 2016.

Einzelnachweise

  1. Kroesen, Steensma: Kirchen in Ostfriesland. 2011, S. 150, 205.
  2. Die Prediger des Herzogtums Oldenburg seit der Reformation. Abgerufen am 21. März 2014.
  3. Hermann Haiduck, Die Architektur der mittelalterlichen Kirchen im ostfriesischen Küstenraum, Verlag Ostfriesische Landschaft, Aurich, 1986, S. 23
  4. Kroesen, Steensma: Kirchen in Ostfriesland. 2011, S. 263.
  5. Kroesen, Steensma: Kirchen in Ostfriesland. 2011, S. 228.
  6. Siehe den Restaurierungsbericht von Fritz Schild: Denkmal-Orgeln. Dokumentation der Restaurierung durch Orgelbau Führer 1974–1991. Florian Noetzel, Wilhelmshaven 2005, ISBN 978-3-7959-0862-1, S. 505–534.
  7. Orgel in Hohenkirchen, abgerufen am 26. Januar 2014.
  8. Orgel der Kirche St. Sixtus und Sinicius auf Organ index, abgerufen am 29. September 2018.
  9. Geläut der Kirche St. Sixtus und Sinicius in Hohenkirchen, abgerufen am 7. September 2018.
  10. Denkmalprojekt Gefallenendenkmäler: Wangerland-Hohenkirchen, Kreis Friesland, Niedersachsen, abgerufen am 25. Januar 2014

Koordinaten: 53° 39′ 45,9″ N, 7° 54′ 59,4″ O

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Organ of St.Sixtus und Sinicius (Hohenkirchen)
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Die St. Sixtus- und Sinicius-Kirche in Hohenkirchen, dem Heiligen Sixtus von Reims und seinem Gefährten Sinicius geweiht