St. Remigius (Viersen)

St. Remigius (Viersen)

Die Pfarrkirche St. Remigius ist ein römisch-katholisches Kirchengebäude in Viersen.

Geschichte

Bereits zu karolingischer Zeit wurde im 8./9. Jh. in Viersen eine Steinkirche errichtet. Es handelte sich dabei um eine fränkische Saalkirche, die um das Jahr 1181 zu einer dreischiffigen romanischen Pfeilerbasilika umgebaut wurde. Im Jahr 1185 wurde die Kirche im St.-Gereon-Stift zu Köln urkundlich erwähnt.[1] Ab dem 14. Jahrhundert wurde begonnen, sie zu einer frühgotischen Kirche umzubauen.

Der Turm der Kirche wurde um 1350 dem romanischen Schiff vorangesetzt. Innen ist deutlich sichtbar des er versetzt zum heutigen spätgotischen Schiff steht. Das lässt vermuten, dass das alte romanische Schiff ein wenig mehr nach Süden hin stand. Der heutige spätgotische Kirchenbau wurde 1484 errichtet.[2] Im Jahr 1699 stürzte die Kirche auf Grund von Pfeilerbruch in sich zusammen. Ihr Aufbau dauerte bis ins Jahr 1704. 1866 bekam sie eine Gasbeleuchtung.[3]

Am 24. Februar 1945, fünf Tage vor der Besetzung Viersens durch US-Truppen, wurde die Kirche durch Brand- und Sprengbomben schwer beschädigt. Sie wurde 1945/46 durch den damaligen Dechanten Frenken nach den Plänen des Kölner Regierungsbaumeisters Wilhelm Hartmann wiederaufgebaut und am 25. September 1949 erneut geweiht. Am 27. Dezember 1952 wurde der Turmhelm fertiggestellt.

In den Jahren 1982–1984 wurde die Kirche im Inneren konzilskonform umgestaltet, dabei der Hochaltar entfernt, der Fußboden abgesenkt und Teile des Fundaments freigelegt.[4] Als Altar diente provisorisch ein beweglicher Holzaltar.

Im Jahr 1999 wurde das derzeitige Ensemble aus Altar, Vorstehersitz und Ambo nach Entwürfen von Heinz Döhmen aus Aachener Blaustein und italienischem Bardiglio-Marmor errichtet, am 26. September 1999 fand die Altarweihe mit Weihbischof Dr. Gerd Dicke statt. Der Altar enthält Reliquien des hl. Polycarp, des hl. Mauritius und seiner Gefährten, des hl. Bonifatius und seiner Gefährten und des hl. Engelbert.

2004 wurde die Ostwand des nördlichen Seitenschiffs durchbrochen und der dahinter gelegene Raum zur Sakramentskapelle umgestaltet. Der Tabernakel von Eduard Schmitz wurde umgebaut und fand dort seinen Platz. Die künstlerische Ausmalung der Sakramentskapelle stammt von dem Viersener Künstler Georg Ettll, dieser gestaltete 2004 auch den Chorraum der Remigiuskirche.[5]

Eine vom Architektenbüro Dewey und Blohm-Schröder mit einem neuen Gesamtkonzept für die Innenausstattung durchgeführte Sanierung folgte 2018. Dieses umfasste die Ausmalung, eine neue Beleuchtung, Beichtstühle und diverse andere Einrichtungsgegenstände.[6]

Künstlerische Ausstattung

  • Geißlerkreuz, 1400/1401
  • Tabernakel von Eduard Schmitz, Köln, 1949[7]
  • Kirchenfenster von Eduard Horst, 1951[8]
  • Ausmalungen im Chorraum von Georg Ettl, 2004
Blick in die Apsis

Orgeln

Hauptorgel

Gerald-Woehl-Orgel von 1984

Die Orgel wurde 1984 von dem Orgelbauer Gerald Woehl erbaut. Die Orgelweihe fand am 2. Dezember 1984 statt. Das Schleifladen-Instrument hat 52 Register, die auf vier Manuale und Pedal verteilt sind. Die Spiel- und Registertrakturen sind mechanisch. Der Gehäuseentwurf stammt von Heinz Döhmen und Gerald Woehl, die Disposition wurde von Viktor Scholz, Hans Wilhelm Hoff und Gerald Woehl erstellt.[9] Das Instrument ist „im Zuschnitt und in der Ausführung [ein] kräftiger französischer Orgel-Akzent am Niederrhein“.[10]

In der Kirche finden regelmäßig Konzerte des „Fördervereins für Kirchenmusik an St. Remigius e. V.“ statt.[11] Seit dem 1. Juli 2019 ist Kantor Michael Park der leitende Kirchenmusiker an St. Remigius in der Nachfolge von Kirchenmusikdirektor Thorsten Konigorski (1999–2019)[12], Regionalkantor Hans-Wilhelm Hoff (1960–1999) und Kirchenmusikdirektor Hans Jöris (1920–1960). Die Disposition lautet:[13]

I Positif C–g3
Montre8′
Bourdon8′
Prestant4′
Flûte à cheminée 004′
Nasard223
Doublette2′
Tierce135
Larigot113
Fourniture III
Cymbale III
Trompette8′
Cromorne8′
Tremblant doux
II Grand-Orgue C–g3
Montre16′
Montre08′
Flûte harmonique08′
Salicional08′
Bourdon08′
Prestant04′
Flûte conique04′
Grosse Tierce0315
Nasard0223
Doublette02′
Tierce0135
Sesquialtera II
Fourniture IV
Cymbale IV
Trompette en chamade 0004′/8′
III Récit expressif C–g3
Quintaton16′
Bourdon08′
Flûte traversière 0008′
Viole de Gamba08′
Voix céleste08′
Fugara04′
Flûte octaviante04′
Octavin02′
Progressio I–V
Bombarde16′
Trompette harmonique 0008′
Basson-Hautbois08′
Voix humaine08′
Clairon harmonique04′
Tremblant fort
IV Bombarde C–g3
Cornet V
Trompette8′
Clairon4′


Pédale C–f1
Montre16′
Soubasse16′
Grosse Quinte1023
Flûte08′
Octave04′
Grosse Tierce625
Bombarde16′
Trompette08′
Clairon04′
  • Koppeln:
    • Normalkoppeln: IV/II, III/II, I/II, III/I, VI/P, III/P, II/P, I/P
    • Suboktavkoppeln: III/II
  • Jeux de combinaison: III, P als Appel-Tritte
  • Echoklappe III

Chororgel

Totale mit beiden Orgeln

Im Chorraum existiert eine weitere, fahrbare Orgel von Martin Scholz aus Mönchengladbach, die 2002 in Anlehnung an Orgeln des italienischen Barocks[14] gebaut und von Horst Lerche farbig gefasst wurde. Das Instrument hat 9 Register und ein angehängtes Pedal. Die Disposition lautet:[15]

Manual C–f3
Principal8′
Voce umana (ab c1)8′(Schwebung)
Bordun B/D8′
Octave4′
Rohrflöte4′
Quinte223(weite Mensur)
Octave2′
Quinte113
Cornetta III (ab c1)
Pedal C–d1
angehängt

Geläut

Im obersten Turmgeschoss von St. Remigius hängen sieben Glocken. Das heutige Geläut stammt größtenteils aus dem Jahre 1953. Von dem alten Geläut sind noch die alte St.Marienglocke aus dem Jahre 1506 und die Antonius-Sebastianus-Rochusglocke übrig. Im heutigen Geläut haben sie die Nummern drei und fünf. Vor dem Zweiten Weltkrieg bestand das Geläut aus folgenden Glocken:

  • St.Michael Ton Gis0. Gegossen 1931 und 112 Centner Schwer
  • St.Remigius Ton H0 ursprünglich gegossen 1201, danach noch mehrfach umgegossen.
  • St.Marien Ton Cis1, heute noch vorhanden. Gegossen im Jahre 1506 von Johann van Venlo.
  • Christuskönig Ton Dis1, gegossen 1927.
  • Antonius-Sebastianus-Rochus, heute noch vorhanden.Ton dis2, 210 kg und der Glocke Jesus-Maria-Anna, die heute im Türmchen des Don-Bosco-Heimes im Viersener Ortsteil Helenabrunn hängt.

Des Weiteren befand sich im Dachreiter noch eine Glocke aus dem Jahre 1018.

Die Glocken Michael, Remigius, Christuskönig, Antonius und Maria-Anna wurden der Metallspende im Zweiten Weltkrieg zugeführt, wobei die beiden letztgenannten unversehrt zurückkamen. Die drei großen Glocken kamen nach Kall in die Eifel und wurden dort zerschlagen. Man hatte die wertvolle Remigiusglocke nicht als historisch anerkannt, da sie im Laufe der Jahrhunderte einige Male umgegossen worden war. Lediglich die alte St.Marienglocke von Johann van Venlo durfte im Turm hängen bleiben und überlebte den Luftangriff auf Viersen und den damit verbundenen Brand des Glockenturmes und der Kirche unbeschadet.

Seit 1953 besteht das Geläut aus folgenden Glocken:

St.Remigiusglocke Ton Gis0.Gewicht 5.310 kg St.Michaelsglocke Ton H0.Gewicht 3.070 kg. St.Marienglocke Ton Cis1.Gewicht 2.500 kg. Christuskönigglocke Ton Dis1. Gewicht 1.550 kg Antonius-Sebastianus-Rochusglocke Ton dis2. Gewicht 210 kg Zweite Engelsglocke Ton fis2 Gewicht 82 kg Erste Engelsglocke Ton gis2. Gewicht 58 kg.

Die Glocken Remigius, Michael, Christuskönig, sowie die beiden Engelsglocken wurden von der in Münster ansässigen, aber heute nicht mehr existenten Gießerei Feldmann und Marschel gegossen und von der Firma Kaiser’s Kaffee und einem Privatmensch gestiftet. Die Marienglocke von 1506 ist wie bereits erwähnt ein Werk des Gießers Johann van Venlo, während die Antoniusglocke von 1526 Tillmann van Straelen zugerechnet wird. Quellenangaben: Die Geschichte der Pfarrkirche des heiligen Remigius zu Viersen von Dechant G.Frenken.[16]

Weblinks

Commons: St. Remigius (Viersen) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. St. Remigius – Baugeschichte. Abgerufen am 24. Oktober 2020.
  2. Vgl. die Informationen auf einer privaten Website
  3. Heimatverein Viersen Startseite. Abgerufen am 19. April 2021.
  4. St. Remigius – Baugeschichte. Abgerufen am 24. Oktober 2020.
  5. St. Remigius – Altarraum. Abgerufen am 24. Februar 2021.
  6. Innensanierung und Umgestaltung Pfarrkirche St. Remigius, Viersen. Abgerufen am 24. Februar 2021 (deutsch).
  7. St. Remigius Viersen, Pfarrkirche, Sakrale Bauwerke, Kirchen & Klöster, Historische Kirchenbauten in Deutschland, Basilika, Kathedrale, Helmut Voss Reisebilder. Abgerufen am 24. Oktober 2020.
  8. St. Remigius – Fenster. Abgerufen am 24. Oktober 2020.
  9. vgl. Festschrift zur Orgelweihe, Marburg, 2. Auflage 1984
  10. Gustav K. Ommer: Neuzeitliche Orgeln am Niederrhein. München: Schnell & Steiner 1988, S. 242f.
  11. Musik hat einen hohen Stellenwert. Abgerufen am 24. Oktober 2020 (deutsch).
  12. Heide Oehmen: Kirchenmusik in Viersen: Kantorenwechsel in St. Remigius. Abgerufen am 24. Oktober 2020.
  13. Informationen zur Hauptorgel auf Organ index. Abgerufen am 1. Juli 2023.
  14. Überlegungen zum Bau der Chororgel auf der Seite von Viktor Scholz. Abgerufen am 24. Februar 2021.
  15. Informationen zur Chororgel auf Organ index. Abgerufen am 1. Juli 2023.
  16. Informationen zu den Glocken

Koordinaten: 51° 15′ 35,4″ N, 6° 23′ 16,1″ O

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Im Chorraum das Geißlerkreuz, im Hintergrund die Ausmalungen von Georg Ettl
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