Siegfried Winderlich
Siegfried Winderlich (* 1940 in Eppenstein; † 2023) war ein deutscher Maler.
Leben und Werk
Winderlich war der Sohn eines Schlossers und einer Hausfrau. Die Familie verließ nach dem Ende des NS-Staats die Steiermark, kam in die Sowjetische Besatzungszone und wohnte ab 1946 in der Papierfabrik in Dittersbach. Winderlich besuchte bis zur 10. Klasse die Schule in Neustadt in Sachsen. In dieser Zeit machte er in den Ferien und an den Wochenenden in der Papierfabrik Aushilfsarbeiten. Von 1956 bis zum Abitur 1959 besuchte er die Arbeiter- und Bauernfakultät für bildende Kunst an der Hochschule für Bildende Künste Dresden (HfBK). Gemeinsam mit seinem Kommilitonen Hartmut Bonk leistete er 1959/60 im Sachsenwerk Niedersedlitz ein praktisches Jahr als Hilfsmonteur. Von 1960 bis 1965 studierte Winderlich Wandmalerei bei Heinz Lohmar und Alfred Hesse an der HfBK. Nach dem Diplom arbeitete er in Jena bis 1968 freischaffend als Maler. Er schuf dort 1968 an der Stirnwand des Plenarsaals des Rathauses das Wandgemälde „Der Beschluss zur Wiedereröffnung der Friedrich-Schiller-Universität Jena“ (Wachsmalerei, 4,00 × 8,70 m).[1][2]
1968 zog Winderlich nach Dresden, wo er bis 1983 Assistent in der Sektion Philosophie und Kulturwissenschaften der TU Dresden war. In der Lehre durfte er nicht tätig werden, weil er nicht Mitglied der SED war. 1974 promovierte er an der TU zum Thema „Zum ästhetischen Erlebnis bildnerischer Gestaltungen im industriellen Produktionsbereich der sozialistischen Gesellschaft als Faktor der Reproduktion der Persönlichkeit unter Berücksichtigung gestaltungspraktischer Grundlagen“.[3]
Von 1974 bis 1981 war Winderlich Mitarbeiter des Büros für architekturbezogene Kunst Dresden. Er war dort für künstlerische Konzeptionen von Neubaugebieten, u. a. mit Kurt Dennhardt für Bischofswerda-Süd[4], und für die Kontakte zu den für die Ausführung vorgesehenen Künstlern zuständig. In dieser Zeit schuf er auch ein Wandbild in einem Feierabendheim in Neugersdorf und mit seinem Freund Ulrich Eisenfeld architekturbezogene plastische Werke für zwei Kindereinrichtungen in Dresden-Prohlis. 1978 richtete er mit Eisenfeld und ihrem Freund Günther Torges eine Lithografie-Werkstatt ein.
Ab 1981 arbeitete Winderlich wieder als freischaffender Maler in Dresden und ab 1984 in Kreischa. Er schuf auch Plastiken und beteiligte sich an Rekonstruktionsmaßnahmen u. a. an der Semperoper, am Residenzschloss Dresden, am Schloss Rammenau und am Jagdschloss Augustusburg. Von 1981 bis 1984 war er Mitarbeiter bei der Rekonstruktion der Malerei des Schmuckvorhanges der Semperoper und von 1988 bis 1997 und 2007 bis 2010 der Sgraffito-Fresken im Großen Schlosshof des Residenzschlosses Dresden.
Einzelausstellungen (unvollständig)
- 2007: Pirna, Mägdeleinschule
- 2020: Dresden, Galerie Kunstgehäuse („Phantasie, Vielfalt und Akribie“: Malerei und Skulpturen)[5]
- 2023: Dresden, Galerie Kunstgehäuse („No more Fight“; mit dem Fotografen Jürgen Bürgin)[6][7]
Literatur
- Matias Mieth, Matthias Zahn: Die Farbe kam aus dem Westen. Auszüge aus einem Gespräch mit dem Maler Siegfried Winderlich. In: Gerbergasse 18 – Thüringer Vierteljahresschrift für Zeitgeschichte und Politik, Jena, 2020, S. 50–53
Weblinks
- Siegfried Winderlich – kunstgehæuse
- Bildindex der Kunst & Architektur - Startseite Bildindex Arbeiten aus der Studienzeit
Einzelnachweise
- ↑ FUNKE Mediengruppe: Die Geschichte hinter dem Monumentalbild im Rathaus Jena. 21. Juni 2023, abgerufen am 17. Mai 2026.
- ↑ Ruth Pape et al.: Bildende Kunst + Architektur. Katalog Teil 3, Karl-Marx-Stadt, Gera, Erfurt, Suhl. Deutsche Bauakademie, Berlin, 1972, S. 61/63
- ↑ Zum ästhetischen Erlebnis bildnerischer Gestaltungen im industriellen Produktionsbereich der sozialistischen Gesellschaft als Faktor der Reproduktion der Persönlichkeit unter Berücksichtigung gestaltungspraktischer Grundlagen. Abgerufen am 17. Mai 2026.
- ↑ Künstlerische Konzeption für den komplexen Wohnungsbaustandort in Bischofswerda-Süd von Siegfried Winderlich und Kurt Dennhardt. Abgerufen am 17. Mai 2026.
- ↑ Siegfried Winderlich – kunstgehæuse. Abgerufen am 17. Mai 2026.
- ↑ Florian Varga: Box-Kunst im Kunstgehæuse. In: Neustadt-Geflüster. 16. Oktober 2023, abgerufen am 17. Mai 2026.
- ↑ Boxen • Bürgin_Winderlich – kunstgehæuse. Abgerufen am 17. Mai 2026.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Winderlich, Siegfried |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Maler |
| GEBURTSDATUM | 1940 |
| GEBURTSORT | Eppenstein |
| STERBEDATUM | 2023 |