Semem

Semem ist ein Begriff der linguistischen Semantik und bezeichnet eine sich aus einzelnen Semen ergebende semantische Einheit.

Im Einzelnen ist der Begriff theorieabhängig von der jeweiligen linguistischen Schule.[1]

Das Semem als spezifische Kombination von Semen

Das Semem als semantische Einheit wird als je spezifische Kombination von Semen, semantischen Merkmalen aufgefasst (auch: Merkmalsbündel).

  • Beispiel: Zum Semem des Wortes „Fluss“ gehören unter anderem semantische Merkmale wie [konkret], [natürlich], [fließend], [relativ groß];[2] drei dieser Merkmale teilt das Semem von „Fluss“ mit dem von „Bach“, unterscheidet sich von diesem aber im Merkmal [relativ groß].

So bietet sich eine Möglichkeit, die semantische Seite von Wortfeldern systematisch zu beschreiben.[3]

Das kleinste Bedeutungselement eines Semems ist das Noem (Aussprache Noēm). Nach Leonard Bloomfield ist die vom Noem getragene Bedeutung Teil eines Glossems, welches die kleinste sprachliche Einheit darstellt.[4]

Das Semem als eine bestimmte Bedeutung und sein Verhältnis zum Lexem

Der Terminus Semem bezeichnet eine bestimmte Bedeutung.

Das Verhältnis zum Begriff Lexem ist davon abhängig, wie man den Ausdruck Lexem definiert.

Die Ausdrücke Semem und Lexem sind Synonyme, wenn ein Lexem terminologisch nur eine Bedeutung haben soll. Häufig werden die Ausdrücke Semem und Lexem gleichbedeutend (synonym) verwendet[5] – dabei muss hier offenbleiben, ob dies auf einer terminologischen Entscheidung oder Unbedachtheit beruht.

Ist die Einheit eines Lexems nicht durch die Einheit seiner Bedeutung definiert, kann es also ein Lexem mit mehreren Bedeutungen geben (Lexem im semantisch weiteren Sinn), macht ein Semem einen Teilaspekt eines Lexems im Sinne einer Gesamtbedeutung aus.

Ein Semem ist dann die Teilbedeutung[6] (Lesart, Bedeutungsvariante, die „jeweils aktualisierte Bedeutung“[7]) eines mehrdeutigen Lexems.

Im Fall eines eindeutigen Lexems fallen Semem und Lexem zusammen. Ein eindeutiges Lexem hat also nur ein Semem.

Die konkrete Anwendung dieses begrifflichen Rasters hängt im Einzelnen davon ab, wie man den Begriff der Bedeutung konkret fasst. Während man beim Lexem – möglicherweise lexikographisch bedingt – dazu neigt, nur bei Grundbedeutungen von einer selbständigen Bedeutung auszugehen, erlaubt das Konzept des Semems eine beliebige Feindifferenzierung.

Siehe auch

Literatur

  • Wilfried Kürschner: Grammatisches Kompendium. Systematisches Verzeichnis grammatischer Grundbegriffe. 3. Auflage. Francke, Tübingen/Basel 1997, ISBN 3-8252-1526-1.

Weblinks

 Wiktionary: Semem – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. Ausführlich Bußmann: Lexikon der Sprachwissenschaft. 3. Auflage (2002): Semem
  2. Gustav H. Blanke: Einführung in die semantische Analyse. Hueber, München 1973, S. 70.
  3. Harro Gross: Einführung in die germanistische Linguistik. 3., überarb. und erw. Auflage, neu bearb. von Klaus Fischer. Iudicium, München 1998, ISBN 3-89129-240-6, S. 119f.
  4. „Smallest meaningful unit of linguistic signaling: glosseme; the meaning of a glosseme is a noeme“ (Bloomfield 1933:264)
  5. So Ernst, Peter: Germanistische Sprachwissenschaft. WUV, Wien 2008 (UTB; 2541), S. 204.
  6. Schlaefer, Michael: Lexikologie und Lexikographie. 2. Auflage. Schmidt, Berlin 2009, S. 12; Helmut Rehbock: Semem. In: Helmut Glück (Hrsg.): Metzler Lexikon Sprache. 4. Auflage. Metzler, Stuttgart/Weimar 2010.
  7. Siegfried Heusinger: Die Lexik der deutschen Gegenwartssprache. Eine Einführung. W. Fink, München 2004 (UTB 2491), S. 22.