Seebäderschiff

Das ehemalige, inzwischen abgewrackte Seebäderschiff Wappen von Hamburg (1965) vor Cuxhaven

Seebäderschiffe sind Passagierschiffe zum Personentransport zwischen den Badeorten an der deutschen Ost- und Nordseeküste, nach Helgoland oder zu den ostfriesischen und nordfriesischen Inseln. Sie sind teilweise, vor allem im Helgoland-Verkehr, hochseetauglich, aber aufgrund ihrer Ausstattung nicht für die große Fahrt ausgelegt. Sie verfügen in der Regel nicht über Kabinen. Meistens gibt es mehrere Decks mit großen Salons. In einzelnen Fällen – außer für die Inselfahrt nach Helgoland – haben sie ein kleines Deck, auf dem auch einzelne Pkw mitgenommen werden können.

Schiffe im Helgoland-Verkehr

Auf Helgoland wird in der Regel während der Touristensaison nicht an einer Anlegestelle festgemacht (Ausnahme: die Katamaran-Schnellfähre, die den Hafen der Insel anlaufen darf), sondern die Ausschiffung der Passagiere erfolgt mittels Börtebooten. Während des Winters dagegen darf die Funny Girl der Reederei Cassen Eils, die als einziges Schiff ganzjährig Helgoland anläuft, im Hafen anlegen, da ein Ausbooten bei dem raueren Wetter im Winterhalbjahr ein erhebliches Risiko birgt. Auch in der Vor- und Nachsaison wird in der Regel nicht ausgebootet.

Die 1965 gebaute Wappen von Hamburg war mit 109,6 m Länge und 15,0 m Breite zwar nicht das längste und breiteste, aber nach Rauminhalt (4438 BRT) das größte deutsche Seebäderschiff. Bei einer Höchstgeschwindigkeit von 22 Knoten konnten bis zu 1800 Passagiere befördert werden. Letzte Reederei war die FRS Förde Reederei Seetouristik. Die Saison 2006 war die letzte für die Wappen von Hamburg. Am 31. Mai 2007 verkaufte FRS das Schiff an eine Reederei auf den britischen Jungferninseln. Ihr neuer Name war Mercator II. Nach dem Konkurs des neuen Eigners lag die ehemalige Wappen von Hamburg in sehr schlechtem Zustand im Bremerhavener Fischereihafen, ehe sie zu einer dänischen Abwrackwerft geschleppt wurde, wo sie im Jahr 2011 abgewrackt wurde.

Auswahl weiterer Seebäderschiffe im Helgoland-Verkehr:

  • Cobra, 1890 bis 1914 und 1920 bis 1921
  • Najade, 1894 bis 1914
  • Roland, 1927 bis 1939
  • Als größtes und letztes in der Lindenau-Werft in Memel gebautes Schiff lief die elektrisch betriebene Helgoland (2000 Passagiere, 2947 BRT) am 6. Mai 1938 vom Stapel. Sie wurde vom 18. Juli bis etwa 21. August 1939 im Helgoland-Verkehr eingesetzt.[1]
  • Hein Godenwind, 1960 bis 1969
  • Atlantis, 1956 bis 1970
  • Rüm Hart, 1959 bis 1981
  • Frisia III, 1960 bis 1998
  • Seute Deern, 1961 bis 2003
  • Wappen von Hamburg, 1962 bis 1964, später Alte Liebe, 1966 bis 1981, sowie Helgoland, 1985 bis 1997 und 2000 bis 2004
  • Helgoland, 1963 bis 1965
  • Wilhelmshaven, 1963 bis 2004
  • Roland von Bremen, 1966 bis 1984
  • Westerland, 1972 bis 1973, später Pidder Lyng, 1982 bis 2001, sowie Adler Nordica, 2006 und Kloar Kimming, 2007
  • Helgoland, 2006 bis 2014
  • Helgoland, 1972 bis 1982 und 1998 bis 1999, First Lady, 1983 bis 1997, sowie Atlantis, 2000 bis 2015

Die aktuellen (2017) Seebäderschiffe im Helgolanddienst:

  • Die Helgoland der Reederei Cassen Eils ist 83 m lang und 12,8 m breit und kann bei einer Höchstgeschwindigkeit von 20 Knoten 1060 Passagiere befördern. Seit 2015 bedient sie die Route Cuxhaven–Helgoland.
  • Die Funny Girl ist 68,57 m lang und 10 m breit. Sie befördert maximal 800 Passagiere mit einer Geschwindigkeit von 19 Knoten (3800 PS, BRZ 999). Im Sommer fährt sie von Büsum, im Winter von Cuxhaven nach Helgoland. Reederei: Cassen Eils
  • Die Lady von Büsum, die die Route Büsum – Helgoland bedient, ist 45,7 m lang und 8,5 m breit. Es sind maximal 483 Passagiere an Bord zugelassen. Die Geschwindigkeit beträgt 14 Knoten (1700 PS). Reederei: Rahder
  • Die Fair Lady ist ein Schwesterschiff der Funny Girl. Das Schiff verkehrte bis 2011 als Lady Assa in Polen. Im Januar kaufte die Reederei Cassen Eils das Schiff dann zurück. Die Fair Lady fährt seit Mai 2011 unter der Flagge der Reederei Cassen Eils von Bremerhaven nach Helgoland. Ex-Namen der Fair Lady sind Adler Baltica und Lady Assa.

Weitere Schiffe auf der Nordsee

Die sieben bewohnten ostfriesischen Inseln Borkum, Juist, Norderney, Baltrum, Langeoog, Spiekeroog, Wangerooge haben alle erhebliche Touristenströme, für die sie jeweils eigene Fährschiffe zum Festland einsetzen, die auch Ausflugsfahrten zwischen den Inseln und anderen Zielen durchführen.

  • Die Spiekeroog II ist 47,9 m lang und 9 m breit. Sie kann bis zu 700 Passagiere befördern mit einer Geschwindigkeit von 12,5 Knoten. Reederei: Nordseebad Spiekeroog GmbH
  • Die Harlingerland ist 46,4 m lang und 9 m breit. Sie kann bis zu 635 Personen bei einer Geschwindigkeit von 11 Knoten befördern (BRZ 477, 820 KW). Sie wird hauptsächlich im Wangerooge-Dienst der DB AG von Harlesiel aus eingesetzt, macht von hier aus aber auch Fahrten nach Spiekeroog. Reederei: DB AutoZug

Die nordfriesischen Inseln Amrum und Föhr sowie Pellworm und die Halligen setzen ebenfalls und teils gemeinsam Passagierschiffe zum Festland und zur Verbindung der Inseln miteinander ein.

Schiffe auf der Ostsee

Die Baltica vor Graal-Müritz

An der deutschen Ostseeküste werden auf Seebäderschiffen zum einen Fahrten in See angeboten, zum anderen Fahrten entlang der Küste und Fahrten zwischen den Inseln Rügen, Hiddensee und Usedom sowie zwischen dem Festland und den Inseln.

Beispiele:

  • Kronprinz, gilt als ältestes noch erhaltenes Seebäderschiff (Baujahr 1910, 500 Passagiere, Länge zwischen den Loten: 31,78 m, Tiefgang: 1,83 m). Früher Fahrten von Rostock aus auf der Unterwarnow, nach Kühlungsborn und Graal-Müritz. Der Schiffskörper wurde vor einigen Jahren nach Dresden-Laubegast überführt, ein Wiederaufbau ist geplant.
  • Baltica, Warnemünde, Fahrten nach Kühlungsborn, Graal-Müritz und zum Fischland/Darß.

Siehe auch

Literatur

  • Claus Rothe: Deutsche Seebäderschiffe 1830–1939 (= Bibliothek der Schiffstypen. Band 4). transpress VEB Verlag für Verkehrswesen, Berlin 1989, ISBN 3-344-00393-3.
  • Peter Bussler: Eine Bäderreise von Cuxhaven nach Helgoland im 19. Jahrhundert. Frühere Bäderschiffe zwischen Hamburg und Helgoland. In: Männer vom Morgenstern Heimatbund an Elb- und Wesermündung e. V. (Hrsg.): Niederdeutsches Heimatblatt. Nr. 825. Nordsee Zeitung GmbH, Bremerhaven September 2018, S. 1–2 (Digitalisat [PDF; 4,1 MB; abgerufen am 20. Juni 2019]).

Weblinks

 Commons: Seebäderschiffe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Elektroschiff Helgoland. In: Internetseite Graf von Spee Chapter. Archiviert vom Original am 7. November 2017; abgerufen am 20. Juni 2019.

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