Scientific Linux

Scientific Linux
Logo von Scientific Linux
Screenshot von Scientific Linux 7.0
Scientific Linux 7.0 (Nitrogen)
EntwicklerFermilab und CERN
Lizenz(en)GPL (Freie Software)
Akt. Version7.9 (20. Oktober 2020[1])
AbstammungGNU/Linux
↳ Red Hat Linux
↳ Fedora
↳ RHEL
↳  Scientific Linux
Architektur(en)IA-32, AMD64
www.scientificlinux.org

Scientific Linux (SL) ist eine Linux-Distribution, die auf der Distribution Red Hat Enterprise Linux (RHEL) des Unternehmens Red Hat basiert und zu dieser binärkompatibel ist. Die Distribution wurde bis zur Version 7 hauptsächlich von Entwicklern am Fermilab, am CERN, an der ETH Zürich und am DESY weiterentwickelt.[2]

Hintergrund

Die kommerzielle Linux-Distribution RHEL kann nur im Zusammenhang mit Supportverträgen erworben werden. Die Firma Red Hat stellt aber alle Quellpakete von RHEL im Netz bereit, um die Anforderungen unterschiedlicher Lizenzen von – in RHEL enthaltener – freier Software zu erfüllen, und ermöglicht es so, auf dieser Basis eine zu RHEL binärkompatible Linux-Distribution zu entwickeln. Durch die Binärkompatibilität ermöglicht Scientific Linux, Computer mit einer RHEL-kompatiblen Linux-Distribution zu nutzen, ohne einen Supportvertrag mit Red Hat abschließen zu müssen. Neben finanziellen Ersparnissen ergibt sich auch der Vorteil, dass alle Software, die für RHEL angeboten wird, direkt und ohne Einschränkungen unter Scientific Linux genutzt werden kann.

Ziel von Scientific Linux

Scientific Linux entstand im Umfeld verschiedener Forschungslabore und Universitäten und wurde geschaffen, um verschiedene Ansprüche dieser Institutionen zu erfüllen:[3]

  • Nicht jedes Institut und Labor muss eine eigene Distribution erstellen – das Bündeln der Anstrengungen vermeidet mehrfache Arbeit.
  • Durch eine gemeinsame Distribution steht allen Forschern eine gemeinsame Installationsbasis für verschiedene Experimente zur Verfügung.
  • Durch die Kompatibilität zu RHEL wird gewährleistet, dass auch Enterprise-Linux-Software, die häufig nur für RHEL zur Verfügung steht, problemlos auf Scientific Linux läuft.
  • Die einfache Anpassbarkeit der Distribution ermöglicht es, dass Institutionen oder Labore eine optisch angepasste Variante der Distribution veröffentlichen können, ohne die anderen Ziele einzuschränken.
  • Scientific Linux wird um in der Wissenschaft häufig notwendige oder praktische Software erweitert, um den Software-Ansprüchen der wissenschaftlichen Einrichtungen zu genügen.

Enterprise-Betriebssystem

Scientific Linux ist binärkompatibel zu RHEL und ist daher ebenfalls ein Enterprise-Betriebssystem, also ein Betriebssystem, das auf die Bedürfnisse großer Unternehmen und staatlicher Organisationen ausgerichtet ist. Als Enterprise-Betriebssystem ist es deshalb auf Stabilität und lange Wartungszyklen ausgelegt. Man kann Scientific Linux über zehn Jahre nutzen, ohne Pakete bzw. Softwareversionen migrieren zu müssen, weshalb es für den kommerziellen Einsatz geeignet ist. Für RHEL bieten große Softwarehäuser wie Oracle oder SAP Zertifikate an, die garantieren, dass deren Software auf RHEL problemlos funktioniert, was analog für große Serverhersteller gilt. Enterprise-Betriebssysteme findet man daher meist auf Workstations und Servern, wo ein extrem stabiler Betrieb verlangt wird (z. B. Wissenschaft, Forschung, Börse, Militär oder Raumfahrt). Im Gegensatz zu RHEL gibt es für Scientific Linux von den meisten Software- und Hardware-Herstellern weder Zertifikate noch Support. Aufgrund der Binärkompatibilität zu RHEL kann es aber oft von den Voraussetzungen, die für RHEL geschaffen werden, direkt profitieren.

Geschichte von Scientific Linux

Scientific Linux entstand im Umfeld verschiedener Universitäten und Forschungsinstitute wie CERN und Fermilab. Es baute am Anfang auf der Linux-Distribution „Fermi Linux LTS 3.0.1“ (Codename „Feynman“) auf, die um einige Programme und Updates erweitert worden war. Danach entschied man sich aber, die Quellen von RHEL zu nutzen, um binärkompatibel zu dieser Linux-Distribution zu werden, da für RHEL die meiste Enterprise-Linux-Software angeboten wird.[4]

Ende der Entwicklung

Im April 2019 wurde bekannt gegeben, dass keine weiteren Versionen von Scientific Linux entwickelt werden, sondern zukünftig auf CentOS gesetzt werde; die dadurch frei werdenden Ressourcen kommen diesem Projekt zugute.[5] Der Support für Scientific Linux 6 und 7 soll aber bis an das vorgesehene Ende fortgesetzt werden.[6]

Einsatzgebiete

Scientific Linux wird neben RHEL und Debian auf der Internationalen Raumstation (ISS) eingesetzt, wie die NASA bekannt gab.[7]

Versionen

Legende:
Ältere Version; nicht mehr unterstützt
Ältere Version; noch unterstützt
Aktuelle Version
Aktuelle Vorabversion
Zukünftige Version
VersionCodenameRHEL-VersionLinux-Kernel VersionVeröffentlichungUnterstützung bis
(Voller Support)[8]
Unterstützung bis
(Erweiterter Support)[8]
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 3.0.1Lithium3.12.4.910. Mai 200420. Juli 200631. Oktober 2010
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 3.0.93.912. Oktober 2007
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 4.0Beryllium4.02.6.91. März 200531. März 200929. Februar 2012
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 4.94.921. März 2011
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 5.0Boron5.02.6.1814. Mai 200731. März 201730. November 2020
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 5.15.116. Januar 2008
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 5.25.226. Juni 2008
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 5.35.319. März 2009
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 5.45.44. November 2009
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 5.55.519. Mai 2010
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 5.65.621. Juni 2011
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 5.75.714. September 2011
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 5.85.824. April 2012
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 5.95.95. Februar 2013
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 5.105.1011. November 2013
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 5.115.114. November 2014[9]
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 6.0Carbon6.02.6.323. März 201130. November 2020Termin ausstehend
voraussichtlich Ende 2023
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 6.16.128. Juli 2011
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 6.26.216. Februar 2012
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 6.36.38. August 2012
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 6.46.428. März 2013
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 6.56.512. Dezember 2013
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 6.66.612. November 2014
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 6.76.711. August 2015[10]
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 6.86.87. Juli 2016[11]
Ältere Version; noch unterstützt: 6.96.917. April 2017[12]
Aktuelle Version: 6.106.1010. Juli 2018
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 7.0Nitrogen7.03.10.013. Oktober 201430. Juni 2024Termin ausstehend
voraussichtlich Mitte 2027
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 7.17.113. April 2015[13]
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 7.27.25. Februar 2016[14]
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 7.37.325. Januar 2017[15]
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 7.47.42. Oktober 2017[16]
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 7.57.510. Mai 2018
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 7.67.63. Dezember 2018
Ältere Version; noch unterstützt: 7.77.726. August 2019[17]
Aktuelle Version: 7.87.820. April 2020[18]
Aktuelle Version: 7.97.920. Oktober 2020[1]TBDTermin ausstehend

Der Codename der jeweiligen Versionen von Scientific Linux folgt aus dem wissenschaftlichen Namen des chemischen Elements, dessen Ordnungszahl der Versionsnummer entspricht.

Siehe auch

Weblinks

Commons: Scientific Linux – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b Patrick Riehecky: SL 7.9 x86_64 is now available. In: Scientific Linux Mailing List. 20. Oktober 2020, abgerufen am 26. März 2021 (englisch).
  2. Who Makes Scientific Linux? Abgerufen am 4. August 2016 (englisch).
  3. Scientific Linux – The Experiment that worked (PDF). (PDF; 344 kB) (Nicht mehr online verfügbar.) Archiviert vom Original am 3. Dezember 2012; abgerufen am 19. Mai 2011 (englisch).
  4. Indepth History. (Nicht mehr online verfügbar.) Archiviert vom Original am 12. August 2014; abgerufen am 19. Mai 2011 (englisch): „Scientific Linux's History“
  5. The end of Scientific Linux
  6. Forschungs-Linux: Kein Scientific Linux 8. Heise, abgerufen am 23. April 2019.
  7. Raumstation ISS setzt verstärkt auf Linux. Heise Online, abgerufen am 27. Mai 2013.
  8. a b Red Hat Enterprise Linux Life Cycle. Red Hat Inc., abgerufen am 2. Oktober 2015 (englisch).
  9. Scientific Linux 5.11 Release Notes. (Nicht mehr online verfügbar.) Fermilab und CERN, 13. November 2014, archiviert vom Original am 4. März 2016; abgerufen am 2. Oktober 2015 (englisch).
  10. Scientific Linux 6.7. Release Notes. (Nicht mehr online verfügbar.) Fermilab und CERN, 11. August 2015, archiviert vom Original am 28. September 2015; abgerufen am 26. August 2015 (englisch).
  11. Scientific Linux 6.8. Release Notes. Fermilab und CERN, 7. Juli 2016, abgerufen am 19. Juli 2016 (englisch).
  12. Scientific Linux 6.9. Release Notes. Fermilab und CERN, 17. April 2017, abgerufen am 18. April 2017 (englisch).
  13. Scientific Linux 7.1 Release Notes. Fermilab und CERN, 3. April 2015, abgerufen am 2. Oktober 2015 (englisch).
  14. Pat Riehecky: Scientific Linux 7.2 x86_64 official release. (Nicht mehr online verfügbar.) Fermilab, 5. Februar 2016, ehemals im Original; abgerufen am 7. Februar 2016 (englisch).@1@2Vorlage:Toter Link/listserv.fnal.gov (Seite nicht mehr abrufbar. Suche in Webarchiven.)
  15. Scientific Linux 7.3 x86_64 is officially released, Ankündigung von Pat Riehecky
  16. Scientific Linux 7.4 Release Notes, Scientific Linux Team (englisch)
  17. Pat Riehecky, Scientific Linux 7.7 now released, Fermi National Accelerator Laboratory (englisch)
  18. Patrick Riehecky: SL 7.8 x86_64 is now available. In: Scientific Linux Mailing List. 20. April 2020, abgerufen am 10. August 2020 (englisch).

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