Schelle (Klangkörper)
Eine Schelle ist eine kleine Gefäßrassel mit in einem Metallgefäß eingeschlossenen Rasselkörpern, die beim Schütteln ein helles Geräusch hervorbringen. Altarschellen sind keine Gefäßrasseln, sondern kleine Handglocken. Darüber hinaus werden weitere idiophone Klangerzeuger aus Metall wie Zimbeln an Tamburinen „Schelle“ genannt.
Unterscheidung

- Nach der Hornbostel-Sachs-Systematik gehören Schellen (Gefäßrasseln) zu den mittelbar geschlagenen Idiophonen (Schüttelidiophonen). In Indien werden Fußschellen Ghungru bei Volkstänzen und klassischen Tänzen zur Betonung des Rhythmus verwendet.
- Als Bestandteil von Rahmentrommeln und Schellenringen sind mit Schellen Zimbeln, paarweise gegeneinander schlagende Metallplättchen (Gegenschlagidiophone) gemeint. Zu den Rahmentrommeln mit Schellen gehören das europäische Tamburin, die brasilianische Pandeiro, in orientalischen Ländern Riqq, Daf und Daira sowie in Indien die Khanjari.
- Regional umgangssprachlich, in der Schweiz und in Österreich werden unter Schellen kleine Glocken mit Klöppel, also unmittelbar geschlagene Idiophone (Aufschlaggefäße) verstanden, wie sie etwa als Kuhglocken am Hals von Tieren hängen oder als Requisiten und Lärminstrumente bei Prozessionen dienen. Das antike Tintinnabulum konnte aus Glöckchen oder Schellen bestehen. Bei christlichen Prozessionen wird eine ebenfalls Tintinnabulum genannte Klöppelglocke („Schelle“) getragen. Die Schweizer Kindergeschichte Schellen-Ursli handelt von einem Buben mit einer großen Glocke.
Verwendung
Schellen (Glöckchen oder Rasseln) wurden als Schmuck an Plattenpanzern, Wehrgehängen und für Schlittengeläute gebraucht. Auch als Kleiderzierrat werden Schellen verwendet, beispielsweise bei der Schellentracht und auch bei einigen Figuren der alemannischen Fastnacht. Zahlreiche kleinere Schellen schmücken auch den hauptsächlich von Karnevalsvereinen oder in der Militärmusik verwendeten Schellenbaum.
Öffentliche Mitteilungen wurden in Deutschland früher von einem Gemeindediener mit Hilfe einer Ortsschelle (Handglocke) bekanntgegeben. Teilweise bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts ging ein solcher Schellenmann die Glocke läutend durch die Straßen und verlas die amtlichen Bekanntmachungen zusätzlich zum öffentlichen Aushang an den Amtsgebäuden.[1] Manche der nachfolgend durch die Post zugestellten amtlichen Mitteilungsblätter der Gemeinden oder Stadtteilzeitungen heißen „Ortsschelle“.
Das Tintinnabulum wird aus hart geschlagenem Messing- oder Silberblech geformt oder aus Glockenmetall gegossen. In der Liturgie des Römischen Ritus läuten Ministranten zu bestimmten Anlässen im Gottesdienst mit den Altarschellen (auch nur „Schellen“ genannt): zur Wandlung in der Heiligen Messe und bei der Erteilung des sakramentalen Segens. In früheren Jahren ging in ländlichen Gebieten bei einem Versehgang der Priester in Begleitung eines Ministranten in Chorkleidung zum Haus des Kranken, der Ministrant trug ein Licht und eine kleine Schelle, um Entgegenkommende auf die Gegenwart des Allerheiligsten aufmerksam zu machen.
Dieser Verwendung entspricht in den katholischen und autokephalen Gottesdiensten des antiochenischen Ritus das mit Glöckchen besetzte Rhipidion, das hier bei jeder Messe die wichtigsten Augenblicke visuell und akustisch hervorhebt.
Literatur
- Gerlinde Haid: Schelle. In: Oesterreichisches Musiklexikon. Online-Ausgabe, Wien 2002 ff., ISBN 3-7001-3077-5; Druckausgabe: Band 4, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2005, ISBN 3-7001-3046-5.
- Stefan Krabath: Die hoch- und spätmittelalterlichen Buntmetallfunde nördlich der Alpen. Bd. 1 – Text (= Internationale Archäologie Bd. 63), Marie Leidorf, Rahden/Westfalen 2001, ISBN 3-89646-335-7, S. 215–223.
- Vincent Mayr: Schelle. In: RDK Labor (2015).
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Florian Schulten: Die Berndorfer Ortsschelle. heimatjahrbuch-vulkaneifel.de (aus dem Heimatjahrbuch der Gemeinde Berndorf in der Eifel)
Auf dieser Seite verwendete Medien
(c) The Portable Antiquities Scheme/ The Trustees of the British Museum, CC BY-SA 4.0
Complete undecorated cast copper alloy spherical “crotal” bell of possible seventeenth century date (AD 1600 - AD 1700). Length 43mm, maximum diameter 33mm. Weight 35.27g.
The sub-rectangular suspension loop, at the top, is about 13mm long and tapers in width from 9.5mm to 8mm where it terminates with a rounded end. It is 3mm thick and has a small circular perforation (3mm in diameter) which is well off centre. The upper and lower hemisphere is divided by a prominent horizontal rib. At either side of the suspension loop, about half way down the side of the upper hemisphere, is a circular sound hole which is 5.5mm in diameter. Two slightly larger sound holes in the lower hemisphere are integral with a sound “slit”. On one side of the lower hemisphere, mid-way between the sound slit and the rib, there are two pairs of indentations in the shape of "inverted commas", one pair above the other. These are probably a maker's marks. The iron “sound-pea”, sub-round in form, remains intact within the bell although it is heavily corroded. The outer surface of the bell is tinned.
Autor/Urheber: Photo: Andreas Praefcke, Lizenz: CC BY 3.0
Altarschellen (auch Schellen oder Wandlungsglocke genannt), wie sie von Ministranten in einer römisch-katholischen Messe gebraucht werden. Vier von unterschiedlichem Durchmesser, daher unterschiedlich hoch klingend, an einem kreuzförmigen Haltegriff.
