Schacholympiade 2014

Die Schacholympiade 2014 ist ein Mannschaftsturnier im Schach, das vom 1. bis 14. August 2014 in Tromsø, Norwegen,[1] ausgetragen wurde.

Turnier

Es handelte sich um die 41. Schacholympiade des Weltschachbundes FIDE. Für die Ausrichtung beworben hatte sich auch die bulgarische Stadt Albena. Im Februar 2010 vergab die FIDE mit einer 95-zu-47-Entscheidung die Olympiade nach Norwegen.[2] Für die Eröffnungsfeier in der Skarphalle wurden der Produzent Hasse Lindmo sowie die Firma Gyro beauftragt. Austragungsort der Wettkämpfe war Mackhallen, ein ehemaliges Brauereigebäude.[3]

Gespielt wurden 11 Runden nach Schweizer System, spielfreie Tage waren der 7. und der 13. August.[4] Die Bedenkzeit betrug 90 Minuten für 40 Züge nebst 30 Minuten für den Rest der Partie, plus 30 Sekunden pro Zug ab Beginn der Partie. Hauptschiedsrichter war Panagiotis Nikolopoulos aus Griechenland.

Probleme vor der Olympiade

Im Mai 2014 wurde bekannt, dass das Budget der Schacholympiade eine Finanzierungslücke in Höhe von 15 Millionen NOK aufwies. Um die Schacholympiade nach Tromsø zu holen, musste auch der Schach-Weltpokal 2013 dort ausgerichtet werden. Dessen Kosten in Höhe von 2 Millionen Euro waren bei der Beantragung von Fördergeldern nicht berücksichtigt worden. Die norwegische Regierung weigerte sich zunächst, zusätzlich zu den bereits verausgabten 75 Millionen NOK weitere Gelder bereitzustellen.[5] Anfang Juni bewilligte das norwegische Parlament doch noch 12 Millionen NOK, woraufhin die Organisatoren bestätigten, dass die Schacholympiade stattfinden werde.[6]

Am 7. Juli 2014 beschwerte sich FIDE-Präsident Kirsan Iljumschinow in einem offenen Brief an die norwegische Ministerpräsidentin Erna Solberg, dass es für manche Teams schwierig sei, Visa zur Einreise zu erhalten. Da es nicht in jedem Land eine norwegische Botschaft gibt, mussten Teilnehmer in andere Länder reisen, um die erforderlichen biometrischen Daten erfassen zu lassen.[7]

Am 16. Juli 2014 teilte das Organisationskomitee mit, dass mehrere Mannschaften von der Teilnahme ausgeschlossen werden, weil sie ihre Mannschaftsaufstellungen nicht bis zum Ende der Meldefrist am 1. Juni übermittelt hatten. Es handelte sich um die Teams aus Gabun, Elfenbeinküste, Kambodscha, Oman, Pakistan, Senegal und Zentralafrikanische Republik in der Offenen Sektion sowie Afghanistan und Russland bei den Frauen.[8] Die Organisatoren beriefen sich darauf, dass die Regelung bezüglich der Meldefristen für alle Teams gilt und man Ausnahmen nicht zulassen könne. Hingegen beriefen sich die betreffenden Mannschaften darauf, dass für Aufstellungsänderungen gegen eine zusätzliche Gebühr eine wesentlich spätere Frist vorgesehen war.

Insbesondere der Ausschluss des russischen Frauenteams, das Titelverteidiger war, sorgte für Aufsehen. Die nicht rechtzeitige Meldung wurde in der Schachpresse darauf zurückgeführt, dass zunächst der Föderationswechsel Kateryna Lahnos von der Ukraine nach Russland abgewartet werden sollte. Lahnos Einsatz gewann an Bedeutung, nachdem Nadeschda und Tatjana Kossinzewa ihren Rückzug aus der Nationalmannschaft verkündet hatten. Seitens der FIDE wurde die Ankündigung der Organisatoren, mehrere Teams nicht zur Teilnahme zuzulassen, scharf kritisiert. Vizepräsident Israel Gelfer vertrat die Ansicht, dass die endgültige Entscheidung über die Zulassung von Teams bei Kirsan Iljumschinow liege. Man werde rechtliche Schritte gegen die Organisatoren prüfen.[9] Nachdem Iljumschinow ein Ultimatum gestellt hatte, gaben die Organisatoren am 21. Juli bekannt, dass nunmehr doch alle Mannschaften zugelassen würden.[10]

Teilnehmende Mannschaften

Mit 172 Mannschaften im offenen Turnier und 134 Teams bei den Damen wurden neue Teilnahmerekorde erreicht. Neun Länder waren erstmals bei einer Schacholympiade am Start: Bhutan, die Elfenbeinküste, Guam, Lesotho, Oman, die Salomonen, Saudi-Arabien, Swasiland und Tansania. Das Frauen-Team aus Burundi trat in der 6. und 7. Runde nicht an und wurde daraufhin vom Turnier ausgeschlossen.[11]

Mit einem Elo-Schnitt von 2671 war das deutsche Männerteam an Ranglistenplatz 12 gesetzt. Ratingfavorit war die russische Mannschaft mit einem Elo-Schnitt von 2773.[12] Bei den Damen nahm Deutschland ebenfalls Platz 12 der Startrangliste mit einem Elo-Schnitt von 2379 ein; nomineller Favorit war China mit 2549 Punkten.

Ergebnisse

Den Gaprindaschwili-Cup für das beste kombinierte Ergebnis von Männer- und Frauenmannschaft gewann China vor Russland und der Ukraine.

Insgesamt wurden bei der Schacholympiade 6704 Partien gespielt (2719 Weißsiege, 1520 Remis, 2368 Schwarzsiege und 97 kampflos entschiedene Partien).

Aufstellungen der Medaillengewinner

Offenes Turnier

1. Platz – China
NummerSpielerPunktePartien
1Wang Yue49
2Ding Liren7½10
3Yu Yangyi9½11
4Ni Hua6½9
5Wei Yi45
2. Platz – Ungarn
NummerSpielerPunktePartien
1Péter Lékó510
2Csaba Balogh79
3Zoltán Almási710
4Richárd Rapport5½9
5Judit Polgár4½6
3. Platz – Indien
NummerSpielerPunktePartien
1Parimarjan Negi6½10
2S. P. Sethuraman7½10
3K. Sasikiran7½10
4B. Adhiban711
5Babu M.R. Lalith23

Frauen-Turnier

1. Platz – Russland
NummerSpielerPunktePartien
1Kateryna Lagno610
2Walentina Gunina810
3Alexandra Kostenjuk7½9
4Olga Girya58
5Natalja Pogonina5½7
2. Platz – China
NummerSpielerPunktePartien
1Hou Yifan79
2Ju Wenjun811
3Zhao Xue57
4Tan Zhongyi69
5Guo Qi6½8
3. Platz – Ukraine
NummerSpielerPunktePartien
1Anna Musytschuk610
2Marija Musytschuk610
3Anna Uschenina5½9
4Natalja Schukowa7½10
5Inna Janowska3½5

Deutsche Mannschaften

Die Mannschaften des Deutschen Schachbundes waren mit dem Ziel ins Rennen gegangen, Top-Ten-Plätze zu erreichen.

Offenes Turnier

Die Herren blieben bis zur vorletzten Runde ungeschlagen. Gegen mehrere zum erweiterten Favoritenkreis zählende Mannschaften (England, USA, Kuba, Usbekistan) erreichten sie jeweils ein Unentschieden. Für besonderes Aufsehen sorgte der Sieg von Arkadij Naiditsch gegen den aktuellen Weltmeister Magnus Carlsen aus Norwegen. Durch die Niederlage gegen den Drittplatzierten Indien und das abschließende Unentschieden gegen Außenseiter Australien kam die DSB-Auswahl schließlich nur auf Platz 30.

NummerSpielerPunktePartien
1Arkadij Naiditsch5½9
2Georg Meier6½9
3Daniel Fridman4½8
4Liviu-Dieter Nisipeanu5½10
5David Baramidze4½8

Frauen-Turnier

Nach 10 Runden hatten die deutschen Damen mit acht Siegen und zwei Niederlagen noch Medaillenchancen. Sie hatten nur gegen den überragenden Turniersieger aus Russland und gegen Frankreich verloren. In der Schlussrunde unterlagen sie gegen Georgien mit 0:4 und erreichten am Ende Platz 9.

NummerSpielerPunktePartien
1Elisabeth Pähtz6½10
2Zoya Schleining2½6
3Tatiana Melamed49
4Melanie Ohme6½9
5Sarah Hoolt710

Brettsieger

Bei Schacholympiaden werden die besten Spieler der einzelnen Bretter und der beste "Reserve"-Spieler individuell geehrt. Die Ermittlung der Sieger erfolgt nach Elo-Performance bei einer Mindestzahl von acht Partien.

Offenes Turnier

BrettSpielerMannschaftPunktePartienElo-Performance
1Wesselin TopalowBulgarien Bulgarien6½92872
2Nguyễn Ngọc Trường SơnVietnam Vietnam8½102843
3Yu YangyiChina Volksrepublik Volksrepublik China9½112912
4Nikola SedlakSerbien Serbien6½82773
5Samuel ShanklandVereinigte Staaten Vereinigte Staaten9102831

Frauen-Turnier

BrettSpielerMannschaftPunktePartienElo-Performance
1Nana DsagnidseGeorgien Georgien892719
2Walentina GuninaRussland Russland8102651
3Alexandra KostenjukRussland Russland7½92639
4Natalja SchukowaUkraine Ukraine7½102512
5Rout PadminiIndien Indien7½82584

FIDE-Kongress

Während der Schacholympiade fand auch der 85. FIDE-Kongress statt, auf dem der Präsident gewählt wurde. Jede der 181 Schachföderationen, die Mitglied der FIDE sind, hat dabei eine Stimme. Herausforderer des Amtsinhabers Kirsan Iljumschinow war der frühere Schachweltmeister Garri Kasparow. Im Vorfeld des Kongresses warf Kasparow der FIDE-Administration vor, die Liste der wahlberechtigten Delegierten zu seinen Ungunsten manipuliert zu haben.[13] Iljumschinow wurde mit 110:61 Stimmen wiedergewählt.[14] Zu einem seiner Vizepräsidenten wurde der Deutsche Herbert Bastian gewählt. Neuer Präsident der European Chess Union wurde Surab Asmaiparaschwili aus Georgien.[15]

Zwischenfälle

Überschattet wurde das Turnier von dem Tod des 45-jährigen für den Weltschachverband der Gehörlosen (ICCD) spielenden Usbeken Alisher Anarkulow, der nach der letzten Runde im Hotel starb.[16] Zudem starb der 67-jährige für die Seychellen spielende Schweizer Kurt Meier-Boudane[17] während der Partie der 11. Runde gegen Alain Niyibizi aus Ruanda.[18]

Mannschaftsaufstellungen

Commons: Schacholympiade 2014 – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. ↑ FIDE Events. FIDE, abgerufen am 26. Januar 2014. (englisch)
  2. ↑ 41st Chess Olympiad to be staged in – Tromsø!. Artikel vom 10. Februar 2010 bei ChessBase (englisch)
  3. ↑ Fly-through of the 2014 Olympiad venue, Chess24.com, 14. Mai 2014
  4. ↑ Zeitplan Chess24.com, abgerufen am 28. Juli 2014
  5. ↑ Peter Doggers: Tromsø Olympiad in Trouble?, Chess.com, 14. Mai 2014
  6. ↑ Peter Doggers:Tromsø Olympiad Saved, Receives Extra State Funding (Memento desOriginals vom 15. Juli 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/schach.chess.com, Chess.com, 5. Juni 2014
  7. ↑ President's letter to the Prime Minister of Norway, Fide.com, 7. Juli 2014
  8. ↑ Mannschaften von der Olympiade ausgeschlossen, Chess24.com, 16. Juli 2014
  9. ↑ Russlands Frauen dürfen nicht zur Olympiade, Chessbase.de, 17. Juli 2014
  10. ↑ http://www.chessdom.com/tromso-reply-to-fide-and-kirsan-ilyumzhinov/, Chessdom.com, 21. Juli 2014
  11. ↑ Burundi players exit Olympiad, Chess24.com, 10. August 2014
  12. ↑ [1], chess-results.com, abgerufen am 31. Juli 2014
  13. ↑ Delegate Issues Deepen for FIDE Elections, Chess.com, 18. Juli 2014
  14. ↑ Kirsan Ilyumzhinov re-elected as FIDE President, fide.com (englisch)
  15. ↑ Results of FIDE elections, 16. August 2014
  16. ↑ First Ever Gold for China at Olympiad, Russia Wins Women's Section
  17. ↑ Seychelles loses Chess player at Tromsø Olympiad - sudden death mourned by Chess community
  18. ↑ 2014 Chess Olympiad: Round #11 (englisch)

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