Saint-Hippolyte (Haut-Rhin)

Saint-Hippolyte
Sankt Pilt
Saint-Hippolyte (Frankreich)
StaatFrankreich Frankreich
RegionGrand Est
Département (Nr.)Haut-Rhin (68)
ArrondissementColmar-Ribeauvillé
KantonSainte-Marie-aux-Mines
GemeindeverbandPays de Ribeauvillé
Koordinaten48° 14′ N, 7° 22′ O
Höhe170–731 m
Fläche17,86 km²
Einwohner927 (1. Januar 2023)
Bevölkerungsdichte52 Einw./km²
Postleitzahl68590
INSEE-Code
Websitehttps://saint-hippolyte-alsace.fr/

Saint-Hippolyte, Blick in die Rheinebene

Saint-Hippolyte[sɛ̃.t‿i.pɔ.lit, deutsch Sankt Pilt,[1] ist eine französische Gemeinde mit 927 Einwohnern (Stand 1. Januar 2023) im Département Haut-Rhin in der Europäischen Gebietskörperschaft Elsass und der Region Grand Est. Die Gemeinde ist Mitglied des Gemeindeverbands Communauté de communes du Pays de Ribeauvillé.

Geographie

Die Ortschaft liegt wenige Kilometer südwestlich von Sélestat (Schlettstadt) in der Oberrheinebene am Osthang der Vogesen inmitten von Weinbergen an der Route du Vin (Elsässer Weinstraße). Auf dem Gemeindegebiet liegt ein Teil der Alsace-Grand-Cru-Lage Gloeckelberg, der Rest der Lage liegt auf dem Gebiet der Nachbargemeinde Rodern.

Das Gemeindegebiet gehört zum Regionalen Naturpark Ballons des Vosges. Das Dorf selbst liegt an der Zufahrtsstraße zur im Jahr 1147 erstmals erwähnten Hohkönigsburg.

Der Bahnhof Saint-Hippolyte (Haut-Rhin) der Gemeinde lag etwa 2,5 km vom Ort entfernt an der Bahnstrecke Strasbourg–Basel und wurde 2002 aufgegeben. Das prächtige Empfangsgebäude des Bahnhofs aus der Zeit der Reichseisenbahnen in Elsaß-Lothringen ist heute ein Kulturdenkmal,[2] wurde aber durch ein Feuer 2010 schwer beschädigt.

Geschichte

Der Name der Siedlung geht auf den heiligen Hippolyt von Rom zurück, dessen Martyrium auch im Wappen des Ortes dargestellt ist und dessen Reliquien im Altar der Pfarrkirche aufbewahrt werden. Saint-Hippolyte (damals Andaldovillare genannt) ist der Geburtsort einer der einflussreichsten Persönlichkeiten der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts, des heiligen Fulrad, des Abtes von Saint-Denis bei Paris.

Fulrad gründete zwischen 760 und 774 ein Priorat am Ort. Von ihm mit Reliquien des heiligen Hippolyte beschenkt, nahm das Priorat dessen Namen an. Es wurde später dem Priorat Lièpvre angeschlossen. Beide Priorate hatte Fulrad der Abtei Saint Denis bei Paris übereignet. Die Schirmvögte der Abtei Saint Denis, die Herzöge von Lothringen, eigneten sich nach und nach den Besitz der ihnen anvertrauten Abtei an, so auch Saint Hippolyte, um das sich im Mittelalter immer wieder der benachbarte Adel stritt. So setzten die Herren von Rappoltstein den Ort im 13. Jahrhundert mehrfach in Brand. Kurzzeitig war Saint Hippolyter sogar württembergisch. 1360 schützte sich St. Hippolyte, das im 14. Jahrhundert das Stadtrecht erhielt, durch den Bau einer Mauer. 1444 wüteten die Armagnaken, marodierende Söldner, die von den Habsburgern im Kampf gegen die Eidgenossen ins Land gerufen worden waren. im Ort.

Im Bauernkrieg schloss sich der Ort den Aufständischen an, was nach der Niederschlagung der Revolten zu einer strengen Bestrafung führte. Im Dreißigjährigen Krieg überfielen die Schweden 1633 den Ort. 1648 wurde er durch die Franzosen besetzt und erst wieder 1718 an den Herzog von Lothringen zurückgegeben. 1766 wurde der Ort mit dem Übergang Lothringens an die französische Krone französisch.

Von 1871 bis zum Ende des Ersten Weltkrieges gehörte Sankt Pilt als Teil des Reichslandes Elsaß-Lothringen zum Deutschen Reich (Kreis Rappoltsweiler, Bezirk Oberelsaß). Am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Saint Hippolyte im Zuge der alliierten Offensive gegen den von den Deutschen hartnäckig verteidigten Kessel von Colmar (poche de Colmar) am 3. Dezember 1944 durch die 1. französische Armee unter General de Lattre de Tassigny von der Naziherrschaft befreit.

Ortsname

Erste Erwähnung 744 als Fulradovillare, später Fulradviller. Später setzte sich die deutsche Bezeichnung Sankt Pilt (für Sankt Hippolyte) durch - endgültig dann im 16. Jahrhundert. Fulrad gründete sein Priorat auf der Gemarkung eines Weilers namens Andaldovillare.

Wappen

Wappenbeschreibung: In Blau ein goldgekrönter goldener Nabelschild mit einem roten Schrägrechtsbalken der mit drei gestümmelten silbernen Adlern (Alérion) belegt ist. Darüber ein rotgekleideter Reiter mit roter Kappe auf einem nach links trabendem silbergezäumten silbernem Pferd, eine schwarze Peitsche schwingend und den an den Füßen gefesselten goldenen Heiligen Hippolyt von Rom am schwarzen Seil nachziehend.

Bevölkerungsentwicklung

Jahr1910196219681975198219901999200620122020
Einwohner147311401172119111541078106010501028980
Quellen: Gemeindeverzeichnis[3], Cassini und INSEE

Sehenswürdigkeiten

Kirche Saint-Hippolyte: Ein Bau des 14. und 15. Jahrhunderts. Der klassizistische Westturm wurde 1822 errichtet. Das Chorgestühl im Louis-Seize-Stil. Der spätbarocke Hochaltar Gabriel Ignaz Ritter zugeschrieben. Hölzerner Reliquienschrein des heiligen Hippolytus von 1766, seit 1999 als Altar gestaltet. Die Wand- und Deckengemälde schuf 1911 der seinerzeit geschätzte Kirchenmaler Carl Philipp Schilling. Silbermann-Orgel von 1738, restauriert von Callinet und Rinckenbach.

Die Heilig-Kreuz-Kapelle, ein gotischer Bau, der in der Barockzeit 1745 verändert wurde.

Das schlossartige Collège, jetzt Hotel Val-Vignes Colmar Haut-Koenigsbourg. Vorgänger dieses Gebäudes waren ein spätmittelalterlicher Schlossbau, der 1718 einem Barockbau weichen musste. Dieser wurde in der Revolutionszeit als Nationalgut enteignet und kam ab 1825 in geistlichen Besitz (Mutterhaus eines Ordens, Schule der Gesellschaft Mariä.) Zwischen 1854 und 1863 erhielt das Gebäude durch tiefgreifende Veränderungen sein heutiges Aussehen.

Gut erhaltenes Ortsbild, typisch die Winzerhäuser (darunter eine ganze Anzahl aus der Zeit vor dem Dreißigjährigen Krieg) mit Fachwerkobergeschoss über steinernem Keller- beziehungsweise Erdgeschoss. Reste der Stadtbefestigung, deren Tore 1863 abgebrochen wurden. Von den fünf Türmen der Stadt ist nur noch der Storchenturm (tour des cigognes) erhalten. ..

Literatur

  • Martin Zeiller: S. Pilt. In: Matthäus Merian (Hrsg.): Topographia Alsatiae etc. (= Topographia Germaniae. Band 3). 1. Auflage. Matthaeus Merian, Frankfurt am Main 1643, S. 42–43 (Volltext [Wikisource]).
  • Le Patrimoine des Communes du Haut-Rhin. Band 2, Flohic Editions, Paris 1998, ISBN 2-84234-036-1, S. 990–997.
  • Walter Hotz: Die Kunstdenkmäler im Elsass und in Lothringen, Darmstadt 1965, S, 200
Commons: Saint-Hippolyte – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. Charta der Gemeinde Sankt Pilt zur Förderung der Regionalsprache auf der Grundlage der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen. Abgerufen am 24. April 2022.
  2. Gare ferroviaire dite gare du Kaiser. In: Base Mérimée (Liste der französischen Kulturdenkmäler); abgerufen am 10. Februar 2022.
  3. Kreis Colmar. Gemeindeverzeichnis 1900. In: gemeindeverzeichnis.de. Uli Schubert, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 14. April 2023; abgerufen am 15. Februar 2026.

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