Rondeña

Die Rondeña ist eine Form, ein Palo, des Flamenco. Ihrer musikalischen Charakteristik nach ist sie eine Form des Fandango. Sie besitzt zwei Ausprägungen: die gesungene, wohl aus Ronda stammende Rondeña und die für die Konzertgitarre.[1]

Tonalität

Auf der Gitarre wird die Rondeña in einer sehr eigenen Tonart gespielt: modal über Cis. Die andalusische Kadenz erklingt über Fis. Eine als Rondeña bezeichnete Komposition von Ramón Montoya[2] verlangt das Umstimmen der sechsten Saite auf D und der dritte auf Fis. Gesungen ertönt die Rondeña üblicherweise in Dur.[1][3]

Rhythmus

Auf der Gitarre wird die Rondeña im Dreierrhythmus des Fandango gespielt. Gesungen wird sie meist in freier Interpretation, ohne festen Rhythmus.[1][3]

Verse

Die Grundform der Strophen sind Vier-[4] oder Fünfzeiler[1] mit jeweils acht Silben pro Zeile und asonanten oder konsonanten Reimen. Sie schildern in der Regel Naturerlebnisse, Liebesgeschichten oder bemerkenswerte Ereignisse.[1]

Als Textbeispiel seien folgende Verse genannt:[5]

Ya no me arrimo a la reja
que me solía asomar,
que me asomo a la ventana
que cae a la soledad

Si me quieres dímelo
y si no me das veneno
sal a la calle y di:
- Yo maté a mi dulce dueño
con veneno que le dí.

(...)

Ich komm nicht mehr nah ans Gitter
hinter dem ich mich zu zeigen pflegte,
hinter dem ich den Kopf aus dem Fenster reckte
das nun verlassen ist.

Wenn du mich liebst, sag es mir
und wenn nicht, gib mir Gift,
lauf auf die Straße und sag:
- Ich tötete meine süße Gebieterin[6]
mit Gift, das ich ihr gab.

(...)

Geschichte

Die Rondeña war in Andalusien in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts populär. Davon zeugen unter anderem Schriften von Ramón de Mensonero Romanos, Duque de Rivas, Charles Dembowski und Manuel María de Santa Ana. Sie wurden in Salons und Theatern getanzt, beispielsweise 1847 bei der Einweihung des Gran Teatro del Liceu in Barcelona.[7] Schon der Name deutet darauf hin, dass sie ihre Ursprünge im Bergland von Ronda hat, und fast alle Quellen stimmen in dieser Einschätzung überein.[8]

Vermutlich gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Rondeña flamencisiert. Beispielsweise tanzte sie María López, begleitet von José Trianos Gitarre im El Suizo, einem der Cafés cantantes in Sevilla. Heutzutage wird die Rondeña nur noch selten getanzt. Beispielsweise tanzte sie Mario Maya im Programm De la nieve al mar in der Fernsehserie Caminos flamencos.[9] Andere Interpreten waren Meligros Mengibar und Javier Barón bei ihrem gemeinsamen Auftritt anlässlich der Biennale von Sevilla 1992[9] und Isabel Bayón bei mehreren Anlässen, unter anderem bei ihrem Auftritt bei der Biennale von Sevilla 2002.[10]

Anmerkungen

  1. a b c d e Rondeñas. In: Flamencopolis. Faustino Nuñez, 2011, abgerufen am 21. Oktober 2018 (europäisches Spanisch).
  2. Gerhard Graf-Martinez: Flamenco-Gitarrenschule. Band 1. B. Schott’s Söhne, Mainz u. a. 1994, S. 80, und Band 2, S. 105.
  3. a b Miguel Ortiz: Rondeña. In: Flamencoviejo.com. 15. März 2010, abgerufen am 21. Oktober 2018 (europäisches Spanisch).
  4. La rondeña. In: Tarsis.net. 25. September 2006, abgerufen am 21. Oktober 2018 (spanisch).
  5. Juan Vergillos: Conocer el Flamenco. Signatura Ediciones de Andalucía, Sevilla 2009, ISBN 978-84-95122-84-1, S. 134.
  6. Dueño ist sowohl eine männliche als auch eine weibliche Form. Aus den folgenden Versen geht hervor, dass es sich um das Klagelied einer verlassenen Frau handelt.
  7. José Luis Navarro García: Historia del Baile Flamenco. Volumen I. Signatura Ediciones de Andalucía, Sevilla 2010, ISBN 978-84-96210-70-7, S. 227–228 (spanisch).
  8. Ángel Álvarez Caballero: El cante flamenco. Alianza Editorial, Madrid 2004, ISBN 978-84-206-4325-0, S. 75 – 76 (spanisch).
  9. a b José Luis Navarro García: Historia del Baile Flamenco. Volumen I, S. 228.
  10. José Luis Navarro García: Historia del Baile Flamenco. Volumen IV, ISBN 978-84-96210-73-8, S. 156.