Rechberghausen

WappenDeutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Rechberghausen

Koordinaten: 48° 44′ N, 9° 38′ O

Basisdaten
Bundesland:Baden-Württemberg
Regierungsbezirk:Stuttgart
Landkreis:Göppingen
Höhe:339 m ü. NHN
Fläche:6,4 km2
Einwohner:5411 (31. Dez. 2020)[1]
Bevölkerungsdichte:845 Einwohner je km2
Postleitzahl:73098
Vorwahl:07161
Kfz-Kennzeichen:GP
Gemeindeschlüssel:08 1 17 038
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Amtsgasse 4
73098 Rechberghausen
Website:www.rechberghausen.de
Bürgermeister:Claudia Dörner
Lage der Gemeinde Rechberghausen im Landkreis Göppingen
Alb-Donau-KreisLandkreis EsslingenLandkreis HeidenheimLandkreis ReutlingenRems-Murr-KreisOstalbkreisOstalbkreisAdelbergAichelberg (Landkreis Göppingen)AlbershausenBad BollBad DitzenbachBad ÜberkingenBirenbachBöhmenkirchBörtlingenDeggingenDonzdorfDrackensteinDürnau (Landkreis Göppingen)Eislingen/FilsHeiningen (Landkreis Göppingen)Ebersbach an der FilsEschenbach (Württemberg)Eschenbach (Württemberg)GammelshausenGeislingen an der SteigeGingen an der FilsGöppingenGruibingenHattenhofen (Württemberg)Heiningen (Landkreis Göppingen)HohenstadtKuchen (Gemeinde)LautersteinMühlhausen im TäleOttenbach (Württemberg)RechberghausenSalachSchlatSchlierbach (Württemberg)SüßenUhingenWäschenbeurenWangen (bei Göppingen)WiesensteigZell unter AichelbergKarte
Über dieses Bild

Rechberghausen ist eine Gemeinde im Norden des Landkreises Göppingen in Baden-Württemberg. Sie gehört zur Region Stuttgart (bis 1992 Region Mittlerer Neckar) und zur Randzone der europäischen Metropolregion Stuttgart.

Geographie

Geographische Lage

Blick auf Rechberghausen

Die Gemeinde liegt im Vorland der mittleren Schwäbischen Alb und am Rande des östlichen Schurwaldes auf etwa 320 bis 400 m ü. NN am Marbach, einem rechten Nebengewässer der Fils. Am Eintritt in den auf beiden Ufern und Hängen des Baches liegenden Hauptort fließt ihm ihr großer rechter Oberlauf Herrenbach zu.

Nachbargemeinden

Im Nordwesten grenzt die Gemeinde Börtlingen an, im Nordosten Birenbach. Östlicher und südöstlicher Nachbar ist die Kreisstadt Göppingen, mit deren Stadtteil Bartenbach Rechberghausen zusammengewachsen ist, der westliche ist die Gemeinde Wangen. Alle liegen im Landkreis Göppingen.

Gliederung

Die Gemeinde besteht aus dem Hauptort Rechberghausen und dem sehr viel kleineren Weiler Oberhausen nordöstlich davon.

Flächenaufteilung

Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.[2]

Geschichte

Überblick

Der Ort wurde 1245 erstmals urkundlich erwähnt. Vor dem Jahr 1274 gehörte das Dorf dem Ritter Ulrich III. von Rechberg-Bettringen. Nach seinem Tod teilten zwei seiner Söhne sein Erbe. Sein gleichnamiger Sohn erbte die Herrschaft Rechberghausen und bildete dann eine eigene Nebenlinie Rechberg-Rechberghausen aus. Um 1366 verkaufte Johann V. von Rechberg-Rechberghausen seine Herrschaft samt Burg und Stadt an Herzog Friedrich von Teck. Dieser übergab die Herrschaft an Österreich und erhielt sie sogleich als Lehen zurück. 1374 verkaufte Österreich Burg und Stadt an die Herren von Rechberg zu Hohenrechberg. Graf Alois Clemens von Rechberg ließ 1721 das Neue Schloß (das heutige Rathaus) erbauen. 1733 fiel das Obere Dorf wieder zurück an Österreich. Kaiserin Maria Theresia belehnte damit 1749 Graf Johann Joseph von Preysing. Dessen Sohn verkaufte die Ortschaft 1789 an die Grafen von Degenfeld-Schonburg. Durch die Mediatisierung kam Rechberghausen Ende 1805 an Württemberg. Im Zuge der Umsetzung der neuen Verwaltungsgliederung im Königreich Württemberg wurde Rechberghausen dem Oberamt Göppingen zugeordnet.

Bei einer Hochwasserkatastrophe im Jahr 1853 starben 37 Einwohner und 8 Häuser wurden zerstört.

Die Verwaltungsreform vom 25. April 1938 führte zur Zugehörigkeit zum Landkreis Göppingen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Ort Teil der Amerikanischen Besatzungszone und gehörte somit seit 1945 zum neu gegründeten Land Württemberg-Baden, das 1952 im jetzigen Bundesland Baden-Württemberg aufging.

In den 1980er Jahren wurde der Ortskern saniert und das Gewerbegebiet Lindach erschlossen.[3]

Religionen

Bis zur Reformation war Rechberghausen nach Göppingen eingepfarrt, da die Rechberger Herren jedoch römisch-katholisch blieben, wurde dort eine eigene Pfarrgemeinde eingerichtet. Konfessionell waren bis in die 1970er Jahre die Katholiken in großer Überzahl. Die katholische Kirche Mariä Himmelfahrt wurde 1912 geweiht.

Heute gibt es eine Evangelische Kirchengemeinde[4] in Rechberghausen. Sie umfasste bis 2017 die Gemeinden Rechberghausen und Wäschenbeuren. Vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg zogen evangelische Bewohner zu. Diese gehörten im Falle Rechberghausens zunächst zur Kirchengemeinde Bartenbach, im Falle Wäschenbeurens zur Kirchengemeinde Lorch. 1955 wurde die Filialkirchengemeinde Rechberghausen als Tochtergemeinde der Muttergemeinde Bartenbach und eine eigene Pfarrei in Rechberghausen errichtet. 1960/61 wurde durch den Stuttgarter Architekten Paul Heim jun. eine eigene Kirche, die Jesus-Christus-Kirche, mit Gemeinderäumen unten im Hanggeschoss erbaut. Der Maler und Grafiker Albrecht Braun gestaltete die Kirche außen im Eingangsbereich mit Betonreliefs (Kreuzigung, Auferstehung, Emmaus, Pfingsten) und an der Ostwand mit einem Sgraffito (Michaels Drachenkampf). 1974 wurde die Filialkirchengemeinde Rechberghausen von der Mutterkirchengemeinde Bartenbach getrennt und zur selbständigen Kirchengemeinde erhoben. Gleichzeitig wurden ihr die evangelischen Bewohner aus Wäschenbeuren zugeordnet. Wäschenbeuren wurde dann zum 1. Januar 2018 von Rechberghausen gelöst und mit der Kirchengemeinde Hohenstaufen zur neuen Kirchengemeinde am Hohenstaufen verbunden. Die Kirchengemeinde Rechberghausen ist auch Träger eines Kindergartens in Rechberghausen.

Einwohnerentwicklung

Oberes Tor

Quelle: Statistisches Landesamt Baden-Württemberg für die Daten ab 1970

DatumEinwohner
18370737
19071335
17. Mai 19391726
13. September 19502514
27. Mai 19704629
31. Dezember 19834916
25. Mai 19874991
31. Dezember 19915305
31. Dezember 19955245
31. Dezember 20005490
31. Dezember 20055532
31. Dezember 20105366
31. Dezember 20155424
31. Dezember 20205411

Politik

Verwaltungsverband

Die Gemeinde gehört mit den Nachbargemeinden Adelberg, Birenbach und Börtlingen dem Gemeindeverwaltungsverband „Östlicher Schurwald“ an, der seinen Sitz in Rechberghausen hat.

Wappen

Blick auf Rechberghausen, Federzeichnung von Margret Hofheinz-Döring

Blasonierung: In Silber auf grünem Dreiberg ein aufgerichteter roter Rehbock.

Ursprünglich führte die Gemeinde einen Steinbock auf ihrem Schultheißenamtssiegel, tauschte ihn aber am 16. Oktober 1932 gegen das „redende“ Wappen mit dem Rehbock aus. Dieser steht sowohl für die Rehberge als auch in Verbindung mit dem Dreiberg für die Familie von Rechberg, zu deren Herrschaft der Ort bis 1789 gehörte.

Die Flaggenfarben Grün-Weiß wurden vom Innenministerium am 18. Februar 1959 verliehen.[5]

Bürgermeister

Bürgermeister war vom 1. Dezember 1977 bis zum 30. Juni 2015 Reiner Johannes Ruf. Im April 2015 wurde Claudia Dörner zur neuen Bürgermeisterin gewählt. Seit dem 1. Juli 2015 ist Frau Dörner im Amt. Sie war vor der Wahl bei der Gemeindeverwaltung Dettingen unter Teck tätig.[6]

Gemeinderat

Der Gemeinderat in Rechberghausen hat 18 Mitglieder. Die Kommunalwahl am 26. Mai 2019 führte zu folgendem Endergebnis. Der Gemeinderat besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und der Bürgermeisterin als Vorsitzende. Die Bürgermeisterin ist im Gemeinderat stimmberechtigt.

Parteien und Wählergemeinschaften%
2019
Sitze
2019
%
2014
Sitze
2014
Kommunalwahl 2019
Wahlbeteiligung: 62,08 %
 %
50
40
30
20
10
0
45,06 %
21,39 %
14,88 %
18,67 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2014
 %p
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-10
-12
-14
+8,94 %p
+5,40 %p
−12,27 %p
−2,07 %p
UBUnabhängige Bürger Rechberghausen45,06836,126
GrüneDie Grünen21,39415,993
CDUChristlich Demokratische Union Deutschlands14,88327,155
SPDSozialdemokratische Partei Deutschlands18,67320,744
gesamt100,018100,018
Wahlbeteiligung62,08 %50,26 %

Partnerstädte

Kuranlagen in Bad Schlema, Wappen Bad Schlema und Partnerort Rechberghausen

Partnergemeinde von Rechberghausen ist seit 1991 die Gemeinde Bad Schlema in Sachsen.

Wirtschaft und Infrastruktur

Ehemaliger Bahnhof der Hohenstaufenbahn

Verkehr

Die Gemeinde liegt an der Bundesstraße 297 (TübingenLorch). Von 1912 bis 1984 war sie durch die Hohenstaufenbahn (Schwäbisch GmündGöppingen) auch an das Schienennetz angebunden.

Bildung

In Rechberghausen befindet sich die Schurwald-Haupt- und Realschule. Außerdem existieren eine zweizügige Grundschule, ein kommunaler, ein römisch-katholischer und ein evangelischer Kindergarten sowie ein Waldkindergarten am Riedwäldle, angrenzend zu Wangen. Außerdem existiert in Rechberghausen eine Außenstelle der Schurwald-Volkshochschule und der Schurwald-Musikschule.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Der Marbach wurde renaturiert und naturnah gestaltet

Theater

Im ehemaligen Bahnhof der Hohenstaufenbahn befindet sich ein Amateurtheater, das Theater im Bahnhof, mit regelmäßigem Spielplan.

Im Sommer findet jährlich die von der Gemeinde veranstaltete Kindertheaterwoche statt, bei der 3 Preise für die besten Theatergruppen verliehen werden.[7]

Die Gartenschau in Rechberghausen fand vom 29. Mai bis zum 20. September 2009 statt

Grünprojekt 2009

Am 29. Mai 2009 wurde das Grünprojekt Rechberghausen eröffnet, eine kleine Landesgartenschau in Baden-Württemberg. Dazu entstand unter anderem ein Landschaftspark mit See und der 12,3 m hohe Aussichtsturm Luftikus[8].

Die erhoffte Besucherzahl von 120.000 war am Ende der viermonatigen Veranstaltung mit über 240.000 Gästen weit übertroffen.[9]


Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Gemeinde

  • Pankraz Stollenmayer (1889–1980), Benediktiner, Theologe und Geschichtsforscher
  • Paul Scheurle (1892–1952), Bildhauer
  • Wolfgang Frey (* 1942), Botaniker und Regenwaldforscher
  • Franz Weber (* 1947), von 1985 bis 2009 Landrat des Landkreises Göppingen
  • Josef Wilhelm (1875–1953), katholischer Geistlicher und Leiter der Liebenauer Anstalt

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben

  • Konrad Plieninger (1928–2008), Gymnasialprofessor, Historiker, Romanist und Germanist
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Rechberghausen

Literatur

  • Gemeinde Rechberghausen. In: Rudolf Moser (Hrsg.): Beschreibung des Oberamts Göppingen (= Die Württembergischen Oberamtsbeschreibungen 1824–1886. Band 20). Cotta’sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart / Tübingen 1844, S. 268–273 (Volltext [Wikisource]).

Weblinks

Commons: Rechberghausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikivoyage: Rechberghausen – Reiseführer

Einzelnachweise

  1. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg – Bevölkerung nach Nationalität und Geschlecht am 31. Dezember 2020 (CSV-Datei) (Hilfe dazu).
  2. Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Rechberghausen.
  3. http://rechberghausen.de/index.php?id=299 Geschichte Rechberghausens
  4. Website der Evangelischen Kirchengemeinde Rechberghausen
  5. Eberhard Gönner und Heinz Baruda: „Wappenbuch des Landkreises Göppingen“, Herausgegeben vom Landkreis Göppingen und der Archivdirektion Stuttgart, Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 1966
  6. http://www.swp.de/goeppingen/lokales/landkreis_gp/neue-rathauschefin-claudia-doerner-freut-sich-trotz-niedriger-beteiligung-8316060.html
  7. Kindertheaterwoche. Gemeinde Rechberghausen, abgerufen am 12. Mai 2019.
  8. * Aussichtsturm Luftikus. In: Structurae
  9. Informationen der Gemeinde zur Gartenschau

Auf dieser Seite verwendete Medien

Rechberghausen by Margret Hofheinz-Döring.JPG
Autor/Urheber: Margret Hofheinz-Döring , Lizenz: CC BY-SA 3.0
Rechberghausen, Federzeichnung, 30 x 20 cm
Rechberghausen Neues Schloss.jpg
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Das im Jahr 1721 erbaute Neue Schloss in Rechberghausen dient heute als Rathaus.
Rechberghausen Gartenschau.jpg
Autor/Urheber: Dr. Eugen Lehle, Lizenz: CC BY-SA 3.0
Die Gartenschau in Rechberghausen unter dem Motto "Rechberghausen blüht auf, Sommer-Blüten-Träume, findet vom 29. Mai bis zum 20. September 2009 statt.
Rechberghausen in GP.svg
Deutsch (de): Lagekarte von Rechberghausen, Landkreis Göppingen, Baden-Württemberg, Deutschland.
English (en): Locator map of Rechberghausen in District of Göppingen, Baden-Württemberg, Germany.
français (fr): Plan de localisation de la municipalité Rechberghausen dans l'arrondissement de Göppingen dans Bade-Wurtemberg, Allemagne.
hornjoserbsce (hsb): Poziciska karta gmejny Rechberghausen, Landkreis Göppingen, Baden-Württemberg, Němska.
македонски (mk): Положбена карта на Rechberghausen во рамките на Landkreis Göppingen, Baden-Württemberg, Германија.
Nederlands (nl): Detailkaart van Rechberghausen in de Landkreis Göppingen, Baden-Württemberg, Duitsland.
Esperanto (eo): Situomapo de Rechberghausen en Landkreis Göppingen, Baden-Württemberg, Germanio.
മലയാളം (ml): ജർമ്മനിയിലെ Baden-Württemberg, District of Göppingen, Rechberghausen ഭൂപടസ്ഥാനം.
Rechberghausen-pjt2.jpg
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HINWEIS: Für dieses Bild wurden acht einzelne Aufnahmen durch Hugin digital zusammengefügt und dabei notwendigerweise digital nachbearbeitet. Beispielsweise kann es erforderlich gewesen sein, Ungleichheiten der Einzelbilder infolge von Objektivfehlern, unterschiedlicher Perspektive oder Parallaxe an den Übergängen einander anzupassen. Daher gibt dieses Panorama möglicherweise die Realität nicht in jedem Detail exakt wieder.
Rechberghausen Marbach.jpg
Autor/Urheber: Dr. Eugen Lehle, Lizenz: CC BY-SA 3.0
Der Marbach in Rechberghausen im Landkreis Göppingen wurde renaturiert und naturnah gestaltet
Kuranlagen Bad Schlema, Wappen Bad Schlema und Partnerort Rechberghausen.jpg
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Kuranlagen in Bad Schlema, Wappen Bad Schlema und Partnerort Rechberghausen
Rechberghausen.JPG
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Rechberghausen
Bahnhof Rechberghausen.jpg
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Bahnhofsgebäude Rechberghausen der ehemaligen Hohenstaufenbahn
Rechberghausen Oberes Tor.jpg
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Das Obere Tor in Rechberghausen ist das einzige erhaltene historische Stadttor im Landkreis Göppingen