Rauschenstein

Rauschenstein
Blick vom Oberen Terrassenweg über die Rauschentürme zum Rauschenstein
Blick vom Oberen Terrassenweg über die Rauschentürme zum Rauschenstein
Höhe406 m ü. NHN
LageSachsen, Deutschland
GebirgeSächsische Schweiz
Koordinaten50° 54′ 7″ N, 14° 13′ 46″ O
Rauschenstein (Sachsen)
Rauschenstein (Sachsen)
GesteinSandstein
Besonderheitenehemalige Burgwarte

Der Rauschenstein (früher auch Reischenstein) ist ein bis zu etwa 80 Meter hoher Sandsteinfels und Klettergipfel in der Sächsischen Schweiz oberhalb von Schmilka in der Gemarkung Ostrau. Der höchste Punkt des Gipfelplateaus erreicht 406 m ü. NHN. Im Mittelalter diente der Fels als Burgwarte.

Lage und Umgebung

Der Rauschenstein befindet sich etwa 1 Kilometer nördlich von Schmilka bzw. etwa 5 Kilometer östlich von Bad Schandau. Naturräumlich ist das Felsmassiv den Schrammsteinen zuzuordnen.[1] Der Rauschenstein bildet den Abschluss einer in Richtung Südosten verlaufenden etwa 700 Meter langen Felsenkette zwischen der Breiten Kluft im Westen und dem Rauschengrund im Osten. Südlich des Felsmassivs verläuft der Elbleitenweg von Schmilka in Richtung Bad Schandau.

Name

Der Name leitet sich vom Verb "reischen" ab, mit dem früher die Paarung von Greifvögeln bezeichnet wurde. Auf das Vorkommen von Greifvögeln in der Umgebung deutet auch der Name des benachbart gelegenen Falkoniergrund hin.

Die frühesten Nennungen erfolgten im Zusammenhang mit der hier im 15. Jahrhundert befindlichen Burgwarte. 1406 wurde diese als "ad Weysinsteyn" genannt. Weitere Namensformen sind als "Weissenstein" (1456), "Rawstejnn" (1488) und "Reichenstein" (1737) überliefert.[2]

Burgwarte

Vermutlich zu Anfang des 15. Jahrhunderts wurde der Rauschenstein durch die Berka von Dubá als Burgwarte ausgebaut. Er bildete einen Teil der 1410 von der Herrschaft Hohnstein abgetrennten Herrschaft Wildenstein. Die Berken verpfändeten den Rauschenstein anschließend anscheinend an die Wartenberger zu Tetschen, da er im Verzeichnis der 1451 mitsamt der Herrschaft Wildenstein an das Kurfürstentum Sachsen übergegangenen Besitzungen fehlt. Die Wartenberger, für die er wahrscheinlich die westliche Grenzsicherung darstellte, traten den Rauschenstein zusammen mit den umliegenden Gebieten und der Nordhälfte des Großen Winterbergs erst im Rahmen der abschließenden Grenzregulierung 1492 an Sachsen ab. Nach dem Burgenverzeichnis von 1456 war die Burgwarte allerdings bereits damals verfallen.

Wie bei anderen Felsenburgen der Sächsischen Schweiz bestand die Burgwarte aus Holzbauten, so dass auf der Gipfelfläche lediglich noch Bodenfalze und ein aus dem Fels geschlägelter Postenstand erkennbar sind. Wahrscheinlich bestand die Burgwarte lediglich aus einigen Postenständen und einer Wachstube. Erhalten sind zudem einige Balkenfalze im Zustieg und am Rauschentor genannten Felsdurchgang auf der Nordwestseite sowie einzelne Felszeichnungen am Einstieg des heutigen Kletterwegs Alter Weg.

Klettern

Der Chronist Wilhelm Leberecht Götzinger berichtet, dass im Zuge der touristischen Erschließung der Sächsischen Schweiz der Schmilkaer Müller Hänsel 1811 einen Aufstieg mit Leitern und Holzbalken auf der Südseite auf den Rauschenstein anlegte.[3] Dieser Zustieg verlief entlang des heutigen Alten Weges und wurde bis Ende des 19. Jahrhunderts verwendet. Nach 1890 verfiel der Weg und wurde nicht erneuert. Seither ist der Rauschenstein nur für Kletterer zugänglich.

Der Rauschenstein ist Bestandteil des Klettergebietes Sächsische Schweiz und verfügt über mehr als 130 Kletterwege. Neben dem Rauschenstein selbst bilden der südlich vorgelagtere "Winklerturm" und die nördlich vorgelagerten "Südwestliche Wachturm" und "Nordöstlicher Wachturm" weitere zugehörige Klettergipfel. Daran schließen sich in Richtung Norden weitere Felsnadeln an, die als "Rauschentürme" bezeichnet werden.

Die erste klettersportliche Besteigung des Rauschensteins fand über den heutigen Alten Südweg (Sächsischer Schwierigkeitsgrad II) am 29. Oktober 1893 durch Fritz Böhme, Conrad Meurer, Oscar Schuster und O. Weidenbach statt. Seitdem wurden am Rauschenstein eine Vielzahl weiterer Kletterwege erschlossen. Beteiligt waren auch bekannte Kletterer wie Theodor Arldt (Arldtweg), Emanuel Strubich (Nordostweg, V), Karlheinz Gonda (Gondakante, VIIIa) oder Bernd Arnold (Hexentanz, Xa).

Galerie

Literatur

  • Zwischen Sebnitz, Hinterhermsdorf und den Zschirnsteinen (= Werte der deutschen Heimat. Band 2). 1. Auflage. Akademie-Verlag, Berlin 1959.
  • Dietmar Heinicke (Hrsg.): Kletterführer Sächsische Schweiz, Band Schrammsteine, Schmilkaer Gebiet. Berg- & Naturverlag Rölke, Dresden 1999, ISBN 3-934514-01-4.
  • Alfred Meiche: Die Burgen und vorgeschichtlichen Wohnstätten der Sächsischen Schweiz. Dresden 1907 (ND Sebnitz 2000). (Digitalisat)
  • Peter Rölke (Hrsg.): Wander- & Naturführer Sächsische Schweiz. Band 1, Berg- & Naturverlag Rölke, Dresden 1999, ISBN 3-934514-08-1.
Commons: Rauschenstein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. FDZ Naturräume in Sachsen (Abruf 02.11.2025)
  2. Horst Torke: Historische Flurnamen der Sächsischen Schweiz. Monographie-Reihe II des Arbeitskreises Sächsische Schweiz im Landesverein Sächsischer Heimatschutz, Pirna 2009, S. 135
  3. Wilhelm Leberecht Götzinger: Schandau und seine Umgebungen oder Beschreibung der sogenannten Sächsischen Schweiz. 2. Auflage, von Bergersche Buch- und Kunsthandlung, Dresden 1812, S. 227f.

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Am Rauschenstein, im Hintergrund der Winterberg und Rosenberg
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Blick vom Unteren Terrassenweg über den Rauschengrund auf den Rauschenstein (Felsen auf der linken Bildseite). Deutlich zu erkennen sind die abgestorbenen, vom Buchdrucker befallenden Fichten.
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Nationalpark Sächsische Schweiz - Breite Kluft im Winter