Produktdesign

Die Dienstleistung Produktdesign, auch Industriedesign (englisch Industrial Design) genannt, befasst sich mit dem Entwurf serieller und industrieller Produkte.

Im Allgemeinen werden dabei zwei Arbeitsbereiche unterschieden: Das Gestalten von Konsumgütern und das Gestalten von Investitionsgütern. Als Ergebnis der Arbeitsteilung arbeitet der Designer häufig in einem interdisziplinären Team, seine Aufgaben umfassen je nach Betätigungsfeld die Formfindung, beispielsweise unter dem Aspekt der formalen Schlüssigkeit, der Fertigungsgerechtigkeit oder den Bedürfnissen einer Zielgruppe.

Der Designer ist nicht Gestalter von Unikaten, sondern von Produkten, die in einer seriellen (Massen)-Produktion hergestellt werden.

Briefmarkenblock (August 1998) mit Klassikern des deutschen Produktdesigns

Anwendungsgebiete

Konsumgüter

Unter den Bereich der Konsumgüter sind die Produkte des persönlichen Gebrauchs zusammengefasst:

  • Haushaltsgeräte (Kaffeemaschinen, Mixer, Waschmaschinen, Rasenmäher, elektrischer Rasierer, Leuchten etc.)
  • Werkzeuge
  • Fahrzeuge (PKW, Motorräder, Roller, Fahrräder, Ski) siehe Automobildesign
  • Möbel, siehe Möbeldesign
  • Einbauküchen
  • Leuchten
  • Spielzeug, Spielmittelgestaltung

Investitionsgüter

Das Investitionsgüterdesign umfasst alle Aspekte der Gestaltung von der Funktionalität über die Ästhetik bis hin zur Ergonomie und der Benutzerfreundlichkeit.[1]

Innerhalb des Industrie‑Design stellt das Investitionsgüter‑Design eine Spezialisierung dar, die sich mit der Konzeption, dem Entwurf und der Konstruktion von klassischen Maschinenbauerzeugnissen beschäftigt. Investitionsgüter sind komplexe technische Erzeugnisse, die innerhalb einer Wertschöpfungskette sowohl zur Pro‑duktion von Waren und Gütern wie auch zur Kapitalbildung durch technische Dienstleistungen eingesetzt werden.[2]

Durch die Anpassung von Komponenten und Steuerungen an Nutzerbedürfnisse sowie durchdachte Arbeitsabläufe wird die Arbeit erleichtert und die Mitarbeitermotivation gesteigert. Das Design kann den Benutzer nicht nur emotional durch Form und Farbgebung ansprechen, sondern auch Arbeitssicherheit und Komfort verbessern. Solche grundlegenden Veränderungen lassen sich nicht auf bereits bestehende Maschinen übertragen. Es ist daher wichtig, tiefgreifende ergonomische und strukturelle Maßnahmen frühzeitig in den Designprozess einzuplanen.[3]

Beispiele:

  • Produktionsmaschinen (Sägen, Fräsen, Schweißen, Kühlen etc.)
  • Elektronische Geräte für den industriellen Einsatz (zum Beispiel Messgeräte)
  • Medizintechnik
  • (Nutz-)Fahrzeuge (LKW, Omnibusse, Traktoren, Gabelstapler, Bagger, Hubwagen, Schienenfahrzeuge etc.) siehe Transportation Design

Unterschied zu Konsumgüterdesign

In der Industrieanlagen- und Maschinenbau-Branche liegt der Fokus auf einem anderen Kundenkreis. Die Produkte werden hinsichtlich Langlebigkeit, Sicherheit, Benutzerfreundlichkeit und Robustheit bewertet. Sie müssen transportfähig und für spezielle Anforderungen anpassbar sein. Kurzlebige Modetrends spielen in diesem Bereich kaum eine Rolle. In der Industriedesign-Welt steht immer ein langlebiges und zeitloses Design im Mittelpunkt.[4]

Hybride Produkt-Service-Systeme (PSS)

Das Internet ermöglicht computergestützte Dienstleistungen, die immer und zu niedrigen Kosten verfügbar sind. Daraus folgt eine Wandlung von Softwareprodukten zu Webdiensten.[5] Das und Unternehmen, die ihre Wertversprechen neu definieren und traditionelle Produktangebote durch ergänzende Dienstleistungen – das sogenannte Produkt-Service-System (PSS) – erweitern, führt besonders im Bereich der Industrie 4.0-Technologien zu einer Verschmelzung von Produkt und damit verbundener Dienstleistung.[6]

Das Gestalten von Produkten

(c) Bundesarchiv, Bild 183-1987-0826-003 / CC-BY-SA 3.0
Entwurf eines Bürostuhls am Zeichenbrett (1987)
(c) Bundesarchiv, Bild 183-1989-0510-002 / CC-BY-SA 3.0
Erläuterungen an einem Modell (1989)
Industriedesign-Fakultät an der TU Delft

Das Gestalten von Produkten, das Produktdesign, findet grundsätzlich als Teil der Entwicklung dieser Produkte statt. Der Grad der Designfreiheit, die die Möglichkeit für eine Formfindung eröffnet, ist sehr stark abhängig von der Art des Produkts.

Die Aufgaben eines Designers zur Gestaltfindung konzentrieren sich bei sehr technischen Produkten auf deren Funktion, so dass diese meist nur einem Ingenieur obliegt. Ebenso kann eine dekorative Vase nur selten ein Betätigungsfeld sein, weil sich diese Aufgabe vorrangig an Künstler richtet.

Designprozess

Der Prozess umfasst zu Beginn eine Zieldefinition oder eine Aufgabenstellung. In Abhängigkeit dieser Aufgabenstellung werden Konzepte erarbeitet, Skizzen zur Konstruktion und zur Gestalt angefertigt, erste Entwürfe als Modelle (in Originalgröße oder als Maßstabsmodell) aufgebaut, oder auch häufig nur als virtuelles Modell im Rechner aufgebaut, von denen dann Ansichten berechnet werden.

Je nach Projekt kann die Resonanz mittels Marktforschung geprüft werden. Nachdem die Gestaltfindung abgeschlossen ist, wird die Konstruktion als CAD-Modell fertiggestellt. Hierbei sind technische Kenntnisse, wie sie beim Berufsbild des Technischen Zeichners gelehrt werden, von großem Vorteil. Die Umsetzung der Idee zum technischen Entwurf findet heute häufig komplett im Rechner statt. Modelle können dann in fast jedem Zwischenschritt über 3D-Drucker erstellt werden.

Anhand von ersten Ideen, Skizzen und Zeichnungen visualisiert der Designer Varianten und Details zum Produkt. Dieser originär kreative Prozess wird auch bei sonst umfangreicher Nutzung des Rechners meist per Hand ausgeführt. Häufig werden die ersten Skizzen dann jedoch schon eingescannt, und mittels Bildbearbeitung für weitere Varianten digital weiterbearbeitet.

Analyseaspekte

Ein Designprodukt lässt sich nach seinen Funktionen unterscheiden und analysieren:

Praktische Funktionen

Funktionalität, Ergonomie, Sicherheit, Gebrauchstauglichkeit (usability), Benutzerfreundlichkeit, Wartung und Pflege

Produktsprachliche Funktionen – sinnliche Funktionen
- Formalästhetische Funktionen
- Zeichenhafte, semantische Funktionen
- Anzeichenfunktionen – haptische, olfaktorische und akustische Anzeichen
- Symbolische Funktionen – soziale, kulturelle und religiöse Aspekte, Status, Gruppenzwang, Zielgruppen
Ökologische Funktion – nachhaltige Entwicklung
- Lebenszyklus (Haltbarkeit, technische Verfügbarkeit)
- Material-Sparsamkeit ("reduce"), Material-Weiterverwendung ("reuse"), Recyclingfähigkeit ("recycle")
- Entsorgung
Ökonomische Funktion
- Herstellungsaufwand, Komplexität
- Herstellungstechniken
- Anzahl der Fertigungsschritte
- Materialien
- Materialvielfalt, -komplexität
- Transport-, Lageraufwand – Größe, Stapel-, Faltbarkeit, Gewicht usw.

Der Begriff Produktdesign

Industriedesign, Produktdesign oder Produktgestaltung sind Synonyme. Fachbereiche an Fachhochschulen und Hochschulen tragen entsprechende Namen und vergeben nach dem Studium das Diplom (oder Bachelor/Master) Diplom-Designer oder Diplom-Designer (FH).

Der Begriff Produktdesign ist nicht geschützt. Die Einführung eines Ausbildungsberufes namens Technischer Produktdesigner führt somit leicht in die Irre. Dieser entspricht weitestgehend dem bisherigen Beruf des technischen Zeichners und hat in der Fachrichtung Maschinen- & Anlagenkonstruktion mit der gestalterischen Tätigkeit des Produktdesigners nichts zu tun. Die Fachrichtung Produktgestaltung & Konstruktion befasst sich mit Teilgebieten des Produktdesign Studiums. Darunter fallen die Themen; Ergonomie, Material- und Farbenlehre, Skizzieren sowie Rendern und konstruktives Ausarbeiten von Produkten und Gütern in diversen CAD-Anwendungen.[7]

Das Berufsbild des Industriedesigners

Das Arbeitsfeld des Industriedesigners hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Zwei Tendenzen befördern maßgeblich diesen Wandel. Eine stark verkürzte Überlebenszeit von Produkten in stark dynamisierten Märkten insbesondere im Konsumenten- aber auch im Investitionsgüterbereich führt zu einer stärkeren Bedeutung des Marketings allgemein und der Produktentwicklungs- und Designstrategien im Speziellen.

Diesem Wandel wird das Design erfolgreich begegnen, wenn es gelingt, Designer mit entsprechenden technischen, analytischen und theoretischen Kenntnissen auszustatten und im Markt zu positionieren. Im Mittelpunkt der Arbeit steht das Planen, Konzipieren und Entwerfen von Produkten. Moderne Technik, innovatives Design und der Erlebniswert für den Menschen sind die Kernthemen des Berufes. Industriedesigner arbeiten heute zudem verstärkt an Schnittstellen zu anderen Disziplinen. Die Verknüpfung von Basisfähigkeiten mit einer wissenschaftlich untermauerten Strategie- und Prozesskompetenz sind heute daher unerlässlich.

Verbände

Siehe auch

Literatur

Monographien

  • Wilhelm Braun-Feldweg: Industrial Design heute. Umwelt aus der Fabrik, Rowohlt Verlag 1966
  • Bernhard E. Bürdek: Design. Geschichte, Theorie und Praxis der Produktgestaltung. Basel 2015 (4. Aufl.)
  • Michael Schulze: Konzept und Werkbegriff. Die plastische Gestaltung in der Architekturausbildung, 1. Auflage 2013, Zürich, vdf Hochschulverlag AG an der ETH Zürich, 2013, ISBN 978-3-7281-3481-3

Normen, Standards und Richtlinien

  • VDI-Fachbereich Produktentwicklung und Mechatronik: VDI/VDID 2424:2021-07. Industriedesign. Nutzerzentrierte Gestaltung im Produktentwicklungsprozess (Entwurf). In: VDI-Gesellschaft Produkt- und Prozessgestaltung (Hrsg.): VDI-Handbuch Produktentwicklung und Konstruktion. 2021.

Weblinks

Commons: Product Design – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Investitionsgüterdesign – Was ist das? (html) pdlab – the design innovation lab, abgerufen am 22. Juli 2023.
  2. Michael Erlhoff und Tim Marshall: Wörterbuch Design: Begriffliche Perspektiven des Design. Birkhäuser, Boston, Berlin 2008, ISBN 978-3-7643-8142-4, S. 219–220.
  3. Investitionsgüter-Design. (html) Abgerufen am 22. Juli 2023.
  4. Kein Dekor drankleben. Stuttgarter Zeitung, Stuttgarter Nachrichten (via defortec.de), abgerufen am 22. Juli 2023.
  5. From Products to Services: The Software Industry in the Internet Era. (PDF) Campbell-Kelly, Martin and Garcia-Swartz, Daniel D., abgerufen am 23. Juli 2023 (englisch).
  6. Product-service systems evolution in the era of Industry 4.0. Gaiardelli, P., Pezzotta, G., Rondini, A. et al., abgerufen am 23. Juli 2023 (englisch).
  7. IQSH Lehrplanportal. Abgerufen am 31. Mai 2017.


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Hall/Saale, kubanischer Gaststudent ADN-ZB Lehmann 10.5.89 Halle: Kooperation - Hector Costa (r), hier mit Professor Dr. Karl-Joachim Heinemann bei einer Modell-Funktionsprüfung, gehört zu den 12 kubanischen Studenten, die an der Hochschule für industrielle Formgestaltung Burg Giebichenstein in Halle zu Industrieform- Metall-, Bildteppich oder Spielzeuggestaltern ausgebildet werden. Für das Kombinat Baukema wurden Klein- Erdbewegungsmaschinen entworfen, die zum Einsatz im stadtwirtschaftlichen Bereich vorgesehen sind. Damit wird eine vor zehn Jahren begonnene Kooperation, die heute von der studentischen Ausbildung, über Lehrkräfteaustausch bis hin zur planmäßigen Zusammenarbeit mit der Partnereinrichtung in Havanna reicht, erfolgreich fortgesetzt.
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Halle, Design-Atelier, Designer am Zeichenbrett ADN-ZB Lehmann 26.8.87 Halle: Design-Atelier-Moderne, neue Industrie- und Konsumgüter mit hohem ästhetischen Niveau und verbesserten Gebrauchswerten sind das Arbeitsfeld der Formgestalter, Konstrukteure und Modellbauer im Atelier Halle des VEB Designprojekt Dresden. Hier entstehen seit Gründung der Einrichtung vor vier Jahren Studien und Projekte vorwiegend für Neuentwicklungen von Konsumgütern aus Betrieben der bezirksgeleiteten Industrie der Bezirke Halle und Leipzig sowie für weitere große Kombinate. Formgestalter Hartmut Weise entwickelt eine konstruktive Lösung für einen abgepaßten Arbeitsstuhl. - siehe auch 1987-0826-4N -