Karl Pouva KG

Karl Pouva KG
VEB Fototechnik Freital
Rechtsform
Gründung1938
Auflösung1972
AuflösungsgrundEnteignung
SitzFreital, Deutschland
Mitarbeiterzahlca. 150 (1965)
BrancheGerätebau

Die Karl Pouva KG war ein Unternehmen für fototechnischen Gerätebau mit Sitz in Freital (Sachsen).

Geschichte und Produkte

Pouva Start

Karl Pouva (* 21. November 1903 in Deuben; † 16. Januar 1989 in Freital) gründete das Unternehmen in seiner Heimatstadt im Jahr 1938 durch Übernahme einer metallverarbeitenden Firma[1].

Karl Pouva mit dem neusten Modell seiner Pouva Start (fotografiert von Richard Peter jun., etwa zweite Hälfte 1950er Jahre)

Das Unternehmen firmierte zunächst als "Spezialfabrik für Bildwurfgeräte"[2]. Ab 1950[3] ging die einfache Mittelformat-Kamera Pouva Start für 12 Aufnahmen im Format 6x6 auf Rollfilm 120 in Produktion. Ihr Preis lag zunächst bei 25,- Mark, konnte aber durch verbesserte Organisation des Produktionsablaufs im Jahre 1955 auf sehr günstige 16,50 Mark reduziert werden[4]. Damit ermöglichte sie vielen Kindern und Jugendlichen in der DDR einen ersten Zugang zur Fotografie. Für diese Zwecke ergaben sich akzeptable Ergebnisse, obwohl auf Grund des einfachen, als symmetrisches Periskop aufgebauten Objektivs Duplar 1:8 die Ausleuchtung des Bildes nur mäßig war und vor allem im Randbereich deutliche Farbfehler zutage traten. Leicht abgewandelte Versionen der Pouva Start wurden in Lizenz in Polen, Ungarn und von Hama in der Bundesrepublik produziert und auf den Markt gebracht. Eine komplette Fertigungsanlage für die Kamera wurde Anfang der 1960er Jahre nach Indien geliefert.[5] Während ihrer 20-jährigen Produktionszeit sind allein in Freital 2,5 Millionen Pouva Start gebaut worden.[6]

1953 kam der einfache Diaprojektor Pouva Magica aus schwarzem Bakelit hinzu. Dies war ein Projektor für 35-mm-Bildbänder und gerahmte Diapositive im Format 5 × 5 cm. Als Lichtquelle diente eine übliche 40-W-Allgebrauchslampe. Dieser Projektor blieb nahezu unverändert bis in die späten 1980er Jahre hinein auf dem DDR-Inlandsmarkt im Angebot, wobei die Herstellung unter der Ägide des VEB Edelstahlwerks Freiberg fortgeführt wurde.[7]

Karl Pouva hatte auch ein einfaches Spulentonbandgerät mit der Bezeichnung Bändi entwickelt, das aber unter erheblichen Konstruktionsfehlern[8] litt und daher keine weite Verbreitung fand. Wegen der auf Grund des ungeregelten Antriebsmotors sehr ungleichmäßigen Bandgeschwindigkeit konnten mit dem Bändi angefertigte Aufnahmen nur bedingt auf anderen industriellen Bandmaschinen abgespielt werden[9].

Die Firma Karl Pouvas wurde 1972 in Volkseigentum überführt, er blieb jedoch zunächst Werkleiter. Im Jahr darauf wurde der Betrieb dann aber der Kamera-Fabrik Woldemar Beier angegliedert und Pouva ging in Rente.

Karl Pouva (rechts) begutachtet mit einem Mitarbeiter auf einen Tragkörper gekittete Linsen.[10]

Anmerkungen

  1. Mekas, Eberhard: Pouva SL100 - für die neue Generation in der Massenfotografie. Hrsg.: Zentrales Warenkontor für Technik. 1971.
  2. Vgl. Bedienungsanleitung für Pouva Bildwerfer Typ II
  3. Krause, Ulrich: "FP" besuchte in Freital: "Bändi"-Vater Karl Pouva. 29. Oktober 1963.
  4. sbb.: Dank Preissenkung erhöhte Produktion. Neue Zeit, Nr. 160. Berlin 12. Juli 1956, S. 5.
  5. Von Nil und Ganges - Messeschau bezeugt aufblühende Industrie der Nationalstaaten. In: Berliner Zeitung. Nr. 71, 12. März 1963, S. 6.
  6. Marktinformation Fotoapparate. In: Berliner Zeitung. Nr. 312, 10. November 1972, S. 4.
  7. Kröger, Marco: Pouva Start - "Die Kamera der Millionen". In: Zeissikonveb. 11. April 2025, abgerufen am 11. April 2025.
  8. Jakubaschk, Hagen: Wir lernten kennen: Tonbandgerät BÄNDI. In: Radio und Fernsehen. Nr. 11, 1964, S. 349.
  9. Wir lernten kennen: Noch einmal - Tonbandgerät BÄNDI. In: Radio und Fernsehen.
  10. Anders als in der originalen Bildbeschreibung der Deutschen Fotothek angegeben handelt es sich nicht um Linsen für die Pouva Start, sondern um Kondensorlinsen für den Kleinbildprojektor Pouva Magica. Dieses Bild belegt, dass Pouva auch optische Bauteile selbst herstellte.
  11. Vorzugsweise wurden Schwarz-Weiß-Filme verwendet. Allerdings ein unrepräsentatives Beispiel, da die Aufnahme verwackelt ist.
  12. aufgenommen mit Pouva Start: die Einfachheit der Kamera bedingte eine schlechte Ausleuchtung am Bildrand und daraus resultierende Farbfehler.
Commons: Pouva cameras – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Auf dieser Seite verwendete Medien

Pouva Werbung 1955.jpg
Autor/Urheber: Pancolar, Lizenz: CC BY-SA 4.0
Werbung für die Pouva - Start und den Pouva - Magica im Februarheft der "Fotografie" des Jahres 1955.
Pouva Start Schachteln.jpg
Autor/Urheber: Richard Peter jun., Lizenz: CC BY-SA 4.0
Mitarbeiterin mit einem Stapel Faltschachteln für die Rollfilmkamera Pouva Start.
Pouva magica.jpg
Projektor Pouva Magica von der Karl Pouva AG; Lichtquelle: Allgebrauchslampe 40W
Karl Pouva-1.jpg
Autor/Urheber: Richard Peter jun., Lizenz: CC BY-SA 4.0
Karl Pouva mit seiner Pouva Start; photographiert von Richard Peter jun. im Jahre 1951
Pouva Start (351661172).jpg
Autor/Urheber: Alfred from Germany, Lizenz: CC BY-SA 2.0

Die Pouva Start war eine der erfolgreichsten, wenn nicht die erfolgreichste Kamera der DDR. Von 1951 bis 1972 sollen über 1,7 Mio. Stück hergestellt worden sein! Produzent war die Karl Pouva KG, Freital, 1972 verstaatlicht.

Die Pouva Start war eine einfache, aber gut gestylte Kunststoff-Rollfilm-Kamera, mit einer Moment-Zeit und B, dazu 2 Blenden (Sonne und Wolken). Die ersten Modelle hatten einen Klappsucher, die späteren (wie meine) einen Durchsichtssucher. Das Objektiv war ein Duplar 1:8 und wurde zum Gebrauch herausgezogen. Der Preis von 16,50 Mark trug auch dazu bei, dass es die Kamera für die Jugend wurde.

Es gab Exportmodelle und Lizenzproduktionen, z. B. in Indien und Polen. Die westdeutsche Firma HAMA hatte großen Erfolg mit ihren Lizenz-Produkten Hexi, Moni, P56.
Pouva magica inner view.jpg
Lichtquelle (Kugelspiegel und 40W-Allgebrauchslampe mit E27 Sockel) des Pouva Magicas Projektors
Karl Pouva-2.jpg
Autor/Urheber: Richard Peter jun., Lizenz: CC BY-SA 4.0
Karl Pouva (rechts) begutachtet mit einem Mitarbeiter auf einen Tragkörper gekittete Linsen. Anders als in der originalen Bildbeschreibung der Deutschen Fotothek angegeben handelt es sich nicht um Linsen für die Pouva Start, sondern um Kondensorlinsen für den Kleinbildprojektor Pouva Magica. Dieses Bild beweist auch, daß Pouva seine optischen Bauteile selbst herstellte.
Elbdampfer Dresden.jpg
Autor/Urheber: Hutschi, Lizenz: CC BY-SA 3.0
Elbdampfer in Dresden fotografiert mit Pouva Start auf 6x6 Film, Momentaufnahme, sonnig Deutlich zu sehen ist die Abdunklung in den Ecken des Fotos bedingt durch das sehr einfache Objektiv. Oktober, 2005 Autor: Hutschi
Pouva Start Photo 2004.jpg
Autor/Urheber: Bernd Hutschenreuther, Lizenz: CC BY-SA 3.0
Photo mit Pouva Start, 2004 6 x 6 Format, Rollfilm 120 Dresden, Elbe, am Käthe-Kollwitz-Ufer während Rekonstruktion der Straße nach Elbhochwasser Dresden,