Polonia

Polonia in Zahlen (Schätzwerte 2025)[1]
Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten10.000.000
Brasilien Brasilien3.000.000
Deutschland Deutschland, siehe Polen in Deutschland2.200.000
Ukraine Ukraine1.300.000
Frankreich Frankreich1.000.000
Kanada Kanada1.000.000
Belarus Belarus500.000
Niederlande Niederlande480.000
Vereinigtes Konigreich Vereinigtes Königreich440.000
Russland Russland300.000
Australien Australien220.000
Litauen Litauen, siehe Polen in Litauen185.000
Schweden Schweden160.000
Norwegen Norwegen140.000
Irland Irland125.000
Argentinien Argentinien120.000
Belgien Belgien120.000
Spanien Spanien120.000
Italien Italien100.000
Osterreich Österreich100.000
Danemark Dänemark70.000
Schweiz Schweiz (siehe Polen in der Schweiz)60.000
Tschechien Tschechien55.000
Israel Israel50.000
Lettland Lettland50.000
Island Island, siehe Polen in Island31.000
Kasachstan Kasachstan30.000
Griechenland Griechenland15.000
Portugal Portugal10.000
Slowakei Slowakei10.000
Sudafrika Südafrika10.000
Vereinigte Arabische Emirate Vereinigte Arabische Emirate10.000
Polen im Ausland

Polonia ist die lateinische Bezeichnung für den Staat Polen und wird in der polnischen Sprache für die polnische Diaspora benutzt, die etwa 18–20 Mio. Menschen in der gesamten Welt umfasst.

Definitionsgemäß gehört zur Polonia jede außerhalb Polens lebende Person, die:

  • die polnische Staatsbürgerschaft besitzt (auch wenn diese Person nicht im Besitz eines gültigen Reisepasses oder Personalausweises ist) oder
  • die polnische und daneben noch eine weitere Staatsbürgerschaft besitzt oder
  • die polnische Staatsbürgerschaft nicht besitzt, jedoch polnischer Herkunft ist (wodurch die polnische Staatsbürgerschaft festgestellt werden kann).

Das wichtigste Kriterium ist die eigene Herkunft oder die Herkunft der Vorfahren. Die betreffende Person muss hierbei nicht in Polen geboren worden sein. In einigen Quellen werden die Polen in den ehemaligen polnischen Ostgebieten nicht zur Polonia gezählt, da diese nicht aus Polen ausgewandert sind, sondern sich auf Grund von Grenzverschiebungen nach dem Zweiten Weltkrieg außerhalb des polnischen Staates wiederfanden.[2]

Hintergrund

Für die Existenz einer polnischen Volksgruppe außerhalb Polens gibt es unterschiedliche Gründe und Ursachen:

  • Erzwungene Emigration oder Verbannung – betraf vor allem die Vorfahren von in Russland lebenden Polen, die nach verlorenen Aufständen oder anderen Zeichen der Illoyalität dem Zarenreich gegenüber nach Sibirien verbannt wurden. Dies fand seit den Teilungen Polens statt,
  • Politische Emigration – begann Anfang des 19. Jahrhunderts und verlief wellenartig, wobei sie nach politischen Umwälzungen (Verlust der Unabhängigkeit, Aufstände, Systemwechsel, Kriege u. Ä.) immer stark zunahm,
  • Wirtschaftliche Emigration – hing mit der industriellen Revolution zusammen, begann Mitte des 19. Jahrhunderts und dauert bis heute an, wobei die Zielländer sehr variieren,
  • Deportation – fand nach dem deutsch-sowjetischen Überfall auf Polen 1939 statt, diese wurde von beiden Besatzern praktiziert. Einerseits wurden polnische Zwangsarbeiter von den Nationalsozialisten nach Deutschland deportiert, andererseits haben Sowjets die polnische Bevölkerung Ostpolens aus politischen oder nationalistischen Motiven gen Osten deportiert,
  • Territoriale Verschiebung – erfolgte nach dem Zweiten Weltkrieg und hatte eine Verschiebung der Grenzen Polens gen Westen zur Folge. Hiervon war die polnische Bevölkerung des ehemaligen Ostpolen betroffen; so entstanden polnische Minderheiten in Litauen, Belarus[3] und der Ukraine.

Auswanderungswellen

Die Emigration der Polen hatte mehrere Etappen:

Die letztgenannte Etappe dauert bis heute an und hat sich seit der Erweiterung der Europäischen Union 2004 auf die Länder der Europäischen Union konzentriert. Als Beispiel ist hier Irland zu nennen, in welchem vor der Erweiterung kaum Ausländer lebten und welches mittlerweile einen Ausländeranteil von 4 % besitzt, wobei die Polen mit 120.000 Personen die mittlerweile größte Zuwanderergruppe in diesem Land darstellen.

Es gab – zu einem großen Teil aus politischen Flüchtlingen bestehende – polnische Kolonien in fast allen europäischen Hauptstädten sowie in Hamburg, Bremen, Düsseldorf, Köln, dem Ruhrgebiet (Ruhrpolen), Mannheim und Frankfurt am Main. Heutige Zentren sind außerdem Chicago, das östliche Ruhrgebiet sowie der Londoner Stadtteil Ealing.

Polen aus bestimmten Regionen Polens ließen sich häufig schwerpunktmäßig in bestimmten Städten Deutschlands nieder. So bildete Ahlen (Westfalen) beispielsweise einen Schwerpunkt für Polen aus dem Raum Posen (Poznań), Gelsenkirchen für Polen aus Masuren und Recklinghausen für Polen aus Schlesien. Diese Schwerpunkte haben teilweise bis heute Bestand. Um Gelsenkirchen herum bildeten sich so auch eigene Begriffe, wie Mottek für Hammer (poln. młotek).

Auswanderung nach dem Beitritt Polens zur EU

Seit dem Beitritt Polens zur Europäischen Union am 1. Mai 2004 haben bis Ende 2006 ca. 1,12 Millionen (3 % der Bevölkerung) Polen ihr Land verlassen, um in der Europäischen Union Arbeit zu finden. Die meisten von ihnen waren laut einem Bericht des ECAS[4] zwischen 25 und 30 Jahren alt. Die meisten Polen[5] emigrierten in diesem Zeitraum nach Deutschland (534.990),[6] Großbritannien (264.000), Irland (120.000), Frankreich (90.000), Italien (72.229) und in die Niederlande (20.000).

Dieser Abfluss an häufig gut ausgebildeten und qualifizierten Arbeitskräften hat zu einem Arbeitskräftemangel auf dem polnischen Markt geführt. Gleichzeitig zeigt der Bericht des ECAS, dass die polnischen Migranten einen nicht unerheblichen Beitrag zum Wirtschaftswachstum ihrer Gastgeberländer beigetragen haben.

Polnisches Recht

Nach polnischem Recht sind diejenigen, die zur Polonia gehören, ethnische Polen. Eine (Wieder-)Erlangung der polnischen Staatsbürgerschaft ist für diese Personen somit vereinfacht. Der Nachweis polnischer Vorfahren reicht meist aus.

Anhand dieser Gesetzgebung hat z. B. der israelische Fußballspieler Ben Sahar die polnische Staatsbürgerschaft erhalten und somit das Recht erlangt, als EU-Bürger in Großbritannien arbeiten und Fußball spielen zu können.

Medien für die Polonia

Es gibt vier Fernsehkanäle, die aus Polen für die Polonia Informationen, Nachrichten, Dokumentationen, Serien und Filme ausstrahlen. Es handelt sich hierbei um den öffentlich-rechtlichen Kanal TV Polonia und die privaten Sender TVN International, Polsat 2 International sowie TV Polska. In Chicago existiert mit Polvision der größte polnischsprachige Sender außerhalb Polens, gegründet von Walter Kotaba, der auch mehrere Radiosender in Illinois, New York und Connecticut gegründet hat. Weitere Fernsehsender, die von der Polonia für die Polonia produziert werden, sind u. a. TV Polonia.US (ebenfalls Chicago), die Sender TV Foka aus Calgary und Panorama 10 aus Toronto (beide Kanada) sowie der Musiksender TV4U aus New York.

Daneben gibt es zahlreiche Radiosendungen sowie -stationen in Ländern wie z. B. den Vereinigten Staaten, Kanada, Australien, Österreich, Deutschland, den Niederlanden, Irland, Frankreich, Italien, der Ukraine, Russland, Litauen und Belarus.

Weltspiele der Auslandspolen

Im Jahr 1934 wurden in Warschau erstmals für emigrierte Polen die Weltspiele der Auslandspolen veranstaltet, die nach darauffolgender 40-jähriger Pause seit 1974 wieder regelmäßig stattfinden. Im jährlichen Wechsel werden die nach Sommer- und Winterspielen aufgeteilten Sportwettkampfveranstaltungen an verschiedenen Orten Polens ausgetragen. So nahmen an den XV. Sommerspielen 2011 in Breslau 1682 Sportler aus 23 Ländern in 27 Sportarten teil.

Polonia in Deutschland

Zu den wichtigsten auf Bundesebene tätigen Vereinen zählen der Bund der Polen in Deutschland mit Sitz in Bochum, der als Dachverband der polnischen Organisationen 1922 in Berlin gegründet wurde und der Polnische Kongress in Deutschland mit Sitz in Aachen. Dieser wurde am 15. Februar 1992 aus 16 polnischen Vereinen zum Zwecke der Interessenvertretung der polnischen Vereine gegenüber den Behörden gegründet.

Eine besondere Rolle kommt der Polnischen Katholischen Mission zu, die unter anderem Unterricht in polnischer Sprache für Kinder mit polnischem Migrationshintergrund anbietet.

Bekannte Auslandspolen

Bekannte Auslandspolen und aus Polen stammende Personen[7]

Wissenschaft

Musik

Literatur

Film

  • Natalia Avelon (* 1980) – deutsche Schauspielerin polnischer Herkunft
  • Jane Frances Kaczmarek (* 1955) – polnisch-US-amerikanische Schauspielerin
  • Bogumil Dawison (1818–1872) – polnisch-deutscher Schauspieler
  • Dagmara Domińczyk (* 1976) – polnisch-US-amerikanische Schauspielerin
  • Marika Domińczyk (* 1980) – polnisch-US-amerikanische Schauspielerin
  • Piotr Dwojak (* 1982) – deutscher Schauspieler polnischer Herkunft
  • Aleksander Ford (1908–1980) – polnischer Filmregisseur (USA)
  • Samuel Goldwyn (1879–1974) – amerikanischer Filmproduzent polnisch-jüdischer Herkunft
  • Helena Modrzejewska (1840–1909) – polnische Schauspielerin (USA)
  • Pola Negri (1897–1987) – polnisch-US-amerikanische Schauspielerin
  • Joanna Pacuła (* 1957) – polnische Schauspielerin (USA)
  • Roman Polański (* 1933) – polnisch-französischer Filmregisseur
  • Stefanie Powers (* 1942) – US-amerikanische Schauspielerin polnischer Abstammung
  • Yvonne Strahovski (* 1982) – australische Schauspielerin polnischer Abstammung
  • Gore Verbinski (* 1964) – US-amerikanischer Filmregisseur polnischer Abstammung
  • Lilly (* 1967) und Lana (* 1965) Wachowski – US-amerikanische Filmregisseure polnischer Abstammung
  • Mia Wasikowska (* 1989) – australische Schauspielerin polnischer Abstammung

Politik

Sport

Fußball

  • Robert Acquafresca (* 1987) – italienischer Fußballspieler polnischer Abstammung
  • Guillaume Bieganski (1932–2016) – französischer Fußballspieler polnischer Abstammung
  • Thiago Rangel Cionek (* 1986) – polnischer Fußballnationalspieler brasilianisch-polnischer Herkunft
  • Thadée Cisowski (1927–2005) – französischer Fußballspieler polnischer Herkunft
  • Filipe Luís (* 1985) – brasilianischer Fußballspieler polnischer Abstammung
  • Léon Glovacki (1928–2009) – französischer Fußballspieler polnischer Abstammung
  • Phil Jagielka (* 1982) – englischer Fußballspieler polnischer Abstammung
  • Andy Johnson (* 1981) – englischer Fußballspieler polnischer Abstammung
  • Raymond Kopa (1931–2017) – französischer Fußballspieler polnischer Abstammung
  • Laurent Koscielny (* 1985) – französischer Fußballspieler polnischer Abstammung
  • Maor Melikson (* 1984) – israelischer Fußballspieler polnischer Abstammung
  • Ludovic Obraniak (* 1984) – polnischer Fußballnationalspieler
  • Damien Perquis (* 1984) – polnischer Fußballnationalspieler
  • Tomasz Radziński (* 1973) – kanadischer Fußballspieler polnischer Herkunft
  • César Ruminski (1924–2009) – französischer Fußballspieler polnischer Abstammung
  • Ben Sahar (* 1989) – israelisch-polnischer Fußballspieler
  • Peter Schmeichel (* 1963) – dänischer Fußballspieler polnischer Abstammung
  • Kasper Schmeichel (* 1986) – dänischer Fußballspieler polnischer Abstammung (Sohn von Peter Schmeichel)
  • Daniel Sikorski (* 1987) – polnisch-österreichischer Fußballspieler
  • Danny Szetela (* 1987) – US-amerikanischer Fußballspieler polnischer Abstammung
  • Gil Vermouth (* 1985) – israelischer Fußballspieler polnischer Abstammung
  • Michael Wojtanowicz (* 1985) – österreichischer Fußballspieler polnischer Abstammung
  • Patrik Wozniacki (* 1986) – dänischer Fußballspieler polnischer Abstammung (Bruder von Caroline Wozniacki)
Fußball (Deutschland)

Andere Sportarten

Andere

Literatur

Siehe auch

Commons: Polonia – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Statistik: Personenanzahl der polnischen Diaspora. In: Polen–Analysen. Deutsches Polen-Institut Darmstadt, Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen, 3. Februar 2026, S. 11–12, abgerufen am 5. Februar 2026 (Schätzwerte mit z. T. erheblich höheren Zahlen als die Ergebnisse in nationalen Volkszählungen. Quelle: Główny Urząd Statystyczny [Statistisches Hauptamt]; Ministerstwo Spraw Zagranicznych [Außenministerium]: Polacy za granicą [Polen im Ausland]. https:// dashboard-polonia.stat.gov.pl/polonia. Hier auch Zahlen zu allen anderen Staaten mit weniger als 10.000 Polen).
  2. Central Statistical Office (Memento desOriginals vom 11. Juni 2007 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.stat.gov.pl
  3. siehe auch: Bund der Polen in Belarus
  4. European Citizen Action Service (Memento desOriginals vom 8. Dezember 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ecas-citizens.eu
  5. in dem Bericht waren die baltischen Länder und Finnland nicht inbegriffen
  6. Saisonarbeiter sind in den Zahlen mitenthalten
  7. Einzelne Personen sind anderen nationalen Bekenntnisses

Auf dieser Seite verwendete Medien

Flag of Canada (Pantone).svg
Flag of Canada introduced in 1965, using Pantone colours. This design replaced the Canadian Red Ensign design.
Flag of the United Kingdom.svg
Flagge des Vereinigten Königreichs in der Proportion 3:5, ausschließlich an Land verwendet. Auf See beträgt das richtige Verhältnis 1:2.
Flag of the United Kingdom (3-5).svg
Flagge des Vereinigten Königreichs in der Proportion 3:5, ausschließlich an Land verwendet. Auf See beträgt das richtige Verhältnis 1:2.
Flag of Australia (converted).svg
Flag of Australia, when congruence with this colour chart is required (i.e. when a "less bright" version is needed). See Flag of Australia.svg for main file information.
Flag of Ireland.svg
Man sagt, dass der grüne Teil die Mehrheit der katholischen Einwohner des Landes repräsentiert, der orange Teil die Minderheit der protestantischen, und die weiße Mitte den Frieden und die Harmonie zwischen beiden.
Flag of Switzerland within 2to3.svg
Die quadratische Nationalfahne der Schweiz, in transparentem rechteckigem (2:3) Feld.
Flag of Portugal.svg
Flagge Portugals, entworfen von Columbano Bordalo Pinheiro (1857-1929), offiziell von der portugiesischen Regierung am 30. Juni 1911 als Staatsflagge angenommen (in Verwendung bereits seit ungefähr November 1910).
Flag of South Africa.svg

Flagge Südafrikas

Verwendete Farbe: National flag | South African Government and Pantone Color Picker

     Grün gerendert als RGB 000 119 073Pantone 3415 C
     Gelb gerendert als RGB 255 184 028Pantone 1235 C
     Rot gerendert als RGB 224 060 049Pantone 179 C
     Blau gerendert als RGB 000 020 137Pantone Reflex Blue C
     Weiß gerendert als RGB 255 255 255
     Schwarz gerendert als RGB 000 000 000
Poles out of Poland map 2008.png
Autor/Urheber: Map made using http://gunn.co.nz/map/ by Marcin Floryan, Lizenz: CC BY-SA 2.5
Distribution of emigration of Poles.