Pierre Kiwitt

Pierre Kiwitt (* 3. Februar 1977 in München)[1][2][3] ist ein deutsch-französischer Schauspieler.

Leben

Familie und Ausbildung

Kiwitts Mutter war Französin, sein Vater Deutscher.[3][4] Er wuchs zweisprachig mit Deutsch und Französisch als gleichwertigen Muttersprachen auf.[3] In München besuchte er das Lycée Jean Renoir.[4] Nach dem Abitur absolvierte Kiwitt zunächst auf Wunsch des Vaters eine Banklehre. Er war als Bankkaufmann zunächst im Schalterdienst tätig, später handelte er als Börsenhändler mit Aktien.[4][5] Er merkte jedoch bald, dass dieser Beruf nicht das Richtige für ihn ist. Er wurde am Bankschalter von einer Schauspielagentin entdeckt, die ihm seinen späteren Schauspiellehrer vermittelte.[4] Er nahm von 2000 bis 2005 Unterricht in Schauspiel und Stimmbildung bei Gerd Udo Feller in München. Weitere Studien erfolgten an der New York Film Academy in Los Angeles (2002), an der Improvisationstheaterschule „Fast Food Theater“ (2003) und an der Theater Akademie Köln (2004). 2004 kündigte er schließlich seine Anstellung in der Bank und entschied sich endgültig für die Schauspielerei.[4] Von 2004 bis 2005 absolvierte er in Köln zusätzlich eine Ausbildung zum Stuntman. Später folgten Workshops in der Meisner-Technik und in Kameraarbeit, u. a. 2013 am Actor Studio „Die Tankstelle“ bei Sigrid Anderson in Berlin.[4]

Theaterarbeiten

Von 2004 bis 2006 spielte er in München bei freien Theatergruppen (u. a. im FestSpielHaus München, im Vollmarhaus-Theater, im Oberangertheater), machte Straßentheater und Improvisationstheater. Nebenher jobbte er in München als Kellner, da er von seinen Engagements nicht wirklich leben konnte. Später spielte er weiterhin gelegentlich Theater; Schwerpunkt seiner Tätigkeit als Schauspieler sind jedoch mittlerweile Film und Fernsehen. 2010 spielte er im Leo 17/Theater an der Leopoldstraße in München die Rolle des Said in Die Wände von Jean Genet. 2013 spielte er im „Nachtasyl“ des Thalia Theaters in Hamburg die Rolle des Garcin in Sartres Theaterstück Geschlossene Gesellschaft.[6]

Film und Fernsehen

Ab 2003 arbeitete Kiwitt in deutschen, französischen und internationalen Produktionen für Film und Fernsehen. Er wirkte zunächst in Fernsehfilmen, Diplomfilmen und Kurzfilmen mit. Meistens handelte es sich dabei um kostenlose Engagements in Filmen von Hochschulabsolventen und Mediengestaltern.[4] Ende 2006 erhielt er aufgrund eines Profils im Darstellerverzeichnis Spotlight das Angebot für die Mitwirkung in einer Telenovela bei dem brasilianischen Sender TV Globo.[4] Die Rolle erhielt er nach einem Casting, bei dem er sich gegen 140 Mitbewerber durchsetzen konnte.[5] Er lernte dann kurzfristig Portugiesisch und erarbeitete die Rolle mit einem persönlichen Assistenten.[3][4] Ab März 2007 stand er für die Telenovela Eterna Magia in Brasilien vor der Kamera.[4][5] In insgesamt 147 Folgen spielte er an der Seite von Malu Mader als Pianistin Eva Sullivan die Rolle des zunächst charmanten irischen Arztes Peter Gallagher, der schließlich zum Bösewicht wird und seine frühere Liebe Eva mit Intrigen, Tabletten und Drogen in den Wahnsinn treibt.[4] In Brasilien erreichte er mit seiner Rolle eine hohe Bekanntheit.[4][5] Als er Ende 2007 als brasilianischer Telenovela-Star nach München zurückkam, war er im deutschsprachigen Raum weitgehend unbekannt.

Zurück in Europa spielte er in Independent-Filmen und Fernsehproduktionen mit. 2007 war er neben Axel Milberg, Tom Schilling, Gabrielle Scharnitzky und Leslie Malton in dem im Dezember 2005/Januar 2006 gedrehten Independent-Film Neben der Spur von Detlef Bothe zu sehen.[7] In dem zweiteiligen Fernsehfilm Stauffenberg – Die wahre Geschichte (2009) spielte er Berthold Schenk Graf von Stauffenberg, den älteren Bruder des Hitler-Attentäters Claus Schenk Graf von Stauffenberg. In dem Katastrophenfilm Faktor 8 – Der Tag ist gekommen (2009) hatte er die Rolle des Seuchenschutz-Beauftragten Dr. Reiter.[8] In dem Kinofilm Neben meinem Bruder (2011) verkörperte Kiwitt in einer Doppelrolle die beiden eineiigen Zwillinge mit demselben Namen Thomas.[9] In dem spanischen Kinofilm El regreso de Elías Urquijo (2013) war er in der Titelrolle als enigmatischer Kinderbuchautor Elías Urquijo zu sehen. In dem Kinofilm Saphirblau (2014) spielte er die Rolle des Lancelot de Villiers.

Von Februar 2015 bis März 2015 (Folge 2161 bis Folge 2183) war Pierre Kiwitt in der ARD-Serie Sturm der Liebe zu sehen.[3][10] Er verkörperte die Rolle des schottischen Profi-Rugbyspielers und charismatischen Draufgängers Ian McPherson, der das Liebesleben der Barchefin Natascha Schweitzer (Melanie Wiegmann) durcheinanderbringt.[3][11]

In der 3. Staffel der ZDF-Serie Herzensbrecher – Vater von vier Söhnen (2015) war Kiwitt in einer Episodenhauptrolle zu sehen. Er verkörperte einen Studienfreund von Pastor Andreas Tabarius (Simon Böer), dessen Frau um jeden Preis ein Kind haben möchte. In der ZDF-Fernsehreihe Inga Lindström war Kiwitt in dem Film Willkommen im Leben (2016) in einer Hauptrolle als Buchautor Ben zu sehen. In dem Fernsehfilm Erdbeeren im Frühling, einem Film der Fernsehreihe Rosamunde Pilcher, der im November 2016 im ZDF erstausgestrahlt wurde, spielte Kiwitt den Galeristen Eric Teague, einen verschuldeten Lord und Lebensgefährten der weiblichen Hauptfigur Lilly (Zoe Moore). In der 4. Staffel der ZDF-Serie Dr. Klein (2017) war Kiwitt in einer Episodenrolle als verwitweter, alleinerziehender Vater, dessen achtjähriger Sohn Opfer von Cybermobbing wurde, zu sehen. In der Auftaktfolge der 7. Staffel der ZDF-Serie Letzte Spur Berlin (Erstausstrahlung: Februar 2018) übernahm Kiwitt eine Episodenhauptrolle als GSG-9-Einsatzleiter Jochen Brüning und ehemaliger Vorgesetzter des Kriminaloberkommissars Mark Lohmann (Bert Tischendorf).

In der ZDF-Produktion Team Alpin, der im November 2018 platzierten Bergfilm-Reihe des Senders, übernahm Kiwitt eine der Hauptrollen. Er verkörpert darin, an der Seite von Johanna von Gutzeit, den französischen Bergführer Jean-Luc, den Ehemann der weiblichen Hauptfigur Martina Stadler, die gemeinsam mit zwei Freunden eine Alpinschule eröffnet.[12][13][14] In der Sky-Serie Das Boot (2018–2023) spielte er die Rolle des Korvettenkapitäns und U-Boot-Kommandanten Robert „Bobby“ Schulz, der später als Verbindungsoffizier zur SS agiert.[15] In der ZDF-Reihe Das Traumschiff (2019) spielte Kiwitt in der Japan-Episode eine der Hauptrollen als Familienvater und Ehemann einer ehrgeizigen Lektorin.[16] In der 2. Staffel der TV-Serie Charité (2019) verkörperte Kiwitt an der Seite von Ulrich Noethen und Maximilian Klas den NS-Widerstandskämpfer Claus Schenk Graf von Stauffenberg.[17]

Ab dem 7. Film der TV-Reihe Der Zürich-Krimi, Borchert und die tödliche Falle, der im Januar 2020 erstausgestrahlt wurde, übernahm Kiwitt, als Nachfolger von Felix Kramer, die durchgehende Rolle des Schweizer Polizeihauptmanns Marco Furrer.[18] Seit 2024 gehört er als Weingutbesitzer Alain Montand und Lebensgefährte der Hauptkommissarin Judith Mohn (Christina Hecke) zur festen Besetzung der arte-Kriminalfilmreihe In Wahrheit.[19]

Kiwitt ist Mitglied im Bundesverband der Film- und Fernsehschauspieler. Er wohnt in Berlin.[1]

Filmografie (Auswahl)

Einzelnachweise

  1. a b Pierre Kiwitt. In: schauspielervideos.de. Abgerufen am 28. November 2015.
  2. Pierre KIwitt Profil bei vollfilm.com. Abgerufen am 28. November 2015
  3. a b c d e f Im Gespräch mit Pierre Kiwitt: "Ich werde nervös, wenn ich nicht arbeite" Interview mit Pierre Kiwitt auf: Das Erste. Abgerufen am 28. November 2015
  4. a b c d e f g h i j k l Wie Pierre der Bösewicht in einer brasilianischen Telenovela wurde Porträt in: Süddeutsche Zeitung vom 10. März 2008. Abgerufen am 28. November 2015
  5. a b c d Diesen Deutschen lieben 70 Millionen Brasilianer! in: BILD vom 25. März 2008. Abgerufen am 28. November 2015
  6. Höllenschau unter dem Thalia-Dach in: Hamburger Abendblatt vom 27. Juli 2013. Abgerufen am 28. November 2015.
  7. Neben der Spur. Produktionsdetails/Besetzung. Internetpräsenz b-filme. Abgerufen am 28. November 2015
  8. Faktor 8 - Der Tag ist gekommen (Memento vom 8. Dezember 2015 im Internet Archive). Fernsehkritik; in: Heilbronner Stimme. Abgerufen am 28. November 2015
  9. Neben meinem Bruder. Offizielle Internetpräsenz des Films Neben meinem Bruder. Kurzbiografie/Szenenfotos/Produktionsdetails. Abgerufen am 28. November 2015
  10. Sturm der LIebe: Ehemaliger Nebencast (Alphabetisch) Soaplexikon. Soaps & Telenovelas weltweit. Abgerufen am 28. November 2015
  11. Pierre Kiwitt und Sarah Thonig übernehmen Gastrollen. Pressemitteilung. Abgerufen am 28. November 2015
  12. Team Alpin • Neue Berg-Serie im Zweiten (Memento vom 3. November 2018 im Internet Archive). In: Hörzu vom 27. Juli 2018. Abgerufen am 1. November 2018.
  13. TV-TIPP: Team Alpin (Memento vom 3. November 2018 im Internet Archive). SVZ.de. Abgerufen am 1. November 2018.
  14. ZDF-Reihe „Team Alpin“ – hölzerne Dialoge, tolles Panorama. In: Berliner Morgenpost vom 1. November 2018. Abgerufen am 1. November 2018.
  15. "Das Boot" - Staffel 4. Interview Pierre Kiwitt. Abgerufen am 9. Mai 2026.
  16. ZDF-"Traumschiff" nimmt Kurs auf Hawaii und Japan: Zwei neue Folgen "Kreuzfahrt ins Glück". Pressemitteilung des ZDF. Presseportal.de vom 21. Dezember 2018.
  17. GOLDENE KAMERA-Kandidat: 2. Staffel "Charité". Abgerufen am 14. Februar 2019.
  18. TV-Tipp: "Der Zürich-Krimi: Borchert und der Sündenfall" (ARD). TV-Kritik bei Evangelisch.de. Abgerufen am 15. Januar 2020.
  19. Tilmann P. Gangloff: In Wahrheit – Zwischen Recht und Gerechtigkeit. TV-Kritik bei Tittelbach.tv. Abgerufen am 9. Mai 2026.