Peter P. Rohrlach
Peter-Paul Richard Ludwig Rohrlach (* 20. Juni 1933 in Berlin-Mahlsdorf; † 21. März 2023 in Berlin) war ein deutscher Bibliothekar und Historiker. Er leitete mehrere Jahrzehnte verschiedene Abteilungen der Berliner Stadtbibliothek. Zudem trat er durch seine Arbeit am Historischen Ortslexikon für Brandenburg hervor, einer insgesamt dreizehnbändigen Reihe von Nachschlagewerken zur brandenburgischen Siedlungs- und Ortsgeschichte.[1]
Leben
Peter P. Rohrlach wurde in Berlin-Mahlsdorf als Sohn des kaufmännischen Angestellten Gustav Rohrlach und dessen Ehefrau Elli geb. Koska geboren. Sein Großvater war der Pfarrer der Mahlsdorfer Dorfkirche Johannes Paul Friedrich Rohrlach (1864–1921). Nach dem Besuch der Mahlsdorfer Volksschule von 1939 bis 1943 wechselte er zunächst auf das Gymnasium in Stolp in Pommern (heute polnisch Słupsk) und setzte seine Schulausbildung ab 1946 am Berlinischen Gymnasium zum Grauen Kloster in Berlin (Ost) fort, das er bis 1953 besuchte. Dort war er 1947 an der Rettung von rund 6000 Bänden der Schulbibliothek aus den Ruinen des alten Gebäudes in der Klosterstraße beteiligt. Im Anschluss nahm er ein Studium der Geschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin auf und studierte von 1955 bis 1961 Rechts- und Staatswissenschaften an der Freien Universität Berlin. Nach dem Bau der Berliner Mauer 1961 kehrte er an die Humboldt-Universität zurück, wo er 1985 den Abschluss als Diplom-Historiker erwarb und 1987 zum Dr. phil. promovierte.[1]
Bereits seit 1961 war Rohrlach an der Berliner Stadtbibliothek tätig, ab 1966 als Leiter der Abteilung Historische Sondersammlungen, von 1972 bis 1996 als Leiter der Fachabteilung Berlin-Bibliothek und von 1980 bis 1996 zusätzlich als Leiter der Ratsbibliothek. Von 1980 bis 1998 war er Leiter der Hauptabteilung Wissenschaftliche Fachbibliotheken und stellvertretender Direktor der Berliner Stadtbibliothek. In dieser Funktion befasste er sich auch mit Sammlungsbeständen des Vereins für die Geschichte Berlins, die nach dem Zweiten Weltkrieg in die Stadtbibliothek gelangt waren.[1]
Rohrlach trat 1996 dem Verein für die Geschichte Berlins bei, engagierte sich dort als Vorstandsmitglied und setzte sich für die Unterbringung der Vereinsbibliothek in Räumen der Zentral- und Landesbibliothek Berlin ein. 2005 wurde er für seine wissenschaftlichen Leistungen und sein Engagement um den Erhalt der Kunst- und Kulturschätze der Streitschen Stiftung mit der Fidicin-Medaille ausgezeichnet. Bereits seit 1970 gehörte er dem Vorstand der Streitschen Stiftung an, zunächst als Mitglied des Notvorstandes in Berlin (Ost) und nach der Wiedervereinigung als reguläres Mitglied.[1] Seit 1954 war Rohrlach außerdem Mitglied der Landesgeschichtlichen Vereinigung für die Mark Brandenburg; von 1992 bis 2006 fungierte er dort als dritter Vorsitzender. Zudem war er ein Ehrenmitglied des Vereins.[2]
Neben seiner bibliothekarischen Tätigkeit profilierte sich Rohrlach als Landeshistoriker. Er bearbeitete für das Historische Ortslexikon für Brandenburg die Bände zu Zauch-Belzig, Lebus sowie Jüterbog-Luckenwalde und legte 2018 nach jahrzehntelanger Arbeit ein zweibändiges Historisches Ortslexikon für die Altmark vor, das vom Brandenburgischen Landeshauptarchiv und vom Landesarchiv Sachsen-Anhalt herausgegeben wurde. Das Historische Ortslexikon für die Altmark ist mit 2904 Inhaltsseiten der mit Abstand umfangreichste Band der Reihe[3] und gilt als Rohrlachs wissenschaftliches Lebenswerk.[1]
Rohrlach starb am 21. März 2023 im Alter von 89 Jahren in Berlin.
Werke (Auswahl)
- Historisches Ortslexikon für Brandenburg. In: Klaus Neitmann (Hrsg.): Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs
- Teil V. Zauch-Belzig, 1977
- Teil VII. Lebus, 1983
- Teil X. Jüterbog-Luckenwalde, 1992
- Teil XI. Orts- und Personenregister (mit Lieselott Enders), 1995
- Teil XII. Historisches Ortslexikon für die Altmark, zwei Bände, 2018
- Teil VII. Lebus, 1983
- Berliner Adressbücher und Adressenverzeichnisse 1704–1945. Eine annotierte Bibliographie mit Standortnachweis für die "ungeteilte" Stadt (mit Werner Heegewaldt), Scherer-Verlag, Berlin 1990, ISBN 978-3-89433-170-2.
- Geschichte der Familie Rohrlach aus Papenbruch bei Wittstock in der Prignitz, Scherer-Verlag, Berlin 1997, ISBN 978-3-89433-034-7.
- Der Vorstand der Streitschen Stiftung zu Berlin: Kurzbiographien seiner Mitglieder von 1752 bis zur Gegenwart (mit Werner Heegewaldt), Scherer-Verlag, Berlin 2011, ISBN 978-3-89433-037-8.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e Martin Mende: Peter Rohrlach †. Nachruf in: Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Berlins. 119. Jg., Heft 3, Berlin Juli 2023, S. 585–586.
- ↑ Landesgeschichtliche Vereinigung für die Mark Brandenburg (Hrsg.): Peter P. Rohrlach verstorben In: Geschichte-Brandenburg.de, 23. März 2023, Stand 19. Januar 2026.
- ↑ Klaus Neitmann: Ein Rückblick auf das „Historische Ortslexikon für Brandenburg“ und auf Peter P. Rohrlachs Anteil am Langzeitvorhaben des Brandenburgischen Landeshauptarchivs In: Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für die Altmark (= Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil XII). Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-8305-2235-5, S. 7–17.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Rohrlach, Peter P. |
| ALTERNATIVNAMEN | Rohrlach, Peter-Paul Richard Ludwig (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Bibliothekar und Historiker |
| GEBURTSDATUM | 20. Juni 1933 |
| GEBURTSORT | Berlin-Mahlsdorf |
| STERBEDATUM | 21. März 2023 |
| STERBEORT | Berlin |