Perugino

Perugino, gemalt von Raffael oder Lorenzo di Credi, 1504 (Uffizien, Florenz)
Selbstporträt (Ausschnitt aus einem Fresko im Palazzo dei Priori in Perugia)

Pietro Perugino (* um 1445/1448 in Città della Pieve, heute Provinz Perugia; † Februar oder März 1523 in Fontignano bei Perugia), geboren als Pietro Vannucci, meist kurz Perugino genannt, war ein italienischer Maler der Renaissance. Er galt als der wichtigste Meister der Umbrischen Schule und war der Lehrer Raffaels, dessen Vater Giovanni Santi ihn in einem Gedicht auf seine Zeitgenossen als „göttlichen Maler“ titulierte. In Raffaels Frühwerk ist sein Einfluss unübersehbar.

Leben

Pietro Perugino wurde als Pietro Vannucci geboren und stammte aus einer wohlhabenden Familie. Er wurde auch Pietro di Cristoforo Vannucci genannt, das heißt: „Pietro, Sohn des Cristoforo Vannucci“. Sein Beiname Perugino, unter dem er heute bekannt ist, bedeutet „aus Perugia“.

Seine Lehrmeister waren vermutlich Piero della Francesca und Andrea del Verrocchio, in dessen Werkstatt ebenfalls Domenico Ghirlandaio, Leonardo da Vinci und Lorenzo di Credi ausgebildet wurden. Sein 1473 entstandenes Werk Szenen aus dem Leben des hl. Bernard (Tempera auf Holz, evtl. zusammen mit Pinturicchio) ist heute in der Galleria Nazionale dell’Umbria in Perugia zu besichtigen.

1481 entstand sein bekanntestes Gemälde, Christus übergibt Petrus die Schlüssel (italienisch Consegna delle chiavi a Pietro, 3,35 × 5,50 m), eines der Werke aus dem Wandfreskenzyklus in der Sixtinischen Kapelle im Vatikan, an dem die damals gefeiertsten Maler Italiens mitwirkten. Die perspektivische Tiefenstreckung beeindruckte die Menschen der Zeit besonders. Weitere Fresken in der Sixtinischen Kapelle aus der Werkstatt Peruginos sind die Taufe Christi und die Wanderung des Mose nach Ägypten.

Danach galt Perugino als der berühmteste Maler des Landes. Das verleitete ihn offensichtlich zu einer Massenproduktion (hauptsächlich Marienbildnisse) in zwei Ateliers in Perugia und Florenz. Die Fresken waren von einer fantastischen Klarheit und Plastizität. Die von ihm porträtierten Menschen strahlen eine besondere Würde und Anmut aus. Seine Werke wurden oft kopiert.

Bedeutende Werke

Vermählung der Jungfrau
  • 1472–1473 Wunder der Erhängten im Louvre in Paris ist eines der frühesten bekannten Werke des Meisters; es war ursprünglich Teil der Predella eines bislang nicht identifizierten Altarbildes
  • 1472–1475 Pietà mit Heiligen Hieronymus und Maria Magdalena in der Galleria Nazionale dell'Umbria in Perugia ist ein weiteres Frühwerk
  • 1481 Christus übergibt Petrus die Schlüssel, Sixtinische Kapelle, Vatikan (siehe oben)
  • 1485 Kreuzigung, Portiuncula in Assisi
  • etwa 1489–1493 Vision des Heiligen Bernhard in der Alten Pinakothek in München
  • vermutlich in den 1490er Jahren Der hl. Sebastian an der Säule, heute im Louvre, das vielleicht gelungenste Gemälde Peruginos mit diesem Motiv
  • 1491 Albani-Torlonia-Polyptychon in der Sammlung Albani Torlonia in Rom, nach einhelliger Kritikermeinung eines der Meisterwerke Peruginos
  • 1493 Maria mit Kind und den hll. Petrus, Johannes Evangelist, Johannes d. Täufer und Paulus, beauftragt als Altarbild, heute im Kunsthistorischen Museum in Wien
  • 1493–1496 Pazzi-Kreuzigung, Santa Maria Maddalena dei Pazzi in Florenz
  • zwischen 1494 und 1498 Pietà mit den hll. Nikodemus und Joseph von Arimathäa im Sterling and Francine Clark Art Institute, Williamstown, Massachusetts; die besondere Farbgebung wird auf Peruginos Venedigaufenthalte zurückgeführt
  • 1495 Beweinung Christi, eines der Hauptwerke des Meisters, Galleria Palatina in Florenz
  • um 1495 Maria mit Kind und Johannesknaben, eine von zahlreichen Mariendarstellungen Peruginos, heute im Städel Museum in Frankfurt am Main
  • 1496–1500 Polyptychon, San Pietro, Perugia (jetzt verteilt auf die Museen von Lyon, Nantes, Rouen und dem Vatikan)
  • 1497–1500 Fresken im Collegio del Cambio, Perugia
  • 1498–1502 zwei Gemälde Büßender hl. Hieronymus in Wien und Caen
  • 1500 Pala di Vallombrosa, ein Altarbild mit der Himmelfahrt Marias, jetzt in der Accademia di Belle Arti in Florenz; dazu gehörten zwei Porträtbilder, heute in den Uffizien
  • um 1500 Hl. Maria Magdalena in der Galleria Palatina in Florenz
  • 1503 Vermählung der Jungfrau, Altarbild für die Kapelle des Heiligen Rings im Dom von Perugia, 1797 von napoleonischen Truppen geraubt, jetzt im Musée des Beaux-Arts in Caen
  • 1505 Der Kampf zwischen Liebe und Keuschheit, eines der wenigen erhaltenen mythologischen Gemälde Peruginos, ursprünglich für die Sammlung der Isabella d’Este und heute im Louvre
  • zwischen 1512 und 1517 Seliger Jakobus von der Mark, ein Spätwerk des Meisters, aufbewahrt in der Galleria Nazionale dell’Umbria in Perugia

Ausstellungen

  • 2004: Perugino – il divin pittore, Perugia, Galleria Nazionale dell’Umbria
  • 2011: Perugino – Raffaels Meister, Alte Pinakothek, München

Literatur

Monografien:

  • Andreas Schumacher (Hrsg.): Perugino – Raffaels Meister. 1. Auflage. Hatje Cantz Verlag, 2011, ISBN 978-3-7757-3159-1.
  • Joseph Antenucci Becherer (Hrsg.): Pietro Perugino: Master of the Italian Renaissance. Rizzoli, New York 1997, ISBN 0-942159-20-9.
  • Fiorenzo Canuti: Il Perugino. La Diana, Siena 1983 (Repr.), ISBN 88-85659-07-1.
  • Vittoria Garibaldi: Perugino. Giunti Editore 2004, ISBN 88-09-03544-5.
  • Pietro Scarpellini: Perugino. Electa, Milano 1991, ISBN 88-435-3586-2.
  • Sheri Francis Shaneyfelt: Painting in Renaissance Perugia : Perugino, Raphael, and their circles, Cambridge : Cambridge University Press, 2023, ISBN 978-1-009-26558-4

Werkverzeichnisse:

  • Ettore Camesasca (Hrsg.): Tutta la pittura del Perugino. Rizzoli, Milano 1959.
  • Carlo Castellaneta, Ettore Camesasca (Hrsg.): L’opera completa del Perugino. Rizzoli, Milano 1969.
  • Vittoria Garibaldi: Perugino. Catalogo completo. Octavo, Firenze 2000, ISBN 88-8030-091-1.

Sonstige:

  • Giorgio Vasari: Lives of the Most Eminent Painters Sculptors and Architects. Volume IV: Filippino Lippi to Domenico Puligo 1913. Newly translated by Gaston du C. de Vere. In ten Volumes (online S. 33, englisch)
  • Giorgio Vasari: Das Leben des Perugino und des Pinturicchio. Neu ins Deutsche übersetzt von Victoria Lorini. Hrsg., kommentiert von eingeleitet von Rudolf Hiller von Gaertringen. Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 2011, ISBN 978-3-8031-5051-6.
  • Ingeborg DorchenasPietro Perugino. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 7, Bautz, Herzberg 1994, ISBN 3-88309-048-4, Sp. 229–236.
Commons: Pietro Perugino – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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Cappella Sistina (Viaggio di Mosè e circoncisione del suo secondo figlio).
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Pietro Perugino: Madonna col Bambino.

Cat. no. 62 in Vittoria Garibaldi: Perugino. Catalogo completo. Octavo, Firenze 2000, ISBN 88-8030-091-1
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Cat. no. 66 in Vittoria Garibaldi: Perugino. Catalogo completo. Octavo, Firenze 2000, ISBN 88-8030-091-1
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Pietro Perugino: San Sebastiano.

Cat. no. 22 in Vittoria Garibaldi: Perugino. Catalogo completo. Octavo, Firenze 2000, ISBN 88-8030-091-1
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Pietro Perugino: Pala dei Decemviri (Vergine in trono col Bambino tra San Costanzo, Sant’Ercolano, San Lorenzo e San Ludovico).

Cat. no. 41 in Vittoria Garibaldi: Perugino. Catalogo completo. Octavo, Firenze 2000, ISBN 88-8030-091-1
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Pietro Perugino: Annunciazione.

Cat. no. 23 in Vittoria Garibaldi: Perugino. Catalogo completo. Octavo, Firenze 2000, ISBN 88-8030-091-1
Pietro Perugino - Baptism of Christ - Sistine Chapel - cat13a.jpg
first painting on the North Wall, from left/west to right/east