Pemmo (Friaul)

Gedenktafel am Altar des Ratchis, des Sohnes Pemmos, den er zum Gedenken an seinen Vater aufstellen ließ (fotografiert während des Ersten Weltkrieges)

Pemmo war etwa von 706 bis 739 dux (Herzog) des langobardischen Herzogtums Friaul.

Leben

Pemmo war ein Sohn des Billo aus dem Ort Bellunum (Belluno), der wegen eines Aufstandes nach Forum Julii (Cividale) geflohen war. Pemmo war mit Ratperga verheiratet, mit der er die Söhne Ratchis, Ratchait und Aistulf hatte (Historia Langobardorum VI, 25-26), die später zu höchsten Ämtern aufstiegen.

Paulus Diaconus, sein Zeitgenosse, schätzte Pemmo sehr. So schrieb er in seiner Langobardengeschichte über das Verhältnis zu Ratperga, die wegen ihrer bäuerlichen Erscheinung ihren Mann drängte, sich von ihr scheiden zu lassen: „Sed ipse, ut erat vir sapiens, plus eius mores et humilitatem verecundamque pudicitiam quam corporis pulchritudinem sibi conplacere dicebat. De hac igitur coniuge tres Pemmo filios, hoc est Ratchis et Ratchait et Ahistulfum, viros strenuos, genuit. Quorum nativitas humilitatem matris ad gloriam erexit.“ Wolfgang Schwarz übersetzte dies mit: ‚Er aber, weise wie er war, erklärte, dass er ihren Charakter, ihre Bescheidenheit und ihren menschlichen Anstand mehr schätze als ein attraktives Äußeres. Von dieser Frau hatte Pemmo drei Söhne, Ratchis, Ratchait und Aistulf, alles tüchtige Männer. Die Tatsache, dass sie ihre Kinder waren, adelte die Einfachheit der Mutter.‘

Als Nachfolger des abgesetzten Corvolus wurde Pemmo dux des Friaul. In seinem Haushalt zog er die Waisen der im letzten Krieg gegen die Slawen gefallenen Langobarden mit seinen eigenen Söhnen auf.

Als die Slawen in Lauriana einfielen, vermutlich im oberen Drautal gelegen, marschierte Pemmo ihnen mit seinen inzwischen erwachsenen Zöglingen entgegen, vor allem aber mit den Nachkommen der Adligen, die in einer verheerenden Niederlage ums Leben gekommen waren. Die Slawen erlitten hohe Verluste, während Pemmo (angeblich) nur einen Mann verlor, bevor ein Friedensvertrag geschlossen wurde (Historia Langobardorum VI, 45). Pemmo schuf sich mit den jungen Männern, die an seinem Hof aufgewachsen waren, eine schlagkräftige Armee, die ihre Basis ausschließlich im Friaul hatte.

Als der Patriarch Calixtus von Aquileia den exilierten Bischof Amator von Julia Carnica aus Forum Julii vertrieb, griff Pemmo ein und nahm den Patriarchen Calixtus gefangen. König Liutprand, der im Patriarchat eine Möglichkeit sah, ein Gegengewicht gegen den Regionaladel zu schaffen, setzte daraufhin Pemmo ab und übergab das Dukat um 739 dessen Sohn Ratchis. Pemmo wollte mit seinen Anhängern zu den Slawen fliehen, doch Ratchis konnte den König zur Versöhnung bewegen, und Pemmo zur Rückkehr. Dies geschah jedoch unter demütigenden Bedingungen. Pemmo wurde mit seinen Söhnen Ratchait und Aistulf begnadigt, die anderen Missetäter wurden eingesperrt (Historia Langobardorum VI, 51).

Der Ratchis-Altar im Museo Cristiano di Cividale del Friuli.

Pemmos weiteres Leben ist nicht überliefert, ob der eingesperrt wurde, ist unklar. Er hatte in Cividale eine Art dynastisches Mausoleum errichten lassen. Diese Ambitionen einer Dynastiegründung könnten der Grund gewesen sein, warum Liutprand den Herzog stürzte.

Ratchis stiftete zu Ehren seines Vaters Pemmo einen Altar. Die Inschrift berichtet vom ‚berühmten und edlen Pemmo‘, der die zerstörte Johannes-Kirche wiederaufbaute und mit vielen Geschenken bereicherte, darunter mit einem Kreuz aus feinem Gold, und dass sein Sohn Ratchin den Altar mit wunderschön gefärbtem Marmor verziert hatte. Das letzte Wort sollte dabei die Fara Pemmos bezeichnen.[1]

DE MAXIMA DONA XPI AD CLARIT SVBEIMI CONCESSA PEMMONI VBIQVE DIRVTO
fORMARENTVR VT TEMPLA NAM EI INTER RELIQVAS
SOLARIVM BEATI JOHANNIS ORNABIT PENDOLA EX AVRO PVLCHRO ALT
ARE DITABIT MARMORIS COLORE RAT.CHIS HIDEBOHRIT.

Quellen

Literatur

Wikisource: Historia Langobardorum – Quellen und Volltexte (Latein)

Anmerkungen

  1. Thomas Hodgkin: Italy and her Invaders. 600–744, Bd. VI, Buch VII: The Lombard Kingdom, Clarendon Press, Oxford 1895, S. 334, Anm. 1 (online).
VorgängerAmtNachfolger
CorvolusHerzog des Friaul
706–739
Ratchis

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Gedenktafel für den longobard.Herzog Pemmo am Altar der Kirche S.Martino in Cividale VIII.Jhdt. 22.7.18 (BildID 15620871).jpg
Gedenktafel für den longobard.Herzog Pemmo am Altar der Kirche S.Martino in Cividale VIII.Jhdt. 22.7.18
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Cividale, museo cristiano, altare del duca rachis