Pagenkorps

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Pagenkorps in Berlin-Lichterfelde

Das Pagenkorps (franz.: Corps des Pages) war die Sammelbezeichnung für eine Gruppe der Hofbediensteten seit dem 18. Jahrhundert. Als Pagen dienten vor allem junge Adlige, die durch ihre Tätigkeit an Fürstenhöfen auf die eigene Laufbahn vorbereitet wurden, sowie Kadetten der Kadettenanstalten. Sie lernten die Gepflogenheiten des höfischen Protokolls sowie Vorgehensweisen der Politik. Das Pagenkorps wurde vom Pagengoverneur geleitet. Im Folgenden sind nur einige bekannte Einrichtungen genannt. Ein Sonderfall war das Pagenkorps in Sankt Petersburg, das als eigenständige Schule ausgebildet war. Vergleichbare Einrichtungen sind auch für Frankreich, Thailand und andere Staaten bezeugt.

Preußen

1798 bestand das Hof-Pagen-Institut in Preußen aus dem Pagengoverneur, einem Hofmeister, zwei Leibpagen sowie zwölf Hofpagen.[1] Zöglinge des Potsdamer Hofpageninstituts hatten zuvor eine Ausbildung an der Berliner Kadettenakademie erhalten.[2]

Deutscher Kaiserhof

Das Pagenkorps am deutschen Kaiserhof bestand aus 30 bis 40 ausgewählten Zöglingen der Preußischen Hauptkadettenanstalt in Lichterfelde. Das Handbuch über den preußischen Hof und Staat spezifiziert für den Hof Wilhelms II. das Hof-Pagen-Institut, das aus jeweils zwei Leibpagen (für Kaiser und Kaiserin) und 24 Hofpagen bestand.[3] Der verantwortliche Pagengoverneur hatte die Kadetten auf ihren Dienst am Hof vorzubereiten. Vor allem anlässlich feierlichen Gelegenheiten, zu denen bei Hofe Pagendienste geleistet werden mussten, hatte der Pagengoverneur Ausbildung und Überwachung zu gewährleisten.[4]

Königshof Hannover

Im „Pagen-Reglement“ des Handbuchs zur Einrichtung und Führung eines Hofhaltes – Der Hofmarschall von Carl Ernst von Malortie wurde festgelegt,[5] dass am Hannoverschen Hof der Kommandeur der Kadettenkompanie als Pagengoverneur fungierte, die Kadetten hatten die Funktionen der Pagen zu übernehmen.[6] Der Pagengoverneur unterstand dem Hofmarschallamt und hatte den Pagen die erforderlichen Anweisungen über ihre Dienstleistungen zu erteilen und während der Hoffeste den Dienst der Pagen (in der Regel Schleppetragen und Aufwarten bei Tafel) persönlich zu leiten und zu überwachen. Er hatte die Uniformen der einzusetzenden Pagen aus den Händen des Oberhofkommissars zu empfangen und diesem nach Gebrauch wieder zurückzugeben. Auch hatte der Pagengoverneur dem Oberhofmarschallamt Vorschläge über einzusetzende Pagen zu machen; die letzte Entscheidung lag jedoch beim Oberhofmarschallamt. Ebenso wie dem Hofmarschall hatte der Pagengoverneur auch dem Leiter der Kadettenanstalt Meldung zu erstatten.[5]

Russisches Kaiserreich

Das Pascheskie Korpus (russisch Пажеский корпус) war eine Militärakademie im Russischen Kaiserreich, in der die Söhne der Adligen und Söhne von hohen Militärs auf den Militärdienst vorbereitet wurden.

Weblinks

  • Bruno Frank: Friedrich-Erzählungen (pdf; 2,78 MB)

Einzelnachweise

  1. Handbuch über den Koniglich Preussischen Hof und Staat für das Jahr 1798. George Decker (Druck), Berlin 1798, S. 11.
  2. Cunow: Beiträge für die Kunde des preussischen Staats. Franzen und Grosse, Stendal 1799, S. 128.
  3. John C. G. Röhl, Kaiser, Hof und Staat: Wilhelm II. und die deutsche Politik, ISBN 978-3-40649-4-055, Beck'sche Reihe, C.H.Beck, 2002, S. 89
  4. Brockhaus Konversationslexikon, Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894–1896, S. 877, Stichwort: Hauptkadettenanstalt, bei retrobibliothek.de
  5. a b Carl Ernst von Malortie, Pagen-Reglement, in: Der Hofmarschall: Handbuchs zur Einrichtung und Führung eines Hofhaltes, Verlag der Hahnschen Hofbuchhandlung, Hannover 1846, S. 147-151
  6. Hofstaat seiner Majestät des Königs, in: Hof- und Staatshandbuch für das Königreich Hannover auf das Jahr 1846, Druck und Verlag der Berenbergschen Buchdruckerei, 1846, S. 3

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Es folgt die historische Originalbeschreibung, die das Bundesarchiv aus dokumentarischen Gründen übernommen hat. Diese kann allerdings fehlerhaft, tendenziös, überholt oder politisch extrem sein.
Im Pagendienst
Dem Pagenkorps anzugehören ist ein altes Vorrecht des adligen Kadetten. Ein besonderer Vorzug ist es, Leibpage einer dem kaiserlichen Hause angehörenden hohen Persönlichkeit zu sein, was sich an der kleidsamen Pagentracht durch silberne Tressen kenntlich macht. Im Winter, wenn die Hoffestlichkeiten die Pagen zum Dienst ins kaiserliche Schloß rufen, bringt eine lange Wagenkolone die in warme Mäntel gehüllte Pagenschaar von der Lichtenfelder Pagenkammer nach dem Orte ihrer Tätigkeit, wo sie manche schöne Erinnerung ins Leben mit hinausnehmen können.