Otto Preminger

Otto Preminger (1976)

Otto Ludwig Preminger (* 5. Dezember 1905 in Wiznitz, Bukowina, Österreich-Ungarn; † 23. April 1986 in New York City, Vereinigte Staaten) war ein österreichischer Filmregisseur, Filmproduzent, Schauspieler, Theaterregisseur und Theaterdirektor mit US-amerikanischer Staatsbürgerschaft. Bekannt wurde er durch Filme wie Laura (1944), Faustrecht der Großstadt (1950), Der Mann mit dem goldenen Arm (1955), Anatomie eines Mordes (1959) und Sturm über Washington (1962).

Leben

Otto Preminger wurde als Sohn der assimilierten Juden Markus und Josefa Preminger geboren. Der Vater war als Staatsanwalt tätig. Während des Ersten Weltkriegs zog Markus Preminger mit seiner Familie nach Graz, um einer Invasion der zaristischen Armee und einem Leben unter russischer Besatzung zu entgehen. Über Graz gelangte er schließlich nach Wien. Preminger studierte an der Universität Wien Rechtswissenschaft und schloss 1928 mit der Promotion ab. Neben seinem Studium widmete er sich der Schauspielerei, trat in kleinen Rollen unter Max Reinhardt am Theater in der Josefstadt auf und war dessen Assistent in Salzburg. Größere Rollen spielte er unter anderem am Deutschen Theater in Prag. 1925 führte er in Aussig an der Elbe erstmals Regie. 1929 übernahm er gemeinsam mit Jakob Feldhammer die Direktion der Volksoper als "Neues Wiener Schauspielhaus" (bis 15. Juli 1931). 1931 kehrte er als Regisseur ans Theater in der Josefstadt zurück und war dort Direktor von 1933 bis 1935.

1931 drehte Preminger seinen ersten Film, Die große Liebe, der ihn nach seinen erfolgreichen Theaterinszenierungen in Hollywood und New York weiter bekannt machte. Im Oktober 1935 ging er in die USA, drehte dort zahlreiche Kinofilme und wirkte in mehreren Filmen auch als Schauspieler mit. Er blieb jedoch auch dem Theater treu, bis in die sechziger Jahre arbeitete er als Theaterregisseur in New York. Preminger gehörte zu den vielseitigsten Regisseuren Hollywoods; er drehte Komödien, Kriminalfilme, Western und Literaturverfilmungen. Als er bei der 1938 erfolgten Verfilmung von Robert Louis Stevensons Kidnapped eigenmächtig das Drehbuch änderte, wurde er entlassen. Erst 1942 gelang ihm die Rückkehr nach Hollywood. 1944 sorgte Premingers Thriller Laura für Aufsehen. Obschon dieses Meisterwerk des Film noir im Studio auf Ablehnung stieß, fand der Film bei Publikum und Presse großen Anklang.

1953 gründete Preminger eine eigene Produktionsgesellschaft und musste so nicht mehr auf die Selbstzensur Hollywoods Rücksicht nehmen. 1955 griff er ein Tabuthema auf, als er Der Mann mit dem goldenen Arm, das Porträt eines Rauschgiftsüchtigen in den Elendsvierteln von Chicago, drehte. Nicht zuletzt sein Film Anatomie eines Mordes (1959) trug dazu bei, dass die innere Zensur immer öfter unterlaufen und schließlich aufgegeben wurde. Preminger drehte auch den ersten Film mit ausschließlich schwarzen Darstellern: Carmen Jones (1954) nach Georges Bizets Oper Carmen. Doch nicht allein für „schockierende“ Themen war Preminger bekannt. Seine subtile und präzise Führung der Schauspieler brachte ihm große Anerkennung. Ein zentrales Werk in Premingers Schaffen ist der Film Bonjour Tristesse (1958) nach dem gleichnamigen Roman von Françoise Sagan. Er wurde mit hymnischen Kritiken gefeiert und hatte für die späteren Regisseure der französischen Nouvelle Vague Vorbildcharakter.

1977 veröffentlichte Preminger seine Autobiography. Ab 1983 lebte er, an Alzheimer und Krebs erkrankt, zurückgezogen in Hollywood. Sein Sohn Erik Lee Preminger ist ebenfalls als Regisseur und Filmproduzent tätig, sein Bruder war der Schauspielagent und Filmproduzent Ingo Preminger.

Otto Preminger starb 1986 im Alter von 80 Jahren. Seine letzte Ruhestätte befindet sich auf dem Woodlawn Cemetery im New Yorker Stadtbezirk Bronx.[1]

Filmografie (Auswahl)

Auszeichnungen

Republik Österreich:

  • 4. Dezember 1935: Ritterkreuz des österreichischen Verdienstordens[2]

Locarno International Film Festival

Hollywood Walk of Fame

  • Stern auf dem Walk of Fame: 6624 Hollywood Blvd.

Im Jahr 2008 wurde in Wien-Landstraße (3. Bezirk) die Otto-Preminger-Straße nach ihm benannt.

Retrospektive

Literatur

  • Giulia Carluccio, Linda Cena: Otto Preminger. Nuova Italia, Firenze 1990, OCLC 24409124 (italienisch).
  • Willi Frischauer: Behind the Scenes of Otto Preminger: An Unauthorised Biography. Joseph, London 1973, ISBN 978-0-7181-1170-0 (englisch).
  • Chris Fujiwara: The World and Its Double: The Life and Work of Otto Preminger. Faber and Faber, New York 2008, ISBN 978-0-571-22370-1 (englisch).
  • Norbert Grob, Rolf Aurich, Wolfgang Jacobsen: Otto Preminger. Jovis, Berlin 1999, ISBN 978-3-931321-59-8.
  • Foster Hirsch: Otto Preminger: The Man Who Would Be King. Alfred A. Knopf, New York 2007, ISBN 978-0-375-41373-5 (englisch).
  • Wolfgang Jacobsen: Preminger, Otto Ludwig. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 20, Duncker & Humblot, Berlin 2001, ISBN 3-428-00201-6, S. 693 f. (Digitalisat).
  • Gérard Legrand, Jacques Lourcelles, Michel Mardore: Otto Preminger. Cinémathèque Française, Paris 1993, ISBN 978-2-87340-089-7 (französisch).
  • Jacques Lourcelles: Otto Preminger. Seghers, Paris 1965, OCLC 2910388 (französisch).
  • Gerald Pratley: The Cinema of Otto Preminger. A.S. Barnes & Co, New York 1971, ISBN 978-0-498-07860-6 (englisch).
  • Otto Preminger: Preminger: An Autobiography. Doubleday, Garden City, NY 1977, ISBN 978-0-385-03480-7 (englisch).
  • Uwe Harten: Preminger, Otto. In: Oesterreichisches Musiklexikon. Online-Ausgabe, Wien 2002 ff., ISBN 3-7001-3077-5; Druckausgabe: Band 4, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2005, ISBN 3-7001-3046-5.

Weblinks

Commons: Otto Preminger – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. knerger.de: Das Grab von Otto Preminger
  2. vgl. Ehrenzeichenkanzlei Zahl 17.226/2144 aus 1935

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