Organisierte Kriminalität

Der Begriff organisierte Kriminalität bezeichnet allgemein Gruppierungen, die kriminelle Ziele systematisch verfolgen. Fachsprachlich wird der Begriff genauer definiert. Der an der Allgemeinsprache orientierte Duden verzeichnet die Schreibweise organisierte Kriminalität.[1] Die alternative Schreibweise Organisierte Kriminalität (Abkürzung OK) wird vor allem fachsprachlich verwendet. Umgangssprachlich wird diese auch mit der Bandenkriminalität in Verbindung gebracht.

Definitionen

Deutschland

In Deutschland wird organisierte Kriminalität wie folgt definiert:

„Organisierte Kriminalität ist die von Gewinn- oder Machtstreben bestimmte planmäßige Begehung von Straftaten, die einzeln oder in ihrer Gesamtheit von erheblicher Bedeutung sind, wenn mehr als zwei Beteiligte auf längere oder unbestimmte Dauer arbeitsteilig
    a) unter Verwendung gewerblicher oder geschäftsähnlicher Strukturen,
    b) unter Anwendung von Gewalt oder anderer zur Einschüchterung geeigneter Mittel oder
    c) unter Einflussnahme auf Politik, Massenmedien, öffentliche Verwaltung, Justiz oder Wirtschaft
zusammenwirken. Der Begriff umfasst nicht Straftaten des Terrorismus.“[2] [3]

Im Gegensatz zum Terrorismus, bei dem Straftaten zum Erreichen politischer Ziele verübt werden, sind die im Rahmen der organisierten Kriminalität verübten Straftaten durch die (materielle) Gewinnerzielungsabsicht der Täter gekennzeichnet. Nicht profitorientierte Verbrechen (z. B. politisch oder religiös motivierte) fallen also nicht unter die Definition der organisierten Kriminalität. Im deutschen Strafgesetzbuch wird daher auch zwischen organisierter Kriminalität (§ 129, Bildung krimineller Vereinigungen) und Terrorismus (§ 129a, Bildung terroristischer Vereinigungen) unterschieden.

In der Realität fällt die Unterscheidung zwischen diesen unterschiedlichen Formen allerdings schwer, da sich terroristische Gruppierungen in zunehmendem Maße der organisierten Kriminalität bedienen, um sich zu finanzieren oder um Kontakte mit kriminellen Netzwerken zu knüpfen, die z. B. für den Kauf von Waffen hilfreich sind. Gleichzeitig kann es für die organisierte Kriminalität von Vorteil sein, Kontakte mit terroristischen Gruppen zu knüpfen, da von letzteren begangene Straftaten in den meisten Staaten anders bestraft werden als „gewöhnliche Kriminalität“.

Transnationale organisierte Kriminalität

Organisierte Kriminalität ist laut dem Übereinkommen der Vereinten Nationen vom 15. November 2000 gegen die grenzüberschreitende organisierte Kriminalität dann länderübergreifend (transnational), wenn mindestens eines der folgenden Kriterien erfüllt ist: Die organisierte Kriminalität wird

  • in mehr als einem Staat ausgeübt;
  • in einem Staat begangen, aber ein großer Teil ihrer Vorbereitung, Planung, Leitung oder Kontrolle geschieht in einem anderen Staat;
  • in einem Staat begangen, aber eine organisierte kriminelle Gruppierung ist daran beteiligt, die in mehr als einem Staat aktiv ist;
  • in einem Staat begangen, aber hat starke Auswirkungen auf einen anderen Staat.[4]

Bedeutende organisierte kriminelle Aktivitäten wie z. B. Schmuggel oder Menschenhandel sind transnational.

Kennzeichen

Organisierte Kriminalität tritt in hierarchisch aufgebauten Organisationsformen auf; es gibt aber auch netzwerkartige, funktional differenzierte Organisationsformen. Unabhängig davon werden kriminelle Organisationen häufig durch ethnische Solidarität, Sprache, Sitten sowie sozialen und familiären Hintergrund zusätzlich abgestützt. So entsteht unter den einzelnen Mitgliedern ein System persönlicher und geschäftlicher kriminell nutzbarer Verbindungen, in dem oft sehr feste Autoritäts- und Abhängigkeitsverhältnisse und Sanktionsmöglichkeiten für Abweichler bestehen.

Wegen des planmäßigen, langfristig orientierten Vorgehens und der geschäftsähnlichen Strukturen (systematische Beuteverwertung, Arbeit auf Bestellung, präzise Planung, Erkundung von Bedürfnissen des Marktes) ist es nicht verwunderlich, dass die Täter der organisierten Kriminalität mehrheitlich professionell vorgehen. Um die Struktur der Gruppe geheim zu halten und Identifizierungen zu vermeiden, werden oft Strohmänner eingesetzt.

Ein Kennzeichen der organisierten Kriminalität ist die Hilfe für Gruppenmitglieder von Seiten der Organisation. So werden beispielsweise teure Anwälte und hohe Kautionsbeiträge bezahlt, Fluchthilfe geleistet, andere an Gerichtsverfahren Beteiligte eingeschüchtert und Entlastungszeugen bereitgestellt.

Konspirative Elemente wie zum Beispiel die Verwendung von Decknamen oder Codes und die gleichzeitige Verwendung mehrerer Mobilfunkkarten sind ebenfalls ein häufiger Bestandteil organisierter Kriminalität. Gegenüber der Außenwelt schotten sich organisierte kriminelle Gruppierungen oft ab, was sich in internen Konfliktlösungsmechanismen, bei denen die Polizei nicht hinzugezogen wird, und mangelnder Aussagebereitschaft gegenüber dieser äußert. Um Strafverfolgung und sonstige Probleme zu vermeiden, wird oftmals Korruption eingesetzt und Abhängigkeiten geschaffen (zum Beispiel durch Sex, Glücksspiel oder Zinswucher), die Erpressung ermöglichen.

Die durch organisierte kriminelle Aktivitäten erzielten Gewinne werden größtenteils durch Geldwäsche wieder der legalen Wirtschaft zugeführt. Dies kann über eigene oder fremde legale Betriebe, Briefkastenfirmen oder über Bankkonten (oft in sogenannten Steueroasen) geschehen.

Begünstigende Faktoren

Organisierte Kriminalität floriert vor allem, wenn die staatlichen Institutionen, wie Regierung, Polizei oder Gesetze, nur einen geringen Einfluss haben oder nicht mehr funktionieren. Dies geschieht vor allem bei ökonomischen Krisen, politischen Umstürzen oder sozialem Aufruhr. Unter solchen Umständen können kriminelle Organisationen mit weniger polizeilichen oder rechtlichen Eingriffen rechnen.

Organisierte Kriminalität kann besonders in (ethnischen) Minderheitsgesellschaften Fuß fassen, weil diese oft den Staat und die Behörden ablehnen. Außerdem sind in Minderheitsgesellschaften die sozialen Strukturen stärker ausgeprägt, auf denen organisierte Kriminalität aufbaut.

Auswirkungen auf die Gesellschaft

Organisierte Kriminalität wirkt destabilisierend auf die innere Sicherheit, die staatliche Ordnung und die Funktionsfähigkeit der Wirtschaftsordnung. Da der Aufwand für ihre Bekämpfung hoch ist, können Parallelgesellschaften und rechtsfreie Räume entstehen. Starke Präsenz der organisierten Kriminalität in einer Gesellschaft kann dazu führen, dass das Recht des jeweiligen Staates nicht hinreichend durchgesetzt wird, so dass die Achtung vor der Rechtsordnung schwindet.

Organisierte Kriminalität – Terrorismus

Der Übergang der Organisierten Kriminalität hin zum Terrorismus und von dort zu einer Guerilla oder Befreiungsbewegung in einer Asymmetrischen Kriegführung kann als Mittel der Finanzierung, aber auch als Kriegsmittel um eine Gesellschaftsordnung zu destabilisieren, fließend sein.

Betätigungsfelder

Überblick

Die organisierte Kriminalität nutzt alle Betätigungsfelder mit hohen Gewinnspannen. Zu den Betätigungsfeldern gehören nachfolgende Bereiche.

Statistik

Nach dem „Bundeslagebild Organisierte Kriminalität 2011“ des Bundeskriminalamtes waren in Deutschland im Jahr 2011 Rauschgifthandel und -schmuggel mit 36,7 Prozent, Kriminalität im Zusammenhang mit dem Wirtschaftsleben (nicht gleichzusetzen mit Wirtschaftskriminalität) 14,8 Prozent, Steuer- und Zolldelikte mit 7,6 Prozent und Schleuserkriminalität mit 6,8 Prozent die Bereiche mit dem größten Anteil der Straftatbestände. Die weiteren OK-Delikte blieben 2011 jeweils unter 5 Prozent.[7]

Der Prozess gegen die XY-Bande stellt das bisher größte Verfahren gegen die organisierte Kriminalität in Ostdeutschland dar.[8][9]

Tatverdächtiger Organisierte Kriminalität 2013–2017[10]

Nach dem BKA-Bericht im Jahre 2016 waren in Deutschland zwei Drittel von 8675 Tatverdächtigen ausländische Staatsangehörige. Die organisierte Kriminalität in Deutschland ist stark von international agierenden Gruppen geprägt. 80 Prozent der Ermittlungsverfahren weisen den Angaben zufolge internationale Bezüge auf.[11]

2017 bildeten Nichtdeutsche erneut die Majorität der Tatverdächtigen von OK. Die Quote deutscher Tatverdächtiger sank im Jahr auf 29,3 % von 32,5 % im Jahr 2016.[10]

Weltweite Wettmafia im Fußball

Eine erst in den letzten Jahren als erheblich erkannte Form stellt die Manipulation von Ergebnissen im Fußball dar (engl. match fixing). Das Milliardengeschäft lockt Kriminelle mit hohen Gewinnen bei geringer Strafandrohung.

In Malaysia, der Volksrepublik China oder Singapur haben einzelne Täter Jahrzehnte Erfahrung. Die nationalen Polizeiorganisationen sind oft überfordert, da verschiedene Tatorte und unterschiedliche Nationalitäten der Beschuldigten die Rechtslage komplizieren. Spieler sind teilweise wegen eigener Spielsucht erpressbar, Schiedsrichter aufgrund niedrigen Einkommens käuflich. An der Basis der Pyramide stehen „Frontmänner“, die Kontakte zu potentiell Bestechlichen knüpfen, Hintermänner finanzieren und die Manipulation organisieren. Organisationen der OK treten sogar als Veranstalter von Länderspielen auf: Im Februar 2011 wurden etwa im türkischen Antalya manipulierte Spiele organisiert, dabei das Stadion, Spieler und Schiedsrichter bar bezahlt.

Das Strafmaß für manipulierte Fußballspiele ist bislang gering: Wilson Perumal, der jahrelang weltweit Spiele manipuliert hatte, wurde 2011 zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt. Der Sicherheitschef der FIFA seit 2010, der Australier Chris Eaton, setzt auf bessere Zusammenarbeit zwischen nationaler Polizei, Interpol und FIFA. Geplant sind regionale Sicherheitsbüros, eine anonyme Meldestelle sowie Amnestieprogramme wie in anderen Bereichen der organisierten Kriminalität.[12]

Organisierte Kriminalität in Europa

Europol hat nach eigenen Angaben 5.000 Gruppen der organisierten Kriminalität in der Europäischen Union identifiziert (Stand: 2020).[13] Laut einem im April 2021 veröffentlichten Bericht von Europol sind 70 Prozent aller Banden und Netzwerke in der EU in mindestens drei EU-Staaten aktiv. Mehr als 80 Prozent der kriminellen Netzwerke in Europa nutzen legale Geschäftsstrukturen und sind selbst wie Wirtschaftsunternehmen organisiert, mit verschiedenen Management-Ebenen. Die organisierte Kriminalität kontrolliert direkt legale Geschäftsstrukturen oder infiltriert sie. Dem Bericht zufolge sind alle legalen Wirtschaftsstrukturen potenziell anfällig dafür, durch kriminelle Organisationen übernommen zu werden. Mehr als 60 Prozent der Banden nutzten auch Korruption als Mittel. Die organisierte Kriminalität unterwandert gezielt europäische Volkswirtschaften. »Das Ausmaß und die Komplexität der Geldwäsche-Aktivitäten in der EU sind unterschätzt worden«, heißt es in dem Bericht. Professionelle Geldwäscher hätten ein »paralleles Untergrund-Finanzsystem« geschaffen, um Transaktionen und Zahlungen fernab des legalen Finanzsystems und damit jeder Kontrolle und Nachverfolgbarkeit durchzuführen. Laut dem Bericht, der auf einer Analyse von tausenden Fällen und Daten basiert, ist der Drogenhandel weiterhin die weitaus größte Einkommensquelle von Banden in der EU. Gut 40 Prozent aller kriminellen Banden in Europa sind im Drogenhandel aktiv.[14][15]

Mafiaähnliche Organisationen

Folgende kriminelle Organisationen werden oft unter dem Begriff Mafia zusammengefasst, obwohl sie nicht über den sozialhistorischen Kontext verfügen. Diese sind deshalb eher als organisierte Kriminalität zu bezeichnen, wobei es nicht in allen Fällen tatsächlich eine einheitliche Organisationsstruktur geben muss. Die genannten kriminellen Organisationen gehören oft auch zu den sogenannten Clans.

Albanien

Die albanische Mafia sind kriminelle Banden mafiosen Typs, deren Geschäftsfelder u. a. Menschen- und Waffenhandel, Geldwäsche, Drogen- und Zigarettenschmuggel und Organhandel sind.

Asien

Deutschland

Von Anfang des 20. Jahrhunderts bis in die 1930er Jahre existierten in Deutschland die Ringvereine als Zusammenschlüsse ehemaliger Strafgefangener. Die Ringbrüder nahmen ausschließlich Mitglieder auf, die mindestens zwei Jahre Freiheitsstrafe verbüßt hatten, und organisierten Prostitution, Schmuggel und bewaffnete Raubüberfälle; inhaftierte Mitglieder kontrollierten sie, indem sie u. a. deren Familien während der Haft versorgten.

Die sogenannte Elitenkriminalität (wie z. B. Kapitalanlagebetrug)[16][17] wird zumeist nicht der Mafia zugeordnet.

Die deutsche Justiz kennt zwar Schutzgelderpressung nicht als Straftatbestand, ist in Deutschland aber als Sachverhalt weit verbreitet:

Schutzgelderpressungen sind immer noch Teil der organisierten Kriminalität, gegen die Spezialabteilungen der Polizei ermitteln. Die Taten erfolgen meist innerhalb geschlossener Bevölkerungskreise. Besonders betroffen sind nach Angaben der Polizei vor allem russische, türkische und italienische Bürger mit Werkstätten, Läden, Restaurants und Kneipen.

Nach Jürgen Roth werden diese Bürger häufig Opfer ihrer eigenen Landesleute, da die Täter dieselbe Sprache sprechen, beste Kenntnisse in den Heimatländern haben und die Mentalität ihrer Opfer kennen.[18]

Sieben bis neun arabische Großfamilien waren laut Behörden 2016 in Berlin im kriminellen Bereich auffällig. Sie seien Ende der 70er-Jahre zumeist aus dem Libanon gekommen, hätten billige Häuser gekauft und dort nach und nach ihre Familien untergebracht. Sie beherrschten mittlerweile den Großteil der organisierten Kriminalität, vor allem Teile des Drogenmarktes, sie seien auf Eigentumsdelikte spezialisiert.[19]

Griechenland

Besonders auf Kreta, wo illegaler Waffenbesitz und Vendetta historische Tradition sind, gibt es eine große Haschisch-Produktion, die somit Griechenland zu einem großen Lieferanten macht. Griechische Gangster-Organisationen sind hauptsächlich in Europa aktiv und betreiben immer mehr u. a. Zigarettenschmuggel, Drogenhandel und zum Teil auch Waffengeschäfte.

Kolumbien

Lateinamerika wurde in den 1970er, 1980er und 1990er Jahren von zwei kolumbianischen Drogenkartellen beherrscht, die den lateinamerikanischen und amerikanischen Kokainmarkt fast vollständig unter sich aufteilten. Das mächtigste war das Cali-Kartell, das bis zu 80 Prozent des Kokainhandels mit den USA kontrollierte. Das wesentlich kleinere Medellín-Kartell war wegen seines berüchtigten Bosses Pablo Escobar bekannt, der es u. a. durch seine Verbrechen zu einem der reichsten Menschen der Welt und kurzzeitig zu einem Sitz im kolumbianischen Kongress schaffte, aber 1993 nach längerer Fahndung von der Polizei auf der Flucht erschossen wurde.

Polen

In Polen ist die Bildung mafiöser Strukturen eng mit dem Zusammenbruch des Kommunismus verknüpft. Durch den zeitweisen Kontrollverlust staatlicher Institutionen und insbesondere in Folge der Auflösung von Miliz und Staatssicherheitsdienst ab 1989, entstanden vor allem im erweiterten Ballungsraum von Warschau sowie in Niederschlesien kriminelle Bündnisse, die durch Drogenhandel und Diebstahl in den 1990er Jahren zu Reichtum gelangten. Bis spätestens Mitte der 2010er Jahre konnten jedoch zahlreiche organisierte Banden durch den Einsatz gezielter Sonderermittler und die Bildung des Staatsschutzamtes verfolgt, enteignet und die jeweiligen Führungspersonen inhaftiert werden.

Zu den bekanntesten kriminellen Organisationen zählten die „Pruszków-Gruppe“, die die Gebiete nördlich, südlich und westlich von Warschau für sich beanspruchte, und die „Wołomin-Gruppe“, die die Gebiete östlich der Hauptstadt beanspruchte. Die Haupteinnahmequellen der beiden Organisationen waren neben Diebstählen und Schmuggel auch Schutzgelderpressungen und Auftragsmorde. Durch Festnahmen wichtiger Akteure beider Gruppen, konnte ihre Tätigkeit weitgehend eingedämmt werden. In der seit 2007 produzierten Fernsehserie Odwróceni (dt. Die Umgekehrten) wird vor allem der Aufstieg und Niedergang der „Pruszków-Gruppe“ thematisiert.

Russland

Die diversen kriminellen Banden, die nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion in den chaotischen 1990er Jahren entstanden, werden oft als die „Russenmafia“ bezeichnet. Diese nicht ganz eindeutig mafiösen Organisationen sind mit Sicherheit die sich am schnellsten entwickelnden und zugleich gewalttätigsten. International ist die Russische Mafia vor allem in den Vereinigten Staaten und in Westeuropa vertreten. Bekannte Hauptquartiere sind z. B. New York, London und Berlin. Der größte Geschäftsbereich der Russischen Mafia ist nach dem Waffenschmuggel der Drogen- und Menschenhandel sowie Geldwäsche. Eine der öffentlich etwas bekannteren Gruppierungen sind die Vory v zakone.

Serbien

Die serbische Mafia, auch genannt „Nasa Stvar“, erlangte Anfang der 1970er Jahre immer größere Bekanntheit. In dieser Zeit gingen einige bekannte serbische Mafiosi nach Mailand (Italien) und bildeten gemeinsam eine große kriminelle Organisation. Im Jugoslawienkrieg und der damit verbundenen Kriminalität wurde die serbische Mafia immer größer. Sie ist bekannt für u. a. Waffen-, Drogenhandel und Schutzgelderpressung. Sie ist viel in Europa (u. a. Deutschland, Holland, Schweden) und auch in Amerika aktiv.

Türkei

Neben den traditionellen Verbrechen wie Drogenhandel, Prostitution und Kreditbetrug soll die türkische Mafia auch in Kinderhandel, Kidnapping und Organhandel verwickelt sein. Die türkische Mafia kontrolliert rund ein Viertel der türkischen Wirtschaft. Das geht aus einem Bericht hervor, den die Handelskammer von Ankara in der türkischen Hauptstadt am 7. Juni 2004 veröffentlicht hat.

Vereinigte Staaten

Die Kosher Nostra war ein mafioses Bündnis vor allem im New York City der 1930er Jahre. Der gemeinsam mit der amerikanischen Cosa Nostra betriebenen Murder, Inc. werden hunderte von Morden zugeschrieben. Ihren Namen bekam sie in Anlehnung an den Namen „Cosa Nostra“ und die überwiegend jüdische Abstammung der Bandenmitglieder wie Meyer Lansky, Bugsy Siegel und Dutch Schultz. Insbesondere Lansky war ein Jugendfreund von Lucky Luciano und beide hatten wesentlichen Einfluss bei der Bildung des National Crime Syndicate. Die Kosher Nostra verschwand jedoch mit dem Tod der ersten Mobster-Generation, da durch den gesellschaftlichen Aufstieg die kriminelle Bandenbildung aufgegeben wurde.

Organisationen der organisierten Kriminalität in Europa

Organisationen der organisierten Kriminalität außerhalb Europas

Angloamerika

Lateinamerika

Asien

  • Triade (China)
  • Yakuza (Japan)
  • D-Company (Indien)
  • Thuggee (historische indische Verbrecherbruderschaft)
  • Four Seas (四海幫)
  • Bamboo Union (竹聯幫)
  • Celestial Way (天道盟) (Taiwan)

Literatur

  • Brian Freemantle: Importeure des Verbrechens. Europa im Griff der organisierten Kriminalität. List, München 1996, ISBN 3-471-77553-6.
  • Claudio Besozzi: Organisierte Kriminalität und empirische Forschung. Rüegger, Chur 1997, ISBN 3-7253-0583-8.
  • Klaus von Lampe: Organized Crime. Begriff und Theorie organisierter Kriminalität in den USA. Lang, Frankfurt am Main 1999, ISBN 3-631-34721-9.
  • Letizia Paoli: Mafia Brotherhoods. Organized crime, Italian style. Dissertation. Oxford University Press, Oxford 2003, ISBN 0-19-515724-9.
  • Norbert Mappes-Niedieck: Balkan-Mafia. Links, Berlin 2003, ISBN 3-86153-284-0.
  • Jörg Kinzig: Die rechtliche Bewältigung von Erscheinungsformen organisierter Kriminalität. Duncker und Humblot, Berlin 2004, ISBN 3-428-11488-4.
  • Stephanie Oesch: Die organisierte Kriminalität – eine Bedrohung für den Finanzplatz Schweiz? vdf Hochschulverlag, Zürich 2010, ISBN 978-3-7281-3283-3.
  • Josef Estermann: Organisierte Kriminalität in der Schweiz, Orlux Verlag, 2. A., Zürich 2021, ISBN 978-3-907230-11-4.

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Vgl. Stichwort organisiert bei Duden online
  2. Definition vom Bundeskriminalamt
  3. Gemeinsame Richtlinien der Justizminister/-senatoren und der Innenminister/-senatoren der Länder über die Zusammenarbeit von Staatsanwaltschaft und Polizei bei der Verfolgung der Organisierten Kriminalität In: Richtlinien für das Strafverfahren und das Bußgeldverfahren Anhang E Nr. 2.1. Stand: 2008
  4. Art. 3 Abs. 2 des Übereinkommens gegen die grenzüberschreitende organisierte Konvention [1]
  5. a b c d e f g http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/unternehmen-und-konjunktur/Finanzkrise-macht-Mafia-noch-gefaehrlicher/story/22451258 (abgerufen am 25. Mai 2009)
  6. Rahel Zschokke: Frauenhandel. Business as usual? In: Orlux AG. Abgerufen am 12. März 2021 (deutsch).
  7. Vgl. BKA: Organisierte Kriminalität Bundeslagebild 2011, Wiesbaden 2012, S. 9.
  8. Stern: Bundesgerichtshof: Entscheidung im XY-Prozess, gesehen 22. September 2008.
  9. Archivierte Kopie (Memento vom 24. Oktober 2008 im Internet Archive)
  10. a b Bundeskriminalamt (Hrsg.): Organisierte Kriminalität - Bundeslagebild 2017. 1. August 2018, S. 13 (bka.de).
  11. Welt.de: Ausländer prägen organisierte Kriminalität in Deutschland
  12. Wir befinden uns in einem Krieg: Interview mit Chris Eaton in Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 21. August 2011, S. 18
  13. EU-Polizeibehörde befürchtet “Aufblühen” organisierter Kriminalität. In: hasepost.de. 28. Dezember 2020, abgerufen am 29. Dezember 2020.
  14. Organisiertes Verbrechen in der EU: Kriminelle Netzwerke profitieren von der Pandemie. In: Der Spiegel. Abgerufen am 12. April 2021.
  15. European Union serious and organised crime threat assessment. Abgerufen am 12. April 2021 (englisch).
  16. www.tagesspiegel.de
  17. Geheim und unsichtbar. Abgerufen am 23. Mai 2021.
  18. Deutsche Welle (www.dw.com): Geld oder Leben - Schutzgelderpressung | DW | 17.05.2016. Abgerufen am 23. Mai 2021 (deutsch).
  19. welt.de: Berlins Unterwelt ist verloren an die arabischen Clans