Organisation Amerikanischer Staaten

Organisation Amerikanischer Staaten
OAS/OEA

Siegel der Organisation Amerikanischer Staaten

Flagge der Organisation Amerikanischer Staaten

Mitgliedstaaten
Spanisch:

Portugiesisch:

Französisch:

Englisch:
Organización de los Estados
Americanos
Organização dos Estados
Americanos
Organisation des États
Américains
Organization of American States
OrganisationsartRegionale politische Kooperation
Sitz der OrganeWashington, D.C.,
Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten
GeneralsekretärUruguayUruguay Luis Almagro
Mitgliedstaaten35
Amts- und Arbeitssprachen* Spanisch
Gründung30. April 1948
www.oas.org

Die Organisation Amerikanischer Staaten (englisch Organization of American States, OAS; spanisch Organización de los Estados Americanos; OEA, französisch Organisation des États Américains, OEA; portugiesisch Organização dos Estados Americanos, OEA) ist eine regionale Internationale Organisation in Amerika. Sie wurde am 30. April 1948 in Bogotá, Kolumbien, gegründet und hat ihren Hauptsitz in Washington, D.C. Mitglieder sind 35 unabhängige Staaten Nord- und Südamerikas.

Am 26. Mai 2015 wurde der ehemalige uruguayische Außenminister Luis Almagro als Nachfolger von José Miguel Insulza als Generalsekretär vereidigt.[1]

Ziele

Die Ziele sind laut Charta: Demokratisierung und Menschenrechte zu fördern, Kriminalität und Drogenhandel zu bekämpfen, den Frieden zu sichern und eine panamerikanische Freihandelszone zu schaffen. Die OAS will Streitigkeiten amerikanischer Staaten untereinander friedlich regeln. Bei Nichtanerkennung von Schlichtungsverfahren und anderen Verstößen kann sie Sanktionen verhängen.

Ziel ist generell eine engere kulturelle und wirtschaftliche Zusammenarbeit der Staaten des Doppelkontinents. Zu einem wichtigen Instrument diesbezüglich sind inzwischen die regelmäßigen Gipfeltreffen aller demokratischen amerikanischen Staaten (Amerika-Gipfel) geworden.[2] Die OAS beherbergt das Sekretariat des Gipfelprozesses und ist somit eng in seine Fortschreibung eingebunden.

Organe

Organe sind die Generalversammlung, der ständige Rat, der Generalsekretär und das OAS-Verwaltungsgericht. Hinzu kommen die Agentur für Zusammenarbeit und Entwicklung, die Kommission für Menschenrechte und diverse weitere Spezialagenturen und Kommissionen.

Bisherige Generalsekretäre der OAS waren:[3]

AmtszeitGeneralsekretär/inMitgliedstaat
1948–1954Alberto Lleras CamargoKolumbienKolumbien Kolumbien
1954–1955Carlos Dávila EspinozaChileChile Chile
1955–1956Wilhelm Manger1Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten
1956–1968José Mora OteroUruguayUruguay Uruguay
1968–1975Galo Plaza LassoEcuadorEcuador Ecuador
1975–1984Alejandro OrfilaArgentinienArgentinien Argentinien
1984Val McComie1BarbadosBarbados Barbados
1984–1994João Baena SoaresBrasilienBrasilien Brasilien
1994Christopher R. Thomas1Trinidad und TobagoTrinidad und Tobago Trinidad und Tobago
1994–2004César Gaviria TrujilloKolumbienKolumbien Kolumbien
2004Miguel Ángel Rodríguez EcheverríaCosta RicaCosta Rica Costa Rica
2004–2005Luigi R. Einaudi1Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten
2005–2015José Miguel InsulzaChileChile Chile
seit 2015Luis AlmagroUruguayUruguay Uruguay

Geschichte

Verwaltungsgebäude der OAS in Washington, D.C.

Die OAS ist aus verschiedenen panamerikanischen Konferenzen hervorgegangen. Am 30. August 1947 wurde ein kollektiver Interamerikanischer Vertrag über gegenseitigen Beistand in Rio de Janeiro unterzeichnet, der zunächst Rio-Pakt genannt wurde. Die endgültige Organisation unter dem heutigen Namen kam am 30. April 1948 in Bogotá zustande. Am gleichen Tag wurde der auch als Bogotá-Pakt bezeichnete Amerikanische Vertrag über die friedliche Streitschlichtung abgeschlossen.

Für manche stellte die OAS von Beginn an ein Instrument der Vereinigten Staaten im aufziehenden Ost-West-Konflikt dar, zumal die USA durch die Bereitstellung eines Großteils des regulären Budgets sowie durch den Sitz in Washington D. C. erheblichen Einfluss auf die Politik der Organisation nahmen. So wurde Kuba am 22. Januar 1962[4] auf Druck der USA wegen seiner „marxistisch-leninistischen“ Wende von der Teilnahme an den Aktivitäten der Organisation ausgeschlossen.[5]

Seit 1959 gibt es auch eine Interamerikanische Menschenrechtskommission (IACHR/CIDH), die seit 1970 Hauptorgan der OAS ist. 1979 kam nach Inkrafttreten (1978) der bereits 1969 verabschiedeten Amerikanischen Menschenrechtskonvention der Interamerikanische Menschenrechtsgerichtshof in San José, Costa Rica, als weiteres Organ zur Menschenrechtsförderung und -verteidigung hinzu. Wenngleich die OAS besonders in den 1970er Jahren mehr autoritäre/diktatorische als demokratische Mitgliedstaaten in ihren Reihen aufwies, so vermochte das sogenannte interamerikanische Menschenrechtssystem (zunächst vor allem die Kommission), Menschenrechtsverletzungen etwa in Chile, Argentinien, dem Nicaragua Somozas oder in El Salvador aufzuzeigen und die Öffentlichkeit in der Hemisphäre auf die Verstöße aufmerksam zu machen.

1991 verabschiedete die OAS-Generalversammlung in Santiago de Chile die Resolution 1080, die empfindliche Einschränkungen in das zuvor konsequent eingehaltene Nichteinmischungsprinzip der Organisation beinhaltete.[6] Zehn Jahre später, am 11. September 2001, wurde die Interamerikanische Demokratiecharta verabschiedet, die diesen Trend fortsetzte.

Auf der OAS-Generalversammlung in Honduras wurde am 3. Juni 2009 beschlossen, die 1962 erfolgte Suspendierung der Teilnahmerechte Kubas ohne Vorbedingungen wieder aufzuheben.[7] Ein Automatismus für die Rückkehr des Landes in die Staatengemeinschaft gebe es aber nicht. Kuba begrüßte zwar den Beschluss, erklärte aber – wie schon mehrfach im Vorfeld getan – sein Desinteresse an einer Wiederaufnahme seiner Mitarbeit in der Organisation, da es diese als anachronistisch und den Interessen der USA untergeordnet betrachte.[8][9]

Am 4. Juli 2009 suspendierte die OAS die Teilnahmerechte von Honduras. Dies geschah nach Weigerung der honduranischen Übergangsregierung, nach dem Staatsstreich am 28. Juni 2009 die verfassungsmäßige Ordnung wiederherzustellen.[10] Nachdem die USA im Gefolge des Putsches in Honduras versucht hatten, die OAS in ihrem Sinne zu manipulieren, wurde am 23. Februar 2010 die Gemeinschaft der Lateinamerikanischen und Karibischen Staaten (Comunidad de Estados Latinoamericanos y Caribeños, kurz CELAC) gegründet, die aus allen Mitgliedstaaten der OAS außer den USA und Kanada besteht.[11] 2011 wurde die Suspendierung wieder zurückgenommen.

2013 wurde in vielen mittel- und südamerikanischen Staaten eine Änderung der Politik gegenüber weichen Drogen diskutiert (Näheres siehe hier). Der Generalsekretär der OAS (Insulza) begrüßte eine Initiative des Landes Uruguay.[12][13]

Am 26. April 2017 kündigte der venezolanische Präsident Nicolás Maduro an, sein Land werde sich aus der OAS zurückziehen. Der Austrittsprozess werde insgesamt zwei Jahre in Anspruch nehmen. Der OAS-Generalsekretär hatte die venezolanische Regierung wiederholt wegen der Nichteinhaltung demokratischer Normen kritisiert.[14] Hintergrund ist die Weigerung der Regierung, die verfassungsgemäßen Regionalwahlen und das ursprünglich für 2016 anberaumte Referendum zur Abberufung des Präsidenten durchzuführen. Maduro warf der Organisation Einmischung in die inneren Angelegenheiten des Landes vor.[15] Im März des gleichen Jahres drohte die OAS ihrerseits Venezuela mit der Beendigung der Mitgliedschaft aus der Staatengemeinschaft.[16]

Mitglieder

Karte der OAS-Mitgliedstaaten
  • Gründungsmitglieder
  • spätere Mitglieder
  • kein Mitglied
  • 2 Keine Mitarbeit
    3 Ausgetreten[14]

    Beobachter

  • Mitglieder
  • Beobachter
  • 4 Sowohl die EU als Ganzes, als auch ihre 27 Mitgliedstaaten sind Beobachter der OAS

    Siehe auch

    Literatur

    • Klaas Dykmann: Philanthropic Endeavors or the Exploitation of an Ideal? The Human Rights Policy of the Organization of American States. 1970–1991. Vervuert, Frankfurt am Main/ Madrid 2004, ISBN 3-86527-165-0.
    • Cecilia Medina Quiroga: The Battle of human rights. Gross, systematic violations and the inter-American system. Nijhoff, Dordrecht 1988, ISBN 90-247-3687-0.
    • David Sheinin (Hrsg.): Pan Americanism in Inter-American Affairs. Greenwood, Westport, CT 2000, ISBN 0-275-96980-0.
    • O. Carlos Stoetzer: The Organization of American States. Greenwood, Westport, CT 1993, ISBN 0-275-93633-3.
    • Larman C. Wilson, David W. Dent: The United States and the OAS. In: David W. Dent (Hrsg.): U.S.-Latin American Policymaking: A Reference Handbook. Greenwood, Westport, CT 1995, ISBN 0-313-27951-9, S. 24–44.

    Weblinks

    Commons: Organisation Amerikanischer Staaten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

    Einzelnachweise

    1. Secretary General. In: oas.org. Abgerufen am 14. Juli 2020 (englisch).
    2. First Summit of the Americas. In: oas.org. 11. Dezember 1994, abgerufen am 27. Oktober 2018 (englisch).
    3. Organization of American States. In: rulers.org. Abgerufen am 28. Oktober 2018 (englisch).
    4. RP online: Fidel Castro: Werdegang eines Revoluzzers. Abgerufen am 22. Januar 2012.
    5. Exclusion of the Present Government of Cuba From Participation in the Inter-American System, Resolution VI Adopted at the Eighth Meeting of Consultation of Ministers of Foreign Affairs vom 31. Januar 1962.
    6. AGRES1080. Abgerufen am 7. Januar 2021.
    7. Resolution on Cuba, OAS Doc. AG/RES. 2438 (XXXIX-O/09) vom 3. Juni 2009.
    8. Harald Neuber: OAS öffnet die Tür für Kuba. In: ag-friedensforschung.de. 5. Juni 2009, abgerufen am 6. Mai 2020.
    9. Kuba lehnt Rückkehr in die Organisation Amerikanischer Staaten ab, RIA Novost vom 8. Juni 2009.
    10. Suspension of the Right of Honduras to Participate in the Organization of American States, OAS Doc. AG/RES. 2 (XXXVII-E/09) vom 4. Juli 2009.
    11. Mark Weisbrot: What Manuel Zelaya’s return means for Honduras, The Guardian, 28. Mai 2011.
    12. Klaus Ehringfeld: Marihuana in Uruguay: Amerikas Drogen-Versuchslabor. In: Spiegel Online. 15. September 2013, abgerufen am 30. Oktober 2018.
    13. Uruguay: Parlament stimmt für Legalisierung von Marihuana. In: Spiegel Online. 1. August 2013, abgerufen am 30. Oktober 2018.
    14. a b Jürgen Vogt: Venezuela verlässt die OAS – Dem Rauswurf entgangen. In: taz.de. 27. April 2017, abgerufen am 1. September 2020.
    15. Maduro: Venezuela sale de la OEA y rompe con el intervencionismo imperial. In: Telesur. 26. April 2017, abgerufen am 27. April 2017 (spanisch).
    16. Staatenbund droht Venezuela mit Ausschluss. In: Zeit Online. 15. März 2017, abgerufen am 27. April 2017.

    Auf dieser Seite verwendete Medien

    Organization of American States (orthographic projection).svg
    Autor/Urheber: Keepscases, Lizenz: CC BY-SA 3.0
    Organization of American States (orthographic projection)
    Flag of the Vatican City.svg
    Autor/Urheber: Autor unbekanntUnknown author, Lizenz: CC0
    Die Flagge der Vatikanstadt.
    Flag of the United Kingdom.svg
    Union Jack, Flagge des Vereinigten Königreichs
    Flag of Ireland.svg
    Man sagt, dass der grüne Teil die Mehrheit der katholischen Einwohner des Landes repräsentiert, der orange Teil die Minderheit der protestantischen, und die weiße Mitte den Frieden und die Harmonie zwischen beiden.
    Mapoeaestados miembros.png
    Autor/Urheber: Silvinavivas30, Lizenz: CC BY-SA 3.0
    Miembros de la OEA
    Flag of Haiti.svg
    Die National- und offizielle Staatsflagge von Haiti. Die Zivilflagge findet sich hier.
    Flag of Finland.svg
    Flagge Finnlands
    Flag of Chile.svg
    Das Bild dieser Fahne lässt sich leicht mit einem Rahmen versehen
    Flag of Portugal.svg
    Flagge Portugals, entworfen von Columbano Bordalo Pinheiro (1857-1929), offiziell von der portugiesischen Regierung am 30. Juni 1911 als Staatsflagge angenommen (in Verwendung bereits seit ungefähr November 1910).
    Peter Stehlik 593A6319A.JPG
    Autor/Urheber: Peter Stehlik PS-2507, Lizenz: CC BY 3.0
    Organisation Amerikanischer Staaten - OAS Building in Washington, D.C.
    Flag of Switzerland within 2to3.svg
    Die quadratische Nationalfahne der Schweiz, in transparentem rechteckigem (2:3) Feld.
    Flag of Croatia.svg
    Das Bild dieser Fahne lässt sich leicht mit einem Rahmen versehen
    Flag of Europe.svg
    Die Europaflagge besteht aus einem Kranz aus zwölf goldenen, fünfzackigen, sich nicht berührenden Sternen auf azurblauem Hintergrund.

    Sie wurde 1955 vom Europarat als dessen Flagge eingeführt und erst 1986 von der Europäischen Gemeinschaft übernommen.

    Die Zahl der Sterne, zwölf, ist traditionell das Symbol der Vollkommenheit, Vollständigkeit und Einheit. Nur rein zufällig stimmte sie zwischen der Adoption der Flagge durch die EG 1986 bis zur Erweiterung 1995 mit der Zahl der Mitgliedstaaten der EG überein und blieb daher auch danach unverändert.
    OAS Observer.png
    Autor/Urheber: Dufo, Lizenz: CC BY-SA 3.0
    Organisation Amerikanischer Staaten – Mitglieder und Beobachter
    Flag of Jamaica.svg
    Flag of Jamaica. “The sunshine, the land is green, and the people are strong and bold” is the symbolism of the colours of the flag. GOLD represents the natural wealth and beauty of sunlight; GREEN represents hope and agricultural resources; BLACK represents the strength and creativity of the people. The original symbolism, however, was "Hardships there are, but the land is green, and the sun shineth", where BLACK represented the hardships being faced.
    Seal of the Organization of American States.svg
    Autor/Urheber:

    unbekannt OAS

    , Lizenz: Logo

    Logo von Organisation Amerikanischer Staaten