Nowielin
Nowielin (deutsch Naulin) ist ein Dorf in der Woiwodschaft Westpommern in Polen. Es gehört zur Gmina Pyrzyce (Gemeinde Pyritz) im Powiat Pyrzycki (Pyritzer Kreis).
Geographische Lage
Das Dorf liegt in Hinterpommern, etwa 40 Kilometer südöstlich von Stettin und knapp 4 Kilometer südlich der Stadtmitte der Kreisstadt Pyritz.
Geschichte
Das Dorf wurde urkundlich erstmals im Jahre 1240 im Herzogtum Pommern genannt. Damals einigten sich Herzog Barnim I. von Pommern und Bischof Konrad III. von Cammin auf ein großes Tauschgeschäft, bei dem der Herzog den Bischofszehnten von 1800 Hufen Land zu Lehen nahm, darunter von 50 Hufen in dem damals „Neulin“ genannten Dorf.[1]
Der größere Teil von Naulin war ein altes Lehen der neumärkisch-pommerschen adligen Familie von Hagen. Möglicherweise ist bereits eine Nachricht von 1315 hierauf zu beziehen; jedenfalls wurde 1409 ein Hans von Hagen als Besitzer von Naulin genannt und gilt als Stammvater des Adelsgeschlechts, bis heute.[2] Später wurden die Anteile Naulin (a) und Naulin (b) unterschieden. Unter den Besitzern von Naulin (a) war der Generalmajor Hans Joachim von Hagen († 1701).[3] Naulin (a) wurde 1749 durch Philipp Sigismund von Hagen nach außerhalb der Familie verkauft. Die von Hagen bildeten zuvor genealogisch eine eigene Familienlinie Naulin heraus, welche über die Zeit der örtlichen Gutsherrschaft hinaus Bestand hatte und formell auf eine Nebenlinie überging.[4] Die einzelnen adeligen Hagen-Geschlechter hatten einen gemeinsamen Familienverband.[5] Aus der Familie von Hagen-Naulin sind später Carl von Hagen und Wolfgang von Hagen als direkte Nachkommen hervorgegangen.[6]
1770 erwarb ein Hauptmann Samuel Friedrich von Schaetzel (aus der pommersch-brandenburgischen adligen Familie von Schaetzel) Naulin (a). Unter den Besitzern von Naulin (b) waren Thido Christoph von Hagen-Naulin (1668–1737), zwanzig Jahre Landrat des Soldinschen Kreises, und dessen Sohn,[7] der Oberst Hans Siegmund von Hagen (1698–1755). Dessen Erbe verkaufte 1779 Naulin (b) an Samuel Friedrich von Schaetzel.
Ein kleinerer Teil von Naulin war ein Lehen des Johanniterordens; mehrere Mitglieder der Familie von Hagen waren Ritter der Kongregation.[8] Dieser Anteil, auch als Naulin (c) bezeichnet, bestand aus zwei Bauern. Er war ab 1595 ein Afterlehen der von Hagen und kam 1779 ebenfalls an Samuel Friedrich von Schaetzel, der damit die Anteile Naulin (a), Naulin (b) und Naulin (c) in seiner Hand vereinte. Ein weiterer kleinerer Teil von Naulin, bestehend aus zwei Bauern und einem Halbbauern, gehörte der Mauritiuskirche in Pyritz.
Naulin gehörte teils zum Herzogtum Pommern, teils zur Neumark. 1780 wurde es hinsichtlich der Gerichtsbarkeit insgesamt Pommern zugeordnet, 1816 auch hinsichtlich der Verwaltung[9]
In Ludwig Wilhelm Brüggemanns Ausführlicher Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königlich-Preußischen Herzogtums Vor- und Hinterpommern (1784) ist Naulin unter den adeligen Gütern des Pyritzschen Kreises aufgeführt. Damals gab es hier zwei Vorwerke, welche zu einem vereinigt waren, eine Wassermühle, neun Bauern, zwölf Kossäten, eine Schmiede und einen Schulmeister, insgesamt 28 Haushaltungen („Feuerstellen“). Die Kirche war eine Filialkirche, die der Mutterkirche in Köselitz zugeordnet war.[3]
Die Schaetzelschen Erben verkauften ganz Naulin 1837 an Eduard Ferdinand Wendorff, nach dessen Tod es 1859 seine Witwe erbte. Folgend wurde Edm. Friedrich Aug. Wendorff,[10] Gutsherr, dann Wilhelm Wendorff sowie Eberhard Wendorff.[11] 1914 bestand sein Rittergut aus 820 ha, davon 733 ha Ackerflächen. Die Familie betrieb damals eine Dampfbrennerei. Ende der 1930er Jahre galten die Wendorff`schen Erben als Eigentümer, amtlich von 810 ha.[12]
Politische Historie
Ab dem 19. Jahrhundert bestanden der politische Gutsbezirk Naulin und die Landgemeinde Naulin nebeneinander. Im Jahre 1910 zählte der Gutsbezirk Naulin 218 Einwohner, die Landgemeinde Naulin 129 Einwohner. Später wurde der Gutsbezirk in die Landgemeinde eingemeindet.
Vor 1945 bildete Naulin eine Landgemeinde im Kreis Pyritz der preußischen Provinz Pommern. Zur Landgemeinde gehörte neben Naulin der Wohnplatz Eisenbahnhaltestelle Naulin.[13]
Nach dem Zweiten Weltkrieg kam Naulin, wie ganz Hinterpommern, an Polen. Die Bevölkerung wurde durch Polen ersetzt. Der Ortsname wurde zu „Nowielin“ polonisiert.
Einwohner
| Jahr | Einwohnerzahl |
|---|---|
| 1925 | 517 |
| 1939 | 384[14] |
| 2006 | 481 |

Baudenkmäler
- Dorfkirche Nowielin, 13. Jh. und um 1500
- Ruine des Herrensitzes Naulin, erbaut um 1790
Siehe auch
Literatur
- Naulin/ Kirche Naulin, In: Ludewig-Wilhelm Brüggemann (Hrsg.): Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königl. Preußischen Herzogthums Vor- und Hinter-Pommern. (Theil) II, Band 1, Abt.: Der Pyritzsche Kreis. H. G. Essenbart, Stettin 1784, S. 154 f. Nr. 44.
- Naulin. Bauerndorf und Rittergut, In: Heinrich Berghaus: Landbuch des Herzogtums Pommern. Teil II. Band 3. Verlag W. Dietze, Anklam 1868, S. 727–729.
- Kirche Naulin, In: Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Band II/(2): Nordostdeutschland. (1906), Hrsg.: Im Auftrag des Tages für Denkmalpflege, Verlag Ernst Wasmuth, Berlin 1906, S. 305.
Weblinks
- Naulin bei Meyers Gazetteer (mit historischer Landkarte)
Fußnoten
- ↑ Klaus Conrad (Bearb.): Pommersches Urkundenbuch. Band 1. 2. Auflage. Böhlau Verlag, Köln und Wien 1970, Nr. 377, bei Fn. 18.
- ↑ Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Der in Deutschland eingeborene Adel (Uradel). 1904. Jg. 5, Justus Perthes, Gotha 1904, S. 306 f.
- ↑ a b Ludwig Wilhelm Brüggemann: Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königlich-Preußischen Herzogtums Vor- und Hinterpommern. II. Teil, 2. Band. H. G. Essenbart, Stettin 1784, S. 154–155, Ziff. 44.
- ↑ Vgl. Karl von Hagen a. d. H. Naulin (in Einbeck): Sigmund von Hagen (1654 bis 1631). In: Thüringisch-Sächsische Zeitschrift für Geschichte und Kunst. II. Band, Gebauer-Schwetschke Verlag m.b.H, Halle a.d.S 1912, S. 226 ff.
- ↑ Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Gräflichen Häuser. 1922. Jahrgang 95, Justus Perthes, Gotha 1921, S. 382.
- ↑ Hans Friedrich von Ehrenkrook, Jürgen von Flotow, Johann Georg von Rappard: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. A (Uradel). 1953. Band I, Band 5 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, Glücksburg (Ostsee) 1953, S. 111 f.
- ↑ Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Der in Deutschland eingeborene Adel (Uradel). 1904. Jg. 5, Justus Perthes, Gotha 1904, S. 310 f.
- ↑ Vgl. Ahnen-Tafel Herrn Bernd Friedrich, Graf von Küssow, In: Johann Gottfried Dienemann: Nachrichten vom Johanniterorden, insbesondere von dessen Herrenmeisterthum. Hrsg. Johann Erdmann Hasse, George Ludewig Winter, Berlin 1767, S. 372.
- ↑ Amtsblatt der Königlichen Preußischen Regierung zu Frankfurt a.d. Oder. Nr. 12-1816, Selbstverlag, Frankfurt a. d. O. 1816, S. 104.
- ↑ Vgl. Paul Ellerholz: Handbuch des Grundbesitzes im Deutschen Reiche. I: Das Königreich Preussen. Band 2 (II. Lieferung): Provinz Pommern. Nicolaische Verlags-Buchhandlung R. Stricker, Berlin 1884, S. 144 f.
- ↑ Ernst Seyfert: Güter-Adreßbuch für die Provinz Pommern. 1914. In: Niekammer`Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher. Band I, 4. Auflage, Reichenbach`sche Verlagsbuchandlung, Leipzig 1914, S. 60.
- ↑ H. Seeliger (Hrsg.): Landwirtschaftliches Adreßbuch der Provinz Pommern. 1939. In: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher. Band I, 9. Auflage, Selbstverlag von Niekammer's Adreßbüchern G.m.b.H., Leipzig 1939, S. 154.
- ↑ Gemeinde Naulin im Informationssystem Pommern ( vom 19. Mai 2019 im Internet Archive)
- ↑ Michael Rademacher: Landkreis Pyritz. Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006. In: eirenicon.com.
Koordinaten: 53° 6′ N, 14° 53′ O
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Dorfkirche von Nowielin vom südlichen Eingang des Kirchhofs gesehen