North American A-5
| North American A-5 Vigilante | |
|---|---|
Eine RA-5C der Aufklärungs- und Angriffsstaffel RVAH-7 der U.S. Navy | |
| Typ | Bomber (A-5A/B) Aufklärungsflugzeug (RA-5C) |
| Entwurfsland | |
| Hersteller | North American Aviation |
| Erstflug | 30. August 1958 |
| Indienststellung | Juni 1961[1] |
| Produktionszeit | 1956 bis 1963 |
| Stückzahl | 158 |


Die North American A-5 Vigilante (lat.: die Wachsame) war ein trägergestützter, überschallschneller Allwetterbomber der U.S. Navy, der nur kurze Zeit in seiner eigentlichen Rolle im Einsatz war, aber lange Zeit als Aufklärer eingesetzt wurde.
Entwicklung
Die Ohio Division der North American Aviation begann im November 1953 unter der Bezeichnung North American General Purpose Attack Weapon (NAGPAW) mit der Entwicklung eines trägergestützten Langstreckenbombers, der Nuklearwaffen mit Überschallgeschwindigkeit zum Ziel bringen konnte. Nach einigen Anforderungsänderungen seitens der Marine im Januar 1955 und der Bewertung einer Attrappe im März 1956[2] erhielt North American am 29. Juni 1956 eine Absichtserklärung der Marine und am 29. August 1956 wurde ein Vertrag über die Lieferung von zwei Prototypen XA3J-1 unterschrieben.[3]
Der Rollout des ersten Prototyps fand Mitte Mai 1958 statt, und den Erstflug der A-5 (noch als A3J-1 bezeichnet) führte Richard Wenzel als Testpilot am 31. August 1958 durch. Am 5. September 1958 erreichte die Maschine erstmals Überschallgeschwindigkeit. Im November folgte der Erstflug des zweiten Prototyps, der jedoch im Juni 1959 wegen Fehlern in der Hydraulik und Elektrik abstürzte. Der Vertrag zum Serienbau war schon vorher im Januar 1959 unterschrieben worden. Bis Juli 1960 fanden die Trägertests an Bord der Saratoga statt. In dieser Zeit erreichte eine A-5 am 13. Dezember 1960 die Weltrekordhöhe von 27.872 m mit 1000 kg Nutzlast.[2] Im Juni 1961 wurden die ersten Maschinen bei der Staffel VAH-3 in Dienst gestellt, wo sie die Douglas A-3 Skywarrior als schweren Bomber ersetzten.
Die verbesserte A-5B wurde im April 1962 bestellt und im Juni 1962 eingeführt. Sie unterschied sich durch einen größeren Treibstoffvorrat im vergrößerten Rumpfrücken, angeblasene Vorflügel, größere Klappen und vier statt zwei Pylone unter den Tragflächen von der A-Version. Nur zwei Maschinen dieser Version wurden direkt ausgeliefert, vier dienten der Umschulung und die restlichen zwölf wurden sofort im Herstellerwerk zu RA-5C umgebaut, wobei ein Seitensichtradar, ein Infrarotsensor sowie verschiedene Kameras und Sensoren und weitere Geräte eingebaut wurden.[2][4]
Einsatz


Im Rahmen der Umbenennung der Luftfahrzeuge der US-Streitkräfte im Jahr 1962 wurde die A3J-1 in A-5A, die A3J-2 in A-5B und die später gebaute Aufklärerversion von A3J-3P in RA-5C umbenannt.
Zu den Problemen mit der fortgeschrittenen Technik der Vigilante kam ein Wechsel in der Nuklearstrategie der U.S. Navy. Der Schwerpunkt wurde von bemannten Bombern, die von Trägern starteten, auf ballistische Raketen, die von U-Booten abgefeuert wurden, verlagert. So wurden 1963 alle Bomber (A-5A und A-5B) außer Dienst gestellt und zu Aufklärern (RA-5C) umgebaut sowie im Juli 1963 wieder in Dienst gestellt. Die Staffeln wurden in RVAH umbenannt.
Über Vietnam wurde die RA-5C verstärkt eingesetzt, zum ersten Mal im August 1964. Die Vigilante flog zahlreiche, teils sehr gefährliche Tiefflugaufklärungseinsätze, bei denen 18 Maschinen durch die feindliche Luftabwehr abgeschossen wurden. Weitere Maschinen gingen bei Unfällen verloren, so dass von 1968 bis 1970 36 Ersatzmaschinen nachproduziert wurden.
Obwohl ihr Einsatz über Vietnam erfolgreich war, überstiegen die Unterhaltskosten und die Komplexität des Flugzeugs im Betrieb den Nutzen, so dass 1974 mit der Ausmusterung begonnen wurde. Das letzte Flugzeug wurde im September 1979 stillgelegt.
Konstruktion
Zum Zeitpunkt ihrer Einführung war die Vigilante eines der größten und komplexesten Flugzeuge, das von Flugzeugträgern aus eingesetzt wurde.
Es hatte hoch angesetzte Pfeilflügel mit angeblasenen Klappen. Die weit auseinanderliegenden General Electric J79 Strahltriebwerke wurden auch in der etwa zeitgleich eingeführten F-4 Phantom eingesetzt. Die Vigilante war eines der ersten Flugzeuge, das einen Triebwerkseinlauf mit variabler Geometrie verwendete. Hiermit konnte die Überschallströmung vor dem Triebwerksverdichter auf Unterschallgeschwindigkeit verlangsamt werden.[5] Die Besatzung (Pilot, Bombenschütze/Navigator, später Aufklärer/Navigator) saß hintereinander auf separaten Schleudersitzen.
Für seine Größe war das Flugzeug extrem agil und wendig und erreichte dank der starken Triebwerke eine hervorragende Steigleistung. Seine hohe Landegeschwindigkeit hingegen bereitete auf den engen Trägerdecks oftmals Probleme.
Die Elektronik der Vigilante galt in ihrer Zeit als sehr fortschrittlich: Unter anderem hatte sie eines der ersten Fly-by-Wire-Steuerungssysteme, Head-up-Displays und einen der ersten Bordcomputer (VERDAN = „Versatile Digital Analyzer“), der aber unter etlichen Problemen litt. Die durchschnittliche Zeit zwischen dem Auftreten von Fehlern betrug 15 Minuten, was die Maschine besonders zu Beginn ihrer Einsatzzeit extrem unzuverlässig machte. Die komplexe Elektronik machte die A-5 auch für die Wartungstechniker zu einem Alptraum.
Das Flugzeug hatte zwei Unterflügelstationen, die für Zusatztanks gedacht waren. Die Hauptbewaffnung war eine einzelne Atombombe (meist Mk 28), die in einem Schacht zwischen den Triebwerken untergebracht war. Diese sollte zusammen mit zwei dann leeren Treibstofftanks, die sich ebenfalls im Schacht befanden, am Ziel ausgestoßen werden. Dieses System war aber sehr ungenau und obendrein unzuverlässig, es kam häufig zu Problemen, unter anderem fielen bei Katapultstarts die Tanks, aber manchmal auch die scharfe Kernwaffe auf das Deck des Trägers. Bei der Aufklärungsvariante wurde der Schacht nur noch für Treibstoff genutzt, aber selbst das war nie ganz problemlos.




Bei der RA-5C waren die Tragflächen gegenüber dem Bomber leicht vergrößert und unter dem Rumpf in einer Abdeckung verschiedene Aufklärungsgeräte untergebracht: Unter anderem ein APD-7-Seitenblick-Radar, ein AAS-21 Infrarotscanner sowie mehrere Kameras. Sie behielt ihren Waffenschacht, konnte also theoretisch noch für Angriffe eingesetzt werden. Die später gebauten Maschinen erhielten etwas stärkere Triebwerke mit 80 Kilonewton Schub.
Versionen

NA-233 Nagpaw
Frühes Konzept eines Tiefflugangriffsflugzeuges
NA-247 / YA3J-1
Prototypen (2 Maschinen)
- Bu.No. 145157, 145158 c/n 247-1 & 2
NA-247 / A3J-1
Frühe Serienvariante der Bomberversion.
- Bu.No. 146694 – 146702 c/n 247-3 – 11 (9 Stück)
- Bu.No. 146703 – 146708, der Auftrag wurden zurückgezogen.
NA-263 / A3J-1 später A-5A
- Bu.No. 147850 – 147863 c/n 263-1 – 14 (14 Stück)
NA-269 / A3J-1 später A-5A
- Bu.No. 148924 – 148933 c/n 269-1 – 10 (10 Stück)
- Bu.No. 149276 – 149299 c/n 269-11 – 34 (24 Stück)
43 der A3J-1 (A-5A) wurden später zu A3J-3P (RA-5C) umgerüstet.
NA-269 / A3J-2 später A-5B
Spätere Bombervariante
- Bu.No. 149300 – 149305 c/n 269-35 – 40 (6 Stück)
NA-269, 279, 283 / A3J-3P später RA-5C
Langstrecken-Fotoaufklärungsflugzeug
- Bu.No. 149306 – 149317 c/n 269-41 – 52 (12 Stück)
- Bu.No. 150823 – 150842 c/n 279-1 – 20 (20 Stück)
- Bu.No. 151615 – 151634 c/n 283-21 – 40 (20 Stück)
- Bu.No. 151726 – 151728 c/n 283-41 – 43 (3 Stück)
- Bu.No. 150823 – 150842 c/n 279-1 – 20 (20 Stück)
Plus 43 Umgebaute A-5A
NR-349 Retaliator

Die NR-349 Retaliator war North Americans Vorschlag für ein Hochleistungsjagdflugzeug für die US Air Force als Variante der A-5 mit drei Triebwerken. Ein drittes General Electric J79 befand sich im Schacht zwischen den beiden anderen Triebwerken mit zwei schmalen Lufteinlässen etwas nach hinten versetzt oberhalb der Einlässe der anderen Triebwerke. Das Flugzeug sollte mit sechs AIM-54 Phoenix an Unterrumpfstationen bewaffnet werden. Da kein Entwicklungsauftrag folgte, blieb es bei Plänen, Zeichnungen und Modellen.[6]
Technische Daten




| Kenngröße | Daten der RA-5C |
|---|---|
| Besatzung | 2 |
| Länge | 23,11 m |
| Flügelspannweite | 16,15 m |
| Flügelfläche | 70,05 m² |
| Flügelstreckung | 3,72 |
| Tragflächenbelastung |
|
| Höhe | 5,92 m |
| Leermasse | 17.009 kg |
| normale Startmasse | 28.580 kg |
| maximale Startmasse | 36.285 kg |
| Treibstoffkapazität | 13.730 kg (intern) |
| Höchstgeschwindigkeit | Mach 2,1 bzw. 2.230 km/h (mit Nachbrenner auf optimaler Höhe) |
| Dienstgipfelhöhe | 20.400 m |
| Einsatzradius | 2.075 km (mit Zusatztanks) |
| Überführungsreichweite | 5.015 km (mit Zusatztanks) |
| Bewaffnung | keine |
| Triebwerk | zwei General Electric J79-GE-10-Turbojets mit je 79,47 kN |
| Schub-Gewicht-Verhältnis |
|
Siehe auch
Literatur
- Heiko Müller: Karriere mit Umwegen – Die Vigilante barg so viel neue Techniken wie kein anderes Flugzeug ihrer Zeit. in: Flug Revue Edition Klassiker der Luftfahrt 2/05, S. 46–51
- Robert R. Powell: RA-5C Vigilante Units in Combat. Osprey Publishing, London 2004. ISBN 1-84176-749-2
Weblinks
- Greg Goebel: North American A-5/RA-5 Vigilante. 1. Dezember 2021, abgerufen am 1. Februar 2023 (englisch).
- Detailansichten eines Modells des Projekts NR-349 Retaliator
Einzelnachweise
- ↑ William J. Armstrong: Aircraft Data – Technical Information and Drawings. In: Roy A. Grossnick (Hrsg.): Dictionary of American Naval Aviation Squadrons. Band 1. Naval Historical Center, Department of the Navy, Washington, D.C. 1995, ISBN 978-0-16-045296-3, A3J (A-5) Vigilante, S. 448 (englisch, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
- ↑ a b c Fliegerrevue Juli 2013, S. 52–55, North American A-5 Vigilante – der Zeit voraus
- ↑ Joseph F. Baugher: North American A3J-1 Vigilante. Archiviert vom am 23. Dezember 2023; abgerufen am 22. Juli 2025.
- ↑ Bill Yenne: The Story of the Boeing Company. Zenith Imprint, 2005, ISBN 0-7603-2333-X, S. 108 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
- ↑ M. Hill Goodspeed: North American A3J (A-5) Vigilante. In: Wings of Fame Volume 19, 2000, S. 77.
- ↑ Jay Miller, Michael Grove: North American Rockwell A3J/A-5 Vigilante. Aerofax Minigraph, ISBN 0-942548-14-0, ISBN 978-0-942548-14-3
Auf dieser Seite verwendete Medien
n A three-quarter portside aerial view of an RA-5C Vigilante aircraft (b/n 156608), Reconnaissance Attack Squadron 7 (RVAH-7) known as the "Peacemakers of the Fleet" and was assigned to the USS RANGER (CV 61) from February 21 to September 22, 1979. This photo of Aircraft #156608 was taken during the last deployment of RVAH-7 aboard USS Ranger taken over the Philippines. The final flight of this aircraft was the final flight made by any Vigilante. It originated at NAS Key West FL and terminated at NAS Memphis, Millington TN. The flight was flown in its entirety with the landing gear extended due to a hydraulic problem. Pilot was LT Bill Westmoreland and the navigator was LCdr Al Plunkett. The plane is currently being restored and will be on display at the Millington-Memphis Regional Jetport. RVAH-7 was officially decommissioned in October 1979. The exact date the photo was taken is unknown.
An overhead aerial view of an RA-5C Vigilante aircraft, Reconnaissance Attack Squadron 7 (RVAH-7) known as the "Peacemakers of the Fleet" and was assigned to the USS RANGER (CV 61) from February 21 to September 22, 1979. This photograph may show the Vigilante's last flight, since all Vigilante aircraft were officially retired in September 1979 and the RVAH-7 was officially decommissioned in October 1979. The exact date photo taken is unknown.
North American NA-349 interceptor (A-5 Vigilante)
A North American Aviation A3J-1 Vigilante (Navy serial number 147858/NASA tail number 858) arrived from the Naval Air Test Center, Patuxent River (Maryland, USA), on 19 December 1962 at the NASA Flight Research Center (now Armstrong Flight Research Center, Edwards, California). The Center flew the A3J-1 in a year-long series of flights in support of the U.S. supersonic transport program. The Center flew the aircraft to determine the let-down and approach conditions of a supersonic transport flying into a dense air traffic network. These flights followed two flight plans that were based upon earlier NASA Flight Research Center studies, one for a variable-sweep wing configuration and the other for a delta-wing configuration. NASA Flight Research Center test pilot William H. Dana made approximately 21 flights along federal airways that entered Los Angeles. With the completion of the research flights, the Center sent the A3J-1 back to the Navy on 20 December 1963.
3-view of an A-5A Vigilante aircraft
Five North American A3J-1 Vigilante bombers of heavy attack squadron VAH-7 Peacemakers of the Fleet, Carrier Air Group 6 (CVG-6), on the U.S. aircraft carrier USS Enterprise (CVAN-65) in 1962.
American A-5A Vigilante cockpit control panel (Navy serial number 147858/NASA tail number 858).
Autor/Urheber: Lirdon, Lizenz: CC BY-SA 4.0
Silhouettes of the various A-5 Vigilante Models
A North American RA-5C Vigilante reconnaissance plane (BuNo 149295) of heavy reconnaissance squadron RVAH-11 Checkertails on the carrier USS Kitty Hawk (CVA-63) during a deployment to Vietnam in 1968. A Douglas KA-3B Skywarrior (BuNo 138971) of VAH-4 Det. 63 Fourrunners is parked behind the Vigilante. Both squadrons were assigned to Carrier Air Wing Eleven (CVW-11). The radar mast located aft of the carrier's island carries the SPS-30 radar.
A three-quarter portside aerial view of an RA-5C Vigilante aircraft (b/n 156608), Reconnaissance Attack Squadron 7 (RVAH-7) known as the "Peacemakers of the Fleet" and was assigned to the USS RANGER (CV 61) from February 21 to September 22, 1979. This photo of Aircraft #156608 was taken during the last deployment of RVAH-7 aboard USS Ranger taken over the Philippines. The final flight of this aircraft was this the final flight made by any Vigilante. It originated at NAS Key West FL and terminated at NAS Memphis, Millington TN. The flight was flown in its entirety with the landing gear extended due to a hydraulic problem. Pilot was LT Westmoreland and the navigator was LCdr Al Plunkett. The plane is currently being restored and will be on display at the Millington-Memphis Regional Jetport. RVAH-7 was officially decommissioned in October 1979.
A U.S. Navy North American RA-5C Vigilante (BuNo 156640) of Reconnaissance Heavy Attack Squadron 3 (RVAH-3) "Sea Dragons" in flight on 1 June 1976.
A U.S. Navy North American RA-5C Vigilante of Reconnaissance Heavy Attack Squadron 3 (RVAH-3) "Sea Dragons" is parked on the flight line at Naval Air Station Sanford, Florida (USA), on 27 March 1968.
Diese RA-5C war als eine von vier Maschinen bis 1972 bei der RVAH-14 an Bord der U.S.S. John F. Kennedy stationiert.
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Dreiseitenriss einer RA-5C
Der Urheber ist:
Markus Kutscher, Frankfurt, GermanyA U.S. Navy North American RA-5C Vigilante (BuNo 146696) from Reconnaissance Heavy Attack Squadron 1 (RVAH-1) "Smokin' Tigers" lands on the aircraft carrier USS Saratoga (CVA-60) in May 1969. RVAH-1 was assigned to Attack Carrier Air Wing 3 (CVW-3) aboard the Saratoga during operations in the Western Atlantic between March and June 1969.