Natalie Wood

Natalie Wood, 1973
Unterschrift von Natalie Wood
Unterschrift von Natalie Wood

Natalie Wood (* 20. Juli 1938 als Natalia Nikolaevna Zakharenko in San Francisco; † 29. November 1981 vor Santa Catalina Island) war eine US-amerikanische Schauspielerin. Sie erreichte in den 1950er- und 1960er-Jahren mit Filmen wie … denn sie wissen nicht, was sie tun und West Side Story große Popularität und wurde unter anderem mit drei Golden Globe Awards ausgezeichnet.

Leben und Karriere

Natalie Woods Eltern waren aus Russland in die USA eingewandert. Die Arbeiterfamilie lebte in eher armen Verhältnissen, und Natalie wurde von ihrer Mutter schon früh zu einer Filmkarriere ermutigt.

Bereits im Alter von vier Jahren erhielt sie eine erste kleine Rolle im Film Happy Land unter der Regie von Irving Pichel, der auch als ihr Entdecker gilt. Die erste bedeutende Rolle hatte Wood im Jahr 1946 abermals unter Pichels Regie, als sie im Film Morgen ist die Ewigkeit neben Claudette Colbert und Orson Welles ein österreichisches Waisenmädchen spielte.[1] Danach folgte bereits eine der Hauptrollen in George Seatons Weihnachtsklassiker Das Wunder von Manhattan, in dem sie die Tochter von Maureen O’Hara spielte, die dem Weihnachtsmann begegnet. Mit diesem Erfolg wurde Wood zu einem beliebten Kinderstar in Hollywood. Danach spielte sie vor allem in Familienfilmen als Tochter von Stars wie James Stewart, Gene Tierney, Fred MacMurray und Bette Davis. Ab den 1950er-Jahren war Wood auch im aufkommenden Fernsehen zu sehen, etwa in einer der Hauptrollen der Familienserie The Pride of the Family (1953–1954).

Natalie Wood mit Tab Hunter bei der 28. Oscarverleihung (1956)

Der Wechsel vom Kinderstar zum Teenie-Idol gelang Wood als gegen ihre Eltern rebellierende Jugendliche in … denn sie wissen nicht, was sie tun (1955) an der Seite von James Dean. Für die Darstellung der Judy, um die sich Wood für einen Imagewandel eifrig bemüht hatte, erhielt sie eine Oscar-Nominierung als beste Nebendarstellerin und den Golden Globe Award als beste Nachwuchsdarstellerin. Im Jahr 1956 spielte sie dann eine kurze, aber wichtige Rolle in John Fords Westernklassiker Der schwarze Falke als von Indianern entführtes Siedlermädchen. Es folgten unter anderem zwei Filme mit Tab Hunter als ihrem Partner sowie die Hauptrolle im Melodram Die Liebe der Marjorie Morningstar, in dem sie an der Seite von Gene Kelly ein junges jüdisches Mädchen aus New York darstellte, das eine Künstlerin zu werden versucht. Diese Rollen machten sie Ende der 1950er-Jahre nicht nur zu einem populären Star, sondern auch zu einer ernsthaften Darstellerin – wenngleich es hinsichtlich Woods Schauspielkunst öfters geteilte Meinungen gab, wobei viele sie für einen der vielseitigsten Hollywood-Stars hielten, aber andere eher ihre Film- und Rollenauswahl für besser als ihr eigentliches Schauspiel betrachteten.[2]

Für ihre Hauptrolle an der Seite von Warren Beatty in Elia Kazans Drama Fieber im Blut (1961) über das Scheitern einer Liebe im puritanischen Kansas der 1920er-Jahre erhielt sie eine weitere Oscar-Nominierung. Ihren wohl größten Kinoerfolg hatte sie im Jahr 1961 mit der Rolle der Maria in der Verfilmung von Leonard Bernsteins Musicalverfilmung West Side Story. Sie war darin allerdings nur in den Sprechszenen selbst zu hören. Ihre Singstimme war die von Marni Nixon, die dann auch Audrey Hepburns Stimme in dem Filmmusical My Fair Lady ersetzte. Im folgenden Jahr spielte sie an der Seite von Rosalind Russell in Gypsy – Königin der Nacht die Burlesque-Künstlerin Gypsy Rose Lee, wobei Wood auch ihr Gesangstalent unter Beweis stellen konnte. Unter der Regie von Robert Mulligan war sie 1964 in dem Abtreibungsdrama Verliebt in einen Fremden (1964) zu sehen, für das sie mit gerade 25 Jahren ihre dritte Oscar-Nominierung erhielt, was damals Rekord war. Im darauffolgenden Jahr spielte sie in der Komödie Das große Rennen rund um die Welt (1965) neben Tony Curtis, Jack Lemmon und Peter Falk die weibliche Hauptrolle spielte. 1966 war sie an der Seite von Robert Redford in Sydney Pollacks Liebesdrama Dieses Mädchen ist für alle zu sehen und spielte darin erneut in einer tragisch endenden Liebesgeschichte.

1969 verkörperte Wood in der für vier Oscars nominierten Komödie Bob & Carol & Ted & Alice von Paul Mazursky die Rolle der Carol, die mit ihrem Ehemann eine offene Beziehung ausprobiert. In den 1970er-Jahren wurde es um Natalie Wood ruhiger, da sie sich nach der Geburt ihrer Kinder stärker diesen widmen wollte, und seltener vor die Kamera trat. In dieser Zeit wirkte sie vor allem an Fernsehfilmen mit und drehte kaum noch für das Kino. Im Jahr 1980 konnte sie wieder auf sich aufmerksam machen, als sie einen Golden Globe Award für ihre Hauptrolle in der Fernseh-Miniserie Verdammt in alle Ewigkeit gewann; sie spielte die Rolle, die Deborah Kerr in der Kinoverfilmung des Buches 1953 gespielt hatte. Zum Zeitpunkt ihres Todes arbeitete sie mit Christopher Walken zusammen an dem Film Projekt Brainstorm, der 1983 posthum herauskam.

Privatleben

Wood und der Schauspieler Robert Wagner, mit dem sie von 1957 bis 1962 zum ersten Mal verheiratet war, galten als eines der Traumpaare der 1950er- und 1960er-Jahre. Nach ihrer kurzen Ehe mit dem englischen Produzenten und Agenten Richard Gregson von 1969 bis 1972 sowie der Geburt ihrer Tochter, der Schauspielerin Natasha Gregson Wagner (* 1970), heirateten Wood und Wagner 1972 ein zweites Mal. Sie hatten eine gemeinsame Tochter, Courtney Wagner[3] (* 1974).[4]

Wood berichtete in späteren Jahren, sie sei 1955 im Alter von 16 Jahren im Chateau Marmont Hotel von einem berühmten Schauspieler vergewaltigt worden. Natalie Woods jüngere Schwester Lana Wood schrieb 2021 in der Autobiografie Little Sister, dass Kirk Douglas der Täter gewesen sei, worüber es bereits jahrzehntelang Gerüchte gegeben hatte.[5]

Mysteriöser Tod

Natalie Woods Grab im Westwood Memorial Park

Während der Dreharbeiten zu Brainstorm unternahm Wood im November 1981 einen Yachtausflug mit ihrem Ehemann Robert Wagner, ihrem Brainstorm-Schauspielkollegen Christopher Walken und dem Bootskapitän Dennis Davern. Sie verschwand in der Nacht vom 28. auf den 29. November nahe Santa Catalina Island von dem Boot, wobei die Umstände ihres Todes bis heute ungeklärt und Gegenstand vieler Spekulationen sind. Am Morgen des 29. November wurde ihre Leiche rund eine Meile entfernt im Wasser treibend aufgefunden. Ihre letzte Ruhe fand Natalie Wood auf dem Prominentenfriedhof Westwood Village Memorial Park Cemetery.

In der Nähe der Leiche befand sich auch das Dingi des Bootes. Der Gerichtsmediziner Thomas Noguchi stufte den Fall als Unfalltod durch Ertrinken und Unterkühlung ein. Nach einer Theorie versuchte die zum Zeitpunkt ihres Todes stark betrunkene Wood, mit dem Dingi das Land zu erreichen, und ertrank dabei.[6] Eine andere Vermutung war, Wood habe vorm Schlafengehen das laut gegen die Yacht schlagende Dingi anders befestigen wollen und sei dabei über Bord gegangen.[7] Zwei Personen auf einem nahegelegenen Boot gaben an, in der Nacht weibliche Hilfeschreie gehört zu haben.[6]

Gegenüber dieser Unfalltheorie entwickelten sich teilweise starke Zweifel. Ihre Schwester Lana Wood erklärte, dass Natalie als Nichtschwimmerin ihr Leben lang Angst vor Wasser gehabt habe, weshalb sie ihrer Meinung nach niemals das Schiff alleine verlassen hätte.[8] Im Jahr 2011 äußerte sich der Bootskapitän Davern und widersprach eigenen früheren Aussagen. Nach Daverns neuen Angaben gab es in der Todesnacht einen Streit zwischen Wood und Wagner, und nach ihrem Verschwinden habe Wagner ihn zunächst davon abgehalten, die Suchlichter einzuschalten und die Polizei zu verständigen. Davern hält Wagner für Woods Tod „verantwortlich“.[9]

Anschließend wurden die Todesumstände im November 2011 nochmals untersucht, ohne konkretes Ergebnis.[10][11] Der bis dahin als Unfall eingestufte Todesfall wurde im Januar 2013 erneut bewertet und ein neuer Autopsiebericht wurde angefertigt. Ihr Tod wird nunmehr auf „unbestimmte Ursachen“ zurückgeführt. Demnach wies Woods Leichnam Blutergüsse und Kratzer an Armen, Beinen und der Stirn auf, die sie sich wahrscheinlich vor dem Sturz ins Wasser zugezogen hat. Ob es sich dabei um Gewalteinwirkungen durch einen anderen Menschen oder um normale Verletzungen, etwa vom Hinabklettern ins Dingi, handelte, konnte nicht mehr festgestellt werden.[12][13][14] Diese Verletzungen wurden auch 2020 von einem Praktikanten Noguchis zur Zeit von Woods Tod bestätigt, der eine Vertuschung als möglich ansieht.[15]

Bei neuen Ermittlungen der US-Polizei im Jahr 2018 rückte Woods Witwer Wagner als Person of Interest ‚Person von (polizeilichem) Interesse‘ in den Fokus der Ermittlungen.[16] Man wisse nun, dass Wagner die letzte Person gewesen sei, die Wood vor ihrem Tod sah.[17] Wagner behauptete 2020 in einem Interview, niemand hätte in der Nacht etwas gehört und ihm sei erst später aufgefallen, dass sie nicht in ihrer Kabine sei. Das vierte Mitglied des Bootsausflugs, Christopher Walken, machte Aussagen gegenüber der Polizei, äußerte sich öffentlich aber nur wenige Male knapp zu Woods Tod.[18] Die beiden Töchter von Wood haben ihren Stiefvater bzw. Vater Wagner öffentlich gegen Mordspekulationen verteidigt.[19][20]

Filmbiografie

Im Jahr 2004 verfilmte der US-amerikanische Regisseur Peter Bogdanovich Woods Lebensgeschichte in der Miniserie The Mystery of Natalie Wood mit der südafrikanischen Schauspielerin Justine Waddell in der Hauptrolle. Als Koproduzentin war auch Woods jüngere Schwester Lana an dem Film beteiligt. Robert Wagner wurde dabei von Michael Weatherly verkörpert, Warren Beatty von Matthew Settle.

In seinem Film Once Upon a Time in Hollywood (2019) spielt Quentin Tarantino auf Woods Todesumstände an, indem er der verstorbenen Ehefrau des Charakters Cliff Booth eine ähnliche Geschichte gibt. Auch dort wird mehrfach über die wahren Umstände spekuliert, das Rätsel jedoch nicht aufgelöst.[21]

Filmografie (Auswahl)

(c) Jack Mitchell, CC BY-SA 4.0
Natalie Wood (1979), Foto von Jack Mitchell

Auszeichnungen

Natalie Woods Stern auf dem Hollywood Walk of Fame

Oscars

  • 1956: Nominierung in der Kategorie Beste Nebendarstellerin für … denn sie wissen nicht, was sie tun
  • 1962: Nominierung in der Kategorie Beste Hauptdarstellerin für Fieber im Blut
  • 1964: Nominierung in der Kategorie Beste Hauptdarstellerin für Verliebt in einen Fremden

Golden Globe Awards

British Academy Film Award

Festival Internacional de Cine de Mar del Plata

  • 1964: Auszeichnung in der Kategorie Beste Schauspielerin für Verliebt in einen Fremden

Saturn Award

Hollywood Walk of Fame

  • 1986: Stern in der Kategorie Film (7000 Hollywood Blvd.)
Commons: Natalie Wood – Sammlung von Bildern und Videos

Einzelnachweise

  1. Sue Matheson: The John Ford Encyclopedia. Bloomsbury Publishing USA, 2019, ISBN 979-82-1623249-0 (google.de [abgerufen am 6. Mai 2026]).
  2. Hal EricksonNatalie Wood (Memento vom 27. März 2023 im Internet Archive) bei AllMovie (englisch)
  3. Katherine Rosman: A Mother’s Death, a Daughter’s Life: Remembering Natalie Wood. In: The New York Times, 19. März 2016. Abgerufen am 10. September 2019.
  4. Natalie Wood: A Hollywood enigma - BBC News. 1. Dezember 2019, archiviert vom Original am 1. Dezember 2019; abgerufen am 9. April 2023.
  5. Associated Press: Natalie Wood was sexually assaulted as a teen by Kirk Douglas, her sister writes in memoir. In: The Guardian. 4. November 2021, ISSN 0261-3077 (theguardian.com [abgerufen am 27. März 2023]).
  6. a b How The Times covered Natalie Wood’s mysterious death in 1981. In: Los Angeles Times. 1. Februar 2018, abgerufen am 2. Februar 2018 (englisch).
  7. Rory Carroll: Natalie Wood's drowning death reclassified by Los Angeles coroner. In: The Guardian. 14. Januar 2013, ISSN 0261-3077 (theguardian.com [abgerufen am 5. Februar 2026]).
  8. Philip Sherwell: Natalie Wood was too ‘terrified’ of water to try to leave Robert Wagner on yacht by dinghy. 19. November 2011, ISSN 0307-1235 (englisch, telegraph.co.uk [abgerufen am 2. Februar 2018]).
  9. Scott Stump: Boat captain alleges actor Robert Wagner responsible for Natalie Wood’s death. In: today.com. (englisch, today.com [abgerufen am 2. Februar 2018]).
  10. Comeback eines mysteriösen Todesfalls. In: Spiegel Online, 18. November 2011, abgerufen am 18. November 2011.
  11. Richard Winton: Detectives find no evidence of foul play in Natalie Wood’s death. In: Los Angeles Times, 10. Januar 2012, abgerufen am 7. April 2012.
  12. Neuer Autopsiebericht: Rätselhafter Todesfall Natalie Wood. In: Spiegel Online. 15. Januar 2013 (spiegel.de [abgerufen am 10. September 2019]).
  13. Michael Remke: Natalie Woods Tod: Schrammen am Nacken, kleinere an der Stirn. 15. Januar 2013 (welt.de [abgerufen am 10. September 2019]).
  14. Geheimes Hollywood – Die dunkle Seite der Traumfabrik. ZDF-Dokumentation 2015.
  15. Suzanne Finstad: “Natalie Wood’s Drowning Was Not an Accident”: A New Book’s Shocking Findings. Abgerufen am 9. September 2020 (amerikanisches Englisch).
  16. Mysteriöser Tod von Natalie Wood: Robert Wagner rückt ins Visier der Polizei. In: stern.de. 2. Februar 2018 (stern.de [abgerufen am 2. Februar 2018]).
  17. Natalie Wood: US-Polizei hat neue, alte These zu ihrem Tod. In: Die Welt. 2. Februar 2018 (welt.de [abgerufen am 2. Februar 2018]).
  18. What has Christopher Walken said about Natalie Wood's death? Abgerufen am 9. September 2020 (englisch).
  19. Liz McNeil: Natalie Wood’s Daughter Reveals Robert Wagner ‘Never Thought I'd Make It’ After Her Mom’s Death. In: People. Abgerufen am 6. Mai 2026 (englisch).
  20. Liz McNeil: Courtney Wagner 'Furious' Over Accusations Against Her Dad Robert: 'People Exploited My Family'. In: People. 30. April 2020, abgerufen am 6. Mai 2026 (englisch).
  21. Filmstarts: Brad Pitt hat offenbar das größte Geheimnis von “Once Upon A Time In Hollywood” ausgeplappert! Abgerufen am 10. September 2019.

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Natalie Wood taken in her London Home in Belgravia.
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Natalie Wood's Star on the Hollywood Walk of Fame
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Actors Natalie Wood and Tab Hunter arrive to the 28th Academy Awards with gossip writer Louella Parsons in the background.
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Grave of Natalie Wood at Westwood Memorial Park.