Nahe (Rhein)

Nahe
Einzugsgebiet der Nahe und ihrer Zuflüsse

Einzugsgebiet der Nahe und ihrer Zuflüsse

Daten
GewässerkennzahlDE: 254
LageDeutschland
FlusssystemRhein
Abfluss überRhein → Nordsee
Quellebei Selbach (Nohfelden)
49° 32′ 27″ N, 7° 1′ 33″ O
Quellhöhe459 m ü. NHN[1]
Mündungin Bingen bei Flusskilometer 529,1 von links in den RheinKoordinaten: 49° 58′ 12″ N, 7° 53′ 19″ O
49° 58′ 12″ N, 7° 53′ 19″ O
Mündungshöhe79 m ü. NHN[1]
Höhenunterschied380 m
Sohlgefälle3 ‰
Länge125,1 km[2]
Einzugsgebiet4.067,068 km²[2]
Abfluss am Pegel Grolsheim[2]
AEo: 4013 km²
Lage: 7,4 km oberhalb der Mündung
NNQ (8. August 1986)
MNQ
MQ
Mq
MHQ
HHQ (21. Dezember 1993)
1,62 m³/s
4,48 m³/s
29,2 m³/s
7,3 l/(s km²)
342 m³/s
917 m³/s
Abfluss an der Mündung[3]
AEo: 4067 km²
MQ
Mq
29,5 m³/s
7,3 l/(s km²)
Linke NebenflüsseTraunbach, Schwollbach, Idarbach, Fischbach, Hahnenbach, Simmerbach/Kellenbach, Ellerbach, Guldenbach
Rechte NebenflüsseHeimbach, Glan, Alsenz, Appelbach, Wiesbach
Durchflossene StauseenKammerwoog, Stausee Niederhausen
MittelstädteIdar-Oberstein, Bad Kreuznach, Bingen
KleinstädteKirn, Bad Sobernheim, Bad Münster am Stein-Ebernburg
Die Nahequelle bei Selbach in der Gemeinde Nohfelden

Die Nahequelle bei Selbach in der Gemeinde Nohfelden

Nahebrücke in Bad Kreuznach

Nahebrücke in Bad Kreuznach

Blick vom Rüdesheimer Berg zur Mündung der Nahe in den Rhein mit einer Brücke für linksrheinischen Eisenbahn- und Straßenverkehr; links die Altstadt von Bingen am Rochusberg, rechts der Stadtteil Bingerbrück und hinten die mittelalterliche Drususbrücke

Blick vom Rüdesheimer Berg zur Mündung der Nahe in den Rhein mit einer Brücke für linksrheinischen Eisenbahn- und Straßenverkehr; links die Altstadt von Bingen am Rochusberg, rechts der Stadtteil Bingerbrück und hinten die mittelalterliche Drususbrücke

Die Nahe (lateinisch Nava, ursprünglich keltisch Wilder Fluss) ist ein etwa 125 km langer, linker Nebenfluss des Rheins im Saarland und in Rheinland-Pfalz.

Geographie

Verlauf

Die Nahe trennt die Mittelgebirge Nordpfälzer Bergland und Hunsrück sowie die Naturräume Saar-Nahe-Bergland und Hunsrück. Sie durchfließt nacheinander den saarländischen Landkreis St. Wendel sowie die rheinland-pfälzischen Kreise Birkenfeld, Bad Kreuznach und Mainz-Bingen.

Der Fluss entspringt im Saarland im Naturraum Primstaler Höhen auf dem Südhang des 505 m hohen Eckersbergs. Die gefasste Quelle liegt nordwestlich von Selbach an einem Waldrand. Anfangs durchfließt die Nahe zwei Nohfeldener Ortsteile, zunächst Selbach und unterhalb davon Gonnesweiler. Dort erhält sie über die Bos Zufluss aus dem Stausee Bostalsee, den sie im Südosten passiert. Nach Durchfließen des Hauptortes von Nohfelden verlässt sie das Saarland in nordöstlicher Richtung und überquert die Grenze zu Rheinland-Pfalz.

Weiter in diese Richtung führt der Flusslauf unter anderem durch Hoppstädten-Weiersbach nach Idar-Oberstein. 1985 wurde hier im Stadtteil Oberstein die Nahe auf 1875 m Länge mit der Nahehochstraße überbaut, um die Altstadt vom Durchgangsverkehr der Bundesstraße 41 zu entlasten. Flussabwärts folgen die Orte Kirn, Monzingen, Bad Sobernheim und Niederhausen sowie Bad Münster am Stein, Bad Kreuznach und Gensingen.

Schließlich passiert die Nahe – nun in nördlicher Richtung fließend – den Rochusberg und gelangt nach Bingen am Rhein, wo sie am Rheinknie von Süden her beim Rheinkilometer 529,1 in den Rhein mündet. Die Nahe hat hier eine mittlere Wasserführung von 30 m³/s. Die Nahemündung gilt als Grenze zwischen Oberrhein und Mittelrhein.

Einzugsgebiet

Das Einzugsgebiet der Nahe umfasst eine Fläche von 4065 km². Es wird über den Rhein zur Nordsee entwässert

Aufgrund dieses im Vergleich zur Flusslänge großen Einzugsgebietes können im Mittel- und Unterlauf innerhalb von wenigen Stunden sehr starke Hochwässer auftreten, die aber auch schnell wieder abfließen. Dabei kann es in Bad Kreuznach zu Abflussmengen von über 1000 m³/s, an der Mündung von über 1300 m³/s kommen.

Die Ausdehnung des Einzugsgebietes ist der Karte zu entnehmen. Seine Grenzen sind im Uhrzeigersinn, beginnend im Osten:

Zuflüsse

Die Länge der Zuflüsse größer 10 km

Die linken Zuflüsse sind in dunklem, die rechten in hellem Blau talwärts aufgeführt.

Das Einzugsgebiet größer 25 km²

Die linken Zuflüsse sind in dunklem, die rechten in hellem Blau talwärts aufgeführt.

Sortierbare Tabelle

In der folgenden Tabelle werden die meisten Nebenflüsse der Nahe genannt. Angegeben wird die orographische Lage der Mündung,[1] die Länge inklusive der Quellflüsse,[2] das Einzugsgebiet,[2] die Höhenlage der Mündung[1] und die Gewässerkennzahl.[2]

Name

Lage

Länge
in km
EZG
in km²
MündungNaturraum

GKZ

Bemerkung

Höhe
in m. ü.
NHN
Ort


Oberthaler Bruchbachrechts0,900ca. 2,5 km östlich von SelbachLeißbergim Saarland
Neunkircher Bach[4]links3,5003,944389Theley-Selbacher Hochmulde
Leißberg
254-1112
Leißbach[5]
Bach aus dem Silzwald
rechts2,4003,000bei Nohfelden-Elzenberger MühleLeißberg254-1114
Enkersbruchbachlinks0,300nördlich der Elzenberger Mühle254-1115?
Kochlands-Weiher-Bachlinks0,900254-1115?
Bocksbornrechts0,800254-1115?
Schossberggrabenrechts0,600bei Nohfelden-Gonnesweiler254-1115?
Boslinks5,80012,634379in Nohfelden-Gonnesweiler254-1116
Gonnesweiler Dörrenbachlinks1,100nordöstlich von Nohfelden-Gonnesweiler254-1117?
Walhausener Bachrechts4,3007,775366gegenüber Nohfelden-TürkismühleHirsteiner Bergland
Nohfelder Kuppenland
254-1118
Söterbachlinks9,80031,452365in TürkismühlePrims-Traun-Senke
Söterner Mulde
Nohfelder Kuppenland
254-112
Kappbachlinks4,2003,407358254-1132
Pedelsbachrechts1,544
Wallgrabenrechts0,700in Nohfelden254-113?
Freisbachrechts12,90043,369350in Nohfelden254-114
Kellerbachlinks2,8113,922344254-1152in Rheinland-Pfalz
Neubrücker Mühlbachlinks0,4430,134337bei Ellweiler-Neubrücker Mühle254-1154Ursprung: Abschlag von Traunbach
Traunbachlinks19,18364,671335bei Ellweiler-Neubrücker Mühle254-116
Obelsfluß / Rohwiesfloßrechts1,3482,441332254-1172
Bach vom Weisenbergrechts1,5150,898331254-11792
Steinaubachlinks10,47126,092330nach Hoppstädten-Weiersbach-Neubrücke254-118
Hoppstädter Bachlinks0,8551,353328254-11912
Weiersbachrechts2,1712,306327254-119192
Staffelbachlinks5,29210,439326nach Hoppstädten-Weiersbach-Hoppstädten254-1192
Mühlenbachlinks1,1621,040325254-11992
Bach an der Mausemühlerechts0,8990,394322254-11994
Bach am Steinernen Mannrechts1,8331,666322254-11996
Heimbach mit Oberlauf Reichenbachrechts10,45174,136317vor Heimbach-Bahnhof Heimbach (Nahe)254-12
NNlinks0,8601,678300Grenze Nohen / Hoppstädten254-132
Kleiner Hohlbachrechts0,4730,332298gegenüber Nohen254-1332
Nohener Bachlinks0,5690,333298in Nohen254-1334
Hohlbachrechts1,0650,779298gegenüber Nohen254-1336
Röhmbachlinks2,6152,765297in Nohen254-134
Kippbach / Odelsgrabenlinks1,2161,147290254-13912
Druckholzgrabenlinks0,325 289254-13919a
Reilsbach / Landsgrabenrechts1,3531,807288bei Nohen254-1392
Bach vom Sperrenkopf / Sperrengrabenrechts0,7720,636284bei Kronweiler254-1394
Schwollbachlinks14,45166,194283in Kronweiler254-14
Reibertsbachrechts1,5751,282281Grenze Frauenberg / Reichenbach254-1512
Ellenbachrechts3,8234,670277nördlich der Ruine Frauenburg254-152
Frauenberger Bach / Selbach rechts1,4150,873273bei Frauenberg254-15312
Waldbachrechts0,5630,249273nach Frauenberg254-153192
Schachersgrabenlinks0,877271Länge: eigene Messung
Klausgrabenrechts1,1221,032269254-1532
Teufelsgrabenlinks0,7670,604269254-1534
Lambachlinks2,1672,671267gegenüber von Idar-Oberstein-Hammerstein254-154
Siesbachlinks11,34824,825263auf der Gemeindegrenze von Oberbrombach zu Idar-Oberstein-Enzweiler254-156
Hasbachrechts0,8460,662249vor Idar-Oberstein254-1592
Idarbachlinks21,51693,665252im zentralen Idar-Oberstein254-16Mündung überbaut durch B41
Wüstlautenbachrechts4,5424,296252im zentralen Idar-Oberstein254-172Mündung überbaut durch B41
Schönlauterbachrechts6,16510,028247im zentralen Idar-Oberstein254-174Mündung überbaut durch B41
Seitzenbachlinks1,4980,735247254-1751112Mündung überbaut durch B41
Fallbachrechts0,3730,862237254-1751192
Kleintiefenbachrechts0,7530,687234254-17512
Großtiefenbachrechts3,3563,124233zwischen dem zentralen Idar-Oberstein und Idar-Oberstein-Nahbollenbach254-1752
Bollenbachrechts7,59415,614225in Nahbollenbach254-176
Ringelbachlinks3,2273,791224gegenüber von Nahbollenbach254-1792
Heidengrabenlinks0,9830,298221gegenüber Nahbollenbach254-17932
Kesselgrabenlinks0,5420,518215gegenüber Weierbach254-17934
Schnorrenbachrechts2,8092,391215in Weierbach254-1794
Dickesbachrechts4,5155,648209in Weierbach254-17992
Fischbachlinks21,33597,614208in Fischbach254-18
Reidenbachrechts7,86811,913206bei Idar-Oberstein-Niederreidenbacher Hof254-192
Bärenbachrechts11,87520,780200bei Bärenbach254-194
Rohrsbachlinks2,2722,390195bei Kirnsulzbach254-1952
Bärenbachrechts1,0790,620194gegenüber Kirnsulzbach254-19592
Großbachrechts15,19241,848189in Kirn-Ölmühle Spielmann254-196
Hahnenbachlinks37,964268,273184im zentralen Kirn254-2
Heidegraben / Meckenbachrechts4,8257,431179nach Kirn254-32
Itzbachlinks3,0182,740177254-332
Simmerbachlinks57,159395,061168beim Simmerhammer (Simmertal)254-4
Aresbachrechts3,2222,557162vor Merxheim254-512
Naugrabenrechts1,4571,627161nördlich von Merxheim254-5132
Etterbachlinks3,6574,830160gegenüber Merxheim254-514
Albachrechts5,5038,213160nördlich von Merxheim254-516
Gaulsbachlinks12,86244,576156in Monzingen254-52
Altenberger Bachrechts6,0478,852146bei Meddersheim254-54
Hottenbachrechts6,40213,765145gegenüber Bad Sobernheim254-552
Dornbachlinks6,98310,603142in Bad Sobernheim254-56
Schlossgrabenrechts1,3003,101141254-5712
Botzbachlinks4,6834,191141in Bad Sobernheim254-572
Leinenborngrabenlinks0,9171,554140östlich von Bad Sobernheim254-5792
Höhnebach / Hoenerbachlinks0,6980,720140östlich von Bad Sobernheim254-57992
Grundbachrechts5,70710,159137in Staudernheim254-58
Glanrechts89,6861220,446131nach Staudernheim254-6
Brühlgrabenrechts0,9291,118128254-712
Oberstreiterbach / Oberstreiter Bachlinks2,0802,858128254-714
Seibersbachlinks5,99710,870127am ehemaligen Bahnhof von Waldböckelheim254-72
Eisbach / Entenbachlinks3,6969,388125254-732
Hagenbachrechts5,74819,078122nach Oberhausen an der Nahe254-74
Trombachrechts4,5416,538121gegenüber Niederhausen254-76
Niederhauser Wingertbach / Großbruckergrabenlinks0,7390,989117254-79114
Naumberger Bächleinlinks0,6280,618116254-79114
Grasbachrechts3,2812,778110in Bad Kreuznach-Ebernburg254-792
Alsenzrechts49,919327,664110bei Ebernburg254-8
Ellerbachlinks27,245185,998099in Bad Kreuznach254-92
Winzenheimer Grabenlinks1,5322,524096254-932
Birnbachrechts0,5119,164096254-934
Appelbachrechts39,631171,252094bei Bad-Kreuzbach-Planig254-94
Guldenbachlinks32,689172,463093nach Bretzenheim254-96
Wiesbachrechts44,649202,010088bei Gensingen254-98
Guldenbachlinks1,0118,284085254-99192
Aspisheimerbachrechts6,8007,420082254-992
Trollbachlinks4,2188,990082bei Münster-Sarmsheim-Trollmühle254-994
Ockenheimer Grabenrechts4,4707,566082254-994
Sarmsheimer Grabenlinks0,9600,012081254-9956
Krebsbachlinks4,8706,781080in Münster-SarmsheimWaldalgesheimer Kalkmulde
Horetriegel
Äußeres Kreuznacher Lösshügelland
Naheniederung
254-996
Büdesheimer Grabenrechts3,3505,910080254-9972
Mühbachlinks1,7172,136079Waldalgesheimer Kalkmulde
Rochusbergdurchbruch
254-998

Stauseen

Stauwehr Niederhausen
  • Der Kammerwoog liegt unmittelbar oberhalb von Idar-Oberstein. Mit diesem Stauwerk wird bei Bedarf das Durchflussvolumen der Nahe reguliert, da der Fluss in Idar-Oberstein unter der Naheüberbauung nur über einen beschränkten Pegel verfügt.
  • Die Gänsmühle in Martinstein nutzt das Wasser des leicht aufgestauten Flusses zur Stromgewinnung, wodurch maximal 30 kW erzeugt werden.
  • An Hüsters Mühle in Idar-Oberstein wird ebenfalls Strom durch Wasserkraft erzeugt; die Leistung der Anlage beträgt maximal 200 kW. Am Stauwehr wurde in den Jahren 2008/2009 durch den Betreiber und den Landkreis Birkenfeld eine Fischaufstiegs- und -abstiegshilfe installiert, die erste und bislang einzige an der Nahe.
  • Bei Niederhausen durchfließt die Nahe den gleichnamigen Stausee, der sich hinter einer Staustufe befindet und 800.000 m³ Volumen besitzt. Auch hier wird Strom erzeugt, unter optimalen Bedingungen werden von zwei Generatoren insgesamt 3200 kW in das 20-kV-Netz eingespeist.

Orte

Am Fluss liegen die folgenden Orte von der Quelle zur Mündung (mit Land und Kreis):

Boos an der Nahe, die Nahetalbahn tangiert den Ort
Luftaufnahme von Bingen; Bingen Kernstadt mit Scharlachberg, Nahe mit Drususbrücke, Bingerbrück

Geologie

Kreuznach-Formation in Bad Kreuznach

Die Täler der Nahe und ihrer Nebenbäche formten sich in geologisch junger Zeit infolge einer Hebung der Erdoberfläche. Die Gewässer erhielten dadurch ein stärkeres Gefälle. Vor allem in Schmelzperioden während der Eiszeiten, als hier Tundrenklima herrschte und der Boden nicht durch eine dichte Vegetation geschützt war, kam es zu starker Erosion durch die reißende Strömung der Bäche und Flüsse. Je nachdem, wie hart der Gesteinsuntergrund war, entstanden dabei enge Täler mit schroffen Felshängen oder weiträumige, sanft geformte Täler. Im Nahegebiet ist der häufige Wechsel zwischen beiden Formen reizvoll. Enge und felsige Talabschnitte finden sich da, wo harte vulkanische Gesteine anstehen, weiträumige im Bereich weicherer Sedimentgesteine. Überwiegend gehören die Gesteine der geologischen Epoche des Rotliegend am Ende des Erdaltertums an. Damals herrschte im Bereich des Nahegebietes ein lebhafter Vulkanismus.

Rotliegend-Rhyolith („Quarzporphyr“) des Saar-Nahe-Beckens im Aufschluss. Wöllstein nahe Bad Kreuznach, Rheinland-Pfalz

Das rötliche Vulkangestein Rhyolith verwittert in den höher gelegenen, niederschlagsreicheren Teilen des Nahegebietes zu relativ saurem Boden. Dort ist die typische Flora nur schwach vertreten. In der Gegend um Bad Kreuznach und Bad Münster am Stein jedoch herrscht im Regenschatten des Hunsrücks warmes und recht trockenes Klima. Dort liefert der Rhyolith bei der Verwitterung neutrale bis basische Böden, auf denen sich geradezu ein „Hot Spot“ botanischen Artenreichtums entwickelt hat. Dieser beruht auch darauf, dass sich die Nahe dort durch ein mächtiges Rhyolithmassiv genagt und dabei steile Felshänge geschaffen hat, darunter den berühmten Rotenfels, der rund 200 m nahezu senkrecht aufragt und die höchste Felswand Deutschlands außerhalb der Alpen ist. Er präsentiert sich als riesiger natürlicher Steingarten.

Blick zum Gangelsberg

Ideale Standorte für die wärmeliebende Flora bietet auch das basischere Vulkangestein Andesit, dessen Vorkommen sich über das gesamte Nordpfälzer Bergland verteilen. Mehrmals musste sich die Nahe durch Andesit-Querriegel hindurchnagen, weshalb botanisch bedeutsame Felshänge, die größtenteils als Naturschutzgebiete eingestuft sind, wie Perlen einer Kette ihren Lauf begleiten. Genannt seien der Hellberg bei Kirn, der Flachsberg bei Martinstein und der Gangelsberg bei Duchroth.

Der Oberlauf der Nahe durchquert das Andesitplateau von Baumholder. Es entstand zur Zeit des Rotliegend als riesige Lavadecke mit einem Durchmesser von rund 20 km. An seinem Rande liegt die Edelsteinstadt Idar-Oberstein. Sie ist in Felshänge eingebettet, die sich ebenfalls durch reiche botanische Vorkommen auszeichnen. Flussaufwärts von Idar-Oberstein klingt die Xerothermvegetation allmählich aus, da das Klima dort kühler und feuchter wird.

Ebenfalls im Bereich des Andesitplateaus liegt der fast 12.000 Hektar große Truppenübungsplatz Baumholder, der ein hervorragendes Naturreservat darstellt. Durch das extensive Befahren mit Kettenfahrzeugen und die Beweidung durch Wanderschafherden blieb dort geradezu die Agrarlandschaft des frühen 20. Jahrhunderts erhalten. Das Betretungsverbot aus militärischen Gründen garantiert dort einen besonders wirksamen Schutz von Fauna und Flora.

Flora

Seit dem 19. Jahrhundert sind das Nahetal und das südöstlich davon gelegene Nordpfälzer Bergland Ziel in- und ausländischer Botaniker und Naturfreunde. Durch zahlreiche naturwissenschaftliche und heimatkundliche Veröffentlichungen wurde bekannt, dass dort in großer Zahl wärmeliebende Pflanzenarten vorkommen, die ihre Hauptverbreitung teils in Südeuropa, teils in den Steppengebieten von Osteuropa bis Asien haben. Charakteristische Arten sind zum Beispiel Berg-Steinkraut (Alyssum montanum subsp. montanum), Gold-Aster (Aster linosyris), Grundblütige Segge (Carex halleriana), Diptam (Dictamnus albus), Pfingstnelke (Dianthus grationopolitanus), Bleicher Schöterich (Erysimum crepidifolium), Bleicher Schwingel (Festuca pallens), Felsen-Gelbstern (Gagea bohemica subsp. saxatilis), Blaugrünes Labkraut (Galium glaucum), Steppen-Spitzkiel (Oxytropis pilosa), Großes Federgras (Stipa pulcherrima) und Roßschweif-Federgras (Stipa tirsa).

Diese Pflanzen sind in einer nacheiszeitlichen Wärmeperiode nach Europa eingewandert. Als danach das Klima erheblich kühler und feuchter wurde, starben sie im größten Teil Deutschlands wieder aus. Sie überlebten nur an Stellen, wo aufgrund besonderer geographischer Gegebenheiten kleinräumig weiterhin Wärme und Trockenheit herrschten, an die sie angepasst sind. Im Nahetal und seinen Seitentälern sind dies besonders Felshänge, die nach Süden oder Südwesten gerichtet sind, so dass im Sommer die Sonnenstrahlen in steilem Winkel auftreffen. An heißen Sommertagen entwickeln sich dort wahrlich steppenhafte Verhältnisse mit Bodentemperaturen von 60 °C oder mehr. Aber nicht nur Felsen, sondern auch Laubwälder und Gebüsche, welche weniger felsige Steilhänge bedecken, weisen ein ziemlich warmes und trockenes Lokalklima auf und eignen sich als Lebensräume für wärmeliebende und trockenheitsertragende Pflanzen. Ihre Gesamtheit wird als Xerothermvegetation bezeichnet.

Tourismus

Die als Naheland bezeichnete Region bietet vielfältige touristische Anreize:

  • Der Nahe-Radweg ermöglicht es, den gesamten Flussverlauf von der Quelle bis zur Mündung kennenzulernen.
  • Die Landschaft an der mittleren und unteren Nahe ist nahezu deckungsgleich mit dem Weinbaugebiet Nahe, das trotz seiner geringen Größe bis 2017 schon neun Deutsche Weinköniginnen gestellt hat.
  • Auf den Höhen von Hunsrück und Nordpfälzer Bergland zu beiden Seiten des Flusses liegen zahlreiche Burgen und Schlösser, so die Ebernburg, auf der 1481 der rebellische Ritter Franz von Sickingen geboren wurde. Das Kloster Disibodenberg, dessen Ruine den Disibodenberg am Zusammenfluss von Nahe und Glan krönt, wurde am Anfang des 8. Jahrhunderts gegründet.
  • Einen Besuch wert sind in Idar-Oberstein das Edelsteinmuseum und in Bad Kreuznach die Kuranlagen mit Thermal- und Solebädern sowie die Brückenhäuser, ebenso der alte Dorfkern von Monzingen mit seinen historischen Gebäuden wie dem Alt’schen Haus und anderen sehenswerten Bauwerken. Die Drususbrücke bei Bingen ist die älteste Steinbrücke des Mittelalters in Deutschland; sie wurde im 11. Jahrhundert erbaut. Das Rheinland-Pfälzische Freilichtmuseum in Bad Sobernheim präsentiert vier Dörfer mit restaurierten historischen Häusern aus den verschiedenen Regionen von Rheinland-Pfalz.
  • Der 202 m hohe und 1200 m lange Rotenfels bei Bad Münster am Stein-Ebernburg wurde durch die Nahe geschaffen und ist die größte Steilwand zwischen den Alpen und Skandinavien.
  • Im Soonwald 9 km nördlich der Nahe soll sich um 1800 der Räuber Johannes Bückler, der unter dem Namen „Schinderhannes“ bekannt war, in der nach ihm benannten Höhle versteckt gehalten haben.
  • Auf den Höhen des Hunsrücks, genau auf der Wasserscheide der Nahe zur Mosel, liegt der Flughafen Hahn.

Literatur

Weblinks

Commons: Nahe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c d Topographische Karte 1:25.000.
  2. a b c d e f GeoExplorer der Wasserwirtschaftsverwaltung Rheinland-Pfalz (Hinweise)
  3. Pegelwert Grolsheim vermehrt um den Gebietsabfluss von ca. 5 l/(s*km²) im Resteinzugsgebiet von 54 km².
  4. Wird auf dem Kartenviewer Saarland Stollenborn genannt.
  5. Name beim Kartenviewer Saarland.

Auf dieser Seite verwendete Medien

Drususbridge.jpg
Autor/Urheber: unknown, Lizenz: CC-BY-SA-3.0
NaheQuelle.jpg
Nahequelle im Frühjahr 2007
Naturschutzgebiet „Nahetal von Boos bis Niederhausen“.jpg
Autor/Urheber: Optimi4, Lizenz: CC BY-SA 4.0
Verzweigte Nahe zwischen Boos und Niederhausen. Nicht weit entfernt vom Rotenfels bei Ebernburg und Bad Münster (Bad Kreuznach).
NaheBrückeBadKreuznach.JPG
Autor/Urheber: Joergsam, Lizenz: CC BY-SA 3.0
Wilhelmsbrücke in Bad Kreuznach
Kloster Disibodenberg 01a.jpg
Autor/Urheber: Saharadesertfox, Lizenz: CC-BY-SA-3.0
Kloster Disibodenberg: Giebel des Hospitals, Gästehaus, erbaut nach 1400.
Burg Ebernburg, Bad Münster am Stein, top of mountain.jpg
Autor/Urheber: Manuel Fuchs, Lizenz: CC BY-SA 2.0 de
Die Ebernburg in Bad Münster-Ebernburg, Westansicht, fotografiert vom unteren Ende der Zufahrtstraße K 95
Boos-Nahe01.jpg
Boos an der Nahe.
Terminal1 hahn airport.jpg
terminal 1 at frankfurt hahn airport
1980Idar-Oberstein.jpg
Autor/Urheber: AnRo0002, Lizenz: CC0
Idar-Oberstein vor der Naheüberbauung (ca. 1980)
Kreuznach01.jpg
Autor/Urheber: Der ursprünglich hochladende Benutzer war Markus Schweiß in der Wikipedia auf Deutsch, Lizenz: CC-BY-SA-3.0
Die Nahe-Brücke von de:Bad Kreuznach, eigenes Bild, de:GNU FDL
Rhyolith.jpg
Autor/Urheber: Benjamin Dahlhoff., Lizenz: CC-BY-SA-3.0
Rhyolith bei Wöllstein
Nahe001.JPG
Autor/Urheber: Leichtfuss, Lizenz: CC-BY-SA-3.0
Blick vom Rheingrafenstein auf die Nahe, Bad Münster und die Burg Ebernburg; Vordergrund rechts und Nahe/Wald links im Naturschutzgebiet „Gans und Rheingrafenstein“
StauseeNiederhausen01.jpg
Autor/Urheber: Kreuznacher, Lizenz: CC BY 3.0
Nahe-Stausee Niederhausen, Rheinland-Pfalz; Wasserfläche im Vordergrund im Naturschutzgebiet „Nahetal von Boos bis Niederhausen“
Gangelsberg.JPG
Autor/Urheber: Tholis, Lizenz: CC BY-SA 4.0
Blick zum Gangelsberg
Die Nahe im Rhein.jpg
Die Mündung des linksrheinischen Flusses Nahe in den Rhein. Fotografiert vom Rüdesheimer Berg
Aerial fg095 DSC 1422 Bingen Nahe.JPG
Autor/Urheber: Fritz Geller-Grimm, Lizenz: CC BY-SA 3.0
Luftaufnahme von Bingen, Rheinland-Pfalz, Deutschland; Bingen Kernstadt mit Scharlachberg, Nahe mit Drususbrücke, Bingerbrück
Roter Sandstein des Perms in Bad Kreuznach.jpg
Autor/Urheber: Jo Weber, Lizenz: CC BY-SA 3.0
Rote, zum Teil schräggschichtete Sandsteine des Perms mit dünnen Tonsteinlagen. Kreuznacher Schichten, Bad Kreuznach
Nahehochstrasse.jpg
(c) Rkal, CC-BY-SA-3.0
Naheüberbauung in Oberstein (B41)
Galatella linosyris sl 4.jpg
Autor/Urheber: Stefan.lefnaer, Lizenz: CC BY-SA 3.0
Habitus

Taxon: Goldschopf-Aster, Galatella linosyris (sensu Fischer et al. EfÖLS 2008, det. M. A. Fischer 2013-09-28)
Fundort: Alte Schanzen (object XII), Wien-Floridsdorf - ca. 220 msm

Standort: Trockenrasen