Muschel (Wappentier)

Die Muschel ist in der Heraldik ein Wappentier.

Die Darstellung beschränkt sich meist auf die Jakobsmuschel, benannt nach dem Apostel Jakobus dem Älteren. Sie wird auch Pilgermuschel genannt und ist seit 1250[1] Attribut des Heiligen. Seit dem Mittelalter kommt sie in Wappen vor, da sie ein Erkennungszeichen der Pilger auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela in Spanien war. Sie wurde an der Kopfbedeckung getragen.

Diese gemeine Figur ist in französischen Wappen häufiger als in deutschen. Eine Mehrfachdarstellung im Schild überwiegt der Anzahl der Einzeldarstellung. In vielen Wappen wird die Muschel im Dreipass, also zwei über eins dargestellt. Die Dreizahl wird gern pfahl- oder balkenweise im Wappenschild gezeigt. Im Schildhaupt selbst wird nicht das Nebeneinander, sondern das 2:1 angestrebt. Im Schildbord ist sie in großer Anzahl. Die Gelenkseite nach oben ist die Regel.

Die Farbgebung (Tingierung) ist in allen Farben möglich, aber die Metalle Silber und Gold dominieren. Geöffnete Muscheln sind selten. Die Muschel wird auch als Beizeichen verwendet.

Papstwappen und Pilgermuschel

Papstwappen von Benedikt XVI. (2005–2013)
Kardinalswappen von Joseph Kardinal Ratzinger

Benedikt XVI. wählte für sein Papstwappen unter anderem die Große Pilgermuschel, die auch in seinem Wappen als Erzbischof von München und Freising enthalten war. Im Bildteil seiner Autobiografie werden hierfür mehrere Deutungen angeboten:

  1. als Bezug zu Benedikts Promotionsthema Augustinus, in dessen Vita die Muschel als Zeichen der Unerschöpflichkeit Gottes eine Bedeutung hat. Die Tingierung im Wappen des Erzbischofs in silber-blau und blau-gold zeigt die in Wasser (das Meer) getauchte Muschel mit Bezug auf diese Deutung,
  2. als Hinweis darauf, dass das Lebes eines Christen als Pilgerweg zu Gott verstanden werden kann,
  3. die Andeutung einer Kontinuität mit Johannes Paul II., der sich in seinem Amt in diesem Sinn auch als Pilger verstanden hat,
  4. als Ausdruck Benedikts Verbundenheit zu Regensburg und der dortigen Schottenkirche St. Jakob.
Wappen Diana Spencer, Princes of Wales (1996–1997)

Beispiele

Im Staatswappen Guinea-Bissaus ist sie ebenso anzutreffen wie auch als Symbol des Mineralölkonzerns Shell.

Siehe auch

  • Jakobsweg
  • Liste der Wappen mit der Jakobsmuschel

Einzelnachweise

  1. Walter Leonhard: Das große Buch der Wappenkunst. Entwicklung, Elemente, Bildmotive, Gestaltung. 2., durchgesehene und erweiterte Auflage. Georg D. W. Callway, München 1978, ISBN 3-7667-0345-5.

Weblinks

Commons: Muschel in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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Wappen der Gemeinde Selma (CH-GR)
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Coat of arms of Mainz-Kastel, Germany
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Coat of Arms of Joseph Ratzinger, as cardinal of the Roman Catholic Church.
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Autor/Urheber:

Andrea Cordero Lanza di Montezemolo a designed the coat of arms of Pope Benedict XVI in 2005.


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Der mit der bischöflichen Mitra gekrönte Schild ist in drei Felder geteilt, die spezielle heraldische Symbole tragen:
  • Links (heraldisch rechts) der "Freisinger Mohr" aus dem Wappen des Erzbistum München-Freising, wo Joseph Kardinal Ratzinger Erzbischof war.
  • Rechts (heraldisch links) der Bär des Hl. Korbinian, Schutzpatron des Bistums München-Freising, aus dem Freisinger Stadtwappen.
  • Unten (heraldisch unten) eine Jakobsmuschel, die für die Pilgerreise steht. Sie bezieht sich auf eine Legende über den Kirchenvater Augustinus. Die Muschel fand sich auch im Wappen des ehem. Schottenklosters St. Jacob in Regensburg, in dem Benedikt XVI. seine Laufbahn als Priester begann.

Hinter dem Wappenschild befinden sich die gekreuzten Schlüssel des Petrus, die für den Papst als Stellvertreter Gottes auf Erden stehen. Ein zusätzliches Element ist das Pallium, eine Art Stola, die von römisch-katholischen Metropoliten über dem Messgewand getragen wird und das in diesem Fall den Papst als Erzbischof und Metropolit von Rom kennzeichnet.

Als erster Papst der Neuzeit verzichtete Benedikt XVI. auf die Tiara im Wappen und wählte statt dessen die Bischofsmitra.
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Coat of arms of HRH Prince William, Duke of Cambridge (Formerly Prince William of Wales, William Arthur Philip Louis; born 21 June 1982) son of Prince Charles, Prince of Wales and Lady Diana Spencer. The coat of arms was granted in June 2000, on his 18th birthday. The small red ‘escallop’ or sea-shell on the central point alludes to the arms of his mother and the Spencer family. He is the only one of Queen Elizabeth II's grandchildren to bear a label of three points (usually reserved only for a child of the Sovereign). [1]
Quarterly, 1st and 4th Gules three lions passant guardant in pale Or armed and langued Azure (for England), 2nd quarter Or a lion rampant within a double tressure flory-counter-flory Gules (for Scotland), 3rd quarter Azure a harp Or stringed Argent (for Ireland), with over all a label of three points Argent the central point charged with an Escallop Gules, the escutcheon ensigned by a coronet of a child of the Heir-apparent, the whole surrounded by the Garter, for a crest on a coronet of his rank, thereon a lion statant guardant Or crowned of the same coronet charged with a label as in the arms, for supporters, dexter a lion rampant guardant Or crowned by the same coronet, sinister a unicorn Argent armed, crined and unguled Proper, gorged with the same coronet, attached thereto a chain affixed thereto passing between the forelegs and reflexed over the back also Or, both charged on the shoulder with a label as in the arms.
Wappen Jakobwullesheim.jpg
Deutschland - Nordrhein-Westfalen - Kreis Düren - Vettweiß - Ortsteil Jakobwüllesheim: Wappen
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Coat of Arms of Diana, Princess of Wales after her divorce from 1996 to 1997