Mondhorn

Mondhörner

Die Mondhörner sind eine Fundgattung der spätbronzezeitlichen Urnenfelderzeit (1300 bis 800 v. Chr.), deren Bedeutung nicht geklärt ist. Sie kommen vor zwischen Ostfrankreich bis Westungarn, von Süddeutschland bis zum nördlichen Alpenbogen.[1] Form und Verteilung innerhalb der Siedlung und gelegentliche Brandspuren auf der Oberfläche weisen auf den Gebrauch am Herd hin, ggf. in der Funktion als Feueraltar. Ursprünglich wurde das Mondhorn daher als Gestell zum Auflegen von Holzscheiten interpretiert (Feuerbock).

Dies gilt heute als widerlegt und man geht von einer rituellen Verwendung aus.[1]

Die meist als Einzelexemplare gefundenen Mondhörner sind in der Regel aus Ton hergestellt; es soll auch hölzerne Exemplare gegeben haben. Während die meisten durch ihre Formgebung mehrdeutig sind, zeigt das Mondidol vom Ebersberg (Kanton Zürich) eine Form, die dem Stiergehörn sehr nahekommt.

Ein seltenerer Mondhornfund wurde in dem gestörten Grab des 11. Jahrhunderts v. Chr. in Reinach im Kanton BL gemacht. Auf dem Kestenberg bei Möriken im Kanton Aargau fanden sich die Fragmente von mehr als sechs Mondhörnern. Bei Buxheim, Landkreis Eichstätt wurde ein Feuerbock in einer Siedlungsgrube gefunden.[2]

Der Schweizer Martin Kerner hält das Mondhorn für ein astro-geodätisches Instrument.[3] Ein mit neun Zacken und 5 horizontalen Löchern versehenenes Exemplar aus Mainz-Hechtsheim stützt scheinbar derartige Vermutungen. Auch eines der auf dem Kestenberg gefundenen Exemplare weist fünf solcher Löcher auf.

Literatur

  • Mircea Babes / Virgil Mihailescu-Bîrliba: Germanische latènezeitliche „Feuerböcke“ aus der Moldau. (51.–52. Bericht der Römisch Germanischen Kommission, 1970–1971.) Walter de Gruyter, Berlin 1972.
  • Kurt Derungs: Geheimnisvolles Zürich. Sakrale Stätten am Zürichsee. Edition Amalia, Grenchen b. Solothurn 2004, ISBN 3-905581-22-1.
  • Kurt Derungs: Mondhörner. Rätselhafte Kultobjekte der Bronzezeit. Librum, Basel 2022, ISBN 978-3-906897-68-4.
  • Benjamin Jennings: Breaking with tradition. Cultural influences for the decline of the Circum-Alpine region lake-dwellings. Sidestone Press, 2014, S. 122–123 (englisch, archive.org).
  • Martin Kerner: Mondhörner – Urgeschichtliche Messgeräte. (helvetia archaeologica # 127/128, 32/2001, 65–69).
  • Martin Kerner: Frühe astro-geodätische Meßgeräte II. Das Mondhorn vom Alpenquai in Zürich. (Geomatik Schweiz. Geoinformation und Landmanagement, 2/2004, 67–75)
  • Heiko Steuer: Germanische „Feuerböcke“ aus dem Hannoverschen Wendland (Archäologisches Korrespondenzblatt 3, 1973, 213–217).

Einzelnachweise

  1. a b Urs Leuzinger, Kurt Derungs: Mondhörner - rätselhafte Kultobjekte der Bronzezeit. In: Archäologie Schweiz. Nr. 43.2, 2020, S. 38–39.
  2. Der Feuerbock von Buxheim, Lkr. Eichstätt. In: Archäologie Aktuell No. 22. Dezember 1998, abgerufen am 11. August 2021.
  3. Martin Kerner: Das Mondhorn vom Alpenquai Zürich. In: Geomatik Schweiz. Band 105, Nr. 2, 2007, S. 65 (e-periodica.ch).

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Mondhörner ("Mondidole", "Feuerböcke"), Tierfigürchen und Kugelrassel aus der Bronzezeitsiedlung Mörigen am Bielersee, ca. 900-800 v.Chr.