Mitteldeutsche Creditbank

Gebäude der Mitteldeutschen Creditbank in Meiningen, um 1880
10-Taler-Schein der Mitteldeutschen Creditbank, 1856
100-Mark-Schein, 1875 – zwar noch gedruckt, wegen der Aufgabe des Banknotenprivilegs jedoch nicht mehr in Umlauf gebracht

Die Mitteldeutsche Creditbank war eine deutsche Großbank mit Sitz in Meiningen und in Frankfurt am Main, sie existierte von 1856 bis 1929 und zählt zu den Vorläuferinstituten der heutigen Commerzbank.

Geschichte

Die Mitteldeutsche Creditbank wurde am 29. Februar 1856 von einem Konsortium jüdischer Bankiers aus Frankfurt am Main, Leipzig und Hamburg mit Sitz in Meiningen, der Haupt- und Residenzstadt des Herzogtums Sachsen-Meiningen, gegründet. Herzog Bernhard II. erteilte an diesem Tag dem Bankhaus W. F. Jäger in Frankfurt am Main die Konzession für die Errichtung einer Bank in Meiningen unter der Firma Mitteldeutsche Creditbank in Meiningen (1886 offiziell verkürzt zu Mitteldeutsche Creditbank) zur Förderung von Industrie und Handel mit einem Aktienkapital von 8 Millionen Talern. Die Bank besaß das Recht zur Emission von Banknoten und vergab erstmals in Deutschland Kredite an Industrieunternehmen. Die Banknoten wurden bei Dondorf & Naumann in Frankfurt am Main gedruckt.

Die Bank wuchs schnell zur siebtgrößten deutschen Privatnotenbank, eröffnete an allen bedeutenden Bankstandorten Filialen und wies 1874 eine Bilanzsumme von 35 Millionen Talern aus. 1875 entschied sie sich zur Aufgabe des Privilegs der Banknoten-Emission.[1] Sie war auch an der Gründung der Deutschen Hypothekenbank Meiningen beteiligt. 1876 wurde der Hauptsitz der Bank nach Frankfurt am Main verlegt, Meiningen blieb aber bis 1886 Zweitsitz und danach Zweigniederlassung. In das Meininger Bankgebäude zog 1905 die Bank für Thüringen ein. Die Berliner Filiale wurde 1913 aus dem 1874 bezogenen Bankgebäude Behrenstraße 2 in den nach Entwurf der renommierten Architekten Konrad Reimer und Friedrich Körte ausgeführten Neubau Burgstraße 24 in direkter Nachbarschaft zur Berliner Börse verlegt.[2] 1914 belief sich das Aktienkapital auf 60 Millionen Mark.

Die Mitteldeutsche Creditbank baute ihr Netz von Niederlassungen im ganzen Deutschen Reich u. a. durch eine Serie von Übernahmen lokaler Privatbanken aus:

  • 1898: Bankhaus B. Berlé in Frankfurt am Main
  • 1899: Gebrüder Meyer in Frankfurt am Main (gegründet 1796)
  • 1905: Arthur Andreae & Co. in Frankfurt am Main (gegründet 1789)
  • 1905: August Siebert in Frankfurt am Main
  • 1910: Bernard Weinmann in München
  • 1913: Paul Strasburger in Wiesbaden
  • 1913: Heinr. Narjes in Hannover
  • 1914: Meyer & Diss in Baden-Baden
  • 1914: Weis, Herz & Co. in Mainz
  • 1915: Johann Goll & Söhne in Frankfurt am Main (gegründet 1602)
  • 1916: Alfred & Oskar Seeligmann in Karlsruhe
  • 1917: J. Benjamin in Hanau
  • 1917: L. Hess & Söhne in Köln
  • 1917: Johann Mertens in Frankfurt am Main (gegründet 1605)
  • 1919: Gebr. Klopfer in Augsburg

1919–1921 wurden außerdem ohne vorherige Bankübernahmen Filialen in Leipzig, Hamburg, Mannheim und Düsseldorf errichtet. 1929 fusionierte die Mitteldeutsche Creditbank mit der Commerz- und Privat-Bank AG, der späteren Commerzbank.

Die Firma Mitteldeutsche Creditbank tauchte nach dem Zweiten Weltkrieg nochmals kurzzeitig auf, als die Commerzbank infolge der Dezentralisierung der Großbanken ihre hessische Filialgruppe so benannte, die vom Sommer 1947 bis Herbst 1952 in Hessen aktiv war.

Persönlichkeiten

Literatur

  • Handbuch der deutschen Aktiengesellschaften, 19. Ausgabe 1914/1915, Band 1, S. 102 f.
  • Ludwig Florian: 95 Jahre Mitteldeutsche Creditbank 1856–1951. Ein Rückblick. Frankfurt am Main 1951.
  • Franz Lerner: Hundert Jahre im Dienste der deutschen Wirtschaft. Ein Rückblick zur Erinnerung an die Gründung der Mitteldeutschen Creditbank am 29. Februar 1856. Frankfurt am Main 1956.
  • Hans-Dieter Kirchholtes: Jüdische Privatbanken in Frankfurt am Main Frankfurt am Main 1989, ISBN 3-7829-0351-X.
  • Detlef Krause: Zur Geschichte der Mitteldeutschen Creditbank. In: Bankhistorisches Archiv, 17. Jahrgang 1991, S. 17–41.
  • Detlef Krause: Carl Deneke und Moritz Schultze. Gründer und Gestalter der Mitteldeutschen Privat-Bank in Magdeburg. In: Ulrich S. Soénius (Hrsg.): Bewegen – Verbinden – Gestalten. Unternehmer vom 17. bis zum 20. Jahrhundert. Festschrift für Klara van Eyll zum 28. September 2003. Köln 2003, S. 169–188.
  • Stadtlexikon Meiningen. Meiningen 2008, ISBN 978-3-9809504-4-2.
Commons: Mitteldeutsche Creditbank – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Bekanntmachung RGBl. 1876, S. 124 vom 1. April 1876
  2. (Bilderstrecke). In: Berliner Architekturwelt. Nr. 8, November 1912, S. 326–327 (zlb.de – Fotos).

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Mitteldeutsche Creditbank.jpg
Das Gebäude der Mitteldeutschen Creditbank in Meiningen, ab 1905 Bank für Thüringen, 1909 abgebrochen.
Mitteldeutsche Creditbank, 10 Taler 1856, Vorderseite.jpg
Banknote über 10 Taler der Mitteldeutsche Creditbank von 1856 (Vorderseite). Die Banknoten wurden von Dondorf & Naumann in Frankfurt gedruckt.
Mitteldeutsche Creditbank, 100 Mark 1875.jpg
Banknote über 100 Mark der Mitteldeutsche Creditbank von 1875. Die Banknoten wurden von Dondorf & Naumann in Frankfurt gedruckt. Sie wurden wegen der Aufgabe des Banknotenprivilegs nicht mehr in Umlauf gebracht.