Mischa Meier

Mischa Meier (* 13. Juni 1971 in Dortmund) ist ein deutscher Althistoriker. Meier lehrt als Professor für Alte Geschichte an der Universität Tübingen. Er gilt international als ausgewiesener Kenner der Spätantike.

Leben und Wirken

Mischa Meier studierte nach seinem Abitur am altsprachlich ausgerichteten Essener Burggymnasium im Jahr 1990 an der Ruhr-Universität Bochum Klassische Philologie, Geschichte und Pädagogik. 1998 wurde er dort bei Karl-Wilhelm Welwei mit einer Arbeit über Aristokraten und Damoden. Untersuchungen zur inneren Entwicklung Spartas im 7. Jh. v. Chr. und zur politischen Funktion der Dichtung des Tyrtaios promoviert. Bereits Ende 2002 folgte die Habilitation an der Universität Bielefeld; Thema war nun die Spätantike, genauer: die Zeit Justinians. Die 2003 publizierte Habilitationsschrift Das andere Zeitalter Justinians lehnte sich vom Namen her an die klassische Arbeit von Berthold Rubin (Das Zeitalter Justinians, 1960) an, interpretierte die Herrschaft dieses „letzten römischen Imperators“, der an einer Zeitenwende stand, jedoch wesentlich negativer: Die Zäsur, die die Jahre 540–42 für Justinians Herrschaft darstellten, war zwar grundsätzlich bereits bekannt, wurde aber von Meier besonders herausgearbeitet. Kernthema der Arbeit sind Katastrophenängste und gar Endzeiterwartungen der Bevölkerung, ausgelöst unter anderem durch die so genannte Justinianische Pest, Naturkatastrophen und Kriegsgreuel. Infolgedessen habe sich die Bevölkerung verstärkt der Religion zugewandt, und damit habe sich indirekt auch der Charakter des spätrömischen Kaisertums gewandelt; 2004 folgte eine Synthese der umfangreichen Arbeit in der Reihe Beck Wissen. Im selben Jahr wurde Meier auf dem Deutschen Historikertag in Kiel für seine Neuinterpretation Justinians ausgezeichnet.

Von 1999 bis 2004 war Meier als wissenschaftlicher Assistent an der Universität Bielefeld tätig, seit 2004 war er zunächst C3- und ist jetzt W3-Professor an der Universität Tübingen. Von Oktober 2006 bis September 2008 war er Dekan der Fakultät für Philosophie und Geschichte. Seit 2016 ist Meier Sprecher des Sonderforschungsbereichs 923 „Bedrohte Ordnungen“. Meier hat zahlreiche Aufsätze zu weiteren Themen verfasst. Eine große Rolle spielte dabei die spätantike Historiographie (unter anderem der Historiker Prokopios); zudem ist Meier Herausgeber eines Sammelbands zum Thema Pest. 2009 erschien eine Monographie zum oströmischen Kaiser Anastasius, 2019 dann eine umfangreiche Gesamtdarstellung der Völkerwanderungszeit. Seine weiteren Forschungsgebiete sind das archaische und frühklassische Griechenland (vor allem die Geschichte Spartas), das römische Prinzipat sowie die Rezeptionsgeschichte der Antike in Musik und Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts sowie im Historienfilm. Seit 2008 ist Meier Mitherausgeber des Online-Rezensionsjournals sehepunkte; seit 2014 überdies auch einer der Herausgeber der international renommierten Fachzeitschrift Historia. Meier ist ordentliches Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften. Rufe an die Ruhr-Universität Bochum (2007), die Universität Freiburg im Breisgau (2009)[1] und die Universität Potsdam (2016) hat er abgelehnt. Für 2012 erhielt er den Preis der Aby-Warburg-Stiftung zugesprochen, 2015 bekam er den Karl-Christ-Preis für Alte Geschichte und 2021 wurde sein Werk Geschichte der Völkerwanderung mit dem WISSEN!-Sachbuchpreis der wbg ausgezeichnet[2].

Ebenfalls von Meier stammt der 1996 im ersten Band des Neuen Pauly veröffentlichte Artikel „Apopudobalia“, der die Ursprünge des gerade im damaligen Standort des Verfassers (Bochum) beliebten Spiels Fußball in der römischen Antike herausarbeitet. Als Referenz wird dabei auf eine „Festschrift M. Sammer“ verwiesen. Aufgrund erheblichen Termindrucks seitens der Redaktion ging der Scherz-Artikel in den Druck und gilt heute als eines der bekanntesten „U-Boote“ der modernen Lexikografie.[3]

Schriften (Auswahl)

Monographien

  • Aristokraten und Damoden. Untersuchungen zur inneren Entwicklung Spartas im 7. Jahrhundert v. Chr. und zur politischen Funktion der Dichtung des Tyrtaios. Steiner, Stuttgart 1998, ISBN 3-515-07430-9 (Zugleich: Dissertation, Universität Bochum 1998).
  • Das andere Zeitalter Justinians. Kontingenzerfahrung und Kontingenzbewältigung im 6. Jahrhundert n. Chr. (= Hypomnemata. Untersuchungen zur Antike und zu ihrem Nachleben. Band 147). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2003, ISBN 3-525-25246-3 (Zugleich: Habilitations-Schrift, Universität Bielefeld 2002; Besprechung bei H-Soz-u-Kult; Besprechung (Plekos); Besprechung (sehepunkte)).
  • Justinian. Herrschaft, Reich und Religion. Beck, München 2004, ISBN 3-406-50832-4 (Besprechung (sehepunkte); Besprechung (H-Soz-u-Kult)).
  • Anastasios I. Die Entstehung des Byzantinischen Reiches. Klett-Cotta, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-608-94377-1.
  • mit Steffen Patzold: August 410 – Ein Kampf um Rom. Klett-Cotta, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-608-94646-8.
  • Caesar und das Problem der Monarchie in Rom (= Schriften der Philosophisch-historischen Klasse der Heidelberger Akademie der Wissenschaft. Band 52.). Winter, Heidelberg 2014, ISBN 3-8253-6248-5.
  • Das Kunstwerk der Zukunft und die Antike. Konzeption – Kontexte – Wirkungen (= Wagner in der Diskussion. Band 18). Königshausen & Neumann, Würzburg 2019
  • Geschichte der Völkerwanderung. Europa, Asien und Afrika vom 3. bis zum 8. Jahrhundert n. Chr. C. H. Beck, München 2019, ISBN 978-3-406-73959-0 (6. Auflage ebenda 2020; Besprechung).

Herausgeberschaften

  • mit Steffen Patzold: Chlodwigs Welt. Organisation von Herrschaft um 500 (= Roma aeterna. Band 3). Steiner, Stuttgart 2014, ISBN 978-3-515-10853-9.
  • Pest. Die Geschichte eines Menschheitstraumas. Klett-Cotta, Stuttgart 2005, ISBN 3-608-94359-5 (Besprechung (sehepunkte)).
  • Sie schufen Europa. Historische Portraits von Konstantin bis Karl dem Großen. Beck, München 2007, ISBN 978-3-406-55500-8.
  • mit Christine Radtki, Fabian Schulz: Die Weltchronik des Johannes Malalas. Autor – Werk – Überlieferung (= Malalas-Studien. Schriften zur Chronik des Johannes Malalas. Band 1). Steiner, Stuttgart 2016, ISBN 3-515-11099-2

Literatur

  • Antrittsrede von Herrn Mischa Meier an der Heidelberger Akademie der Wissenschaften vom 22. Januar 2011. In: Jahrbuch der Heidelberger Akademie der Wissenschaften für das Jahr 2011. Heidelberg 2012, S. 181–185 (online).

Weblinks

Anmerkungen

  1. uni'leben: Die Zeitung der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg 01/2010 (online (Memento vom 29. September 2013 im Internet Archive))
  2. Mischa Meier erhält Wissen!-Sachbuchpreis, deutschlandfunkkultur.de, erschienen und abgerufen am 23. Januar 2021.
  3. ‚Apopudobalia‘ oder: Fußball im Altertum. In: mediaevum.de. Abgerufen am 8. Oktober 2017.

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