Mineral-Aggregat

Als Mineral-Aggregat, auch Mineralaggregat oder kurz Aggregat, wird eine beliebige, auch räumlich eng begrenzte, natürliche Vergesellschaftung (Assoziation) gleicher oder verschiedener Mineralarten bezeichnet.[1] Im Gegensatz zu Kristallzwillingen entwickeln sich die Kristalle eines Aggregates regellos in verschiedene Richtungen.

Die miteinander verwachsenen Kristalle, Kristallite oder Körner bilden teilweise typische Aggregatformen.[2]

Erscheinungsbild

Das Erscheinungsbild der Aggregate hängt unter anderem von der Größe, der Ausbildung, dem Gefüge sowie der Art und der Anzahl der Minerale ab. Es gibt insgesamt zehn Arten von Aggregatformen, deren Unterarten je nach Wachstumsform spezielle, die Kristallform beschreibende Namen tragen, der oft auch mit deren Kristallhabitus übereinstimmt:

Aggregatform Beschreibung und Unterarten Abbildung
massig, derb, amorph, erdigZu diesem Typ gehören u. a. viele Erze wie Chalkopyrit, aber auch Schmucksteine wie der Opal oder Türkis.
körnig bis kristallinDie Spannweite dieses Aggregattyps reicht von kryptokristallinen und mikrokristallinen (noch mit dem Mikroskop erkennbar) Kristalliten bzw. Körnern bis zu gut ausgebildeten Kristallen.
Unterarten:
  1. faserig, haarig oder filzig wie Chrysotil, Natrolith oder Okenit
  2. nadelig bis stängelig wie beispielsweise Kakoxen, Rutil oder Stibnit
  3. säulenförmig wie der Quarz und viele andere
  4. glimmerartig, schuppig, blättrig oder lamellar wie unter anderem Muskovit oder Biotit
  5. radialstrahlig und rosettenförmig wie beispielsweise Aurichalcit, Natrolith, Hämatit, Ilmenit und Molybdänit.
Stufen und DrusenEin Mineral-Aggregat mit freistehenden Kristallen wird nach alter Bergmannssprache als Kristallstufe, Erzstufe oder kurz Stufe bezeichnet. Viele Stufen sind Teile von Drusen.
Aggregate dieses Typs lassen sich entsprechend ihren Möglichkeiten zur Kristallentwicklung einteilen in:
  1. kamm- bzw. bürstenförmige (mehr oder weniger parallel zueinander) und
  2. tafelige (unbehindertes Wachstum in zwei Richtungen).
SekretionenWerden Hohlräume mit kolloidalen oder kristallbildenden Mineralsubstanzen ausgefüllt, so entstehen oft konzentrisch bzw. schalig aufgebaute Aggregate. Bestes Beispiel sind die aus Kieselsäure gebildeten Achat-Mandeln, aber auch Rhodochrosit und die Schalenblende.
KonkretionenDieser Aggregattyp bildet sich in Form von unregelmäßigen Kugeln oder grobblättrigen bis rosenförmigen Verbackungen vorwiegend in Sedimenten. Sandrosen (Varietät von Gips oder Baryt) von oft beeindruckender Größe bilden sich auf diese Weise.
Oolithe oder SphärolitheUnter dem Begriff Oolith oder Sphärolith werden alle Aggregate in kugeliger, traubiger (botryoidaler), knolliger, rogenartiger, nieriger, opalähnlicher oder blasiger Form geführt. Ebenfalls hinzugezählt werden Mineral-Aggregate mit schaligem Aufbau, sowie als größere kugelige bis traubige Form der Glaskopf.
FließformenUnter den Fließformen befinden sich vor allem kollomorphe Aggregate wie Tropfsteine (Stalaktiten, Stalagmiten und ähnliche), aber auch die bekannten Lockenformen, wie sie unter anderem bei Gips oder Psilomelan auftreten.
Röhren, kapillar- und korallenähnliche AggregateDiese Formen bilden sich, wenn die Stoffzufuhr für das Kristallwachstum durch Kapillarkanäle erfolgt und findet sich unter anderem beim Aragonit in der Varietät Eisenblüte, Kylindrit und Rhodochrosit aus.
Skelette und DendritenDie überwiegende Mehrheit der metallischen Minerale wie Gold, Silber, Kupfer und andere wachsen in dieser Form und bilden neben Skeletten und Dendriten (baumartige Aggregate) auch Drähte, Gespinste und Geflechte aus.
Krusten, Ausblühungen (Effloreszenz), Anflüge und BeschlägeViele Sekundärminerale überziehen Primärminerale, aus denen sie z. B. durch Verwitterung entstehen, mit dünnen, krustigen Überzügen oder Ausblühungen. Weitere, diese Aggregatform bezeichnende Begriffe sind Anflüge, Beläge und Beschläge. Bekannt sind unter anderem die oft ineinander übergehenden Azurit-Malachit-Ausblühungen sowie Schwefelkrusten an Fumarolen.

Literatur

  • Paul Kukuk: Geologie, Mineralogie und Lagerstättenlehre. Springer, Berlin, Göttingen, Heidelberg 1951, S. 144 ff. (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  • Walter Schumann: Edelsteine und Schmucksteine. Alle Arten und Varietäten. 1900 Einzelstücke. 16. überarbeitete Auflage. BLV Verlag, München 2014, ISBN 978-3-8354-1171-5, S. 15.

Einzelnachweise

  1. Martin Okrusch, Siegfried Matthes: Mineralogie. Eine Einführung in die spezielle Mineralogie, Petrologie und Lagerstättenkunde. 7., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage. Springer, Berlin [u. a.] 2005, ISBN 3-540-23812-3, S. 12.
  2. Rudolf Graubner: Lexikon der Geologie, Minerale und Gesteine. Emil Vollmer Verlag, München 1980, ISBN 3-87876-327-1.

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Chrysocolla-23168.jpg
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Chrysokoll
Fundort: Ray Mine, Scott Mountain area, Mineral Creek District (Ray District), Dripping Spring Mts, Pinal County, Arizona, Vereinigte Staaten (Fundort bei mindat.org)
Ochtina Aragonite Cave 27.jpg
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Sandrose 2004 01.jpg
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Diese Sandrose (auch: Barytrose) ist ein bizarres Kristallgebilde, das aus Sandkörnern besteht, die in einen Kristall aus Baryt eingebettet sind. Barytrosen sind in Wasser unlöslichen. Sie entstehen unter seltenen Umständen in Sandlagern, so zum Beispiel in der Wetterau, wo sie in einigen Sandgruben gefunden werden können.
Fulgurit mineralogisches museum bonn.jpg
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Blitzröhren (Fulgurit) durch Blitzeinschlag geschmolzener Quarzsand. Senne/Westfalen, Mineralogisches Museum Bonn
Malachite botyroidal.jpg
Botryoidal malachite formations from Dodington mine, Bridgwater, Somerset, UK. Photograph taken at the Natural History Museum, London.
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Diadochit-Stalaktiten (hängende Tropfsteine) von bis zu 40 cm Länge in der Tropfsteingrotte des Besucherbergwerkes Alaunwerk Mühlwand bei Reichenbach (Vogtland/Sachsen). Foto: Lutz Eckner, 1995
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Tremolite
Locality : Aure Valley, Hautes-Pyrénées, Midi-Pyrénées, France
Size : 8.2 x 6.7cm
Hydrowoodwardite on wood - St Christoph Mine, Bärenhecke, Glashütte, Saxony, Germany.jpg
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Hydrowoodwardit auf Grubenholz
Fundort: Grube St. Christoph, Bärenhecke bei Glashütte, Erzgebirge, Sachsen, Deutschland
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Hämatit
Fundort: Egremont, West Cumberland Iron Field, North and Western Region (Cumberland), Cumbria, England, Vereinigtes Königreich (Fundort bei mindat.org)
Größe: 13.4 x 9.0 x 6.2 cm.
Berschweiler Agate (near Trier, Germany) (31942571364).jpg
Autor/Urheber: James St. John, Lizenz: CC BY 2.0

Agate ("Berschweiler Agate") from Germany. (Denver Museum of Nature & Science, Denver, Colorado, USA)

"Agate" is a rockhound/collector term for cavities in rocks (usually sedimentary rocks such as limestone or igneous rocks such as basalt) that have been partially or completely filled with irregularly concentric layers of microcrystalline, fibrous quartz (chalcedony - SiO2). Agate is quartz.
Schalenblende - Aachen.jpg
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Schalenblende mit Pyritlagen und wenig Galenit (Bleiglanz)
Fundort: Grube Schmalgraf bei Aachen - Ausgestellt im Mineralogischen Museum Bonn
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Auripigment (gelb) mit einem Restanteil Realgar (rot)
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Microcline feldspar variety Amazonite with smoky quartz from the Halpern Mineral Collection, Colorado, USA
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Rhodochrosit
Fundort: Capillitas Mine, Andalgalá, Catamarca, Argentinien (Fundort bei mindat.org)
Größe: 3.4 x 3.4 x 0.3 cm.
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Kakoxen (Bildbreite 3 mm)
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Galenit
Fundort: Dal'negorsk (Dalnegorsk; Tetyukhe; Tjetjuche; Tetjuche), Primorskiy Kray, Far-Eastern Region, Russland (Fundort bei mindat.org)