Michail Jakowlewitsch Suslin

Michail Jakowlewitsch Suslin (russisch Михаил Яковлевич Суслин; * 3. Novemberjul./ 15. November 1894greg. in Krassawka bei Saratow; † 21. Oktober 1919 in Moskau) war ein russischer Mathematiker, der wichtige Beiträge zur Maßtheorie und deskriptiven Mengenlehre lieferte.

Leben

Suslin studierte 1913 bis 1917 an der Lomonossow-Universität in Moskau und war ein Schüler von Nikolai Nikolajewitsch Lusin und Dmitri Fjodorowitsch Jegorow, in deren Seminar er Kommilitone von Wacław Sierpiński und Pawel Urysohn war. Suslin bewies dort 1916 das damals sensationelle Resultat, dass die von dem französischen Mathematiker Émile Borel eingeführten Borel-Mengen (B-Mengen) schon bei der Bildung von Projektionen von der Ebene auf eine Gerade keine Borel-Mengen sein müssen (wie Henri Lebesgue ursprünglich meinte bewiesen zu haben)[1]. Aus der folgenden Zusammenarbeit mit Lusin entstand die Theorie der A-Mengen (Suslin-Mengen oder analytische Mengen), die die Borel-Mengen umfasst[2]. Suslin charakterisierte auch die Borel-Mengen unter den analytischen Mengen als genau diejenigen, die selbst und deren Komplement analytisch sind. Die Veröffentlichung von 1917 war die einzige von Suslin. 1919 starb er an Typhus.

Bekannt ist Suslin auch durch die Suslin-Hypothese, veröffentlicht als Problem posthum im ersten Band der neu gegründeten Fundamenta Mathematicae.[3] Sie befasst sich mit der Charakterisierung der reellen Zahlen durch ihre Ordnungseigenschaften[4]. In den 1960er Jahren wurde gezeigt (durch Robert M. Solovay, Stanley Tennenbaum, Thomas Jech), dass sie wie die Kontinuumshypothese unabhängig von den Axiomen der Zermelo-Fraenkel-Mengenlehre ist.

Siehe auch

  • Satz von Suslin
  • Suslin-Operation

Literatur

  • Loren Graham, Jean-Michel Kantor: Naming Infinity: A True Story of Religious Mysticism and Mathematical Creativity. Harvard University Press 2009
  • Igoshin: A short biography of Mikhail Yakovlevich Souslin. In: Russian Mathematical Surveys. Bd. 51, 1996, Nr. 3, S. 371–383.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Suslin, Sur une définition des ensembles mesurables B sans nombres transfinis, Compte Rendu Acad. Sci. Paris, Bd. 164, 1917, S. 88–91
  2. Pawel Sergejewitsch Alexandrow behauptete später, Lusin hätte sie nach ihm benannt. Aus den Dokumenten im Lusin-Prozess, an dem Alexandrow unrühmlich beteiligt war, ergab sich aber 1999 (nach Alexandrows eigenen Aussagen), dass dies falsch war
  3. Suslin, Probleme 3, Fundamenta Mathematicae, Bd. 1, 1920, S. 223
  4. von Suslin nicht als Hypothese, sondern als Problem formuliert