Mergentheim (Adelsgeschlechter)

Mergentheim ist der Name von mehreren erloschenen stammverwandten fränkischen Adelsgeschlechtern, benannt nach Mergentheim, heute Bad Mergentheim an der Tauber im Main-Tauber-Kreis in Baden-Württemberg. Die Geschlechter aus dem Odenwald waren im Ritterkanton Odenwald organisiert.[1]
Lesch von Mergentheim
Die Lesch von Mergentheim erscheinen erstmals 1223 mit einem Hermann. 1269 treten Hermann Lesch, Konrad Lesch und Hermann Lesch junior auf. Frater Heinricus Lescho war 1296 commendator in Mergentheim, Hermann Lescho Ritter. Es folgten 1298 Bertoldus (Sützel) et Heinricus frater suus dictus Lesche de Mergentheim. 1336 wird der Edelknecht Rudiger Lesch von Mergentheim erwähnt. 1353 verkauften Heinz Lesch und Andreas Lesch ihren Besitz in Mergentheim an den Deutschen Orden. Edelknecht Hans Lesch von Mergentheim verkaufte 1394 mit seiner Mutter Peternella von Hartheim seinen Anteil am Zehnten zu Tambuch an die Gotteshauspflege zu Althausen.[2]
Reich von Mergentheim
Die Reich von Mergentheim waren Stammesgenossen der Lesch von Mergentheim. Rüdiger Reich von Mergentheim erscheint bereits 1269. 1285 finden sich Rudegerus dives und sein Bruder Martinis divitis, 1295 dann Rüdiger, Sohn des verstorbenen Rüdiger Reich (Rudiger filius quondam Rudgeri divitis). Rüdiger Reich von Mergentheim war 1300–1308 Komtur des Johanniterordens zu Mergentheim. Berthold, Sohn des Rüdiger, war 1319 Johanniter-Bruder. Rüdiger Reich kaufte 1327 Wachbach von Ulrich von Hohenlohe-Brauneck. 1343 verkauften Ritter Rüdiger Reich genannt von Mergentheim, seine Ehefrau Husa/Alhus, ihr Sohn Rüdiger sowie Elisabeth Truchsessin und Sophie, ihre Töchter, ihre Güter in Mergentheim an den Deutschen Orden. Im selben Jahr erhielt Rüdiger Reich von Mergentheim Güter in Mergentheim und Apfelbach von Herzog Stephan von Bayern zu Lehen. 1350 wiederum verkauften Rüdiger Reich von Mergentheim (Rudiger Riche von Wachbach) und seine Frau Alhus dem Kloster Schöntal Weinberge zu Mergentheim. Es folgte 1356 durch Rüdiger Reich von Mergentheim († 1368) und seine Frau ein Verkauf des Besitzes in Mergentheim an den Deutschen Orden. Ferner erscheint 1374 Edelknecht Berenger Reich von Mergentheim zu Wachbach. Derselbe verkaufte 1406 zusammen mit seinem Sohn ihr Fischwasser in Edelfingen an den Deutschen Orden.[3]
Sützel von Mergentheim

Auch die Sützel von Mergentheim waren Stammesgenossen der Lesch von Mergentheim. 1285 erscheint Berthold, Sohn des verstorbenen Rudger Sützel von Mergentheim (Bertholdus filius qondam Rudgeri Sutzel in Margentheim). 1291 werden Bertold genannt Sützel, Ritter von Mergentheim, und sein Bruder Heinrich genannt Lesche erwähnt. 1295 treten Martinus et Bertholdus dicti Sützel de Mergentheim auf. Berchtold Sützel von Mergentheim hatte 1303 ein Drittel des Zehnten in Neunkirchen und Althausen sowie die Vogtei zu Neuenkirchen vom Hochstift Würzburg zu Lehen. Martini Sützel von Mergentheim hatte 1396 die Burg Hornberg als Pfand von Würzburg inne. Rüdiger Sützel und seine Frau Margaretha von Leimbach verkauften 1413 ihren Hof zu Bächlingen, verschiedene weitere Güter und die Mühle zu Eberbach an die Kirche zu Kocherstetten. Rüdiger von Mergentheim genannt Sützel verkaufte 1419 seinen Anteil am Amt, Gericht und Vogtei Michelbach. 1444 kaufte Rüdiger Sützel von Mergentheim die Wein- und Getreidezehnten zu Althausen und Neunkirchen, das Gericht, die Vogtei, Zins etc. Zwei Jahre später verkaufte derselbe den Burgstall zu Bullingsbach, Zins, Güter zu Ebersbach, die Weinschenke, das Messneramt etc. an Kraft von Hohenlohe. Wilhelm Sützel besaß 1451 Goldbach, das Rüdiger Sützel 1454 an Fritz Geyer verkaufte. Weiprecht, Sohn des Rüdiger Sützel, schloss 1456 mit Agnes von Berlichingen eine Heiratsabrede. 1470 erscheinen Kaspar und Wilhelm Sützel von Mergentheim. 1479 weitete die Familie ihren Besitz in Unterbalbach durch Ankäufe von den Truchseß von Baldersheim weiter aus. Auch in Zaisenhausen und Lauda-Königshofen (1506) hatten sie Besitz.[1] Wilhelm von Mergentheim genannt Sützel empfing 1491 hohenlohische Mannlehen, dessen Sohn Melchior dieselben 1492. Diesem Melchior Sützel von Mergentheim wurde 1501 von einem Schiedsgericht das Kirchenlehen zu Neunkirchen und Althausen zugesprochen. 1523 erscheinen Martin und Rüdiger Sützel von Mergentheim. In jenem Jahr wurde die Untere Burg Unterbalbach im Rahmen einer Strafexpedition des Schwäbischen Bundes niedergebrannt, da Rüdiger Sützel von Mergentheim einer der Helfer des Raubritters Hans Thomas von Absberg (1477–1531) war.[1] 1550 verkaufte Wilhelm Sützel von Mergentheim zu Unterbalbach seine Hälfte an den Sützelschen Besitzungen und Rechten in Neunkirchen und Althausen an den Würzburger Amtmann von Bütthard Sebastian Geyer von Giebelstadt. Die andere Hälfte blieb zunächst seinem Bruder Christoph, die diese dann 1558 an Götz von Berlichingen verkaufte.[1] Diese beiden, Wilhelm und Christoph, waren die Letzten der Balbacher Linie, die 1579 erlosch. Ein anderer Christoph, Enkel des 1523 erwähnten Martin, war der Letzte der Sützel von Mergentheim.[4]
Martin von Mergentheim
Die Martin von Mergentheim (auch Mertin/Mertein von Mergentheim o. ä.) waren Stammesgenossen der Sützel von Mergentheim. Rüdiger Mertin, Katharina von Maienfels seine Schwester, und Bruder Mertin, Komtur des Johanniterhauses zu Mergentheim stifteten 1334 ein Seelengerät. Götz Mertin von Mergentheim verkaufte 1346 sein Gut zu Mergentheim zum Bau des Grabens um 6 Pfund. 1353 verkaufte Ritter Wiprecht Mertin von Mergentheim seinen Besitz zu Mergentheim an den Deutschen Orden für 1525 Pfund Heller. Edelknecht Eitel Martin verkaufte 1360 6,25 Morgen Weingarten an den Deutschen Orden. Im selben Jahr verkaufte sein Sohn Bezold Mertin von Mergentheim sein Gut zu Mergentheim an den Deutschen Orden. 1364 übergab Edelknecht Götz Martin sein Ritterrecht dem Deutschen Orden. Raban Martin von Mergentheim war 1370 Johanniterorden-Komtur zu Mergentheim. 1377 verkauften Eitel Martin von Mergentheim zu Dörzbach, seine Ehefrau Agnes und sein Sohn Bezold ihren Teil des Zehnten zu Neunkirchen und Althausen. Ritter Wyprecht Mertin von Mergentheim zu Balbach verkaufte 1379 Güter von Hobach an das Kloster Gnadenthal. Unter den Bürgen erscheint ein Ritter Ytel Martin. Konz und Wilhelm Martin verkauften 1386 ihre Hofrait in Mergentheim. Hans Martin von Mergentheim zu Unterbalbach und seine Ehefrau Beate verkauften 1400 ihre Häuser und Hofrait zu Mergentheim an den Deutschen Orden. Im 14. Jahrhundert ging auch das Dorf Messelhausen vollständig und das Schloss als Lehen aus dem Besitz der Grafen von Hohenlohe in das Eigentum der Martin von Mergentheim über. Diese verkauften beides im Jahr 1401 für 1430 Gulden an die Stadt Rothenburg ob der Tauber.[5] 1408 verkauften die Brüder Konz und Raban Martin alle ihre Güter zu Reisfeld an den Deutschen Orden. 1411 saßen zu Dörzbach die Brüder Hans und Eitel Martin von Mergentheim. Letzterer verkaufte 1421 zusammen mit seiner Ehefrau Anna von Adelsheim alle ihre Güter zu Königshofen an das Kloster Schöntal. Seine Schwester Agnes war mit Sintram von Neuwenburg vermählt. 1441 liehen Eitel und Hans Martin von Mergentheim zu Wachbach von der Frühmesse zu Althausen 40 Gulden. Derselbe Eitel verkaufte 1444 die Wein- und Getreidezehnten zu Althausen und Neunkirchen, das Gericht, die Vogtei, Zins etc. an Rüdiger Sützel von Mergentheim. Karl, Sohn des Eitel, übergab 1470 dem Deutschen Orden in Mergentheim das geistliche Lehen der Pfarrkirche zu Neunkirchen und der Frühmesse zu Althausen. Er stritt 1477 und 1481 mit denen von Berlichingen um Güter in Ailringen, Dörzbach und anderen Orten, die seinem Vater Eitel entzogen worden waren. Karl war der Letzte seines Geschlechts.[6]
Wappen
Die oben genannten Adelsgeschlechter führten ein identisches Wappen. Blasonierung: Von Schwarz und Silber schrägrechts geteilt. Auf dem Helm mit schwarz-silbernen Helmdecken der Rumpf einer schwarz bekleideten Mohrin oder eines nackten Mohrs.
- Wappen der Reich von Mergentheim in Siebmachers Wappenbuch
- Wappen der Sützel von Mergentheim in Siebmachers Wappenbuch
- Wappen der Martin von Mergentheim in Siebmachers Wappenbuch
- Wappen der Martin von Mergentheim im Ingeram-Codex
Literatur
- Gustav Adelbert Seyler: J. Siebmacher’s großes und allgemeines Wappenbuch, Bd. 6 (Abgestorbene, erloschene Geschlechter), 2. Abt.: Abgestorbener Württemberger Adel, Nürnberg 1911, S. 99 (uni-goettingen.de), 104 (uni-goettingen.de), 112 (uni-goettingen.de) und 196 (uni-goettingen.de) sowie Tfln. 57 (uni-goettingen.de), 59 (uni-goettingen.de), 62 (uni-goettingen.de) und 106 (uni-goettingen.de).
- Johann Siebmacher: Johann Siebmachers allgemeines großes und vollständiges Wappenbuch, 2. Teil, 12. Ausgabe, Nürnberg 1772, Tfl. 74 (uni-goettingen.de) (Wappen hier spiegelverkehrt).
Weblinks
- Sützel von Mergentheim zu Balbach auf pro-region.de.
Einzelnachweise
- ↑ a b c d Sützel von Mergentheim zu Balbach auf pro-region.de, abgerufen am 29. Oktober 2025.
- ↑ Seyler (1911), S. 196.
- ↑ Seyler (1911), S. 104.
- ↑ Seyler (1911), S. 112.
- ↑ Hans Georg Zier, Julius Friedrich Kastner: Wappenbuch des Landkreises Tauberbischofsheim. W. Kohlhammer, Stuttgart 1967, S. 147.
- ↑ Seyler (1911), S. 99.
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Wappen der Lesch von Mergentheim
Wappen der Sützel von Mergentheim
Wappen der Reich von Mergentheim
Wappen der Familie von Sützel
Holzschnitt von Hans Wandereisen
Wappen der Martin von Mergentheim