Marschalskoje

Siedlung
Marschalskoje
(Königlich) Gallgarben

Маршальское
FöderationskreisNordwestrussland
OblastKaliningrad
RajonGurjewsk
Gegründet1317
Frühere NamenGailgarben (nach 1317),
Geilgarben (um 1500),
Geylgarben (um 1542),
Geillgarben (nach 1565),
Königlich Gallgarben (bis 1928),
Gallgarben (1928–1946)
Bevölkerung805 Einwohner
(Stand: 1. Okt. 2021)[1]
ZeitzoneUTC+2
Telefonvorwahl(+7) 40151
Postleitzahl238317
Kfz-Kennzeichen39, 91
OKATO27 209 000 073
Geographische Lage
Koordinaten54° 53′ N, 20° 44′ O
Marschalskoje (Europäisches Russland)
Marschalskoje (Europäisches Russland)
Lage im Westteil Russlands
Marschalskoje (Oblast Kaliningrad)
Marschalskoje (Oblast Kaliningrad)
Lage in der Oblast Kaliningrad

Marschalskoje (russisch Маршальское, deutsch (Königlich) Gallgarben) ist ein Ort in der russischen Oblast Kaliningrad. Er liegt im Rajon Gurjewsk und gehört zur kommunalen Selbstverwaltungseinheit Stadtkreis Gurjewsk.

Geographische Lage

Marschalskoje liegt 23 Kilometer nordöstlich der Stadt Kaliningrad (Königsberg) an einer Nebenstraße, die von Dobrino (Nautzken) an der russischen Fernstraße A 190 über Nowgorodskoje (Mettkeim) und Uslowoje ((Königlich) Neuendorf) nach Pirogowo (Sudnicken) führt. Bahnstation ist der acht Kilometer entfernte Haltepunkt Bajewka I (bis 1945 Kuggen) an der Bahnstrecke Kaliningrad–Sowetsk (Königsberg–Tilsit). Vor 1945 bestand außerdem über Sudnicken (russisch: Pirogowo) Bahnanschluss an die Bahnstrecke Prawten-Schaaksvitte (Lomonossowo–Kaschirskoje) der Königsberger Kleinbahn.

Geschichte

Das Dorf geht in seiner Gründung auf das Jahr 1317 zurück.[2] Von 1874 bis 1945 war Gallgarben Sitz und namensgebender Ort des neu geschaffenen Amtsbezirks Gallgarben[3], der zum Landkreis Königsberg (Preußen) (1939 bis 1945 Landkreis Samland) im Regierungsbezirk Königsberg der preußischen Provinz Ostpreußen gehörte.

Zwei Kilometer nördlich lag ein Ort gleichen Namens (heute russisch: Opuschki), der den Namenszusatz Adlig erhielt. Im Gegenzug wurde das Amtsdorf Gallgarben Königlich genannt. Im Jahre 1910 lebten in Adlig Gallgarben 78, in Königlich Gallgarben 326 Einwohner[4]. Am 30. September 1928 schlossen sich die Landgemeinde Königlich Gallgarben und der Gutsbezirk Adlig Gallgarben zur neuen Landgemeinde Gallgarben zusammen.

Die Einwohnerzahl dieser neu gebildeten Gemeinde betrug 1933 insgesamt 500, sie steigerte sich bis 1939 auf 557[5], nachdem am 1. Oktober 1935 das Nachbardorf Dogehnen (russisch: Chlebnikowo, nicht mehr existent) eingemeindet worden war.

Infolge des Zweiten Weltkrieges kam Gallgarben mit dem nördlichen Ostpreußen zur Sowjetunion und wurde im Jahr 1947 in „Marschalskoje“ umbenannt.[6] Gleichzeitig wurde der Ort in den Dorfsowjet Saliwenski selski Sowet eingeordnet. Im Jahr 1954 wurde Marschalskoje selber Sitz eines Dorfsowjets. Von 2008 bis 2013 gehörte der Ort zur Landgemeinde Chrabrowskoje selskoje posselenije und seit deren Auflösung zum Stadtkreis Gurjewsk.

Einwohnerentwicklung

JahrEinwohner[7]Bemerkungen
1910326
1933500Einschließlich Adlig Gallgarben
1939557Einschließlich Adlig Gallgarben und Dogehnen
2002635
2010686

Amtsbezirk Gallgarben (1874–1945)

Am 30. April 1874 wurde Königlich Gallgarben Amtssitz des neu gebildeten Amtsbezirks Gallgarben mit den Landgemeinden bzw. dem Gutsbezirk:[3]

NameRussischer NameBemerkungen
Landgemeinden:
DogehnenChlebnikowo1935 in die Gemeinde Gallgaben eingegliedert
Königlich GallgarbenMarschalskoje1928 mit Adlig Gallgarben zur
Landgemeinde Gallgarben zusammengeschlossen
PerwissauRoschkowo1905 in einen Gutsbezirk umgewandelt
Gutsbezirk:
Adlig GallgarbenOpuschki1928 mit Königlich Gallgarben zur
Landgemeinde Gallgarben zusammengeschlossen
Erst 1930 eingegliederte Landgemeinden:
(Königlich) NeuendorfUslowojevorher Amtsbezirk Damerau (Sokolowka)
KropiensGajewovorher Amtsbezirk Damerau (Sokolowka)

Zu Beginn des Jahres 1945 gehörten noch die vier Gemeinde Gallgarben, Kropiens, Neuendorf und Perwissau zum Amtsbezirk Gallgarben.

Marschalski selski Sowet/okrug 1954–2008

Der Dorfsowjet Marschalski selski Sowet (ru. Маршальский сельский Совет) wurde im Juni 1954 als Zusammenschluss der beiden aufgelösten Dorfsowjets Kaschirski selski Sowet und Saliwenski selski Sowet eingerichtet.[8] Zu diesem Zeitpunkt oder etwas später wurden auch einige Orte aus dem Kosmodemjanski selski Sowet angeschlossen. Nach dem Zerfall der Sowjetunion bestand die Verwaltungseinheit als Dorfbezirk Marschalski selski okrug (ru. Маршальский сельский округ). Im Jahr 2008 wurden die verbliebenen Orte des Dorfbezirks in die neu gebildete Landgemeinde Chrabrowskoje selskoje posselenije eingeordnet.

OrtsnameName bis 1947/50Bemerkungen
Clebnikowo (Хлебниково)DogehnenDer Ort wurde 1950 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Saliwenski eingeordnet. Er wurde vor 1988 verlassen.
Gajewo (Гаево)KropiensDer Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Saliwenski eingeordnet.
Georgijewskoje (Георгиевское)KonradshorstDer Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Kosmodemjanski eingeordnet.
Glucharjowo (Глухарёво)Brandt [Fh.]Der Ort wurde 1950 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Saliwenski eingeordnet. Er wurde vor 1975 an den Ort Saliwnoje angeschlossen.
Iljitschjowo (Ильичёво)GörkenDer Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Kosmodemjanski eingeordnet.
Kaschirskoje (Каширское)SchaaksvitteDer Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst der Verwaltungssitz des Dorfsowjets Kaschirski.
Krasnopolje (Краснополье)RegittenDer Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Kaschirski eingeordnet.
Lasowskoje (Лазовское)TrömpauDer Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Kosmodemjanski eingeordnet.
Lessossekowo (Лесосеково)SalleckenDer Ort wurde 1950 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Kosmodemjanski eingeordnet. Er wurde 1997 aus dem Ortsregister gestrichen.
Lipowka (Липовка)TarpienenDer Ort wurde 1950 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Kosmodemjanski eingeordnet. Er wurde vor 1975 verlassen.
Liski (Лиски)KingittenDer Ort wurde 1950 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Saliwenski eingeordnet.
Marschalskoje (Маршальское)(Königlich) GallgarbenDer Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Saliwenski eingeordnet. Verwaltungssitz
Naumowka (Наумовка)GermehnenDer Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Saliwenski eingeordnet.
Nekrassowo (Некрасово)Liska-SchaakenDer Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Kaschirski eingeordnet.
Opuschki (Опушки)Adlig GallgarbenDer Ort wurde 1950 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Saliwenski eingeordnet.
Owraschnoje (Овражное)NickelsdorfDer Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Kaschirski eingeordnet.
Pawlowo (Павлово)GinthiedenDer Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Saliwenski eingeordnet. Er wurde vor 1975 verlassen.
Petrowka (Петровка)SperlingsDer Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Kaschirski eingeordnet. Er wurde vor 1975 an den Ort Krasnopolje angeschlossen.
Pirogowo (Пирогово)SudnickenDer Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Kaschirski eingeordnet.
Prawdino (Правдино)ThiemsdorfDer Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Kaschirski eingeordnet.
Pridoroschnoje (Придорожное)KirschappenDer Ort wurde 1950 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Kaschirski eingeordnet.
Primorskoje (Приморское)SteinortDer Ort wurde 1950 umbenannt und war zunächst (fälscherweise ?) in den Dorfsowjet Nowoselski eingeordnet. Er wurde vor 1975 verlassen.
Puschkinskoje (Пушкинское)bei GallgarbenDer Ort wurde 1950 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Saliwenski eingeordnet.
Roschkowo (Рожково)PerwissauDer Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Saliwenski eingeordnet.
Rutschji (Ручьи)MückenhofDer Ort wurde 1950 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Saliwenski eingeordnet. Er wurde vor 1975 an den Ort Saliwnoje angeschlossen.
Saliwnoje (Заливное)Postnicken, Grünwalde, Jägertal, Palwe und Möwenhof[9]Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst der Verwaltungssitz des Dorfsowjets Saliwenski.
Schemtschuschnoje (Жемчужное)Kirche SchaakenDer Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Kaschirski eingeordnet.
Selenopolje (Зеленополье)KrumteichDer Ort wurde 1950 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Kosmodemjanski eingeordnet.
Starorusskoje (Старорусское)EythienenDer Ort wurde 1950 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Kaschirski eingeordnet.
Stepnoje (Степное)PowarbenDer Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Kosmodemjanski eingeordnet.
Tschaikino (Чайкино)RinauDer Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Saliwenski eingeordnet.
Uslowoje (Узловое)(Königlich) NeuendorfDer Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Saliwenski eingeordnet.
Wassiljewskoje (Василевское)WesselshöfenDer Ort wurde 1950 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Kaschirski eingeordnet.

Auch der Ort Kijewskoje (Schmiedehnen), der zunächst bis 1954 zum Kaschirski selski Sowet gehört hatte, gehörte dann vermutlich (mindestens) bis 1958 zum Marschalski selski Sowet, bevor er dann in den Muromski selski Sowet im Rajon Primorsk (Rajon Selenogradsk) eingegliedert wurde.

Kirche

Vor 1945 waren die Einwohner Gallgarbens fast ausschließlich evangelischer Konfession. Sie waren in das Kirchspiel Schaaken mit Sitz in Schemtschuschnoje (Kirche Schaaken) eingepfarrt, das zum Kirchenkreis Königsberg-Land II in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union gehörte. Heute gibt es in Marschalskoje selbst eine kleine evangelisch-lutherische Kirchengemeinde als Zentrum für die umliegenden Ortschaften. Sie ist eine Filialgemeinde der Auferstehungskirchengemeinde in Kaliningrad (Königsberg) innerhalb der Propstei Kaliningrad[10] der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland (ELKER).

Einzelnachweise

  1. Таблица 1.10 «Численность населения городских округов, муниципальных районов, муниципальных округов, городских и сельских поселений, городских населенных пунктов, сельских населенных пунктов» Программы итогов Всероссийской переписи населения 2020 года, утвержденной приказом Росстата от 28 декабря 2021г. № 963, с данными о численности постоянного населения каждого населенного пункта Калининградской области. (Tabelle 1.10 „Bevölkerungsanzahl der Stadtkreise, munizipalen Rajons, Munizipalkreise, städtischen und ländlichen Siedlungen [insgesamt], städtischen Orte, ländlichen Orte“ der Ergebnisse der Allrussischen Volkszählung von 2020 [vollzogen am 1. Oktober 2021], genehmigt durch die Verordnung von Rosstat vom 28. Dezember 2021, Nr. 963, mit Angaben zur Zahl der Wohnbevölkerung jedes Ortes der Oblast Kaliningrad.)
  2. Ortsinformationen Bildarchiv Ostpreußen: Gallgarben
  3. a b Rolf Jehke: Amtsbezirk Gallgarben
  4. Uli Schubert, Gemeindeverzeichnis, Landkreis Königsberg
  5. Michael Rademacher: Landkreis Samland. Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006. In: eirenicon.com.
  6. Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 17 ноября 1947 г. «О переименовании населённых пунктов Калининградской области» (Erlass des Präsidiums des Obersten Rats der RSFSR vom 17. November 1947: Über die Umbenennung der Orte der Oblast Kaliningrad)
  7. Volkszählungsdaten
  8. Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 16 июня 1954 г. № 744/54 «Об объединении сельских советов Калининградской области» (Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der RSFSR vom 16. Juni 1954, Nr. 744/54: Über die Vereinigung von Dorfsowjets der Oblast Kaliningrad)
  9. Umbenannt wurde nur Postnicken
  10. Evangelisch-lutherische Propstei Kaliningrad (Memento desOriginals vom 29. August 2011 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.propstei-kaliningrad.info

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